Zwergplanet Ceres "Dawn" funkt atemberaubende Kraterfotos

In nur noch 385 Kilometern Höhe umkreist die Nasa-Sonde "Dawn" den rätselhaften Zwergplaneten Ceres. Neue Fotos zeigen die spektakuläre Kraterlandschaft in einer bisher unerreichten Auflösung.

NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/ID

Im März 2015 war die Nasa-Raumsonde "Dawn" am Zwergplaneten Ceres angekommen - nun ist sie in die niedrigste Umlaufbahn eingeschwenkt. Aus nur noch 385 Kilometern nimmt sie die fremde Welt ins Visier. Etwa in dieser Höhe umkreist auch die Internationale Raumstation ISS die Erde.

Die nun vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen veröffentlichten Fotos zeigen den Himmelskörper in der bisher höchsten Auflösung von 35 Metern pro Pixel. Zu sehen sei eine überraschende Vielfalt an Kraterlandschaften, die vermutlich durch Asteroiden-Einschläge entstanden seien, sagte ein MPS-Sprecher. Das Göttinger Institut hat gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) das Kamerasystem von "Dawn" entwickelt und gebaut.

Eis verdampft, übrig bleibt Salz

Die Untersuchung der neuen Aufnahmen bestätigen frühere Befunde, wonach sich zumindest stellenweise in nur geringer Tiefe unter der Oberfläche gefrorenes Eis befindet. Es enthält Salze, wie sie auch in Salzseen auf der Erde vorkommen. Werde das Eis durch Einschläge von Asteroiden freigelegt, könne es allmählich verdampfen, zurück bleibe das ursprünglich im Wasser gelöste Salz.

Dieser Prozess gilt auch als plausible Erklärung für die rätselhaften weißen Flecken auf der Oberfläche von Ceres. Es dürfte sich dabei um Salzminerale handeln, die Überreste eines Verdunstungsprozesses, wie Forscher bereits im Dezember berichtet hatten.

Die neuen Fotos zeigen unter anderem den Krater Kupalo, der einen Durchmesser von 26 Kilometern hat. "Das Material in seinem Inneren ist jünger als der Krater selbst", sagte Planetenforscher Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der Krater sei wohl mehr als zwei Kilometer tief, aber zu mehr als der Hälfte mit feinem Material gefüllt. Woher dieses Material stammt, wissen die Forscher bislang nicht.

7,5-jähriger Anflug

Ceres ist der größte Himmelskörper seines Asteroidengürtels. Der Zwergplanet hat einen mittleren Durchmesser von etwa 940 Kilometern und ist je nach Konstellation bis zu 600 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.

Die Raumsonde "Dawn" war im September 2007 gestartet. 2011 hatte sie den Asteroiden Vesta erreicht und ein Jahr lang untersucht. Im März 2015 erreichte sie Ceres. Die Sonde soll den Zwergplaneten noch bis mindestens zum Juli untersuchen.

Hinweis für alle mobilen Nutzer: Die Animation mit der über sieben Megabyte großen gif-Datei können Sie hier herunterladen.

Korrektur: Die ursprüngliche Angabe des Abstands zwischen Erde und Ceres war falsch, wir haben den Wert korrigiert.

hda/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
brehn 13.01.2016
1. runde krater
Was mir nicht in den Kopf will: Warum sind nahezu alle Krater kreisförmig bzw hinreichend kreisförmig, sodass man bei einem Großteil der Krater davon ausgehen kann, dass diese durch einen nahezu rechtwinkling zur Oberfläche erfolgten Einschlag verursacht wurden. Ist dies alleinig durch die Gravitation erklärbar? Ebenfalls sehr schwer fällt es mir, mir vorzustellen wie solche wie an einer Perlenschnur aufgereite und sich teilweise überlappende Krater entstehen können.. Weiß dazu jemand mehr?
schwerpunkt 13.01.2016
2.
Zitat von brehnWas mir nicht in den Kopf will: Warum sind nahezu alle Krater kreisförmig bzw hinreichend kreisförmig, sodass man bei einem Großteil der Krater davon ausgehen kann, dass diese durch einen nahezu rechtwinkling zur Oberfläche erfolgten Einschlag verursacht wurden. Ist dies alleinig durch die Gravitation erklärbar? Ebenfalls sehr schwer fällt es mir, mir vorzustellen wie solche wie an einer Perlenschnur aufgereite und sich teilweise überlappende Krater entstehen können.. Weiß dazu jemand mehr?
Die Kraterform ist weitgehend vom Einschlagswinkel unabhängig. Das heit, dass auch schräge Einschläge erstaunlicherweise immer zu einer ungefähren Kreisform des resultierenden Kraters führen. Lediglich fast horizontale Einschläge führen zu "deformierten" Kratern. Aufgereihte Krater führen ggf. genau von schrägen Einschlägen, bei denen das Auswurfmaterial bevorzugt in eine Richtung ausgeworfen wird und somit selbst wieder Krater bilden kann.
nanosci 13.01.2016
3.
5 Milliarden km Entfernung scheint mir etwas übertrieben für Ceres. Sein Radius zur Sonne sind ca. 400 Mio km, der der Erde ca. 150 Mio. D.h. je nach Stellung sind es zwischen 250 Mio und 550 Mio km (grob).
deka88 13.01.2016
4. Entfernung
Ich bin immer wieder über die Qualität der wissenschaftlichen Beiträge hier bei Spiegel Online begeistert! Der Autor hat wohl die mittlere Entfernung von Pluto und nicht von Ceres für diesen Artikel herangezogen!
dbeck90 13.01.2016
5. Im Westen nichts neues
Irgendwie erkenne ich bei dem Projekt den Sinn dahinter nicht.... Und auch wirklich neues und Aufregendes ist nicht bei rum gekommen.... Und ich fieber bei fast jedem Projekt mit. Pluto - okay, aber ceres?
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