Zwergplanet Eris Forscher vermessen Plutos Schwester

Es war eine seltene Gelegenheit: Eris hat sich vor einen Stern geschoben - so konnten Astronomen den Himmelskörper genau untersuchen, nach dessen Entdeckung der Pluto zum Zwergplaneten degradiert wurde. Jetzt haben die Forscher eine Theorie dafür, warum Eris so ungewöhnlich hell strahlt.

Eris (Illustration): In 557 Jahren umrundet der Zwergplanet einmal die Sonne
NASA/ ESA/ STScI/ A. Schaller

Eris (Illustration): In 557 Jahren umrundet der Zwergplanet einmal die Sonne


Hamburg - Der ferne Zwergplanet Eris in den Außenbezirken unseres Sonnensystems ist vermutlich von einer eingefrorenen Atmosphäre bedeckt. Das zeigt eine genaue Vermessung des Eiszwergs, über die ein internationales Astronomenteam im Wissenschaftsmagazin "Nature" berichtet. Eris wäre demnach nicht größer als der Pluto, den die Entdeckung des fernen Zwillings den Rang eines vollwertigen Planeten gekostet hatte.

Eris ist rund dreimal so weit von der Sonne entfernt wie Pluto, für eine Umkreisung der Sonne braucht sie 557 Jahre. Weil der Zwergplanet ungewöhnlich hell strahlt, hielten Astronomen ihn anfangs für deutlich größer als Pluto. Beobachtungen mit dem "Hubble"- und dem "Spitzer"-Weltraumteleskop ergaben jedoch nur einen Durchmesser von 2400 bis 2600 Kilometer für Eris. Plutos Durchmesser wird auf 2300 bis 2400 Kilometer geschätzt.

Wer ist größer?

Dank einer seltenen Konstellation ergab sich die Chance, Eris genau zu vermessen: Der Zwergplanet verdeckte von der Erde aus gesehen kurzzeitig einen Stern im Hintergrund - Astronomen nennen dies eine stellare Okkultation. Die Sternbedeckung beobachtete ein internationales Team um Bruno Sicardy von der Pariser Université Pierre et Marie Curie von mehreren Punkten der Erde aus und maß dabei jeweils die Bedeckungsdauer.

Den Astronomen gelang es auf diese Weise, den Eiszwerg jetzt auf rund zwölf Kilometer genau zu vermessen: Eris hat demnach einen Durchmesser von 2326 Kilometer und besitzt weitgehend Kugelgestalt, ist also von ähnlicher Größe und Form wie Pluto. Welcher der beiden Zwergplaneten größer ist, können die Forscher allerdings nicht sagen.

Eris könnte zeitweise eine Atmosphäre besitzen

Dass Eris sehr hell strahlt, erklären sich die Astronomen mit einer stark reflektierenden Oberfläche. Auch das ist ungewöhnlich, denn eine helle Eisoberfläche sollte im Laufe der Zeit durch Sonnenwind und kosmische Strahlung verwittern und dunkler werden. Die Astronomen vermuten daher, dass Eris eine Atmosphäre besitzt, die regelmäßig einfriert und wieder auftaut, wenn sich der Zwergplanet auf seiner stark elliptischen Bahn von der Sonne entfernt und sich ihr wieder nähert.

Die gefrorene Atmosphäre würde sich als frisches, helles Eis auf der Oberfläche des Zwergplaneten niederschlagen. Momentan befindet sich Eris nahe ihres am weitesten von der Sonne entfernten Bahnpunkts. Entsprechend konnten die Astronomen während der Sternbedeckung keine gasförmige Atmosphäre erspähen, die das Licht des Hintergrundsterns sonst kurz vor und nach seiner Bedeckung gestreut hätte. Am sonnennächsten Bahnpunkt kreist sich Eris innerhalb der Plutobahn und könnte dort wie dieser eine dünne Atmosphäre besitzen.

Die Entdeckung von Eris, die zunächst informell nach der Heldin einer Fantasy-Fernsehserie "Xena" getauft worden war, hatte zur Einführung der neuen Klasse sogenannter Zwergplaneten geführt. Dieser Gruppe wurde dabei auch der Pluto zugeschlagen, der bis dahin als neunter Planet unseres Sonnensystems gegolten hatte.

Bis heute herrscht Uneinigkeit über diese Degradierung Plutos. Insofern sei der offizielle Name Eris nach der griechischen Göttin der Zwietracht passend gewählt, schreibt die Forscherin Amanda Gulbis in einem Begleitkommentar in "Nature".

wbr/dpa



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