Afghanistan Chinas Außenminister spricht mit Taliban

Die USA sind nicht die einzige Großmacht mit Interessen am Hindukusch: Eine Taliban-Delegation reiste jüngst nach China – und Russland will Afghanistans Nachbarland Tadschikistan mit Waffen unterstützen.
Chinesischer Außenminister Wang Yi: »Hastiger Abzug«

Chinesischer Außenminister Wang Yi: »Hastiger Abzug«

Foto: Russian Foreign Ministry / imago images/ITAR-TASS

Chinas Außenminister Wang Yi hat Gespräche mit militant-islamistischen Taliban aus Afghanistan geführt. Der Minister habe in der ostchinesischen Metropole Tianjin eine Delegation um Taliban-Mitbegründer Mullah Abdul Ghani Baradar getroffen, teilte das Außenministerium in Peking mit.

Wang Yi sagte demnach, dass sich China nicht in die inneren Angelegenheiten Afghanistans einmischen wolle und eine freundliche Politik gegenüber dem afghanischen Volk anstrebe. Nach dem »hastigen Abzug« der US-Truppen und anderer Nato-Verbündeter sehe sich das afghanische Volk mit neuen Möglichkeiten konfrontiert, die Entwicklung der Nation selbst in die Hand zu nehmen.

Taliban-Führer Baradar habe demnach der chinesischen Seite seine Anerkennung ausgedrückt und China als »vertrauenswürdigen Freund« bezeichnet.

Die Taliban haben seit Beginn des Abzugs der internationalen Truppen Anfang Mai mehrere Offensiven in Afghanistan  gestartet und dabei große Gebietsgewinne erzielt. Mittlerweile kontrollieren sie knapp über die Hälfte aller Bezirke des Landes. Laut US-Präsident Joe Biden endet der US-Einsatz in Afghanistan Ende August. Friedensgespräche zwischen den Islamisten und der Regierung in Kabul laufen seit September des Vorjahres, allerdings treten diese auf der Stelle.

Russland will Tadschikistan mit Waffen unterstützen

Angesichts der Offensive der Taliban in Afghanistan hat Russland angekündigt, das benachbarte Tadschikistan mit Waffen und Ausrüstung zu unterstützen. Russland, Tadschikistan und Usbekistan würden zudem in der kommenden Woche gemeinsame Militärübungen an der Grenze abhalten, teilte der russische Verteidigungsminister Sergej Schojgu mit. Er machte den »übereilten« Abzug der US-Streitkräfte aus Afghanistan für die Verschlechterung der Lage verantwortlich.

Russland sei bereit, »unseren tadschikischen Freunden jede notwendige Hilfe anzubieten«, betonte der Verteidigungsminister. Tadschikistans Armee hielt vor rund einer Woche angesichts des Vormarschs der Taliban im Nachbarland ein Großmanöver ab. Es war die erste derartige Militärübung in der 30-jährigen Geschichte des Landes seit seiner Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Die Regierung in Duschanbe verlegte zudem 20.000 Soldaten an die Grenze zu Afghanistan.

asa/dpa/AFP
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