Abschuss von MH17 mit 298 Toten Anklage fordert lebenslange Haft für vier prorussische Rebellenoffiziere

Im Verfahren zu dem über der Ostukraine abgeschossenen Passagierjet MH17 hat die Staatsanwaltschaft die Höchststrafe gefordert. Die prorussischen Rebellen hätten »298 Menschen auf grausame Weise das Leben genommen«.
Richter Daan Glass inspiziert wiederaufgebaute Teile des Flugzeugwracks

Richter Daan Glass inspiziert wiederaufgebaute Teile des Flugzeugwracks

Foto: PIROSCHKA VAN DE WOUW / REUTERS

Im Prozess zum Abschuss von Passagierflug MH17 über der Ostukraine hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe gegen die vier Angeklagten wegen Mordes gefordert. Die damaligen Offiziere der prorussischen Rebellen seien für den Tod von 298 Menschen verantwortlich und müssten daher die Höchststrafe bekommen, erklärten die Vertreter der Anklage am Mittwoch vor dem Strafgericht am Amsterdamer Flughafen.

»Die Angeklagten haben 298 Menschen auf grausame Weise das Leben genommen«, sagte Staatsanwalt Thijs Berger. Das Urteil in dem seit Frühjahr 2020 laufenden Prozess wird im nächsten Jahr erwartet.

Drei Russen und ein Ukrainer haben nach Überzeugung der Anklage im Juli 2014 die Boeing der Malaysia Airlines mit einer russischen Luftabwehrrakete vom Typ Buk abgeschossen. Alle 298 Menschen an Bord wurden getötet, unter ihnen 196 Niederländer und 38 Australier. Auch vier Deutsche waren unter den Opfern.

Staatsanwaltschaft: Angeklagte haben »alles vernichtende« Waffe besorgt

Der Prozess wird in Abwesenheit der Angeklagten geführt. Nur der Russe Oleg Pulatow, der eine führende Rolle im Geheimdienst der selbst ernannten Republik Donezk gespielt haben soll, lässt sich von Anwälten vor Gericht vertreten. Alle Angeklagten bestritten jede Verantwortung.

Die Staatsanwaltschaft betonte, dass die Angeklagten eine extraschwere »alles vernichtende« Waffe besorgt und eingesetzt hätten, mit der auch Zivilflugzeuge getroffen werden konnten. Sie hätten bewusst in Kauf genommen, dass unschuldige Bürger Opfer werden konnten.

Die Anklage hatte zahlreiche Beweise wie Fotos, abgehörte Telefongespräche, Videos und Zeugenaussagen vorgelegt. Das Material zeigt der Staatsanwaltschaft zufolge, dass die Männer die Buk-Rakete beschafft hatten. Sie hätten mit der Tat auch den Angehörigen großen Schaden zugefügt und international einen Schock ausgelöst.

Niederlande und Australien machen Russland verantwortlich

Die Niederlande und Australien hatten Russland für den Abschuss der Maschine und den Tod der 298 Insassen verantwortlich gemacht, nachdem 2018 ein Expertenteam zu dem Schluss gekommen war, dass die Maschine von einer russischen Rakete abgeschossen wurde, die von einer Luftabwehrbrigade im russischen Kursk stammte. Russland bestreitet jede Verwicklung in den Fall und stieg im Oktober 2020 zu Gesprächen dazu aus. Versuche, Moskau Verantwortung für das Unglück zuzuweisen, seien »absolut inakzeptabel«, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Mittwoch dem Staatssender RT.

In der Ostukraine herrschten im Juli 2014 heftige Kämpfe zwischen der Armee der Ukraine und prorussischen Separatisten. Die Maschine der Malaysia Airlines war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Da die meisten Opfer Niederländer waren, findet der Prozess auch in dem Land statt. Eine Auslieferung der Angeklagten gilt jedoch als unwahrscheinlich.

svs/dpa
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