Acht Milliarden – Russlands Krieg »Ich habe selten so viel Blut gesehen«

Die russische Donbass-Offensive steht für eine neue Phase des Krieges. Die Strategie der Kremltruppen? Sie verbreiten Terror und Angst unter der Zivilbevölkerung.
Ein Podcast von Olaf Heuser und Christoph Reuter

Momentan ist es eine gute Zeit in der Ukraine. Für Fasane.
Niemand jagt sie, kaum jemand beachtet sie überhaupt.

»Es war sehr tröstlich, dass es diese Fasane gab«, erzählt SPIEGEL-Reporter Christoph nach seiner Rückkehr aus dem Donbass-Gebiet in dieser Episode des Auslandspodcasts »Acht Milliarden«. »Es war ein idyllischer Anblick inmitten des Horrors, jeweils zehn, 20, 30 Kilometer weiter. Das war die Mischung des Donbass.«

Nach mehreren Wochen Recherche entlang der Frontlinie im Osten der Ukraine blieben auch solche Bilder in Erinnerung. Und auch positive Erlebnisse, wie die Begleitung einer zusammengewürfelten Gemeinschaft, die mit zusammengeklaubtem Equipment und einem Bus der ehemaligen Stadtverwaltungen täglich erfolgreich Menschen aus den umkämpften Gebieten evakuiert. Und der Horror des Angriffs auf den Bahnhof von Kramatorsk, den Reuter nur durch Zufall beobachtete, weil jener Bus der Evakuierer einen kleinen Maschinenschaden erlitt.

Am 8. April schlug eine Rakete auf dem Bahnhof von Kramatorsk ein, versehen mit einem Sprengkopf, der – einer Streubombe ähnlich – Tausende Metallsplitter enthält.

»Wir waren anderthalb Stunden nach der Explosion dort«, erzählt Reuter, »ein Teil der Toten war weggeräumt, ein Teil noch nicht. Und das waren Bilder, wo irgendwann auch unser Fotograf und die anderen Kameraleute aufgehört haben, weil klar war: Das kannst du nie jemandem zeigen«.

Noch am Vortag hatten sich die Journalisten gewundert, warum es einen russischen Angriff auf die Bahngleise gegeben hatte, der den Zugverkehr über den Bahnhof von Kramatorsk stoppte. Die Folge: An jenem 8. April warteten noch viel mehr Menschen auf eine Möglichkeit, die ukrainische Großstadt im Norden der Oblast Donezk zu verlassen.

»Das war eine Zäsur«, sagt Christoph Reuter, »die Ukraine zu überfallen, ist Unrecht. Wahllos Städte zu beschießen, um Zivilisten zu treffen, ist ein Kriegsverbrechen. Aber es vorzubereiten, indem man erst die Gleise blockiert und dann schießt man eine Rakete mit einem solchen Splitter-Gefechtskopf ab (...). Was wir hier erleben, ist ein Vernichtungskrieg, und nicht anders können wir das nennen. Es geht nicht um Geländeeroberung. Es geht nicht um Ausschaltung eines Armee-Stützpunkts, sondern es geht darum, so viele Zivilisten wie möglich zu ermorden«.

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