Evakuierung im Eiltempo Deutsche Botschaft in Kabul geräumt

Nach dem Einmarsch der Taliban muss die Bundesregierung die Rettungspläne für das Personal der Deutschen Botschaft massiv beschleunigen. Nach SPIEGEL-Informationen wurden die Botschaftsangehörigen bereits zum sicheren Flughafen gebracht.
Deutsche Botschaft in Kabul, Afghanistan (Archivfoto)

Deutsche Botschaft in Kabul, Afghanistan (Archivfoto)

Foto: Michael Kappeler / picture alliance / dpa

Die Bundesregierung hat nach SPIEGEL-Informationen wegen des Einmarsches der Taliban in Kabul am Sonntag die Deutsche Botschaft im Eiltempo evakuiert. Nach den ersten Meldungen über die eindringenden Taliban-Einheiten wurden aus Sicherheitsgründen sowohl die etwa 20 Botschaftsangehörigen als auch die Bundespolizisten, die zum Schutz der Landesvertretung abgestellt sind, zum militärisch gesicherten Flughafen gebracht.

DER SPIEGEL

Ob auch die rund 80 weiteren deutschen Staatsbürger dort in Sicherheit gebracht wurden, war zunächst nicht zu erfahren. Man versuche, so viele Deutsche so schnell wie möglich auszufliegen, hieß es in Militärkreisen.

Mittlerweile bestätigte das Auswärtige Amt die Schließung der Botschaft in der afghanischen Hauptstadt. Die Sicherheitslage habe sich drastisch verschlechtert, hieß es in einer Reisewarnung. Deutsche Staatsangehörige werden aufgefordert, Afghanistan zu verlassen.

Planänderungen »quasi minütlich«

Die »Bild«-Zeitung meldete zunächst ohne Angaben von Quellen, die Deutschen sollten schon heute von einem A400M und einem A310 der Luftwaffe abgeholt werden. In Sicherheitskreisen hieß es, man müsse die Planungen für die Rettungsflüge auf jeden Fall beschleunigen. Die Planungen seien aber sehr dynamisch und änderten sich »quasi minütlich«.

Der Flughafen gilt als letzter sicherer Ort in Kabul, da dort das US-Militär stationiert ist und das Personal der US-Botschaft organisiert. Zwar landen derzeit keine zivilen Flüge mehr am Hamid Karzai Airport, aber Militärmaschinen können den Flughafen weiter ansteuern. Gegenüber dem zivilen Teil gibt es eine massiv gesicherte Kaserne, in der während der Afghanistanmission die Spezialkräfte verschiedener Nato-Nationen stationiert waren.

Geplante Krisenmission nicht absehbar

Ursprünglich hatte die Bundesregierung geplant, am Montag mit einem A400M-Militärtransporter zunächst ein zwölfköpfiges Krisenunterstützungsteam, das aus Bundeswehrsoldaten und Mitarbeitern des Außenministeriums bestehen sollte, nach Kabul zu schicken. Sie sollten eine geordnete Evakuierung der Deutschen aus Kabul organisieren.

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Ob es zu der Mission so noch kommt, war am Sonntag nicht absehbar. Gegen Mittag schalteten sich Kanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Olaf Scholz, Außenminister Heiko Maas und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer zu einer Krisenrunde telefonisch zusammen. Dabei sollte entschieden werden, wie man die Rettung der Deutschen organisiert und die Planungen nach dem Taliban-Einmarsch anpassen muss.

Ursprünglich sollte erst gegen Mitte der Woche ein militärisches Evakuierungs-Team aus rund 300 Soldaten nach Kabul verlegt werden und die Rettung organisieren. Die speziell trainierte Einheit besteht aus Fallschirmjägern und würde im Fall des Falls den sicheren Weg zum Flughafen organisieren und absichern.

Für eine solche »militärische Evakuierungsoperation« (MilEvakOp) wäre formal wohl ein Bundestagsmandat nötig, das in einem Ernstfall wie diesem aber auch nachträglich beschlossen werden könnte. Geplant war, dass die Bundesregierung eine entsprechende Beschlussvorlage schon am Sonntag im Umlaufverfahren beschließt.

Politischer Widerstand unwahrscheinlich

Vorbild für die Operation ist die Mission »Pegasus«, bei der 2011 deutsche Staatsbürger von Militärflugzeugen, in denen für den Ernstfall auch robust ausgestattete Bundeswehreinheiten mitflogen, gerettet wurden. Da es sich um einen Notfall handelt, ist derzeit kein politischer Widerstand zu erwarten. Die Fraktionsspitzen aller Parteien werden regelmäßig über die neuesten Entwicklungen unterrichtet.

Für die Entscheider in Berlin wird die Zeit knapp. Aus den USA kamen Signale, dass die Botschaft sehr viel schneller, möglicherweise sogar innerhalb von 72 Stunden, komplett geräumt werden soll. Ob dann auch der Schutz des militärischen Teils des Flughafens reduziert wird, ist eine entscheidende Frage für die deutsche Rettungsmission.

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