Kampf gegen Erblindung in Äthiopien Augen öffnen

Millionen Äthiopier sind blind oder stark sehbehindert. Vielen könnte mit Routineoperationen geholfen werden - doch es fehlt an Ärztinnen und Ärzten. Fotograf Filippo Ferrara hat eine Krankenstation besucht.
Untersuchung in Krankenstation in Äthiopien: Gerade Mädchen und Frauen sind von der Krankheit Trachom betroffen, die zu Blindheit führen kann

Untersuchung in Krankenstation in Äthiopien: Gerade Mädchen und Frauen sind von der Krankheit Trachom betroffen, die zu Blindheit führen kann

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Filippo Steven Ferrara

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Erst mal ein paar Zahlen: 140 Augenärztinnen und Augenärzte  gibt es in Äthiopien. 112 Millionen Menschen leben in dem Land.

Wer in Äthiopien Krankheiten am Auge hat, wird - rein rechnerisch - ziemlich sicher keine Hilfe erfahren. Vier Millionen Äthiopier sind laut der Organisation Orbis International blind oder stark sehbehindert. 

In dem ostafrikanischen Land erblinden Menschen, obwohl ihnen medizinisch recht einfach geholfen werden könnte. Es geht dabei vor allem um zwei Krankheiten:

  • Das Trachom ist eine bakterielle Augenentzündung, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten gezählt wird und im Gegensatz zu Malaria oder Aids wenig Aufmerksamkeit erfährt. In einem Frühstadium kann man das Trachom mit einer Antibiotikasalbe kurieren. Unbehandelt aber drehen sich die Lider immer weiter nach innen, reizen die Bindehaut, irgendwann erblinden die Patienten. Die Krankheit ist hochansteckend, von Mensch zu Mensch, aber auch über Fliegen.

  • Katarakte, auch bekannt unter dem Namen "Grauer Star" - diesen entfernen zu lassen, ist in Europa ein Routineeingriff. Weltweit aber sind mehr als die Hälfte der Erblindungen auf Katarakte zurückzuführen.

"Manche nehmen Tagesmärsche auf sich, um von einem Arzt behandelt zu werden"

Filippo Steven Ferrara, Fotograf

Der Fotograf Filippo Steven Ferrara brach Ende 2018 nach Wasserà auf, einem Dorf im Süden, auf dem äthiopische Land, das Google Maps nicht kennt. Ferrara traf Menschen in den Wartezimmern der Krankenstationen, die kaum mehr etwas sehen konnten. "Die Menschen stehen Schlange, manche nehmen Tagesmärsche auf sich, um von einem Arzt behandelt zu werden", sagt er.

Einmal im Monat kommt ein Arzt etwa in der Krankenstation von Wasserà vorbei. Gerade auf dem Land ist die Ärztedichte noch einmal viel schlechter als in den großen Städten. Die Gesundheitsstationen in den Dörfern seien, sagt Ferrara, oft von christlichen Missionen betrieben. Nonnen kümmerten sich um die Schulbildung, die medizinische Grundversorgung, "die Missionen übernehmen in Teilen die Rolle des Staates", so der Fotograf.

Neun Tage verbrachte Ferrara damals auf der Krankenstation in Wasserà, er besuchte auch andere Stationen, er sprach mit Ärztinnen, Pflegern, Patienten. Es brauche, natürlich, mehr Ärzte und Personal. Aber um das Trachom in den Griff zu bekommen, seien auch Abwassersysteme, Trinkwasserleitungen und mehr Bewusstsein für Hygiene nötig, sagt er. Denn die Menschen holten sich die Chlamydien, jene Bakterien, die zu den Trachomen führen, oft am Fluss: Dort waschen sie sich, dort holen sie Trinkwasser. Trachom-Entzündungen werden umgangssprachlich auch als "Flussblindheit" bezeichnet.

Ferrara hielt nach der Rückkehr von seiner Recherche lose Kontakt zu einigen Menschen, die er in Wasserà traf. Nun versuchte er, die Ärzte und Nonnen der Krankenstationen noch einmal zu kontaktieren, ohne Erfolg: Während der Coronakrise, meint der Fotograf, seien die wenigen Mediziner noch mehr gefragt als in normalen Zeiten.

Lesen Sie in der Fotostrecke, wie Ärztinnen und Pfleger in Äthiopien den Menschen ihr Sehen zurückgeben:

Fotostrecke

Licht in den Augen

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Filippo Steven Ferrara

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

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