Konflikt um abtrünnige Region Äthiopiens Armee startet Offensive gegen Hauptstadt von Tigray

Mit einem Angriff auf Tigray will Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed den Widerstand der abtrünnigen Volksbefreiungsfront brechen. Menschenrechtsorganisationen befürchten Kriegsverbrechen.
Erst einmal in Sicherheit: Frauen aus der äthiopischen Konfliktregion Tigray stillen ihre Kinder im sudanesischen Flüchtlingslager Umm Rakouba

Erst einmal in Sicherheit: Frauen aus der äthiopischen Konfliktregion Tigray stillen ihre Kinder im sudanesischen Flüchtlingslager Umm Rakouba

Foto: Nariman El-Mofty / AP

Im Konflikt um die abtrünnige Region Tigray hat die äthiopische Armee mit einer Militäroffensive auf die Regionalhauptstadt Mekele begonnen. Die Stadt wurde nach Angaben von Entwicklungshelfern am Samstag von »schweren Geschossen« getroffen. Im Lokalfernsehen teilte die Regionalregierung mit, dass das Stadtzentrum mit »schweren Waffen und Artillerie« angegriffen werde.

Die Region Tigray rufe »alle, die ein reines Gewissen haben, einschließlich der internationalen Gemeinschaft, dazu auf, die Angriffe und Massaker mit Artillerie und Kampfflugzeugen zu verurteilen«, hieß es in der Erklärung der Regionalregierung.

Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed hatte die Offensive am Donnerstag bei Twitter angekündigt. Er habe die Armee angewiesen, »die dritte und letzte Phase« im Vorgehen gegen die in Tigray regierende Volksbefreiungsfront TPLF einzuleiten, erklärte der Politiker, der 2019 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war. Bei dem Angriff werde »alles getan«, um die Zivilbevölkerung zu schützen und Mekele mit seinen 500.000 Einwohnern vor »größerem Schaden« zu bewahren, fügte Abiy Ahmed hinzu.

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Menschenrechtsorganisationen hatten im Vorfeld gewarnt, dass die Bombardierung von Mekele ein Kriegsverbrechen darstellen könnte. Die Organisation Human Rights Watch wies darauf hin, dass Warnungen des äthiopischen Militärs an die Zivilbevölkerung allein nicht ausreichen würden. Dies treffe insbesondere dann zu, wenn Luftstreitkräfte und schwere Waffen in überfüllten städtischen Gebieten eingesetzt werden.

In Tigray gibt es bereits seit Monaten Spannungen. Die dort regierende TPLF dominierte drei Jahrzehnte lang die äthiopische Politik, bevor der aktuelle äthiopische Regierungschef Abiy 2018 an die Macht kam. Die TPLF erkennt Abiy nicht an.

Anfang des Monats sandte Abiy Streitkräfte nach Tigray – wodurch der Konflikt mit der TPLF vollends entbrannte. Abiy hat die Appelle internationaler Politiker, die Kämpfe einzustellen und einen Vermittler in dem Konflikt zuzulassen, bislang zurückgewiesen. Er werde die Militäroffensive in der Region im Norden des Landes fortsetzen, erklärte er am Freitag nach Gesprächen mit Gesandten der Afrikanischen Union (AU).

Hunderte Menschen sind Berichten zufolge bei den Kämpfen in Äthiopien bisher getötet worden. Mehr als 40.000 Personen flohen aus dem Konfliktgebiet, meist in den Sudan. Beobachter befürchten, dass sich die Gefechte ausweiten und die gesamte Region destabilisieren könnten.

clh/AFP/Reuters