Wegen der Taliban-Offensive Auch Frankreich schiebt nicht mehr nach Afghanistan ab
Talibankämpfer halten Wache in der von ihnen eroberten Stadt Kunduz
Foto: Abdullah Sahil / dpaFrankreich schiebt vorerst keine afghanischen Migrantinnen und Migranten in ihre Heimat ab. Das hat das französische Innenministerium den Nachrichtenagenturen AP und Reuters am Donnerstag bestätigt. Demnach seien aufgrund der aufgeflammten Kämpfe zwischen afghanischen Regierungstruppen und den radikalislamischen Taliban bereits seit Anfang Juli die Abschiebeflüge ausgesetzt.
Die Lage vor Ort werde »gemeinsam mit den europäischen Partnern genau beobachtet«, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.
Die afghanische Regierung hatte schon vor Wochen darum gebeten, angesichts der Sicherheitslage vorerst niemanden mehr nach Kabul zu schicken. Skandinavische Länder folgten diesem Aufruf früh, eine Gruppe von EU-Staaten um Deutschland beharrte zunächst auf den Abschiebungen. Am Mittwoch verkündete Innenminister Horst Seehofer dann die Kehrtwende.
Zehn Provinzhauptstädte binnen einer Woche erobert
»Ein Rechtsstaat trägt auch Verantwortung dafür, dass Abschiebungen nicht zur Gefahr für die Beteiligten werden«, sagte Seehofer. »Die Sicherheitslage vor Ort ändert sich derzeit so rasant, dass wir dieser Verantwortung weder für die Rückzuführenden noch für die Begleitkräfte und die Flugzeugbesatzung gerecht werden können.« Der Abschiebestopp soll zunächst bis Ende des Monats gelten.
Nach dem Abzug westlicher Truppen erobern die Taliban in Afghanistan Stadt für Stadt. In den vergangenen Tagen nahmen die Taliban unter anderem Kunduz und Faisabad ein. Am Donnerstag eroberten die Islamisten zudem die afghanische Provinzhauptstadt Gasni nur 150 Kilometer vor den Toren Kabuls. »Die Taliban haben die Kontrolle über die wichtigsten Bereiche der Stadt erlangt«, sagte der Vorsitzende des Provinzrates, Nassir Ahmed Fakiri, der Nachrichtenagentur AFP. Gasni ist bereits die zehnte Provinzhauptstadt, die binnen einer Woche gefallen ist.
Angesichts des rasanten Eroberungszugs forderte Deutschland seine Bürgerinnen und Bürger dringend zur zügigen Ausreise aus dem Krisenland auf. Die Botschaft rate allen deutschen Staatsangehörigen dringend zur schnellstmöglichen Ausreise per Linienflug, heißt es in einer Nachricht des Auswärtigen Amts.