Zwei-Tonnen-Projektil Nasa nimmt Mond unter Beschuss

Dem Erdtrabanten droht ein gigantischer Crash: Nasa-Forscher wollen ein Zwei-Tonnen-Projektil in seinen Südpol rammen. In dem aufgewirbelten Staub könnten sich Spuren von Wasser finden, das Langzeitaufenthalte auf dem Mond erleichtern würde.


Die Wissenschaftler der Nasa finden offenbar immer mehr Gefallen an gewaltigen Zusammenstößen im All. Erst im August 2005 hatten sie den Kometen Tempel 1 mit einem kühlschrankgroßen Projektil beschossen. Mit 37.000 Kilometern pro Stunde raste das Geschoss auf Tempel 1 zu - ein tiefer Krater entstand, eine gewaltige Staubwolke wurde aufgewirbelt. Darin konnten Kohlenstoff- und Stickstoffverbindungen nachgewiesen werden - und auch Wasser.

Auf gleiche Weise wollen die Nasa-Forscher nun den Südpol des Mondes traktieren, wobei sogar zwei Einschläge kurz hintereinander geplant sind. Die beiden Einschlagskörper sollen gemeinsam mit der neuen Mond-Erkundungssonde "Lunar Reconnaissance Orbiter" im Oktober 2008 starten. Der Crash ist für Januar 2009 geplant, teilte die US-Weltraumbehörde mit.

Das neue Experiment soll klären, ob es in den vom Sonnenlicht unberührten Kratern am Südpol des Mondes eine Eisschicht wie bei Gletschern oder Eisklumpen gibt. "Sollten wir substantielle Mengen an Wassereis dort finden, könnte dies später von Astronauten für die Herstellung von Raketentreibstoff genutzt werden", sagte Nasa-Manager Marvin Christensen.

Aber auch der in Wasser gebundene Sauerstoff ließe sich nutzen - für die Atemluft der Astronauten. "Diese Ressourcen können eine Rückkehr des Menschen zum Mond und eine Besiedlung kostengünstiger gestalten", sagte Butler Hine vom Ames Research Center der Nasa.

In den neunziger Jahren waren bei mehreren Missionen erhöhte Wasserstoffkonzentrationen am Südpol gemessen worden. Forscher vermuten, dass es sich dabei um Wassereis handelt. Ein Aufprall, der Material ähnlich wie beim Kometen Tempel 1 aufwirbelt, könnte dies klären.

Nach Angaben von Projektmanager Daniel Andrews wird zuerst ein rund 2000 Kilogramm schweres Projektil auf den im ewigen Schatten liegenden Shackleton-Krater gefeuert. Das Projektil wird etwa die Größe eines Geländewagens haben. Anschließend soll eine zusätzliche Beobachtungssonde, die unabhängig von "Lunar Reconnaissance Orbiter" ist, durch die aufgewirbelte Staub- und Gesteinswolke fliegen, die eine Ausdehnung von mehr als 60 Kilometern über der Mondoberfläche erreichen kann.

Zur Analyse verbleiben nur 15 Minuten - dann wird die 880 Kilogramm schwere Beobachtungssonde ebenfalls auf den Mond krachen. Die Nasa-Wissenschaftler rechnen damit, dass beim doppelten Einschlag ein 30 Meter weites und bis zu fünf Meter tiefes Loch in der Mondoberfläche entsteht.

Der "Lunar Reconnaissance Orbiter" soll den Mond weiterhin umkreisen - insgesamt mindestens ein Jahr -, die Oberfläche kartieren, nach Wasser suchen und mögliche Landeplätze für Astronauten ausfindig machen. Die Kosten der Mission liegen bei 73 Millionen US-Dollar.

hda/dpa/AP/Reuters



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