Zentrum der Milchstraße: Schwarzes Loch zerrt an Gaswolke

Todgeweihte Gaswolke (grafische Darstellung): "Genauso müsste es einem unglücklichen Astronauten ergehen" Zur Großansicht
EPA / ESO / Gillessen / MPE / Schartmann

Todgeweihte Gaswolke (grafische Darstellung): "Genauso müsste es einem unglücklichen Astronauten ergehen"

Woher die Wolke kommt, wissen die Astronomen nicht - doch ihr Schicksal kennen sie: Eine kleine Gaswolke kommt dem Schwarzen Loch im Herzen unserer Heimatgalaxie derzeit zu nahe. Sie wird von unvorstellbaren Kräften traktiert.

Irgendwann gibt kein Entrinnen mehr. Schwarze Löcher haben eine so große Anziehungskraft, dass weder Material noch Licht aus ihnen entweichen können, wenn sie sich zu sehr nähern. Auch im Zentrum der Milchstraße gibt es solch einen kosmischen Müllschlucker. Astronomen schätzen das Schwarze Loch auf mehrere Millionen Sonnenmassen. Und was passiert, wenn Materie ihm zu nahe kommt, das können Wissenschaftler gerade beobachten.

Das riesige Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie zieht eine Gaswolke von der dreifachen Masse der Erde so sehr in die Länge, dass sie bald zerreißt. "Man kann genau sehen, wie die Wolke regelrecht zu einer Spaghetti-Nudel wird", sagt der Leiter des Beobachtungsteams, Stefan Gillessen vom Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik in Garching bei München. "Genauso müsste es einem unglücklichen Astronauten in einem Science-Fiction-Film ergehen, der dem Schwarzen Loch zu nahe kommt."

Woher die Wolke kam, wissen die Astronomen nicht - möglicherweise besteht sie aus abgestoßenen Teilchen von Sternen, die das Schwarze Loch recht nahe umkreisen. Mit ihrem minimalen Abstand von 25 Milliarden Kilometern schaffe es die Wolke gerade so, nicht direkt in das Schwarze Loch hineinzufallen, so Gillessen. Sie ziehe daran vorüber, werde aber aufgrund der starken Anziehungskräfte extrem gestreckt.

Schon bald wird die Wolke komplett zerfetzt

Die Wolke sei mittlerweile so stark auseinandergezogen, dass ihr vorderer Teil den Punkt der größten Annäherung an das Schwarze Loch passiert habe und sich bereits wieder mit mehr als zehn Millionen Kilometer pro Stunde davon entferne - während der hintere Teil weiterhin darauf zufalle, heißt es von der Europäischen Südsternwarte (Eso) in Garching.

Die Prognose der Forscher: Die Wolke wird im Lauf des nächsten Jahres komplett zerfetzt. Die Gaswolke wurde bereits 2011 vom "Very Large Teleskop" der Eso erspäht. Die Astronomen beobachten seitdem, wie sie sich dem Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße mit zunehmender Geschwindigkeit näherte und schließlich von ihm immer weiter auseinandergezogen wurde. "Das ionisierte Gas an der Spitze der Wolke ist nun über eine Strecke von mehr als 150 Lichtstunden, etwa 160 Milliarden Kilometer, verteilt", sagt Gillessen. Die Zwischenergebnisse sollen in der Zeitschrift "The Astrophysical Journal" erscheinen.

"Das aufregende an den neuen Messungen ist, dass wir derzeit den vorderen Teil der Wolke schon wieder auf uns zukommen sehen. Und das mit einer Bahngeschwindigkeit von mehr als zehn Millionen Stundenkilometer, also etwa einem Prozent der Lichtgeschwindigkeit", ergänzt Reinhard Genzel, ebenfalls vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik. Er leitet ein Team, das die Umgebung des Schwarzen Lochs schon seit 20 Jahren beobachtet.

chs/dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Herrlich
ralphofffm1 18.07.2013
Dieser BILD Zeitungs Stil beim"berichten" über wissenschaftliche Themen. "Schicksal", "die kleine Wolke"die "komplett zerfetzt " wird.Da möchte ich dochganz konform antworten: bäh,würg,kotz
2. Es war einmal..
monstermaschine 18.07.2013
Sie schreiben "Eine kleine Gaswolke kommt dem Schwarzen Loch im Herzen unserer Heimatgalaxie derzeit zu nahe." Ich will nicht kleinlich sein und es handelt sich auch nur um ca. 26.000 Jahre, aber eigentlich muss es heissen: Eine kleine Gaswolke kam dem Schwarzen Loch im Herzen unserer Heimatgalaxie vor 26.000 Jahren zu nahe. Hier in Europa war die letzte Eiszeit noch nicht vorbei, als die Gaswolke in das schwarze Loch gesogen wurde, was wir nun erstaunlicherweise durch die Arbeit unserer Forscher zeitversetzt beobachten duerfen. Ist doch so, oder? Ich finde diesen Aspekt der Astronomie, dass man die Welt niemals sehen kann, wie sie ist, und wenn man sich noch so viel Muehe gibt, mit am faszinierendsten. Was ist, wird fuer immer verborgen bleiben, man kann nur beobachten, was einmal vor Zeiten war - sagte Einstein - und das beruhigt doch sehr.. Es ist fuer uns auch eine Garantie unserer Freiheit durch den Lieben Gott.
3.
lavama 18.07.2013
Zitat von ralphofffm1Dieser BILD Zeitungs Stil beim"berichten" über wissenschaftliche Themen. "Schicksal", "die kleine Wolke"die "komplett zerfetzt " wird.Da möchte ich dochganz konform antworten: bäh,würg,kotz
ja furchtbar nicht? vor allem dann noch der vergleich mit der spaghetti-nudel - so richtig wie die bild-zeitung. schonmal etwas von einem "bildhaften vergleich" gehört? das hat jetzt wenig mit der zeitung zu tun, sondern eher damit es eben nicht ganz so "cleveren" menschen anschaulisch zu machen. ich empfehle dir nur noch fachzeitschriften zu lesen, aber selbst da wärst du vor der bildhaftigkeit der vergleiche nicht immer verschont, schlimm nicht!
4. Schwein gehabt
klugscheißer2011 18.07.2013
Zitat von sysopSP.ON.: Irgendwann gibt kein Entrinnen mehr. Schwarze Löcher haben eine so große Anziehungskraft, dass weder Material noch Licht aus ihnen entweichen können, wenn sie sich zu sehr nähern.... Zentrum der Milchstraße: Schwarzes Loch zerrt an Gaswolke - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/zentrum-der-milchstrasse-schwarzes-loch-zerrt-an-gaswolke-a-911697.html)
Ja, da muss man verdammt aufpassen. Erst gestern bin ich selber wieder ziemlich dicht an solch ein schwarzes Loch herangekommen, und hatte dabei unsägliches Glück. Einen klitzekleinen Moment lang war das schwarze Loch unaufmerksam. Und schwupps konnte ich schnell nochmal ausbüchsen. Schwein gehabt! Nicht auszudenken, hätte das Loch aus mir eine Spaghetti gemacht.... (Den Zusatz Nudel benutze ich nicht, handelt es sich doch bei Spaghetti immer um Nudeln, oder etwa nicht?) Ich kann die hier geäußerte Kritik zum unangemessenen Schreibstil für einen wissenschaftlichen Beitrag zwar verstehen. Aber Ihr scheint nicht zu wissen, wie das in einer Redaktion läuft. Liefert einer einen knallharten mit Fakten beladenen, aber etwas trockenen Text, dann kommt irgendein Ressortchef oder Chefredakteur daher und fordert einen auf, das Ganze etwas fluffiger aufzuschreiben, damit auch Oma Müller das liest. Oma Müller wird danach zwar nichts verstanden haben und von Spaghetti-Monstern träumen, die sich mit Tomatenraketen gegen schwarze Löcher wehren. Aber sie ist eine Leserin (möglichst eine Abo zahlende), die der Statistik gut tut. Und nur noch darum geht es heute udn nciht etwa um den Inhalt einer Nachricht. Achso, und wenn derselbe Autor beim nächsten Mal etwas salopper daherkommt und als Opening einen fluffigen Text schreibt, dann wird er von seinen Chefs ermahnt, doch mit mehr Ernst an die Sache zu gehen und alles "etwas nachrichtlicher" aufzuschreiben. Oder hat jemand von Euch gedacht, Autoren dürfen von sich aus schreiben, wie sie wollen, von wegen Pressefreiheit und so..? Vergesst es!
5.
schwerpunkt 18.07.2013
Erstaunlich wie manche es schaffen, in den Beiträgen zu einem Ereignis, dass sich im Zentrum unserer Galaxie ereignet, eine Diskussion über Pressefreiheit anzustrengen. Was mich interessieren würde, wie waeit man den Orbit der Wolke rekonstruieren kann. Also ob sich diese auf einer hyperbolischen Bahn befindet oder auf einer eliptischen Umlaufbahn um das SagA. Im zweiten Fall könnte die Wolke ein Überbleibsel eines Sterns sein, der bei einem früher Vorbeiflug oder -flüge durch die Gezeitenkräfte von SagA zerrissen wurde. Dazu wäre natürlich auch eine Spektralanalyse interessant, welche sich aber als schwierig erweisen dürfte, angesichts dessen, dass man das Zentrum nicht im sichtbaren Licht beobachten kann.
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