Zehnter Planet Ein Mond begleitet Xena

Er ist nicht allein: "Xena", der möglicherweise zehnte Planet des Sonnensystems, wird offenbar von einem Mond umkreist. Doch der Forscher-Streit ist damit noch lange nicht entschieden: Ist "Xena" ein Planet oder nicht?


Planetenkandidat Xena (Zeichnung): 20 Prozent größer als der "Pluto"
AP

Planetenkandidat Xena (Zeichnung): 20 Prozent größer als der "Pluto"

Als sie die störenden Schleier der irdischen Atmosphäre gelüftet hatten, erschien den Forschern "Gabrielle". Sie schimmerte hundertmal schwächer als ihr Mutterklumpen Xena, doch für Michael Brown Team vom California Institute of Technology gab es kein Zweifel: Der möglicherweise zehnte Planet des Sonnensystems hat einen Mond.

Mit einem speziellen optischen Verfahren, das so scharfe Bilder liefert wie ein Weltraumsteleskop, hatten die Himmelsforscher den Trabanten schon im September entdeckt. Nun haben sie ihre Ergebnisse beim Fachmagazin "Astrophysical Journal Letters" eingereicht. Den Trabanten tauften sie in Anlehnung an die beliebte US-Serie "Xena", in der die Titelheldin in jeder Folge von ihrer Begleiterin Gabrielle unterstützt wird.

"Seit wir Xena entdeckt haben, war die große Frage, ob sie einen Mond hat oder nicht", erklärte Brown. Lapidar fügt er hinzu: "Einen Mond zu haben ist einfach cool, und die meisten Planeten mit Selbstachtung haben einen." Damit steigen die Chancen, dass Xena beim Treffen der Internationalen Astronomischen Union (IAU) 2006 in Prag als Planet anerkannt wird.

Zwar ist ein Mond kein zwingendes Kriterium für einen Planeten: Weder Merkur noch Venus leisten sich einen Trabanten. Einige Asteroiden hingegen haben sogar mehrere ständige Begleiter. Doch die Mond-Entdeckung bringt die Astronomen einen Schritt näher zur möglichen Anerkennung Xenas. Denn mit einer speziellen Formel können die Forscher aus der genauen Umlaufbahn des Mondes die Masse des Planetoiden berechnen. "Es ist der einzige Weg, Xenas Masse zu berechnen - weil sie einen Mond hat", erklärte Brown.

Auf die Masse kommt es an

Als Browns Team im Juli meldete, einen zehnten Planeten am Rande des Sonnensystems entdeckt zu haben, war die Fachwelt noch skeptisch. Die Masse des Brockens könnte die Experten der IAU jedoch überzeugen. Mit einem Durchmesser von etwa 2700 Kilometern ist Xena bereits größer als Pluto. Wäre der Himmelskörper auch noch massereicher, gilt es als wahrscheinlich, dass die IAU im nächsten Jahr positiv entscheiden wird - und Xena als zehnter Planet in die Astronomie-Bücher eingeht.

Doch bis dahin wartet noch viel Arbeit auf die US-Wissenschaftler. Bisher schätzen sie, dass der Trabant nur ein Zehntel so groß ist wie Xena. Doch um die Größe genauer bestimmen zu können, fehlen den Astronomen Informationen über die Zusammensetzung des Mondes.

Dabei kommt es vor allem auf den Eisanteil an: Die meisten Objekte im sogenannten Kuiper-Gürtel, einer Ansammlung von Kometen jenseits von Neptun und Pluto, sind Gesteins- und Eisklumpen. Je mehr Eis sie enthalten, desto mehr Licht reflektieren sie - und desto größer erscheinen sie im Teleskop. Das gilt auch für den Trabanten "Gabrielle". Mit dem Hubble-Teleskop wollen die Forscher ihn nun im November und Dezember genauer unter die Lupe nehmen - und so auch die entscheidende Frage nach Xenas Masse beantworten.



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