Zwillingsgalaxie Röntgenfotos enthüllen Ring aus Schwarzen Löchern

Es ist eine bizarre Erscheinung am Nachthimmel: Ein Ring ist alles, was von einer Galaxie übrig blieb, nachdem sie mit einer anderen zusammenstieß. Neue Fotos von Weltraumteleskopen zeigen jetzt: Im Ring verbergen sich gleich neun Schwarze Löcher.

NASA / CXC / MIT / S.Rappaport et al.

Das Feuerwerk dauerte eine Ewigkeit: Eine Spiralgalaxie kollidierte mit einem elliptischen Sternsystem - und verwandelte sich in einen Ring. Solche Galaxien kommen im All selten vor, doch das ist nicht das einzig bemerkenswerte am Galaxienpaar namens Arp 147, auch bekannt als IC 298.

Die beiden Weltraumteleskope "Chandra" und " Hubble" haben das Objekt, das 430 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt ist, jetzt erneut ins Visier genommen. Während "Hubble" im Bereich des sichtbaren Lichts die volle Pracht der Galaxienreste sichtbar macht, zeigen die Röntgenaufnahmen von "Chandra" noch etwas anderes: Einen Ring aus Schwarzen Löchern.

Die Kollision zwischen den Galaxien hat nach Angaben der US-Weltraumbehörde Nasa eine sich ausdehnende Welle von Sternenstehungen verursacht. Der gesamte blaue Ring leuchtet in der heftigen Strahlung junger, massereicher Sterne. Doch sie sind kurzlebig: In nur wenigen Millionen Jahren rasen sie durch ihre Existenz und explodieren als Supernovae. Zurück bleiben Neutronensterne und Schwarze Löcher.

Ein kleiner Teil von ihnen wird Begleitersterne einfangen, Materie von ihnen einsaugen und dadurch im Röntgenbereich strahlen. Auf dem "Chandra"-Foto sind neun Röntgenquellen im Ring von Arp 147 zu sehen. Sie leuchten so hell, dass es sich nur um Schwarze Löcher handeln könne, schreiben Saul Rappaport vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) im "Astrophysical Journal". Die kosmischen Vielfraße besitzen demnach Massen vom Zehn- bis Zwanzigfachen unserer Sonne.

Auch im Zentrum der rötlichen Galaxie von Arp 147 ist eine große Röntgenquelle erkennbar - sie könnte auf ein unterversorgtes supermassives Schwarzes Loch hinweisen, glauben die Forscher.

Die "Hubble"- und "Chandra"-Bilder wurden durch Infrarotaufnahmen des "Spitzer"-Weltraumteleskops und des Galaxy Evolution Explorer der Nasa ergänzt. Das erlaubte eine Abschätzung über die Rate der Sternenstehung in dem Ring. Rappaport und seine Kollegen kamen so zu dem Schluss, dass sie ihren Höhepunkt von der Erde aus betrachtet vor etwa 15 Millionen Jahren überschritten haben muss.

mbe

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