Neue Regeln der Taliban Frauen in Afghanistan dürfen nur noch mit Hidschab im Auto mitfahren

Die Taliban schränken die Bewegungsfreiheit für Frauen zunehmend ein. Ohne Bedeckung keine Beförderung im Auto – und ab einer gewissen Fahrstrecke muss ein männlicher Begleiter dabei sein.
Frauen mit Burka auf einem Auto in Kandahar

Frauen mit Burka auf einem Auto in Kandahar

Foto: JAVED TANVEER / AFP

Die Taliban beschneiden die Rechte der Frauen in Afghanistan weiter. Einer neuen Ankündigung der islamistischen Herrscher zufolge dürfen Frauen auf längeren Wegen nur noch in Begleitung eines engen männlichen Verwandten befördert werden. Alle Fahrzeughalter werden außerdem aufgefordert, nur noch Frauen zu transportieren, die einen Hidschab tragen. Wie genau dieser aussehen soll, geht aus der Anordnung nicht hervor. Die Taliban verstehen darunter in der Regel nicht allein die Bedeckung von Haaren und Hals, sondern einen Umhang von Kopf bis Fuß

»Frauen, die eine Strecke von mehr als 72 Kilometern zurücklegen, sollten nicht mitgenommen werden, wenn sie nicht von einem engen Familienmitglied begleitet werden«, sagte ein Sprecher des Ministeriums für die Förderung der Tugend und die Verhinderung des Lasters. In der neuen Anweisung des Ministeriums werden die Menschen auch aufgefordert, in ihren Fahrzeugen keine Musik mehr zu hören.

Die Anordnung ist ein weiterer Schritt, Frauen aus der Öffentlichkeit zu verdrängen und ihnen ein selbstständiges Leben zu erschweren. Vor wenigen Wochen hatte das Ministerium afghanische Fernsehsender aufgefordert, keine Dramen und Seifenopern mit Darstellerinnen mehr zu zeigen. Das Ministerium hatte zudem Fernsehjournalistinnen aufgefordert, bei ihren Auftritten einen Hidschab zu tragen.

Seit der Machtergreifung der Taliban Mitte August hat sich die Situation in dem Land nicht nur für Frauen drastisch verschlechtert. Frauen können in vielen Fällen nicht mehr zurück an ihre Arbeitsplätze. Die meisten weiterführenden Schulen für Mädchen sind geschlossen. Straßenproteste von Aktivistinnen wurden gewaltsam unterdrückt.

Bislang hat kein Land die Taliban-Führung offiziell anerkannt. Diese arbeitet weiter daran, ihre Macht zu festigen. Nun wurden zwei Wahlkommissionen aufgelöst. Sie sollten Präsidentschafts-, Parlaments- und Regionalwahlen überwachen. Ein Taliban-Sprecher sagte, die beiden Gremien seien in Afghanistans derzeitiger Situation unnötig. Bei Bedarf könnten sie wiederbelebt werden.

Auch die Ministerien für Frieden und parlamentarische Angelegenheiten soll es künftig nicht mehr geben. Die Ministerien seien in der jetzigen Regierungsstruktur Afghanistans unnötig, sagte der Sprecher. Zuvor hatten die Taliban bereits das Frauenministerium geschlossen.

ulz/AFP/AP/dpa