Einreiseversuche nach England Über 200 Flüchtlinge aus Seenot im Ärmelkanal gerettet
Aus Seenot gerettete Menschen Ende August in Dover
Foto: Gareth Fuller / dpaAm Wochenende sind mehr als 200 Flüchtlinge aus Seenot gerettet worden, als sie versuchten, den Ärmelkanal zu überqueren. Sie wurden nach Frankreich gebracht. Der französischen Küstenbehörde Premar zufolge wurden zunächst am Samstag sieben Menschen vor Dünkirchen gerettet. In der Nacht von Samstag auf Sonntag kam es zu zwei Rettungseinsätzen, drei weitere erfolgten am Sonntag. Ingesamt seien 217 Menschen gerettet worden.
Fast tausend Menschen schafften am Samstag die Überquerung des Ärmelkanals ohne Seenot, berichtet die britische Regierung. Seit Jahresbeginn haben fast 40.000 Menschen die gefährliche Überfahrt einer der meistbefahrenen Meerengen der Welt auf sich genommen.
Die Tageszeitung »The Times« hatte am Freitag berichtet, dass der neue britische Premierminister Rishi Sunak ein Abkommen mit Frankreich schließen wolle, um die illegale Einwanderung von Frankreich über den Ärmelkanal zu begrenzen. Demnach will Sunak eine genaue Zahl der aufzuhaltenden Schiffe und der in Frankreich einzusetzenden britischen Grenzpolizisten erreichen.
Mann wirft Brandsätze auf Räume für Migranten in Dover
Die britische Polizei untersucht einen mutmaßlich rassistisch motivierten Brandanschlag in der südenglischen Hafenstadt Dover. Gegen Räumlichkeiten des Innenministeriums für Migranten seien zwei bis drei Brandsätze geworfen worden, teilte die Polizei der Grafschaft Kent am Sonntag mit. Dabei seien zwei Menschen leicht verletzt worden. Bei dem Ziel des Attentats handele es sich um ein Auffanglager für Flüchtlinge, die illegal über den Ärmelkanal nach Großbritannien kommen, hieß es in örtlichen Medien. Innenstaatssekretär Robert Jenrick wollte zum Tatort reisen.
Nach Angaben der Polizei wurde der mutmaßliche Täter tot an einer Tankstelle in der Nähe des Tatorts gefunden. Medienberichte, wonach sich der Mann selbst getötet habe, bestätigte die Behörde zunächst nicht.
In Dover kommt es immer wieder zu Protesten gegen Migration. Die örtliche Parlamentsabgeordnete Natalie Elphicke sagte dem Radiosender LBC, dass die Spannungen zuletzt zugenommen hätten. Die konservative Politikerin kritisierte zudem Parteikollegin und Innenministerin Suella Braverman für deren jüngere Aussagen über Migranten. Braverman hatte vor wenigen Wochen gesagt, es sei ihr »Traum«, Asylsuchende nach Ruanda abzuschieben.
Die konservative Regierung in London will Migranten mit radikalen Maßnahmen abschrecken. So beabsichtigt die Regierung, alle Menschen, die illegal ins Land reisen, ins ostafrikanische Ruanda auszufliegen, wo sie dann einen Asylantrag stellen könnten. Eine Rückkehr nach Großbritannien ist ausgeschlossen.