Abzug aus Afghanistan Alle Nato-Soldaten haben Stützpunkt Bagram verlassen

Der vollständige Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan steht offenbar unmittelbar bevor: Die USA und die Nato haben ihre verbliebenen Soldaten vom Haupt-Militärstützpunkt Bagram abberufen.
Militärstützpunkt Bagram (Archivaufnahme)

Militärstützpunkt Bagram (Archivaufnahme)

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Rahmat Gul / AP

Nach fast 20 Jahren hat das US-Militär seinen Stützpunkt Bagram in Afghanistan verlassen. Der Flugplatz sei vollständig an die afghanische Nationale Sicherheits- und Verteidigungskraft übergeben worden, hieß es.

»Alle Streitkräfte der Koalition haben Bagram verlassen«, sagte ein US-Armeevertreter der Nachrichtenagentur AFP. Der Schritt deutet darauf hin, dass der vollständige Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan unmittelbar bevorsteht. Wann genau die letzten US- und Nato-Soldaten Bagram verließen, sagte der US-Armeevertreter, der anonym bleiben wollte, nicht. Auch zum Zeitpunkt, an dem die US-Armee den Luftwaffenstützpunkt offiziell an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben will, äußerte er sich nicht.

Bagram ist die größte Militärbasis der USA und der Nato in Afghanistan. Auf dem Stützpunkt 50 Kilometer von der Hauptstadt Kabul entfernt waren zeitweise bis zu 30.000 Soldaten stationiert. Auf dem Gelände befindet sich außerdem ein Gefängnis, in dem Talibankämpfer und islamistische Extremisten festgehalten wurden.

US-Präsident Joe Biden hat angekündigt, bis spätestens zum 11. September – dem 20. Jahrestag der Terroranschläge in den USA – alle Truppen aus Afghanistan abziehen. Die Anschläge von 11. September 2001 waren der Auslöser der US-Militärinvasion in Afghanistan.

In dieser Woche hatte auch die Bundeswehr den Rückzug aus Afghanistan angetreten. Der Einsatz hatte mehr als 12 Milliarden Euro gekostet und war der verlustreichste in der Geschichte der Bundeswehr. Zuletzt war der Kernauftrag der Nato-Truppe die Ausbildung afghanischer Streitkräfte.

Mit dem Truppenabzug begannen die USA und ihre Nato-Verbündeten Ende April. Mehrere Militärstützpunkte wurden bereits an die afghanische Armee übergeben. Die Gewalt in Afghanistan hat in den vergangenen Wochen jedoch stark zugenommen. Die Friedensgespräche zwischen den radikalislamischen Taliban und der afghanischen Regierung kommen nicht voran. Beobachter warnen, dass sich die Sicherheitslage in dem Land nach dem vollständigen Abzug der Nato-Truppen noch verschlechtern könnte.

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Taliban erfreut über Abzug

Die Taliban äußerten sich denn auch positiv über den Abzug der verbliebenen US-Soldaten und ihrer Nato-Verbündeten aus Bagram. Die Miliz »unterstütze« den Schritt, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Der vollständige Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan werde »den Weg dafür ebnen, dass die Afghanen selbst über ihre Zukunft entscheiden können«, fügte er hinzu.

als/AFP/AP
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