Extreme Strahlung Zwerggalaxie erzeugt mysteriöse Radioblitze

Sie entstehen weit außerhalb unserer Milchstraße: Forscher haben den Ursprung mehrerer gigantischer Radiosignale bestimmt. Das Ergebnis fasziniert.

Weltweit verteilte Radioteleskope des europäischen VLBI-Netzwerks
Danielle Futselaar/ artsource.nl/ dpa

Weltweit verteilte Radioteleskope des europäischen VLBI-Netzwerks


Sie flackern nur viel kürzer als ein Wimpernschlag, aber mit unvorstellbarer Energie am Himmel auf: Radioblitze. Astronomen kennen das Phänomen erst seit rund zehn Jahren, noch gehört es zu den großen Mysterien der Astronomie.

Jetzt haben Forscher eine ferne Zwerggalaxie als einen Ursprungsort der geheimnisvollen Blinksignale ausfindig gemacht, wie sie im Fachblatt "Nature" und bei der Jahrestagung der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft AAS berichten.

Bei ihrer Untersuchung konzentrierten sich die Forscher um Shami Chatterjee von der US-amerikanischen Cornell-Universität auf eine Region im Bereich des Sternbilds Fuhrmann, in der wiederholt Radioblitze beobachtet wurden. Mithilfe der Antennen des US-Radioastronomie-Observatoriums Karl G. Jansky Very Large Array (VLA) beobachteten sie die Position FRB 121102, an der ein Team im November 2012 einen Radioblitz entdeckt hatte, der zwei Jahre später erneut aufleuchtete.

Neun Blitze eingefangen

Tatsächlich konnten die Forscher mithilfe der 27 zusammengeschalteten VLA-Radioantennen neun neue Blitze auffangen. Die Daten ermöglichten es, den Ursprungsort 200-mal genauer zu bestimmen als bisher. Weitere Beobachtungen mit einem internationalen Zusammenschluss von Radioteleskopen, darunter die 100-Meter-Antenne des Bonner Max-Planck-Instituts für Radioastronomie, steigerten die Genauigkeit der Position von FRB 121102 noch einmal um das Zehnfache.

Den Ergebnissen zufolge befindet sich am Ursprungsort der Radioblitze lediglich eine kleine Zwerggalaxie mit einer schwachen, dauerhaft leuchtenden Radioquelle. Da die Ursprungsgalaxie rund drei Milliarden Lichtjahre entfernt ist, müssen die Strahlungsausbrüche extrem stark sein. Sonst wären sie in so großer Entfernung nicht mehr so deutlich messbar. Eigentlich hätten die Forscher von einer so kleinen Galaxie keine derart starken Ausbrüche erwartet.

Wie es in der Galaxie genau zu den Radioblitzen kommt, können die Daten noch nicht klären. "Die Bedingungen in dieser Zwerggalaxie sind so, dass dort noch wesentlich massereichere Sterne als in unserer Milchstraße entstehen können, und vielleicht liegt der Ursprung der Strahlungsausbrüche im kollabierten Überrest eines solchen Sterns", mutmaßt der niederländische Co-Autor Jason Hessels von der Universität Amsterdam.

Monströses Schwarzes Loch?

Alternativ könnten die Blitze von einem extrem massereichen Schwarzen Loch erzeugt werden, das Materie aus seiner Umgebung verschlingt. Allerdings kommen solche monströsen Schwarzen Löcher in Zwerggalaxien normalerweise nicht vor. Tatsächlich hatten andere Forscher bei der Untersuchung eines Radioblitzes aus dem Jahr 2015 eine große, elliptische Galaxie in rund sechs Milliarden Lichtjahren Entfernung als Ursprung bestimmt. Solche Galaxien besitzen in der Regel gigantische Schwarze Löcher in ihrem Zentrum.

"Es gibt Anzeichen dafür, dass diese beiden Bursts, FRB 121102 und FRB 150418, einen ganz unterschiedlichen Ursprung haben", erklärt Michael Kramer, einer der Co-Autoren der damaligen Untersuchung und Direktor am Bonner Max-Planck-Institut. Weitere Antworten erhoffen sich die Astronomen von Nachbeobachtungen und der Entdeckung weiterer Radioblitze.

irb/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.