Bürgerkrieg in Äthiopien Uno-Vizegeneralsekretärin prangert »unvorstellbares« Leid von Frauen an

Hunger, Vergewaltigung, Ausgrenzung: Was Frauen in Äthiopien erlebten, sei »inakzeptabel«. Die Uno-Vizegeneralsekretärin schildert die Lage im Land anhand eines drastischen Beispiels.
UN-Vizegeneralsekretärin Amina Mohammed in New York (September 2021): »Jeder hat Schuld«

UN-Vizegeneralsekretärin Amina Mohammed in New York (September 2021): »Jeder hat Schuld«

Foto: POOL / REUTERS

Tausende Menschen sind bereits ums Leben gekommen, Millionen mussten ihre Heimat verlassen. Dass der Bürgerkrieg in Äthiopien bereits viele Opfer in der Zivilbevölkerung gefordert hat, ist klar. Nun aber hat Amina Mohammed nach einem Besuch in den Konfliktregionen auf das »unvorstellbare« Leid insbesondere der Frauen aufmerksam gemacht.

Die stellvertretende Uno-Generalsekretärin schilderte nach ihrer Reise in die Regionen Tigray, Amhara, Afar und Somali am Freitag vor Journalisten einen Fall, bei dem eine Frau vor den Augen ihres Kindes vergewaltigt und anschließend von ihrem Mann und ihrer Familie verstoßen worden sei.

»Jeder hat Schuld«

»In Ihren schlimmsten Albträumen können Sie sich nicht vorstellen, was mit den Frauen in Äthiopien geschehen ist«, sagte Mohammed bei der Pressekonferenz. Sie habe auch viele Frauen gesehen, die an Hunger litten. Im 21. Jahrhundert sei es »inakzeptabel«, anderen Menschen so etwas anzutun, sagte Mohammed. »Jeder hat Schuld«, betonte sie.

»Wenn Männer in den Krieg ziehen, kommen sie zurück und gelten als Helden, egal welche Verletzungen sie haben«, führte die stellvertretende Uno-Generalsekretärin weiter aus. Für Frauen gelte dies nicht: »Sie werden einfach ausgegrenzt. Das muss aufhören.«

Der bewaffnete Konflikt zwischen der Regierung in Addis Abeba und der TPLF in der Konfliktregion Tigray hatte im November 2020 mit einer Offensive der Regierungstruppen begonnen. Seither wurden tausende Menschen getötet und mehr als zwei Millionen in die Flucht getrieben. Die Vereinten Nationen werfen allen Konfliktparteien schwere Menschenrechtsverletzungen vor.

jus/AFP