Auswirkungen im Nahen Osten Ägypten, Israel und die Emirate stärken Partnerschaft angesichts des Ukrainekrieges

Der Krieg in Europa hat Folgen für die Menschen im Nahen Osten – nun bildet sich zwischen Kairo, Abu Dhabi und Jerusalem eine neue Allianz. Vor allem Ägyptens Präsident Sisi muss sich vor steigenden Lebensmittelpreisen fürchten.
Präsident Abdel Fattah al-Sisi (M.) mit dem israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett (r.) und dem Kronprinzen von Abu Dhabi, Muhammad bin Sajid

Präsident Abdel Fattah al-Sisi (M.) mit dem israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett (r.) und dem Kronprinzen von Abu Dhabi, Muhammad bin Sajid

Foto: HAMAD AL-KAABI / AFP

Der Krieg in der Ukraine wirkt sich zunehmend auch auf den Nahen Osten aus. Nun ist angesichts steigender Energie- und Lebensmittelpreise der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi in Scharm el Scheich mit dem israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett und dem Kronprinzen von Abu Dhabi, Muhammad bin Sajid, zusammengekommen.

Das Dreiertreffen deutet eine leichte Machtverschiebung im Nahen Osten an. Israel hat erst seit Kurzem diplomatische Beziehungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgenommen. Beide Länder sind wie auch Ägypten Verbündete der USA in der Region. Die neue Achse stellt sich der syrisch-iranischen Machtverbindung in der Region entgegen. Die drei Staatschefs hätten besprochen, »wie sie ihre Bindungen stärken können«, hieß es aus Bennetts Büro über das Treffen.

Kronprinz Mohammed hatte Bennett im Dezember zu einem historischen Besuch in Abu Dhabi empfangen. Gut ein Jahr zuvor hatten die Emirate ihre Beziehungen zu Israel normalisiert. 2020 waren die Emirate das dritte arabische Land, das diplomatische Beziehungen mit Israel aufnahm.

Der Westen fordert angesichts des Ukrainekriegs von den arabischen Ölländern, ihre Produktion zu erhöhen. Bisher sind die Emirate und Saudi-Arabien der Bitte nicht nachgekommen. Das Treffen in Scharm el Scheich erfolgte auch vor dem Hintergrund der Verhandlungen über eine Wiederbelebung des internationalen Atomabkommens mit Iran, die von Israel und mehreren arabischen Staaten aufmerksam verfolgt werden. Israel hatte schon das Atomabkommen von 2015 scharf kritisiert und sieht auch die geplante Wiederbelebung kritisch.

Das ärmere Ägypten muss zugleich neue Spannungen fürchten. Das Land gehört zu den Hauptabnehmern der mittlerweile eingebrochenen Weizenexporte aus Russland und der Ukraine. In Ägypten waren nun die Preise für nicht subventioniertes Brot laut einem Bericht der Nachrichtenseite »Mada Masr« seit Kriegsbeginn um bis zu 50 Prozent gestiegen.

»Aisch« heißt »Leben«

Als Reaktion auf steigende Lebensmittelpreise hatte die ägyptische Regierung den Preis für nicht subventioniertes Brot festgesetzt. In einem Beschluss ließ Ministerpräsident Mustafa Madbuli die Preise für 45, 65 und 90 Gramm schwere Fladen sowie für ein Kilogramm abgepacktes Brot festsetzen. Fladen von 45 Gramm kosten demnach umgerechnet etwa 2,5 Eurocent. Die Regelung gilt für alle Geschäfte und Bäckereien und zunächst für drei Monate, kann aber früher wieder aufgehoben werden. Bei Verstößen drohen Geldstrafen bis zu umgerechnet 245.000 Euro. Die neue Maßnahme könnte für Bäckereien, die ihre Preise zuvor selbst festlegten, ein Verlustgeschäft bedeuten.

In Ägypten, mit über hundert Millionen Einwohnern bevölkerungsreichstes Land der arabischen Welt, lebt nach offiziellen Angaben etwa ein Drittel der Bevölkerung in extremer Armut. Brot ist wie Reis für unzählige Familien ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Im ägyptischen Dialekt heißt das Wort für Brot »Aisch«, wörtlich übersetzt »Leben«.

In der Vergangenheit waren die Brotpreise immer mit einer der Auslöser für Aufstände – unter anderem auch in der Revolution von 2011.

mrc/dpa/Reuters
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