Ultimatum abgelaufen Äthiopiens Regierungschef ordnet finale Militäroffensive in Tigray an

Die äthiopische Armee rückt in der Provinz Tigray immer weiter vor. Regierungschef Abiy Ahmed hat die Bevölkerung der Regionalhauptstadt Mekele aufgerufen, die Waffen niederzulegen.
Kämpfer der Amhara Special Forces

Kämpfer der Amhara Special Forces

Foto: EDUARDO SOTERAS / AFP

Die Lage in der äthiopischen Provinz Tigray spitzt sich weiter zu. Nach Ablauf eines Ultimatums zur Kapitulation der TPLF hat Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed nun eine finale Militäroffensive angeordnet.

In Tigray kämpfen die Armee und verbündete Gruppen gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), die in der nördlichen Region an der Macht ist.

Man rufe die Bewohner von Mekele, der Hauptstadt von Tigray, auf, die Waffen niederzulegen, in ihren Häusern zu bleiben und sich von militärischen Zielen fernzuhalten, teilte Abiy auf Facebook mit. Man werde sich während der Offensive bemühen, Zivilisten zu schützen.

Kommunikation in Tigray noch immer weitgehend unterbrochen

Zuvor waren die äthiopischen Streitkräfte in Richtung Mekele vorgerückt. Am Sonntag hatte Abiy den Kräften in Tigray ein 72-stündiges Ultimatum zur Kapitulation gesetzt. Nach Angaben des Ministerpräsidenten kapitulierten Tausende Kämpfer. Etliche Stimmen der internationalen Gemeinschaft, darunter Uno-Generalsekretär António Guterres, riefen zum Schutze der Zivilbevölkerung auf.

Geflüchtete berichten von Massentötungen und Plünderungen, Enthauptungen von Kindern und Hinrichtungen mit Macheten – dabei ist jedoch meist die Rede von Milizen aus der Nachbarprovinz Amhara, seltener von regulären Streitkräften.

Hilfsorganisationen warnten erneut vor einer humanitären Katastrophe. »Keine der Kriegsparteien ist gewillt, Hilfsorganisationen Zugang zu den Not leidenden Menschen in Tigray zu gewähren«, kritisierten Caritas International, Misereor und die Sternsinger.

Zu den Opfern gehörten ältere Menschen, Schwangere, Kinder und Menschen mit Behinderungen, die nicht fliehen könnten. Zudem sei die Kommunikation mit den Menschen im Kampfgebiet nach wie vor weitgehend unterbrochen.

Tigray fühlen sich nicht repräsentiert

Von 1991 bis 2018 hatten die Tigray als führende Kraft das Land regiert. 2018 kam es zu Unruhen. Die Oromo, die größte ethnische Gruppe Äthiopiens, beklagten ihre politische und wirtschaftliche Marginalisierung unter der Herrschaft der Tigray.

Auch die Amhara, zweitgrößte ethnische Gruppe, protestierte. Mit Abiy kam jemand an die Macht, der nicht zu den Tigray gehörte. Sein Vater war ein Oromo, seine Mutter eine Amhara. Abiy versprach eine schnelle Demokratisierung und wurde mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, doch die Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen haben wieder zugenommen, seit er das Land führt.

Äthiopiens Regierung hatte vor drei Wochen eine Offensive gegen die TPLF gestartet. Viele Menschen in Tigray fühlen sich von der Zentralregierung nicht vertreten und fordern mehr Autonomie.

höh/dpa
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