Armee war laut Ex-Minister viel kleiner als behauptet Afghanistans »Geistersoldaten«

Die afghanische Armee bestand vor der Machtübernahme der Taliban offiziell aus etwa 300.000 Soldaten. Laut dem ehemaligen Finanzminister Khalid Payenda waren es in Wahrheit eher 50.000.
Soldaten einer afghanischen Spezialeinheit am 17. Juli in Kabul: Nur ein Sechstel der gemeldeten Truppen soll es wirklich gegeben haben

Soldaten einer afghanischen Spezialeinheit am 17. Juli in Kabul: Nur ein Sechstel der gemeldeten Truppen soll es wirklich gegeben haben

Foto: Rahmat Gul / AP

Die afghanische Armee verfügte nach Angaben eines ehemaligen Ministers des Landes vor der Machtübernahme der Taliban nur über einen Bruchteil der angeblich unter Waffen stehenden Soldaten. Tatsächlich habe es allenfalls ein Sechstel der angeblich 300.000 Soldaten und Polizisten tatsächlich gegeben, sagte Ex-Finanzminister Khalid Payenda der BBC  am Mittwoch. Grund dafür seien korrupte Praktiken von Offizieren gewesen, die für die »Geistersoldaten« Mittel von der Zentralregierung in Kabul erhalten hätten. Den ehemaligen Präsidenten Ashraf Ghani verteidigte er jedoch gegen Korruptionsvorwürfe.

Payenda, der Afghanistan nach der Machtübernahme durch die Taliban verließ, sagte auch, dass das Militär den Truppen der Taliban deshalb zahlenmäßig nicht weit überlegen gewesen sei, wie von verschiedenen Seiten behauptet wurde.

Die militant-islamistischen Taliban hatten im August in atemberaubender Geschwindigkeit noch vor dem geplanten Abzug westlicher Truppen die Macht in Afghanistan übernommen . Die afghanische Armee überließ ihnen beinahe kampflos das Feld, während sich die von den USA angeführte westliche Militärallianz in einer chaotischen Evakuierungsmission aus der Hauptstadt Kabul zurückzog.

svs/dpa
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