Schwangerschaftsabbruch in den USA Frau reist mehr als 2000 Kilometer, um nicht lebensfähigen Fötus abzutreiben

Obwohl die Lebenserwartung ihres Kindes maximal einige Wochen betragen hätte, verweigerte eine Klinik in Louisiana einer Frau einen Schwangerschaftsabbruch. Offenbar aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen.
Nancy Davis mit ihrem Sohn vor dem Parlamentsgebäude in Baton Rouge, Louisiana

Nancy Davis mit ihrem Sohn vor dem Parlamentsgebäude in Baton Rouge, Louisiana

Foto: Stephen Smith / AP

In den USA waren Schwangerschaftsabbrüche lange bundesweit mindestens bis zur Lebensfähigkeit des Fötus erlaubt. Seitdem der Oberste Gerichtshof das im Juni gekippt hat, wird die Abtreibung für Frauen in einigen Bundesstaaten zunehmend schwierig. Eine Frau aus Louisiana ist nun mehr als 2000 Kilometer gereist, um ihre Schwangerschaft mit einem nicht überlebensfähigen Kind zu beenden.

Bei dem Fötus der 36 Jahre alten Nancy Davis wurde um die zehnte Schwangerschaftswoche herum die seltene Entwicklungsstörung Akranie festgestellt, bei der ein Teil des Schädels fehlt. Die Überlebensdauer bei mit Akranie geborenen Kindern liegt zwischen wenigen Stunden und einigen Wochen. Wie der »Guardian«  berichtet, ließ Davis die Schwangerschaft Anfang September in Manhattan beenden, nachdem das Krankenhaus in ihrer Heimat die Prozedur nicht vornehmen wollte.

»Baby austragen, um es zu begraben«

Das in Louisiana herrschende Abtreibungsverbot enthält demnach zwar Ausnahmen für Föten, die nach der Geburt nicht überlebensfähig sind. Aber da Akranie nicht ausdrücklich auf der Liste der Bedingungen stehe, unter denen eine Abtreibung erlaubt wäre, habe sich das Krankenhaus aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen entschieden, den Eingriff nicht durchzuführen.

»Im Grunde ... müsste ich mein Baby austragen, um es zu begraben«, wird Davis zitiert.

Laut dem Bericht meldete sich die Senatorin Katrina Jackson, die das Gesetz zum Abtreibungsverbot eingebracht hat, zu dem Fall und sagte, dass in diesem Fall eine Abtreibung auch in Louisiana möglich gewesen wäre.

Zusammen mit dem Bürgerrechtsanwalt Ben Crump war Davis Ende August vor dem Parlamentsgebäude in Louisiana erschienen, um die Gesetzgeber des Bundesstaats aufzufordern, das Abtreibungsverbot zumindest klarer zu formulieren – wenn nicht sogar ganz aufzuheben –, damit niemand das Gleiche durchmachen müsse wie sie.

Crump sagte, Davis habe aufgrund des schlecht formulierten Gesetzes »unsägliche Schmerzen, emotionale Schäden und körperliche Risiken« erlitten. Der Gesetzgeber, so fügte Crump hinzu, habe »Fürsorge durch Verwirrung, Privatsphäre durch Politik und Optionen durch Ideologie ersetzt.«

Das Abtreibungsrecht ist eines der am meisten umkämpften gesellschaftspolitischen Themen in den USA. Der Oberste Gerichtshof des Landes hatte im Juni eine seit fast 50 Jahren geltende Grundsatzentscheidung gekippt, die ein landesweites Grundrecht auf Abtreibungen verankert hatte. In der Folge haben zahlreiche konservativ regierte Bundesstaaten damit begonnen, den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen drastisch einzuschränken.

svs
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