Afghanistan Australien will 13 Soldaten wegen Kriegsverbrechen aus Armee entlassen

Mitglieder einer australischen Spezialeinheit haben in Afghanistan Zivilisten getötet – für die Beweise hatte die Armee jahrelang intern ermittelt. Nun werden Konsequenzen gezogen.
Ein australischer Elitesoldat bei einem Einsatz im Süden von Afghanistan (Archivbild von 2009)

Ein australischer Elitesoldat bei einem Einsatz im Süden von Afghanistan (Archivbild von 2009)

Foto: STU DOOD/ AFP

Mindestens 39 afghanische Zivilisten und Gefangene wurden in den vergangenen Jahren von Mitgliedern einer australischen Eliteeinheit getötet. Das geht aus einem internen Untersuchungsbericht hervor, den das australische Militär vergangene Woche veröffentlicht hatte. Es geht darin um mehrere voneinander unabhängige Vorfälle, zumeist um den Vorwurf der Tötung oder der »grausamen Behandlung« von Zivilisten und Gefangenen.

Nun zieht Australien Konsequenzen aus dem Skandal und will 13 Soldaten aus dem Militärdienst entlassen. Die Soldaten seien über die Entscheidung informiert worden, sagte Armeechef Rick Burr am Freitag. Sollten die Betroffenen innerhalb von zwei Wochen keinen Einspruch einlegen, werde der Schritt vollzogen.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA hatte Australien mehr als 26.000 Soldaten nach Afghanistan entsandt, um unter anderem an der Seite der US-Armee gegen islamistische Milizen wie die Taliban und al-Qaida zu kämpfen. 2013 zog Australien seine Kampftruppen aus dem Land ab.

Seither wurden immer wieder schwere Anschuldigungen gegen weiter in Afghanistan stationierte australische Elitesoldaten laut. Die Vorwürfe reichten von der Tötung eines sechsjährigen Kindes während einer Hausdurchsuchung bis zur Tötung eines Gefangenen, um Platz in einem Hubschrauber zu schaffen.

330 Zeugen, mehrere Jahre Untersuchung

Für den vergangene Woche veröffentlichten Untersuchungsbericht war jahrelang ermittelt worden, 330 Zeugen wurden angehört. Demnach hatten die Angehörigen einer australischen Eliteeinheit in Afghanistan mindestens 39 afghanische Zivilisten und Gefangene »unrechtmäßig getötet«. Andere Soldaten führten laut dem Bericht als Wettbewerb Opferlisten und vertuschten unrechtmäßige Tötungen, indem sie Gefechte vortäuschten, den Opfern Waffen unterschoben oder deren Namen nachträglich auf Feindeslisten setzten.

Der Generalinspekteur der australischen Armee, der den Bericht verfasst hatte, empfahl, 19 Verdächtige für strafrechtliche Ermittlungen an die australische Bundespolizei zu verweisen. Vor einer Woche hatte Australiens Regierungschef Scott Morrison einen Sonderstaatsanwalt ernannt, um eine strafrechtliche Verfolgung von Armeeangehörigen zu ermöglichen.

mrc/dpa/AFP
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