Transit über die Sonne: Venus-Spektakel begeistert Astrofans weltweit

Etwas Ähnliches gibt es erst in 105 Jahren zu sehen: Bis 6.55 Uhr am Morgen hat sich die Venus wie eine dunkle Scheibe über die Sonne geschoben. Weltweit bestaunten Zehntausende das Himmelsphänomen. In Deutschland hatten die Astro-Fans nur im Osten Glück - im Westen versperrten Wolken die Sicht.

Hamburg - Der nächste Venus-Transit wird sich erst im Jahr 2117 ereignen: Das war Grund genug für Zehntausende Menschen weltweit, sich das Himmelsereignis anzusehen. Mit Schutzbrillen ausgestattet, verfolgten sie die Passage der Venus vor der Sonne. Der Planet war als keiner schwarzer Punkt vor der riesigen Sonnenscheibe zu sehen.

In Deutschland, wo man nach Sonnenaufgang nur die letzten eineinhalb Stunden des Spektakels beobachten konnte, hatten sich viele wackere Venus-Fans den Wecker gestellt. Doch nicht alle, die so früh aufgestanden waren, konnten den Transit auch sehen. Im Westen der Republik versperrten vielerorts dichte Wolken den Blick auf das Spektakel. Im Osten allerdings herrschte freie Sicht.

"Der größte Teil hat leider Pech gehabt. Dazu ist die Front mit den Wolkengebieten doch zu schnell reingekommen", sagte Meteorologe Torsten Walter vom Deutschen Wetterdienst. Letztlich hatten nur 20 Prozent der Menschen in Deutschland die Chance, das Schauspiel zu sehen. Im Hamburger Planetarium hatten sich gegen 6 Uhr früh etwa 600 Interessierte versammelt, um in 40 Metern Höhe bei guter Sicht das Himmelsspektakel zu verfolgen.

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Spektakel: Venus-Transit lockt Astro-Fans an die Teleskope
In der philippinischen Hauptstadt verzogen sich Dunstschwaden kurz nach Sonnenaufgang und machten einen klaren Blick auf die Sonne frei. Der Deutsche Mark Vornhusen arbeitet in Manila bei einem Wetterdienst und nahm das Ereignis mit einer speziell ausgestatteten Videokamera auf. "Ich denke daran, was die Leute in 105 Jahren wohl für technische Möglichkeiten haben werden", sagte er.

"Wir haben Glück, in einen Zeitalter geboren zu sein, wo wir dies beobachten können", sagte der Direktor des philippinischen Instituts für Astronomie, Armando Lee. Er hatte extra seinen sechsjährigen Sohn mitgebracht, um das in seinem Leben einmalige Phänomen zu sehen. In Los Angeles strömten Planetenfreunde zum Griffith-Observatorium, wo Teleskope mit speziellen Filtern aufgestellt waren.

"Das ist etwas, worüber wir den Rest unseres Lebens reden", sagte Jamie Jetton, die mit ihren zwei Neffen aus Arizona gekommen war. In Hawaii stellten sich Hunderte Menschen am Strand von Waikiki an, wo die Universität acht Teleskope bereitstellte. Nur wenige Minuten, nachdem die Venus wie ein Floh auf einer Zitronenscheibe aufgetaucht war, schoben sich jedoch Wolken vor die Sonne.

In Hongkong hatten sich Tausende Menschen freigenommen, um die Venus vor der Sonne zu beobachten. Das Weltraummuseum hatte der Öffentlichkeit Teleskope zur Verfügung gestellt. "Chinesen sind immer schon an solchen Himmelsphänomenen besonders interessiert gewesen", sagte Chau Hoi Fung, Astrophysiker an der Universität von Hongkong. "Wir haben sehr detaillierte Aufzeichnungen. Die chinesischen Kaiser glaubten früher, dass ihre Herrschaft von den Sternen vorbestimmt ist."

Australien galt als besonders guter Beobachtungsstandort, dort konnte man die Venuspassage bei klarem Himmel vollständig sehen. Sie dauert mehr als sechs Stunden. In Melbourne hatten sich Regenwolken kurz vor Sonnenaufgang aufgelöst. In zahlreichen Städten hatten astronomische Gesellschaften öffentliche Beobachtungsstationen eingerichtet.

Der Transit ist wie eine Mini-Sonnenfinsternis. Die Venus schiebt sich als kleines, dunkles Scheibchen vor die leuchtende Sonne. Der dunkle Fleck ist jedoch leicht zu übersehen. Denn die Kontur der Venus erscheint nur rund ein Promille so groß wie die Sonnenscheibe.

Bei dem Ereignis am Mittwoch handelt es sich um den siebten sichtbaren Venus-Transit, seit der deutsche Astronom Johannes Kepler das Phänomen im 17. Jahrhundert zum ersten Mal voraussagte. Der britische Seefahrer James Cook hatte das Phänomen 1769 genutzt, um den Abstand der Erde zur Sonne zu berechnen. Heute nutzen die Astronomen für ihre Untersuchungen Atomuhren, GPS-Geräte und hochauflösende Teleskope.

ala/dpa/dapd

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Mann Mann Mann...
wza2000 06.06.2012
Zitat von sysopDPAWeltweit haben Zehntausende kurz nach Sonnenaufgang die Venus als schwarzen Fleck vor der Sonne bestaunt. In Deutschland hatten nur die Astro-Fans nur im Osten Glück - im Westen versperrten dichte Wolken die freie Sicht auf das Spektakel. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,837193,00.html
...normalerweise bin ich ja kein Rechtschreibfetischist und diesbezüglich ziemlich fehlertolerant. Aber die "Vereinigten Arabischen Emeriten" in der Bildunterschrift sind wirklich der Hammer. Sehr traurig SPON.
2. Perfekte Sicht in Wien
Bastian90 06.06.2012
Ich habe den Transit soeben in Wien erlebt. Der Himmel war absolut klar. Perfekte Sicht! Wunderschönes Ereignis, das wir alle nie wieder erleben werden.
3. Jeder nach seiner Facon
Lorbeerblatt 06.06.2012
"Wir haben Glück, in einen Zeitalter geboren zu sein, wo wir dies beobachten können" und "Das ist etwas, worüber wir den Rest unseres Lebens reden" Ich gebe zu, dass ich die Euphorie nicht ganz teilen kann. Die Sonnenfinsternis OK - das war ein wirklich beeindruckends Schauspiel, schon alleine deshalb, weil mindestens im Kernschatten nicht nur ein rein optisches Spektakel, sondern eines für alle Sinne. Aber dass der Venusdurchlauf, ein kleiner schwarzer Punkt, der genauso ein Fleck auf der Linse sein könnte, dermaßen erschütterte Reaktionen hervorruft, ist außerhalb meiner Erlebniswelt. Jeder hat so seine eigenen Vorlieben ;-)
4. Gähn
KnoKo 06.06.2012
TV, Radio, Printmedien - so ein Hype, nur weil sich die Venus zwischen Sonne und Erde schiebt? Und was genau (außer der Tatsache, dass das in menschlichen Maßstäben relativ selten vorkommt) ist daran jetzt so besonders?
5. Vorlieben
hk1963 06.06.2012
Zitat von Lorbeerblatt"Wir haben Glück, in einen Zeitalter geboren zu sein, wo wir dies beobachten können" und "Das ist etwas, worüber wir den Rest unseres Lebens reden" Ich gebe zu, dass ich die Euphorie nicht ganz teilen kann. Die Sonnenfinsternis OK - das war ein wirklich beeindruckends Schauspiel, schon alleine deshalb, weil mindestens im Kernschatten nicht nur ein rein optisches Spektakel, sondern eines für alle Sinne. Aber dass der Venusdurchlauf, ein kleiner schwarzer Punkt, der genauso ein Fleck auf der Linse sein könnte, dermaßen erschütterte Reaktionen hervorruft, ist außerhalb meiner Erlebniswelt. Jeder hat so seine eigenen Vorlieben ;-)
Solange sich noch Menschen von solche Ereignissen beeindrucken lassen, ist die Menschheit nicht verloren :) Natürlich ist das ganze rein optisch keine sehr sektakuläre Angelegenheit ist. Aber wenn man sich vorstellen kann, dass dieser kleine Punkt so groß wie unsere Erde ist, der da vor einem riesigen Feuerball vorbeizieht... Da bekommt man mal wieder Masstäbe gesetzt.
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