Zwei Kometen im Anflug Knapp an der Erde vorbei

So nah kam kein Komet seit 246 Jahren: Am Montag und Dienstag rasen gleich zwei Schweifsterne knapp an der Erde vorbei. Womöglich ziehen sie einen Sternschnuppen-Regen nach sich.

Komet (Symbolbild)
Nick Howes

Komet (Symbolbild)


Zwei besondere Schweifsterne nähern sich der Erde. Sie kommen am Montag und Dienstag so nahe, wie Kometen selten zuvor seit Beginn astronomischer Aufzeichnungen. Und doch werden sie mit bloßem Auge nicht zu sehen sein.

Ihre große Entfernung zur Sonne macht sie nur für Teleskope sichtbar. Wissenschaftler werden die Vagabunden intensiv beobachten - aber nicht, weil die Kometen gefährlich werden könnten. Die beiden werfen Fragen auf.

Komet P/2016 BA14, ein gut hundert Meter dicker Trumm, passiert die Erde am Dienstag in neunfacher Erde-Mond-Entfernung, in 3,5 Millionen Kilometern Abstand. So nah kam kein Komet mehr seit 246 Jahren.

Nur 1770 und 1366 flogen nach Angaben von Nasa-Astronom Eddie Irizarry Kometen noch knapper vorbei: Im Juli 1770 passierte Rekordhalter Komet Lexell in sechsfacher Mondentfernung, 1366 war es dem Forscher zufolge Komet Temple-Tuttle in knapp neunfacher Monddistanz.

Auf nach kosmischen Maßstäben ähnlicher Bahn fliegen beide Kometen an der Erde (Earth, Mitte der Grafik) vorbei.
NASA/JPL-Caltech

Auf nach kosmischen Maßstäben ähnlicher Bahn fliegen beide Kometen an der Erde (Earth, Mitte der Grafik) vorbei.

Bringen sie Sternschnuppen?

Auch der zweite Passant nächste Woche, Komet 252P/Linear, erklimmt eine Spitzenposition: Am Montag wird der 230 Meter dicke Brocken in 5,3 Millionen Kilometer Entfernung, also in etwa 14-facher Monddistanz, vorbeifliegen - das ist Platz fünf der Messungsgeschichte.

Dass die beiden Schweifsterne gleichzeitig auftauchen, scheint kein Zufall zu sein. Erst im Februar stellten Astronomen fest, dass die beiden offenbar zusammengehören - sie fliegen auf ähnlicher Bahn.

Vermutlich seien sie Bruchstücke eines größeren Kometen, meint die Nasa. Beobachtungen in den nächsten Tagen sollen helfen, die Fragen zu klären: Woher kommen die kosmischen Streifzügler, gehören sie wirklich zusammen, und aus welchem Material sind sie überhaupt?

Während Komet 252P/Linear bereits vor 16 Jahren entdeckt worden war, erspähten Astronomen P/2016 BA14 erst vergangenen Januar - und hielten ihn zunächst für einen schnöden Asteroiden. Im Februar aber zeigten weitere Beobachtungen, dass P/2016 BA14 einen Schweif mit sich schleppt, also ein Komet ist.

Möglicherweise, so spekuliert Nasa-Astronom Irizarry, lassen die Schweifsterne es doch noch leuchten: Kleinere Bruchstücke der Kometen könnten Ende März als Sternschnuppen zur Erde regnen.

Interaktive Grafik: Kometen im Sonnensystem

boj



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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
Melum 20.03.2016
1. Warum kein Schweif?
Sind die Kometen zu weit weg von der Sonne und bekommen zu wenig Sonnenwind? Wäre interessant zu wissen.
uhrentoaster 20.03.2016
2. Woher
"Woher kommen die kosmischen Streifzügler?" Ich rate mal: Aus der Oortschen Wolke.
uniman 20.03.2016
3. @uhrentoaster
halte ich für unwahrscheinlich (zumindest mal "kurzfristig" gedacht), wenn Linear bereits vor 16 Jahren entdeckt wurde, muss es sich um einen Kurzperiodischen Kometen handeln, große Halbachse wahrscheinlich nicht viel weiter als Jupiter oder Saturn. Kometen welche direkt aus der Oortschen Wolke kommen, haben Umlaufzeiten von von etlichen Hundert bis zu eingen Millionen Jahren. Quelle dieser Kometen ist also eher der Kuipergürtel
KlausP22 20.03.2016
4. wohl zu klein für sichtbaren Schweif
Zitat von MelumSind die Kometen zu weit weg von der Sonne und bekommen zu wenig Sonnenwind? Wäre interessant zu wissen.
Mit 100 und 230 Metern sind die wohl zu klein für einen mit bloßem Auge deutlich sichtbaren Schweif. Mit Teleskopen sieht man bestimmt was.
joG 20.03.2016
5. Ich hatte gelesen....
....dass von Zeit zu Zeit Kometen in großer Zahl vorbeikommen. Vermutlich werden wir dann getroffen. Wie schlimm es da wird, kommt auf die Größe des Brockens an.
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