Afghanistan Taliban verhängen Flugverbot für Afghaninnen ohne Begleiter

Die Taliban schränken die Freiheit für Frauen weiter ein: Nach dem Aus für weiterführende Mädchenschulen verbieten sie alleinreisendes Afghaninnen nun das Fliegen. Doch die Frauen wehren sich.
Aus der Öffentlichkeit verdrängt: Afghaninnen sollen nicht mehr allein fliegen dürfen

Aus der Öffentlichkeit verdrängt: Afghaninnen sollen nicht mehr allein fliegen dürfen

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Javed Tanveer / AFP

Frauen in Afghanistan dürfen ohne einen männlichen Begleiter nicht mehr fliegen. Die Taliban  haben die Fluglinien im Land angewiesen, an Frauen ohne Begleiter keine Tickets mehr zu verkaufen, wie ein Dokument ergibt, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die Entscheidung trafen die Taliban bei einem Treffen der Grenzpolizei am Kabuler Flughafen. Zwei Mitarbeiter einer Airline bestätigten die Authentizität des Dokuments.

Unterdessen wehren sich die Frauen und Mädchen in Afghanistan gegen die systematische Benachteiligung durch die Taliban: Zwei Dutzend Demonstrantinnen haben am Samstag eine Wiederöffnung der weiterführenden Mädchenschulen gefordert.

»Bildung ist unser Grundrecht, kein politisches Vorhaben«: Protest gegen die Taliban in Kabul

»Bildung ist unser Grundrecht, kein politisches Vorhaben«: Protest gegen die Taliban in Kabul

Foto: Ahmad Sahel Arman / AFP

»Öffnet die Schulen!« und »Gerechtigkeit!« riefen die auf einem Platz in der Hauptstadt Kabul versammelten Frauen und Mädchen. Der Protest löste sich auf, als sich Talibankämpfer der Kundgebung näherten.

»Bildung ist unser Grundrecht, kein politisches Vorhaben« stand auf dem Protestplakat einer Demonstrantin. »Sogar der Prophet (Mohammed) hat gesagt, dass jeder das Recht auf Bildung hat, doch die Taliban haben uns dieses Recht entrissen«, sagte eine junge Demonstrantin namens Nawesa.

Die Taliban hatten am Mittwoch kurz nach der offiziellen Wiederöffnung der weiterführenden Schulen für Mädchen in Afghanistan diesen Beschluss wieder rückgängig gemacht. Tausende Schülerinnen wurden an ihrem ersten Unterrichtstag seit August nach wenigen Stunden wieder nach Hause geschickt.

Die Entscheidung sorgte für scharfe Kritik westlicher Staaten und der EU. Die USA sagten nach der Schließung der weiterführenden Schulen für Mädchen die für dieses Wochenende geplanten Gespräche mit den Taliban am Rande des Forums von Doha ab.

Das Recht von Frauen auf Bildung ist eine der Hauptbedingungen der internationalen Gemeinschaft für Hilfen an die nicht anerkannte Taliban-Regierung. Als die Islamisten im August des vergangenen Jahres die Macht übernahmen, hatten sie offiziell wegen der Coronapandemie alle Schulen geschlossen. Zwei Monate später durften nur Jungen und einige jüngere Mädchen den Unterricht wieder aufnehmen.

Nach dem Abzug der USA und ihrer Verbündeten und der Machtübernahme der Taliban vor rund sieben Monaten war in den allermeisten Provinzen nur Unterricht von Schülerinnen bis zur sechsten Klasse erlaubt worden. An Universitäten finden Seminare nun nach Geschlechtern getrennt statt. Getrennte Schulklassen gab es auch schon früher. Seit ihrer Rückkehr an die Macht erließen die Islamisten immer strengere Vorschriften für das öffentliche Leben. Frauen können in vielen Fällen nicht mehr zurück an ihre Arbeitsplätze.

kik/dpa
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