Afghanische Hauptstadt Kabul Führender Taliban-Geistlicher bei Anschlag getötet

Vor einem Jahr übernahmen die Taliban in Afghanistan die Macht. Seither kam es mehrfach zu Anschlägen gegen die neuen Herrscher. Nun traf es einen wichtigen Kleriker – die IS-Terrormiliz reklamiert die Attacke für sich.
Talibankämpfer in Kabul

Talibankämpfer in Kabul

Foto: EPA

In Afghanistan ist ein hoher Würdenträger der regierenden radikalislamischen Taliban bei einem Selbstmordattentat getötet worden. Der für seine Brandreden gegen die Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) bekannte Rahimullah Hakkani sei »der einzige Märtyrer« eines Bombenanschlags auf die von ihm geleitete Koranschule in Kabul, erklärte ein Polizeisprecher. Hakkani hatte sich zuletzt öffentlich für den Zugang von Mädchen zum Schulunterricht ausgesprochen.

Bei dem Attentat wurden dem Polizeisprecher zufolge vier weitere Menschen verletzt. Ein Regierungssprecher sprach von einem »Angriff durch einen feigen Feind«, ohne weitere Details zu nennen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters beanspruchten die Extremisten vom IS den Anschlag für sich.

Hakkani hatte zuvor zwei Mordanschläge auf ihn überlebt – einen davon im Oktober 2020 in Pakistan. Nach Informationen aus Taliban-Kreisen hatte Hakkani zwar kein offizielles Amt inne, war aber innerhalb der radikalislamischen Organisation sehr einflussreich und unterrichtete in den vergangenen Jahren zahlreiche Mitglieder.

Hakkani war für seine wütenden Reden gegen den IS bekannt. Die Dschihadisten-Miliz hatte sich seit der Rückkehr der Taliban an die Macht im August 2021 zu mehreren Anschlägen in Afghanistan bekannt.

In den vergangenen Monaten hatte Hakkani sich für das Recht von Mädchen auf Schulunterricht ausgesprochen. Im islamischen Recht gebe es »keine Rechtfertigung dafür, die Erziehung von Mädchen und Frauen als illegal zu bezeichnen«, sagte Hakkani im Mai dem britischen Rundfunksender BBC.

In den Monaten seit ihrer Machtergreifung haben die Taliban den Zugang zu Bildungseinrichtungen für Mädchen und Frauen unter Berufung auf eine strenge Auslegung des Islam drastisch eingeschränkt. Weiterführende Schulen für Mädchen dürfen im größten Teil Afghanistans nicht mehr öffnen.

asa/AFP/Reuters
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