Taliban übernehmen das Kommando Ex-US-Präsident Trump bezeichnet Abzug als »totale Kapitulation«

Donald Trump macht erneut seinen Amtsnachfolger Joe Biden für die Übernahme Afghanistans durch die Taliban verantwortlich. Der britische Ex-Premier Blair wirft dem Westen vor, das Land im Stich gelassen zu haben.
Ex-US-Präsident Donald Trump in Cullman: Verbale Attacke gegen Amtsnachfolger Biden

Ex-US-Präsident Donald Trump in Cullman: Verbale Attacke gegen Amtsnachfolger Biden

Foto: Chip Somodevilla / Getty Images

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hat den Rückzug der US-Streitkräfte aus Afghanistan als die größte außenpolitische Demütigung in der Geschichte der Vereinigten Staaten bezeichnet. »Dies ist kein Rückzug. Das war eine totale Kapitulation«, rief Trump vor Anhängern in Cullman im Bundesstaat Alabama.

Trump machte erneut US-Präsident Joe Biden für die Übernahme Afghanistans durch die radikalislamischen Taliban verantwortlich. Der Abzug der USA, der den Zusammenbruch auslöste, war allerdings noch von seiner eigenen Regierung mit den Taliban ausgehandelt worden. »Bidens verpfuschter Abzug aus Afghanistan ist die erstaunlichste Zurschaustellung grober Inkompetenz durch den Führer einer Nation, vielleicht aller Zeiten«, sagte Trump.

Trump attackiert Biden, Biden kritisiert Trump und afghanische Regierung

Die Taliban, mit denen er verhandelt habe, hätten ihn respektiert. Wäre er noch im Amt gewesen, hätte die schnelle Übernahme Afghanistan durch die Taliban nicht stattgefunden. »Wir hätten das Land mit Ehre verlassen können. Stattdessen verlassen wir es nun mit dem Gegenteil von Ehre.«

US-Präsident Joe Biden sagte dagegen, er habe ein schlechtes Abzugsabkommen von Trump »geerbt«. Die Trump-Regierung hatte in einem viel kritisierten Abkommen mit den Taliban in Doha im vergangenen Jahr ausgehandelt, alle internationalen Truppen bis zum 1. Mai abzuziehen. Biden entschied sich nach seinem Amtsantritt dafür, dies nicht zurückzudrehen, sondern nur den Zeitplan zu ändern. Damit setzte er sich auch über Warnungen von Experten hinweg, die desaströse Folgen eines bedingungslosen Abzugs vorausgesagt hatten.

Außerdem kritisierte Biden das afghanische Militär und die nun im Exil befindliche afghanische Regierung, weil sie sich geweigert hätten, gegen die Taliban zu kämpfen.

Auch der frühere britische Premierminister Tony Blair hat sich mit heftiger Kritik zur westlichen Afghanistanpolitik zu Wort gemeldet. »Das Verlassen Afghanistans und seines Volkes ist tragisch, gefährlich, unnötig, nicht in ihrem Interesse und nicht in unserem«, schrieb der 68-Jährige in einem Beitrag auf der Website seines Instituts .

Blair: »Wir hätten es nicht tun müssen«

Während Blairs Amtszeit war Großbritannien an der Seite der USA in den Afghanistankrieg gezogen. Die US-Motive für den Truppenabzug aus dem Land bezeichnete der Ex-Premier nun als »idiotisch«. »Wir hätten es nicht tun müssen. Wir haben uns dafür entschieden«, schrieb er. »Wir taten das in Gefolgschaft eines idiotischen politischen Slogans über ein Ende der ›Forever Wars‹ – als ob unser Einsatz 2021 auch nur entfernt mit unserem Einsatz vor 20 oder zehn Jahren vergleichbar gewesen wäre.«

US-Präsident Joe Biden hatte den Begriff »Forever Wars« (etwa: ewige Kriege) im vergangenen Jahr mehrfach während des Wahlkampfs genutzt.

Der Abzug aus Afghanistan lasse »jede Dschihadistengruppe auf der ganzen Welt jubeln«, schrieb Blair weiter. Russland, China und Iran würden ihre Vorteile aus dem Schritt ziehen. »Jeder, dem von westlichen Führern Zusicherungen gemacht werden, wird diese verständlicherweise als unsichere Währung ansehen.«

bbr/AFP/Reuters