Eroberungsfeldzug der Taliban in Afghanistan Bundeswehr startet am Montag mit Evakuierungsflügen

Der Vormarsch der Taliban ist in Afghanistan offenbar nicht mehr zu stoppen. Die Bundeswehr plant derzeit unter Hochdruck eine Rettungsaktion von Botschaftsmitarbeitern und weiteren deutschen Staatsbürgern.
In der afghanischen Stadt Kandahar haben Taliban ihre Flagge gehisst

In der afghanischen Stadt Kandahar haben Taliban ihre Flagge gehisst

Foto:

Stringer / EPA

Bereits am Montag sollen mehrere Transportmaschinen vom Typ A400M der Bundeswehr in die afghanische Hauptstadt Kabul fliegen, um Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Sicherheit zu bringen. Dies erfuhr der SPIEGEL aus Sicherheitskreisen, zuvor hatte die »Bild am Sonntag« darüber berichtet.

Nach SPIEGEL-Infomationen sollen die Maschinen von Kabul nach Usbekistan fliegen, von dort aus sollen zivile Maschinen für Anschlussflüge genutzt werden. Zunächst sollen die rund 20 Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kabul ausgeflogen werden, sowie die Bundespolizisten, die zur Sicherung der Botschaft eingesetzt wurden. Darüber hinaus sind Evakuierungsflüge für Mitarbeiter der Entwicklungszusammenarbeit sowie die rund 80 weiteren Deutschen geplant, die sich in dem Land aufhalten. Auch rund 300 Ortskräfte mit deren Familien sowie einige tschechische Staatsangehörige sollen von den Transportern der Bundeswehr in Sicherheit gebracht werden. Die A400M-Maschinen können rund 150 Passagiere aufnehmen.

DER SPIEGEL

Vorletzte Großstadt erobert

Außenminister Heiko Maas sagte der »Bild am Sonntag«, dass nun die zügige Evakuierung deutscher Diplomaten und anderer Mitarbeiter das Wichtigste sei. »Wir werden nicht riskieren, dass unsere Leute den Taliban in die Hände fallen. Wir sind für alle Szenarien vorbereitet.«

Die militant-islamistischen Taliban haben nun auch die Großstadt Jalalabad im Osten Afghanistans übernommen. Die Provinzhauptstadt von Nangarhar sei kampflos von den Islamisten erobert worden, bestätigten zwei Provinzräte und ein Bewohner gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Damit verliert die Regierung die vorletzte noch unter ihrer Kontrolle stehende Großstadt des Landes. Ein möglicher Angriff auf ihre letzte Bastion Kabul könnte bald erfolgen. Erst am Samstagabend hatten die Taliban die wichtige Stadt Masar-i-Scharif im Norden mehr oder weniger kampflos eingenommen. Dort waren bis Ende Juni deutsche Soldaten stationiert.

Die Islamisten seien um 6.00 Uhr morgens (Ortszeit) in Jalalabad, eine wirtschaftlich wichtige Stadt mit 280.000 Einwohnern, eingedrungen, sagte ein Bewohner. Zwei Provinzräte erklärten, es habe keine Kämpfe gegeben. »Kämpfen wäre sinnlos gewesen.«

Taliban im Büro des Gouverneurs

In sozialen Medien geteilte Bilder zeigten rund ein Dutzend Talibankämpfer im Büro des Provinzgouverneurs. Noch unbestätigten Berichten zufolge übernahmen die Islamisten auch weitere Bezirke in der Provinz Nangarhar. Es wäre damit nur eine Frage der Zeit, bis auch eine durch die Provinz verlaufende Hauptverbindung nach Pakistan über Land unter ihrer Kontrolle stünde.

Der Ring um die Hauptstadt Kabul ist somit mehr oder weniger zugezogen. Präsident Ashraf Ghani hatte Sami Sadat, den ehemaligen Kommandeur des 215. Armeekorps, zuständig für den Süden Afghanistans zum neuen Sicherheitsbeauftragten für die Stadt Kabul ernannt.

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Es ist jedoch fraglich, ob der neue Kabul-Beauftragte Sadat noch dazu kommen wird, die Verteidigungslinien der Hauptstadt zu verstärken. Es ist nicht bekannt, wie viele der auf dem Papier rund 300.000 Mann starken Sicherheitskräfte aus Armee und Polizei mittlerweile den Dienst quittiert haben.

Masar-i-Scharif ist vollständig unter Kontrolle der Islamisten

Wie schnell die Taliban derzeit ganze Großstädte einnehmen, zeigte sich zuletzt an Masar-i-Scharif. In der Stadt hatte die Bundeswehr bis vor Kurzem ein großes Feldlager im Camp Marmal in der Nähe des Flughafens. Dort waren bis zum Sommer noch rund 1000 deutsche Soldaten stationiert.

Seit Samstag ist die Stadt nun vollständig unter Kontrolle der Islamisten. In sozialen Medien wurden Bilder von Taliban geteilt, die bei der berühmten Blauen Moschee ihre Fahne anbrachten.

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In Masar-i-Scharif könnten sich weiter auch Ortskräfte der Bundeswehr befinden. An ihnen werden Racheaktionen der Taliban befürchtet. Viele waren angesichts der steigenden Gefahr in den vergangenen Wochen bereits nach Kabul übergesiedelt. Eine ehemalige Bundeswehr-Ortskraft in Kabul sagte, seine Familie weine vor Angst, seit sie die Nachricht des Falls der Stadt erreicht habe. Sie gingen davon aus, dass Kabul auch bald eingenommen werde.

mgb/hen/dpa
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