Nach »Hölle«-Äußerung von Generaldirektor Tedros Äthiopien beschwert sich bei der WHO – wegen Einmischung

Tedros Adhanom Ghebreyesus bezeichnete die Lage in Tigray zuletzt als »Hölle«. Nun beschwert sich die Regierung – und beklagt, der Chef der Weltgesundheitsorganisation verbreite »schädliche Falschinformationen«.
WHO-Generaldirektor Tedros: »Nirgends auf der Welt sind wir Zeugen einer Hölle wie in Tigray« (Archivbild)

WHO-Generaldirektor Tedros: »Nirgends auf der Welt sind wir Zeugen einer Hölle wie in Tigray« (Archivbild)

Foto: DENIS BALIBOUSE / REUTERS

Äthiopien hat in einem Schreiben an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Einmischung des WHO-Generaldirektors Tedros Adhanom Ghebreyesus in die nationale Politik beklagt. »Er hat sich in die internen Angelegenheiten Äthiopiens eingemischt, inklusive der Beziehungen zu Eritrea«, teilte das äthiopische Außenministerium mit Verweis auf einen Beschwerdebrief an die Organisation mit.

Äthiopien wirft Tedros demnach »Fehlverhalten« vor. Der Generaldirektor habe »schädliche Falschinformationen« verbreitet und die »Reputation, Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit« der WHO untergraben, teilte das Ministerium offenbar in Reaktion auf Äußerungen Tedros' vom Mittwoch mit.

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Tedros, der selbst aus der Provinz im Norden Äthiopiens stammt, hatte die Lage dort zuletzt als »verzweifelt« bezeichnet. »Nirgends auf der Welt sind wir Zeugen einer Hölle wie in Tigray«, hatte Tedros gesagt und angeprangert, dass die Regierung von Premierminister Abiy Ahmed der WHO keine Medikamentenlieferungen in die Region erlaube.

Der militärische Konflikt hatte vor gut einem Jahr begonnen, als der Friedensnobelpreisträger Abiy anfing, die herrschende Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) zu verdrängen. Die TPLF dominierte Äthiopien gut 25 Jahre lang, bis Abiy 2018 an die Macht kam. Viele Menschen in Tigray fühlen sich von der Zentralregierung nicht vertreten und fordern mehr Autonomie.

Die TPLF hatte Mitte Dezember einen Rückzug aus umkämpften Gebieten des Landes bekannt gegeben. Der Vielvölkerstaat im Osten Afrikas mit seinen 115 Millionen Einwohnern droht durch die Kämpfe zu zerfallen. Die Vereinten Nationen werfen allen Konfliktparteien schwere Menschenrechtsverletzungen vor.

Uno-Hilfsorganisationen stellten Arbeit ein

Nach wiederholten Angriffen auf Zivilisten hatten zuletzt auch die Uno-Hilfsorganisationen angekündigt, ihre Arbeit in Tigray vorerst einzustellen. Bei einem Drohnenangriff auf ein Flüchtlingslager hatte es zuvor laut Berichten Dutzende Tote gegeben.

fek/dpa
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