BBC-Bericht Britisches Militär soll in Afghanistan Unbewaffnete getötet haben

Elitesoldaten der britischen Armee sollen in Afghanistan gezielt Unbewaffnete und Festgenommene getötet haben, berichtet die BBC. Es seien falsche Beweise platziert worden, weil man sich bei der Zahl der Tötungen habe übertrumpfen wollen.
Ein Foto aus der Provinz Helmand aus dem Jahr 2011 (Symbolbild)

Ein Foto aus der Provinz Helmand aus dem Jahr 2011 (Symbolbild)

Foto: Kevin Frayer/ AP

Die Vorwürfe wiegen schwer: Unter Berufung auf geheime Militärreports berichtet die BBC, dass eine Untergruppe einer Spezialeinheit des britischen Militärs in Afghanistan Unbewaffnete und Festgenommene getötet haben soll. Es handle sich um 54 Menschen, die 2010/2011 innerhalb von sechs Monaten auf verdächtige Weise bei Razzien umgekommen seien. Darüber hinaus soll der damalige Leiter der Spezialeinheiten dem Bericht zufolge versäumt haben, Informationen dazu im Rahmen einer Mordermittlung weiterzugeben.

Als Quelle für die Anschuldigungen gibt die BBC Einsatzberichte des Special Air Services (SAS) an. Mehr als ein Dutzend der Einsatzberichte behandeln laut BBC die Einsätze der beschuldigten Untergruppe der Eliteeinheit. Die Gruppe sollte demnach in Afghanistan »Kill or Capture«-Razzien durchführen – mit dem Ziel, Taliban-Befehlshaber festzunehmen und Bombenbaunetze zu zerschlagen.

Mehrere an den nächtlichen Razzien beteiligte Personen berichteten der BBC demnach , sie hätten erlebt, wie unbewaffnete Menschen getötet worden seien. Auch seien AK-47-Gewehre vor Ort platziert worden, um die Tötungen zu rechtfertigen. Mehrere Personen werfen der Gruppe laut der BBC vor, in einer Art perfidem Wettbewerb eine höhere Zahl von Tötungen als ihre Vorgängergruppe angestrebt zu haben.

Männer sollen Waffen und Handgranaten gezogen haben

In den ausgewerteten Einsatzberichten falle auf, dass sich die offiziell angegebenen Gründe für Tötungen oft ähnelten, schreibt die BBC: So sollen afghanische Männer bei unterschiedlichen nächtlichen Razzien angeblich plötzlich AK-47-Gewehre oder Handgranaten hinter Vorhängen oder Möbeln hervorgezogen haben – nachdem sie festgenommen wurden. Meist sollte bei einer Razzia ein Festgenommener mit zurück in das betroffene Gebäude kommen, um bei der Durchsuchung zu helfen.

»Es war zu der Zeit klar, dass etwas nicht stimmt«, sagte ein hochrangiger Beamter im SAS-Hauptquartier der BBC. Es habe »echte Bedenken« gegeben. In internen Mails sei von dem »neuesten Massaker« der Gruppe die Rede gewesen, schreibt die BBC.

Demnach gab es Bedenken, weil die angebliche Taktik der Afghanen, nach einer Festnahme nach Waffen oder Handgranaten zu greifen, in den Einsatzberichten anderer britischer Militäreinheiten nicht beschrieben worden sei. Auch seien im Nachgang der Razzien nicht immer so viele Waffen gefunden worden, wie Menschen getötet worden seien, was den Verdacht nahelege, dass die Gruppe Unbewaffnete getötet habe.

Prüfungsbeauftragter spricht nur mit Militär

Laut BBC erreichten einige Bedenken auch den damaligen Leiter der Spezialeinheiten, General Sir Mark Carleton-Smith. Im Hauptquartier sei eine der seltenen formellen Prüfungen eingeleitet worden. Doch der Beauftragte der Untersuchung habe in Afghanistan nur mit Militärangehörigen gesprochen und keinen der Orte der nächtlichen Razzien aufgesucht. Der Prüfungsbericht unterstützte laut BBC die Versionen der SAS-Einsatzberichte.

Im Jahr 2013 leitete die Militärpolizei des britischen Heeres schließlich eine Mordermittlung wegen einer der Razzien ein. Im Zuge dessen habe der damalige Leiter der Spezialeinheiten, General Carleton-Smith, die Militärpolizei jedoch nicht über die früheren Bedenken gegenüber den Tötungen oder die formelle Prüfung informiert.

General Carleton-Smith wollte sich zu den Anschuldigungen gegenüber der BBC nicht äußern, heißt es in dem Bericht. Das britische Verteidigungsministerium teilte demnach mit, dass die britischen Streitkräfte in Afghanistan »mit Mut und Professionalität« gedient hätten und den »höchsten Anforderungen« gerecht geworden seien. Zu bestimmten Vorwürfen könne sich das Ministerium nicht äußern, das solle aber nicht als Anerkennung der Richtigkeit der Vorwürfe gewertet werden.

kko
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