Eskalierender Konflikt Großbritannien ruft Staatsbürger zur Ausreise aus Äthiopien auf

»Solange kommerzielle Flüge noch verfügbar sind« sollen Briten das umkämpfte Äthiopien verlassen. Eine deutsche Reisewarnung gibt es nicht. Derweil wurden in Addis Abeba mehrere Uno-Mitarbeiter festgesetzt.
Addis Abeba vor wenigen Tagen: Menschen versammeln sich, um an einer von der Regierung organisierten Demo gegen die TPLF teilzunehmen.

Addis Abeba vor wenigen Tagen: Menschen versammeln sich, um an einer von der Regierung organisierten Demo gegen die TPLF teilzunehmen.

Foto: Uncredited / dpa

Wegen des gewaltsamen Konflikts in Äthiopien hat Großbritannien seine Staatsbürger zur Ausreise aufgefordert. Briten sollten das ostafrikanische Land verlassen, »solange kommerzielle Flüge noch verfügbar sind«, teilte das Außenministerium am Dienstag mit. Wahrscheinlich werde es in den kommenden Tagen sehr viel schwieriger, herauszukommen. Für Briten gilt nun mit Ausnahme des Hauptstadt-Flughafens eine Reisewarnung für das gesamte Land. Deutschland rät Bundesbürgern bislang lediglich, zu prüfen, ob ihre Anwesenheit »zwingend erforderlich « ist.

Unterdessen waren in der Hauptstadt Addis Abeba mehr als 20 örtliche Mitarbeiter der Vereinten Nationen festgenommen worden. Uno-Sprecher Stéphane Dujarric sagte am Dienstag in New York, 16 äthiopische Uno-Mitarbeiter seien noch inhaftiert. Sechs weitere seien inzwischen freigelassen worden. »Wir arbeiten natürlich aktiv mit der äthiopischen Regierung zusammen, um ihre sofortige Freilassung sicherzustellen«, sagte Dujarric am Uno-Sitz in New York. »Soweit ich weiß, wurde uns keine Erklärung dafür geliefert, warum diese Mitarbeiter festgenommen wurden.«

Die Festnahmen erfolgten offenbar im Zusammenhang mit dem Vorgehen von Sicherheitskräften gegen Angehörige der Volksgruppe der Tigray. Das US-Außenministerium verurteilte am Dienstag mit Blick auf die inhaftierten Uno-Mitarbeiter Festnahmen aufgrund ethnischer Zugehörigkeit. »Schikanierung durch die Sicherheitskräfte und Festnahmen auf Grundlage der Ethnie sind vollkommen inakzeptabel«, sagte Ministeriumssprecher Ned Price.

TPLF rückt auf Addis Abeba vor

Mit knapp 115 Millionen Einwohnern ist Äthiopien in Afrika das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung. Der Vielvölkerstaat galt lange als Stabilitätsanker der Region. Nun droht er durch die Kämpfe zu zerfallen. Die Zentralregierung ist geschwächt. Der Konflikt zwischen Addis Abeba und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), der vor etwa einem Jahr begann, hat sich mittlerweile auf weitere Landesteile ausgeweitet. Gemeinsam mit Rebellen der Oromo Liberation Army (OLA) rückt die TPLF auf Addis Abeba vor.

Vor einer Woche rief die Regierung einen landesweiten Ausnahmezustand aus. Befürchtet wird ein Angriff der Rebellen auf Addis Abeba. Die Vereinten Nationen, die Afrikanische Union und die USA versuchen derzeit, in dem Konflikt zu vermitteln.

sol/dpa/afp