Krisenregion Tigray Äthiopien räumt Beschuss von Uno-Mitarbeitern ein

Helfer der Vereinten Nationen wollten sich offenbar Zugang zur umkämpften Region Tigray verschaffen – äthiopische Militärs eröffneten das Feuer. Man brauche keine »Babysitter«, teilte die Regierung mit.
Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed

Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed

Foto: AMANUEL SILESHI / AFP

Ein Team der Vereinten Nationen ist in der äthiopischen Krisenregion Tigray am Wochenende von Regierungstruppen beschossen worden. »Einige der Uno-Mitarbeiter wurden festgenommen und einige wurden beschossen«, räumte der äthiopische Regierungssprecher Redwan Hussein auf einer Pressekonferenz ein.

Er gab an, die Uno-Personal hätte am Sonntag nahe dem Ort Shire zwei Kontrollpunkte durchbrochen und sei in Gebiete gefahren, die es nicht betreten durfte.

Der Sprecher sagte, das Team der Vereinten Nationen hätte sich »eine Art abenteuerliche Expedition gegönnt«. Demnach kam es zu dem Vorfall, als das Team einen dritten Kontrollpunkt der Regierung durchbrechen wollte. Dort seien die Uno-Mitarbeiter festgenommen worden.

In der vergangenen Woche hatte die Uno mitgeteilt, sie habe mit der äthiopischen Regierung eine Übereinkunft erzielt, die »bedingungslosen Zugang für humanitäre Hilfe« garantiere. Der Regierungssprecher widersprach jedoch dieser Darstellung. »Es gibt keinen ungehinderten Zugang in jeden Winkel Äthiopiens«, sagte er.

Dass überhaupt internationale Hilfe für die Menschen in Tigray notwendig ist, stritt Redwan ab. »Äthiopien wird von einer starken, funktionierenden Regierung geführt«, sagte der Sprecher. »Es braucht keinen Babysitter«.

Zehntausende Menschen auf der Flucht

Der äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed hatte Anfang November Truppen in die abtrünnige Region Tigray im Norden des Landes entsandt. Ende November verkündete er die Einnahme der Regionalhauptstadt Mekele. Die bisher in Tigray regierende Volksbefreiungsfront TPLF kündigte jedoch an, sie werde den Kampf fortsetzen.

Geflüchtete Tigray-Familie in einem Camp im Sudan

Geflüchtete Tigray-Familie in einem Camp im Sudan

Foto: YASUYOSHI CHIBA / AFP

Mehrere tausend Menschen sind nach Schätzungen der auf Konflikte spezialisierten International Crisis Group (ICG) bei den Kämpfen in Äthiopien bisher getötet worden. Fast 50.000 flüchteten demnach in den Sudan.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen berichtet, waren in Tigray bereits vor Ausbruch des Konflikts 600.000 der insgesamt fünf Millionen Einwohner von Lebensmitteln-Hilfslieferungen abhängig.

fek/AFP/Reuters
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