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Gestorben Abdul Qadir Khan, 85

aus DER SPIEGEL 42/2021
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STR / EPA

Er gilt als Vater des pakistanischen Atomprogramms – und für die einen war er eine nationale Ikone, für die anderen ein Verräter. Nach seinen Studien in Europa eignete sich Khan in den Siebzigerjahren als Mitarbeiter einer Urananreicherungsanlage – auch mithilfe von Industriespionage – Fachwissen an, mit dem er später das Nuklearprogramm seines Landes initiierte. Mit Stolz sehen viele Landsleute bis heute, dass Pakistan dank ihm zur Atommacht aufsteigen und sich gegen Indien behaupten konnte. Nur Wochen nach dem zweiten indischen Atomtest zündete auch Pakistan 1998 erfolgreich eine Bombe. Khan sah sich selbst als »eine Art Robin Hood des Atomzeitalters« – also als ein Mann, der Entwicklungs- und Schwellenländern die Möglichkeit gab, mit den großen Atommächten gleichzuziehen. In seiner Heimat wurde er zum schillernden Helden, überhäuft mit den höchsten Staatspreisen. Zu dieser Zeit fädelte Khan bereits Deals mit Diktatoren ein. Über den internationalen Schwarzmarkt belieferte er Iran, Libyen und Nordkorea mit Material und nuklearem Know-how. Als »mindestens so gefährlich wie Osama Bin Laden« bezeichnete ihn der frühere CIA-Direktor George Tenet. 2004 legte Khan ein Geständnis im Fernsehen ab, das er allerdings später zurücknahm. Fünf Jahre stand er unter Hausarrest in seiner Villa, die er mit seiner Frau in einem wohlhabenden Teil von Islamabad bewohnte, bevor er begnadigt wurde. Bis heute ist unklar, wie weitreichend sein Netzwerk war. Die Atombombe sah Khan stets als »Friedenswaffe«. Im Interview mit dem SPIEGEL sagte er einmal: »Ich bin fest überzeugt, das Beste für Pakistan getan zu haben.« Abdul Qadir Khan starb nach einer Coronavirus-Infektion am 10. Oktober in Islamabad.

kgp
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