Bürgerkrieg Äthiopiens Regierung verkündet sofortigen Waffenstillstand

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Äthiopien wurden Tausende Menschen getötet, Millionen in die Flucht getrieben. Nun soll es laut der Regierung eine Feuerpause geben.
Zerstörter Panzer in Mesobit: Lösung des Konflikts »ohne weiteres Blutvergießen»

Zerstörter Panzer in Mesobit: Lösung des Konflikts »ohne weiteres Blutvergießen»

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Amanuel Sileshi / AFP

Knapp eineinhalb Jahre nach Beginn des bewaffneten Konflikts im Norden Äthiopiens hat die Regierung in Addis Abeba einen »unbefristeten humanitären Waffenstillstand« verkündet. Der Waffenstillstand trete »sofort« in Kraft, teilte die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed mit.

Ziel sei eine »substanzielle Verbesserung der humanitären Situation vor Ort. Es solle eine Lösung des Konflikts »ohne weiteres Blutvergießen« ermöglicht werden. Man rufe die Aufständischen in der Region Tigray auf, »von allen weiteren aggressiven Akten abzusehen und sich aus Gebieten zurückzuziehen, die sie in Nachbarregionen besetzt haben«, hieß es in der Erklärung weiter.

Uno wirft allen Konfliktparteien Menschenrechtsverletzungen vor

Der bewaffnete Konflikt zwischen der Regierung in Addis Abeba und der Rebellengruppe TPLF aus Tigray hatte im November 2020 begonnen. Inzwischen hat er sich auch auf Tigrays Nachbarregionen Amhara und Afar ausgeweitet.

Von der Führung der TPLF war zunächst keine Stellungnahme zu dem Vorstoß der Regierung bekannt. Ebenso ist unklar, ob der angekündigte Waffenstillstand Basis für ein dauerhaftes Ende der bewaffneten Auseinandersetzungen sein kann.

Seit Beginn der Kämpfe wurden nach Uno-Angaben Tausende Menschen getötet und mehr als zwei Millionen weitere in die Flucht getrieben. Die Vereinten Nationen werfen allen Konfliktparteien schwere Menschenrechtsverletzungen vor.

Millionen Menschen in Tigray und den Nachbarregionen sind nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Humanitäre Hilfslieferungen nach Tigray wurden nach Uno-Angaben bislang blockiert. Der internationale Druck auf die Regierung, die Hilfslieferungen zuzulassen, war zuletzt angewachsen.

Der bewaffnete Konflikt hat in dem Land mit 115 Millionen Einwohnern auch zu einer schweren wirtschaftlichen Krise geführt. Die USA und die EU haben Hilfsgelder gekürzt, die jährliche Inflationsrate belief sich 2021 auf rund 35 Prozent.

bka/AFP
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