Hamburg - Der nächste Venus-Transit wird sich erst im Jahr 2117 ereignen: Das war Grund genug für Zehntausende Menschen weltweit, sich das Himmelsereignis anzusehen. Mit Schutzbrillen ausgestattet, verfolgten sie die Passage der Venus vor der Sonne. Der Planet war als keiner schwarzer Punkt vor der riesigen Sonnenscheibe zu sehen.
In Deutschland, wo man nach Sonnenaufgang nur die letzten eineinhalb Stunden des Spektakels beobachten konnte, hatten sich viele wackere Venus-Fans den Wecker gestellt. Doch nicht alle, die so früh aufgestanden waren, konnten den Transit auch sehen. Im Westen der Republik versperrten vielerorts dichte Wolken den Blick auf das Spektakel. Im Osten allerdings herrschte freie Sicht.
"Der größte Teil hat leider Pech gehabt. Dazu ist die Front mit den Wolkengebieten doch zu schnell reingekommen", sagte Meteorologe Torsten Walter vom Deutschen Wetterdienst. Letztlich hatten nur 20 Prozent der Menschen in Deutschland die Chance, das Schauspiel zu sehen. Im Hamburger Planetarium hatten sich gegen 6 Uhr früh etwa 600 Interessierte versammelt, um in 40 Metern Höhe bei guter Sicht das Himmelsspektakel zu verfolgen.
"Wir haben Glück, in einen Zeitalter geboren zu sein, wo wir dies beobachten können", sagte der Direktor des philippinischen Instituts für Astronomie, Armando Lee. Er hatte extra seinen sechsjährigen Sohn mitgebracht, um das in seinem Leben einmalige Phänomen zu sehen. In Los Angeles strömten Planetenfreunde zum Griffith-Observatorium, wo Teleskope mit speziellen Filtern aufgestellt waren.
"Das ist etwas, worüber wir den Rest unseres Lebens reden", sagte Jamie Jetton, die mit ihren zwei Neffen aus Arizona gekommen war. In Hawaii stellten sich Hunderte Menschen am Strand von Waikiki an, wo die Universität acht Teleskope bereitstellte. Nur wenige Minuten, nachdem die Venus wie ein Floh auf einer Zitronenscheibe aufgetaucht war, schoben sich jedoch Wolken vor die Sonne.
In Hongkong hatten sich Tausende Menschen freigenommen, um die Venus vor der Sonne zu beobachten. Das Weltraummuseum hatte der Öffentlichkeit Teleskope zur Verfügung gestellt. "Chinesen sind immer schon an solchen Himmelsphänomenen besonders interessiert gewesen", sagte Chau Hoi Fung, Astrophysiker an der Universität von Hongkong. "Wir haben sehr detaillierte Aufzeichnungen. Die chinesischen Kaiser glaubten früher, dass ihre Herrschaft von den Sternen vorbestimmt ist."
Australien galt als besonders guter Beobachtungsstandort, dort konnte man die Venuspassage bei klarem Himmel vollständig sehen. Sie dauert mehr als sechs Stunden. In Melbourne hatten sich Regenwolken kurz vor Sonnenaufgang aufgelöst. In zahlreichen Städten hatten astronomische Gesellschaften öffentliche Beobachtungsstationen eingerichtet.
Der Transit ist wie eine Mini-Sonnenfinsternis. Die Venus schiebt sich als kleines, dunkles Scheibchen vor die leuchtende Sonne. Der dunkle Fleck ist jedoch leicht zu übersehen. Denn die Kontur der Venus erscheint nur rund ein Promille so groß wie die Sonnenscheibe.
Bei dem Ereignis am Mittwoch handelt es sich um den siebten sichtbaren Venus-Transit, seit der deutsche Astronom Johannes Kepler das Phänomen im 17. Jahrhundert zum ersten Mal voraussagte. Der britische Seefahrer James Cook hatte das Phänomen 1769 genutzt, um den Abstand der Erde zur Sonne zu berechnen. Heute nutzen die Astronomen für ihre Untersuchungen Atomuhren, GPS-Geräte und hochauflösende Teleskope.
ala/dpa/dapd
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