Satellitenbild der Woche Der sterbende See

Einst war er so groß wie Mecklenburg-Vorpommern, dann schrumpfte der Tschadsee auf die Fläche von Bremen. Geht es so weiter, ist er bald völlig ausgetrocknet. Doch Forscher glauben an ein Comeback.

Tschadsee
NASA/ Jesse Allen/ U.S. Geological Survey

Tschadsee


In einem riesigen Becken im Westen Zentralafrikas, am Südrand der Sahara liegt ein kleiner blauer Punkt: der Tschadsee. Der See und das mit ihm verbundene System aus Flüssen sind eine wichtige Wasserquelle für mehr als 30 Millionen Menschen. Doch der Tschadsee schrumpft dramatisch, wie Satellitenbilder zeigen. In den vergangenen 50 Jahren hat er den Großteil seines Wassers verloren.

Der Süßwassersee ist nur sieben Meter tief. Bei Dürre trocknet er deshalb schneller aus als tiefere Gewässer. Der Monsunregen zwischen Juni und August füllt den See eigentlich wieder auf. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Zufluss jedoch deutlich reduziert. Gleichzeitig ist wegen der Trockenheit auch der Wasserverbrauch gestiegen.

Auf den ersten Satellitenbildern in den Sechzigerjahren umfasste der Tschadsee noch eine Fläche von 22.000 Quadratkilometern. In den Siebzigern schrumpfte er innerhalb weniger Jahre dramatisch - siehe Bild unten. Ende der Achtzigerjahre maß der See nur noch 300 Quadratkilometer. Wissenschaftler wollten ihn schon umbenennen in Trockener Kleiner Tschadsee.

Satellitenaufnahmen des Tschadsees von 1973, 1976 und 1979
NASA/ Jesse Allen/ U.S. Geological Survey

Satellitenaufnahmen des Tschadsees von 1973, 1976 und 1979

1999 kam die Wende: Der nördliche Bereich des Sees, der bereits komplett ausgetrocknet war, füllte sich wieder mit Wasser. Die Ursache ist noch nicht abschließend geklärt. Wissenschaftler vermuten jedoch, dass Temperaturunterschiede im Nordatlantik dafür verantwortlich sein könnten. Diese schwanken regelmäßig zwischen kalten und warmen Phasen. Ende der Neunzigerjahre begann erneut eine wärmere, feuchtere Phase.

Aber der Tschadsee erholt sich trotzdem nur langsam, wie ein Satellitenbild zeigt, das nun veröffentlicht wurde. Der Operational Land Imager an Bord des Nasa-Satelliten "Landsat 8" hat das Bild aufgenommen. Er misst das Infrarotlicht, das Wissenschaftler beliebig einfärben können. Es handelt sich bei dem Bild daher um eine Falschfarbendarstellung. Alles was im Bild rot erscheint, ist die Vegetation um den See. Die blauen und grauen Flächen sind Wasser.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

In den vergangenen Jahren hat sich der Wasserspiegel des Sees wieder stabilisiert. Er schrumpft nicht mehr und könnte zukünftig sogar wieder wachsen. Forscher vermuten, dass sich unterhalb des Sees Grundwasserreservoirs befinden, die den Tschadsee wieder auffüllen könnten.

Genauere Untersuchungen sind jedoch derzeit kaum möglich. Die Region um den Tschadsee gilt als gefährlich. Es drohen noch immer Anschläge der Terrororganisation Boko Haram. Durch die anhaltende Dürre in der ohnehin vernachlässigten Region sind Landwirtschaft und lokale Wirtschaft beinahe völlig kollabiert. "Die Entwicklung des Tschadsees zu verstehen, ist für die angrenzenden Länder überlebenswichtig", sagt Teodolina Lopez, Wissenschaftlerin International Space Science Institute in der Schweiz.

koe

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Seite 1
bokrause 15.01.2018
1. Der Sahel wird grüner
Und auch die Sahara profitiert vom Klimawandel. Die Savannen schieben sich seit Jahren nach Norden und die Steppen erobern viele Wüstenflächen. Deshalb konnten unter anderem die Bewegungen verschiedener Dschihdisten Gruppen nur schwer verfolgt werden, sonst hätte die Überwachung der Brunnen genügt.
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