+++ Afghanistan-News +++ Laschet kündigt »schonungslose« Aufarbeitung der Fehleinschätzung an

Warum wurde die Lage in Afghanistan auch von der Bundesregierung falsch eingeschätzt? Unionskanzlerkandidat Armin Laschet fordert nach der »Fehlkalkulation« Konsequenzen. Der Überblick.
Luftbild des Flughafens von Kabul

Luftbild des Flughafens von Kabul

Foto: Planet Labs Inc. / dpa

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+++ Laschet kündigt »schonungslose« Aufarbeitung der Fehleinschätzung an +++

Unionskanzlerkandidat Armin Laschet hat eine »schonungslose« Aufarbeitung dazu angekündigt, warum die Lage in Afghanistan auch von der Bundesregierung falsch eingeschätzt wurde. Er sagte am Montagabend in den ARD-»Tagesthemen«: »Ich sage zu: Es wird alles aufgeklärt, wir müssen Konsequenzen ziehen.« Die Bundesregierung habe – wie alle internationalen Institutionen und Dienste – eine »Fehlkalkulation« gemacht.

So müsse sich Deutschland bei solchen Einsätzen überlegen, was das Ziel sei. »Wie geht man geordnet hinein? Und wie geht man geordnet hinaus? Wie können wir Europäer selbst handlungsfähiger werden?« Im Fall Afghanistan sei Deutschland fast ausschließlich von der Entscheidung der Amerikaner abhängig. »Das Bundestagsmandat für den Einsatz ging noch bis 2022. Aber nachdem die Amerikaner gesagt haben, sie ziehen sich zurück, ist Europa, ist die Bundeswehr nicht in der Lage, alleine in einem solchen Land zu bleiben«, sagte Laschet.

»Alles das wird zu analysieren sein, auch schonungslos, auch ohne Rücksicht auf Parteien«, sagte Laschet, der auch CDU-Bundeschef und nordrhein-westfälischer Ministerpräsident ist. »Nur im Moment steht wirklich dieser Rettungseinsatz im Mittelpunkt, und darauf sollten wir uns konzentrieren«, sagte er mit Blick auf den laufenden Einsatz, um deutsche Bundesbürger und afghanische Ortskräfte aus Afghanistan zu holen. »Ob Wahlkampf ist oder nicht: Das ist jetzt einer der gefährlichsten Einsätze der Bundeswehr, ein robustes Mandat.«

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Prinz Harry wendet sich an Afghanistan-Veteranen

05.10 Uhr: Prinz Harry, der als Royal in der britischen Armee diente und zweimal in Afghanistan im Einsatz war, hat sich nach der faktischen Machtübernahme der Taliban in Afghanistan an Veteranen gewandt. In einer Botschaft, die am Montag von der »Invictus Games Foundation« veröffentlicht wurde, rief Harry die Invictus-Gemeinschaft und Militärangehörige dazu auf, aufeinander zuzugehen und sich gegenseitig zu unterstützen.

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Bei den von Harry ins Leben gerufenen »Invictus Games« treten kriegsversehrte Soldaten in paralympischen Wettbewerben an. Die gemeinsame Erklärung mit Dominic Reid, Vorsitzender der Invictus-Stiftung, verweist darauf, dass viele Teilnehmer bei den Spielen in Afghanistan gedient hätten und auch ein »Team Afghanistan« bei den Wettbewerben mitgewirkt habe. Die nächsten Spiele sollen 2023 in Düsseldorf stattfinden.

Russlands Botschafter in Kabul trifft Sicherheitskoordinator der Taliban

04.35 Uhr: Nach der Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan trifft sich der russische Botschafter Dmitri Schirnow am Dienstag mit einem Vertreter der radikalislamischen Miliz. Nach Angaben des russischen Afghanistan-Gesandten Samir Kabulow geht es bei dem Gespräch mit dem Sicherheitskoordinator der Taliban in erster Linie um die Frage, wie diese die Sicherheit der russischen Botschaft in Kabul gewährleisten wollen.

Während Deutschland, die USA und andere westliche Staaten am Montag mit Hochdruck daran arbeiteten, ihre Staatsbürger und afghanische Mitarbeiter auszufliegen, will Russland seine Botschaft in der afghanischen Hauptstadt offenhalten. Laut dem russischen Außenministerium stehen beide Seiten bereits in direktem Kontakt. Ob Russland allerdings eine Taliban-Regierung anerkennen werde, hänge von deren »Verhalten« ab, hieß es.

Krisensitzungen der EU-Außenminister und Nato-Botschafter

04.10 Uhr: Die EU-Außenminister beraten heute ab 16 Uhr in einer Krisensitzung über die Lage in Afghanistan. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell setzte angesichts der jüngsten Entwicklungen eine Videokonferenz an. Die EU-Staaten versuchen nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban laut Borrell, die Evakuierung von Personal aus Afghanistan zu beschleunigen. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) gibt um 15.30 Uhr ein Pressestatement ab.

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Auch die Botschafter der Nato-Mitgliedstaaten halten heute in eine Krisensitzung ab. Im Anschluss wird Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg um 15 Uhr (MESZ) eine Pressekonferenz geben. Es ist Stoltenbergs erster Auftritt vor den Medien seit Juni.

Chef des Kontrollgremiums fordert Konsequenzen für Geheimdienste

03.57 Uhr: Der Vorsitzende des Geheimdienst-Kontrollgremiums des Bundestags, Roderich Kiesewetter (CDU), hat nach der Fehleinschätzung der Lage in Afghanistan Konsequenzen gefordert. »Wir müssen Lehren aus den Erfahrungen in Afghanistan für die Organisation der Dienste ziehen«, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. »Man muss sich fragen, ob es weiter richtig ist, zwischen Inlands- und Auslandsnachrichtendiensten zu trennen.« Zudem forderte er einen Bundessicherheitsrat, der wissenschaftsbasiert Trendanalysen oder Szenarien erarbeite, Einsätze bewerte und Entscheidungen vorbereite.

Der CDU-Militärexperte Patrick Sensburg sprach von einer »generellen Fehleinschätzung der Lage über Jahre« – und da würde er alle Geheimdienste einbeziehen. »Sie haben die Stärkeverhältnisse im klassischen militärischen Denken aufgezeigt, alle Daten und Fakten waren richtig, aber die Analyse hat nicht gepasst.«

US-Luftwaffe fliegt 640 Afghanen aus – in einem einzigen Flugzeug

Dienstag, 02.35 Uhr: Es gibt in den US-Medien Berichte, wonach die US-Luftwaffe mit einem einzigen Flug rund 640 afghanische Zivilisten in Sicherheit gebracht hat. Laut der Internetseite Defence One hatten sich die Menschen auf dem Kabuler Flughafen über die halboffene Rampe ins Flugzeug gezogen. Die komplette Meldung lesen Sie hier.

Erster Evakuierungsflug der Bundeswehr verlässt Kabul

Montag, 22.50 Uhr: Das erste Militärflugzeug der Bundeswehr für den Evakuierungseinsatz in Afghanistan hat Passagiere aufgenommen und ist auf dem Rückflug nach Taschkent. Um 22.42 Uhr, nach nur knapp 40 Minuten auf dem Boden, verließ der Flieger den Flughafen in Kabul. Laut einer ersten internen Bundeswehrmeldung waren einige Schutzpersonen an Bord, allerdings offenbar nur eine Hand voll. Weil die Landung des A400M bis zuletzt ungewiss war, konnten die in Kabul verbliebenen Deutschen nicht rechtzeitig informiert werden. Eine Fallschirmjäger-Einheit blieb am Flughafen, um weitere Flüge abzusichern und den Transport der zu rettenden Deutschen zum Flughafen zu organisieren.

Die Maschine vom Typ A400M war fünf Stunden lang über dem Flughafen gekreist, der wegen chaotischer Zustände auf dem Rollfeld vorübergehend gesperrt war. Der Treibstoff hätte nicht mehr lange gereicht, hieß es. Zuvor hatte bereits eine andere Transportmaschine der Bundeswehr den Anflug auf Kabul abbrechen und zum Nachtanken ins usbekische Taschkent fliegen müssen. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Armin Laschet: Engagierte Frauen werden erste Opfer sein

22.31 Uhr: Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) hat die Gefährdung engagierter Frauen in Afghanistan betont und die Notwendigkeit, ihnen zu helfen. Der CDU-Chef wies auf politisch aktive Frauen, Journalistinnen oder Gründerinnen von Nicht-Regierungsorganisationen hin: »Die werden die ersten Opfer sein«, sagte Laschet am Montagabend bei einer Wahlkampfveranstaltung im Ostseebad Kühlungsborn westlich von Rostock. »«Insofern müssen wir auch diesen Frauen eine Möglichkeit geben, jetzt sobald wie möglich aus Afghanistan herauszukommen.«

Schon zuvor hatte er sich dafür ausgesprochen, neben Ortskräften der Bundeswehr oder deutschen Staatsangehörigen auch gefährdete Frauen aus Afghanistan herauszubringen. Gefragt nach einem möglichen Versagen der Geheimdienste bei der Einschätzung der Lage vor Ort, sagte Laschet: »Wir werden das alles analysieren müssen: Was ist falsch gelaufen, international, national.« Allerdings sei jetzt nicht der Zeitpunkt für eine »innerdeutsche Debatte«. Jetzt gehe es darum, alles dafür zu tun, dass so viele Menschen wie möglich Kabul verlassen können.

Pentagon: US-Kommandeur für den Nahen Osten traf Taliban-Führung

21.52 Uhr: Der Kommandeur der US-Truppen im Nahen Osten, Kenneth McKenzie, hat sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums im Emirat Katar mit der Taliban-Führung getroffen. McKenzie habe bei dem Gespräch klargemacht, dass ein Angriff auf die US-Truppen oder den Einsatz am Flughafen Kabul eine »schnelle und sehr schlagkräftige Antwort« des US-Militärs nach sich ziehen würde, sagte der Sprecher des Pentagons, John Kirby, am Montag. Er habe eine »sehr klare und eindeutige Warnung« ausgesprochen, fügte Kirby hinzu. Er machte keine genauen Angaben zum Zeitpunkt des Gesprächs und zu den Teilnehmern.

Auch US-Präsident Joe Biden hatte den militant-islamistischen Taliban am Wochenende für den Fall eines Angriffs mit einer raschen und starken militärischen Antwort gedroht. Das US-Militär ist am Flughafen Kabul inzwischen mit rund 2500 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz. In einigen Tagen sollen es laut Pentagon bis zu 6000 werden.

Olaf Scholz will Geflüchtete aus Afghanistan nicht allein lassen

21.50 Uhr: Vizekanzler Olaf Scholz hat die Machtübernahme durch die Taliban in Afghanistan als bedrückende Entwicklung bezeichnet. »Es ist sehr bedrückend zu sehen, was jetzt in Afghanistan passiert«, sagte der SPD-Kanzlerkandidat am Montag bei einem Wahlkampfauftritt in Berlin. In dem Land würden nun viele Hoffnungen zerstört, Hoffnungen etwa auf mehr Schulbildung, mehr Frauenrechte, auf mehr Demokratie und Rechtsstaat. »Das alles geht jetzt kaputt. Das ist eine furchtbare, das ist eine schreckliche Botschaft.«

Nun gehe es zunächst darum, Deutsche aus Kabul zu evakuieren und auch die Ortskräfte, die den Deutschen geholfen haben. Auch den Helfern, die auf andere Weise das Land verlassen und sich in Nachbarländern bei den deutschen Konsulaten oder Botschaften meldeten, müsse geholfen werden, »dass sie sich nach Deutschland begeben können«. Das betreffe ebenfalls Menschen, die in Afghanistan mit Hilfsorganisationen zusammengearbeitet hätten, Journalisten oder Menschen, die sich für Freiheit, Demokratie und Frauenrechte eingesetzt haben.

»Und dann werden wir diesmal dafür Sorge tragen müssen, dass diejenigen, die darüber hinaus Schutz suchen in den Nachbarländern, nicht, wie das früher oft der Fall war, alleine gelassen werden«, so Scholz. »Sondern dass wir jetzt sofort mit allen Möglichkeiten und Mitteln dafür sorgen, dass dort Integrationsperspektiven bestehen, dass man dort bleiben kann, dass man dort eine sichere Zukunft gewinnen kann.« Hier gelte es, aus früheren Fehlern zu lernen.

Scholz nannte Länder wie Pakistan, Iran, Irak und die Türkei. »Da dürfen wir nicht einfach uns unzuständig fühlen, sondern wir müssen vor Ort helfen, damit dort gute und sichere Perspektiven entstehen.«

Großbritannien schickt 200 zusätzliche Soldaten nach Kabul

21.24 Uhr: Im Zuge der Evakuierung von britischen Staatsbürgern und afghanischen Helfern will London 200 zusätzliche Soldaten nach Kabul schicken. Das teilte das britische Verteidigungsministerium am Montag mit, nachdem in der vergangenen Woche bereits 600 militärische Kräfte nach Afghanistan entsandt wurden. Die Soldaten sollen dabei helfen, die verbliebenen britischen Staatsbürger und afghanischen Helfer des britischen Militärs möglichst schnell aus dem Land zu holen.

Auch die belgische Regierung hat offiziell grünes Licht für eine Mission zur Evakuierung belgischer Staatsbürger aus Afghanistan gegeben. Drei Militärflugzeuge sollen entsendet werden, hieß es aus dem Büro von Premierminister Alexander de Croo, wie die Nachrichtenagentur Belga am Montagabend berichtete. Zunächst hatte das belgische Verteidigungsministerium angekündigt, vier Maschinen schicken zu wollen. Wann die Rettungsmission genau startet, ist den Angaben zufolge noch unklar.

Laut Außenministerin Sophie Wilmès haben sich rund hundert Menschen mit belgischer Staatsangehörigkeit bei der auch für Afghanistan zuständigen Botschaft in Pakistan gemeldet und den Wunsch geäußert, schnell nach Belgien zurückzukehren. Nach früheren Angaben können sich auch afghanische Dolmetscher und andere Menschen, die für belgische Interessen gearbeitet hätten, bei den belgischen Behörden melden.

Macron warnt vor Wiedererstarken des Terrorismus in Afghanistan

20.59 Uhr: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat vor einem Wiedererstarken des Terrorismus in Afghanistan nach dem Fall des Landes an die Taliban gewarnt. »Afghanistan darf nicht wieder zu dem Zufluchtsort des Terrorismus werden, der es einmal war«, sagte Macron am Montagabend in einer Fernsehansprache. Islamistische Terroristen würden versuchen, von der aktuellen Situation zu profitieren. Macron kündigte eine Initiative Frankreichs mit den europäischen Partnern gegen diese Bedrohung an. Dazu habe er sich bereits mit dem britischen Premierminister Boris Johnson ausgetauscht.

»Die Destabilisierung Afghanistans droht außerdem zu ungesteuerten Flüchtlingsströmen Richtung Europa zu führen.« Diese wolle Frankreich mit Deutschland und anderen europäischen Partnern kanalisieren, kündigte Macron an. Er habe dazu bereits mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gesprochen.

Neben der Evakuierung der eigenen Landsleute, die absolute Priorität habe, sicherte Macron den afghanischen Helfern der Franzosen vor Ort und auch afghanischen Intellektuellen Frankreichs Hilfe zu. Er habe zwei Militärflugzeuge und Spezialkräfte nach Afghanistan beordert, diese würden dort in wenigen Stunden eintreffen, sagte Macron. Dem afghanischen Volk sicherte der Präsident Unterstützung in seinem Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung zu.

Macron erinnerte an das militärische französische Engagement am Hindukusch von 2001 bis 2014, bei dem 90 französische Soldaten ihr Leben ließen. »Der Kampf Frankreichs war nützlich.«

Russisches Außenministerium: Lage in Afghanistan stabilisiert sich

20.25 Uhr: Russland sieht nach der Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan eine »Stabilisierung« der Lage in der Hauptstadt Kabul. Die radikalislamischen Kämpfer hätten begonnen, »die öffentliche Ordnung wiederherzustellen«, erklärte das russische Außenministerium am Montag. Zudem hätten sie für die Sicherheit der örtlichen Zivilbevölkerung und der diplomatischen Vertretungen garantiert.

Im Gegensatz zu den westlichen Staaten will Russland seine Botschaft offen halten. Nach Angaben seines Außenministeriums steht Russland bereits in direktem Kontakt mit »Vertretern der neuen Behörden« in Kabul. Botschafter Dmitri Schirnow will sich am Dienstag mit dem Sicherheitskoordinator der Taliban treffen. Die Taliban hätten bereits mit der Bewachung der Botschaft begonnen, sagte er russischen Staatsmedien am Montag.

Eine Chance für einen »dauerhaften Frieden« in Afghanistan sah auch der neue iranische Präsident Ebrahim Raisi. Der ultrakonservative Politiker sagte am Montag nach Angaben seines Büros, die »Niederlage und der Rückzug der USA« aus Afghanistan »sollten eine Gelegenheit schaffen, Leben, Sicherheit und dauerhaften Frieden in diesem Land wiederherzustellen«. Direkten Bezug auf die radikalislamischen Taliban nahm Raisi nicht.

Die Beziehungen zwischen Teheran und den Taliban sind historisch schwierig. Im Jahr 1998 hatten Taliban-Kämpfer das iranische Konsulat in Masar-i-Scharif überfallen und mehrere Diplomaten sowie einen Journalisten getötet. In der Folge war es beinahe zu einem iranischen Einmarsch in Afghanistan gekommen. Experten gehen davon aus, dass Teheran angesichts der Rückkehr der Taliban an die Macht eine pragmatische Haltung einnimmt. Iran und Afghanistan teilen sich eine 900 Kilometer lange Grenze, bereits jetzt leben nach Uno-Angaben in Iran fast 3,5 Millionen afghanische Flüchtlinge.

Usbekistan: 46 Flugzeuge und Hubschrauber aus Afghanistan zur Landung gezwungen

20.21 Uhr: Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan versuchen immer mehr ehemalige Regierungssoldaten und Zivilisten, in die Nachbarstaaten zu fliehen. Nach Angaben der usbekischen Generalstaatsanwaltschaft vom Montag wurden am Wochenende 46 afghanische Militärflugzeuge und -Hubschrauber mit 585 Soldaten an Bord nach illegalen Grenzüberquerungen zur Landung auf dem Flughafen Termes gezwungen. Dabei sei eines der Flugzeuge mit einer usbekischen Maschine zusammengestoßen und abgestürzt.

Die Piloten hätten sich mit Fallschirmen aus den Maschinen gerettet, hieß es weiter. Den Angaben zufolge laufen Ermittlungen gegen weitere 158 Zivilisten und Soldaten, die am Sonntag über den Fluss Amu Darja nach Usbekistan gelangt waren.

Der Absturz der afghanischen Militärmaschine am Sonntagabend hatte in den usbekischen Medien für Schlagzeilen gesorgt. Russische Nachrichtenagenturen berichteten unter Berufung auf Vertreter des Verteidigungsministeriums, die Maschine sei von der usbekischen Luftabwehr abgeschossen worden. Nach Angaben des Arztes Bekpulat Okbojew wurden am Sonntagabend zwei Patienten in afghanischen Armeeuniformen in sein Krankenhaus in Termes, der Regionalhauptstadt von Surchondarjo, eingeliefert. Beide wiesen Brüche auf, sagte Okbojew der Nachrichtenagentur AFP. Einer von ihnen sei mit dem Fallschirm abgesprungen.

Drei weitere Männer seien bereits am Samstag in sein Krankenhaus gebracht worden, nachdem insgesamt 84 afghanische Soldaten auf der Flucht vor den Taliban illegal die Grenze überquert hatten, fügte Okbojew hinzu. Nach Angaben des usbekischen Außenministeriums wurden die Soldaten von Grenzbeamten aufgegriffen, erhielten jedoch humanitäre Hilfe. Usbekistan verhandle nun mit der »afghanischen Seite« über ihre Rückkehr.

Das Nachbarland Tadschikistan erlaubte nach Regierungsangaben am Montag drei Flugzeugen mit mehr als 100 afghanischen Militärvertretern die Landung am Flughafen von Bochtar im Süden des Landes. »Tadschikistan hat SOS-Signale erhalten, woraufhin im Einklang mit den internationalen Verpflichtungen des Landes beschlossen wurde, afghanischen Soldaten die Landung auf dem Flughafen zu gestatten«, teilte das tadschikische Außenministerium den russischen Nachrichtenagenturen Interfax und RIA Nowosti mit.

Merkel zu Afghanistan: »Die Entwicklungen sind bitter, dramatisch und furchtbar«

19.34 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich in einer Pressekonferenz zu den Ereignissen in Afghanistan geäußert. »Das ist eine überaus bittere Entwicklung. Dramatisch ist diese Entwicklung für die Menschen in Afghanistan«, sagte Merkel. »Die Entwicklung ist aber auch bitter für Deutschland und die anderen verbündeten Nationen.« Die Bemühungen der vergangenen Jahre könnten derzeit »vergeblich« erscheinen.

Merkel hätte nicht erwartet, dass die Offensive der Taliban so schnell so erfolgreich sein würde. »Wir haben die Entwicklung falsch eingeschätzt«, sagte sie. Die Kanzlerin sagte weiter: »Wir müssen alles daran setzen, unsere Landsleute in Sicherheit zu bringen.« Sie habe den Fraktionsvorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien berichtet, wie Hilfe für sogenannte Ortskräfte aussehen soll, die in den vergangenen Jahren beim Einsatz der Bundeswehr geholfen haben. Dabei ginge es zum Beispiel um Menschen, die im Bereich der Entwicklungshilfe geholfen hätten.

Über 1500 Menschen, die für Organisationen wie die Welthungerhilfe gearbeitet haben, seien von Deutschland kontaktiert worden. Davon hätten sich insgesamt etwa 600 Menschen gemeldet. Nun werde nach Lösungen zur Evakuierung beraten.

»Wir werden auch danach in Gesprächen mit den Taliban versuchen, möglichst vielen Menschen zu helfen«, sagte sie. Den vielen Helfern Deutschlands, die zwar nicht direkt bei der Bundeswehr angestellt waren, aber dennoch Angst vor der Rache der Taliban haben müssen, wolle man offenbar einen Weg in Nachbarstaaten ermöglichen.

Derweil ist eine Transportmaschine der Bundeswehr im Anflug auf Kabul. Die Situation sei aber »angespannt«, »wir hoffen, dass unser erster A400M bald landen kann«, sagte Merkel. »Die Bedinungen sind also höchst schwierig«, sagte Merkel. Wichtige Ansprechpartner am Flughafen in Kabul seien derzeit die USA und die Türkei. Sie wolle sich außerdem mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron abstimmen.

Hamas gratuliert Taliban zur Machtübernahme in Afghanistan

19.06 Uhr: Die im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas hat den Taliban zu ihrem »Sieg« in Afghanistan gratuliert. Er sei das »Ergebnis ihres langen Kampfes der vergangenen 20 Jahre«, erklärte die palästinensische Gruppe am Montag. Die Hamas wünsche »dem afghanischen Volk und seiner Führung Einheit, Stabilität und Wohlstand«. Der Sieg der Taliban mache deutlich, dass »der Widerstand der Völker«, auch des palästinensischen Volkes, »zum Sieg bestimmt« sei.

Großbritannien plant virtuelles G7-Treffen zu Afghanistan

18.54 Uhr: Großbritanniens Premierminister Boris Johnson will angesichts der dramatischen Lage in Afghanistan nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban einen G7-Gipfel ausrichten. Während eines Telefonats mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron habe Johnson die Absicht geäußert, »in den kommenden Tagen« ein virtuelles Treffen der Staats- und Regierungschefs der G7 zu organisieren, teilte die Downing Street am Montag mit.

Die Regierung in London hat derzeit die rotierende G7-Präsidentschaft inne. Neben Großbritannien gehören der Gruppe Deutschland, die USA, Frankreich, Italien, Japan und Kanada an.

Zentral sei, dass die internationale Gemeinschaft einen einheitlichen Ansatz mit Bezug auf Afghanistan verfolge, »sowohl im Hinblick auf die Anerkennung einer künftigen Regierung als auch zur Verhinderung einer humanitären Krise«, sagte Johnson in dem Telefonat mit Macron nach Angaben seines Büros. Bereits am Sonntag hatte der Premier eine gemeinsame Haltung des Westens gefordert, um zu verhindern, dass Afghanistan wieder zu einer »Brutstätte des Terrorismus« werde. Auch vor einer einseitigen Anerkennung einer Taliban-Regierung warnte er.

Großbritanniens Außenminister Dominic Raab macht Sanktionen gegen ein von den Taliban regiertes Afghanistan derweil vom Verhalten der Islamisten abhängig. Seine Regierung prüfe, welche Zusagen man mit Blick auf Flüchtlinge machen werde, sagte Raab weiter.

Sichere Häuser für Afghanistan-Ortskräfte aufgegeben

18.30 Uhr: Mehrere sogenannte »sichere Häuser« in Kabul, in denen afghanische Ortskräfte der Bundeswehr und weiterer Institutionen zeitweise Zuflucht gefunden hatten, mussten offensichtlich aufgegeben werden. Das berichtete am Montag das ZDF-Magazin »frontal« unter Berufung auf den Vorsitzenden des Patenschaftsnetzwerks Afghanische Ortskräfte, Marcus Grotian. »Ich habe 400 Menschen mitgeteilt, dass es für sie keine Hoffnung mehr gibt und die Safehouses aufgelöst«, zitierte ihn der Sender.

Anlass sei ein Anruf der Bundesregierung bei einem früheren Übersetzer der Bundeswehr gewesen, wonach es keine Möglichkeit mehr gebe, den Menschen bei der Ausreise aus Afghanistan zu helfen. Diese sollten daher die »sicheren Häuser« sofort verlassen. Drei dieser Zufluchtsorte hatte das Patenschaftsnetzwerk mithilfe von Spendengeldern eingerichtet.

Laut Aussage des afghanischen Übersetzers, dessen Identität dem ZDF bekannt sei, hielten sich bis zuletzt hunderte afghanische Ortskräfte und ihre Familienmitglieder in insgesamt drei »Safehouses« in Kabul auf. Diese seien jedoch offensichtlich von den Taliban entdeckt worden. Die Islamisten würden auf den Straßen von Kabul patrouillieren und gezielt nach Ortskräften der internationalen Streitkräfte suchen, von denen viele dort umherirrten, hieß es in dem Bericht weiter. Der afghanische Übersetzer sagte demnach »frontal«, er bedauere zutiefst, für die deutsche Bundeswehr gearbeitet zu haben.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte am Nachmittag noch einmal versichert, die Bundesregierung tue alles, um den Ortskräften und ihren Familien die Ausreise zu ermöglichen. Allerdings räumte der SPD-Politiker ein, dass er auch nicht wisse, wie diese zum Flughafen gelangen könnten. Die Bundesregierung steht massiv in der Kritik, weil sich die Ausreise der Ortskräfte immer wieder verzögert hatte – bis dann die radikalislamischen Taliban die Macht in immer mehr afghanischen Städten und zuletzt auch in der Hauptstadt Kabul übernahmen.

Besorgnis in Bulgarien wegen Krise in Afghanistan

18.03 Uhr: Bulgarien ist besorgt darüber, dass nach der Machtergreifung der Taliban in Afghanistan mehr Flüchtlinge kommen könnten. Staatspräsident Rumen Radew beriet mit seinem Sicherheitsrat am Montag über die möglichen Folgen für das EU-Land auf dem Balkan. Bulgarien gilt als Transitland, da Migranten in der Regel nicht in dem ärmsten EU-Land bleiben, sondern nach Mittel- und Westeuropa weiterziehen wollen. Sie meiden deswegen die Grenzübergänge, um nicht in Bulgarien registriert zu werden.

Bis Ende Juli haben nach amtlichen Angaben 17.621 Migranten versucht, nach Bulgarien zu gelangen, 16.900 von ihnen seien vom Grenzschutz abgewiesen worden.

Maas räumt falsche Lageeinschätzung in Afghanistan ein

17.33 Uhr: Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat eine falsche Lageeinschätzung in Afghanistan eingeräumt. »Es gibt da nichts zu beschönigen«, sagte Maas am Montagnachmittag. Weder die Bundesregierung noch ihre westlichen Partner einschließlich der Nachrichtendienste hätten die aktuelle Entwicklung so vorhergesehen. »Es gebietet die Ehrlichkeit, das in aller Form so einzugestehen.«

Die aktuellen Bilder, vor allem von den verzweifelten Menschen am Flughafen von Kabul, nannte Maas »außerordentlich schmerzhaft«. Es komme jetzt für die Bundesregierung darauf an, »so viele Menschen wie möglich aus dieser Situation zu retten«.

Dafür solle der Kreis derjenigen, die in Deutschland aufgenommen werden, noch einmal erweitert werden, sagte der Außenminister. Er solle neben den Ortskräften der Bundeswehr und der Bundesregierung nun auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen, der Entwicklungshilfe sowie Menschenrechtsaktivisten und Frauenrechtlerinnen umfassen.

Außenminister Heiko Maas (SPD)

Außenminister Heiko Maas (SPD)

Foto: ODD ANDERSEN / AFP

Maas räumte allerdings ein, dass noch unklar sei, wie diese Menschen unter den aktuellen Umständen zum Flughafen gelangen könnten. Soweit ihnen das gelinge, sollten sie sowohl mit deutschen wie auch mit US-Flugzeugen ausgeflogen werden, sagte der Minister.

US-Soldaten töten zwei bewaffnete Männer auf dem Flughafen

17.10 Uhr: US-Soldaten haben auf dem Flughafen von Kabul am Montag zwei bewaffnete Männer getötet. Inmitten von tausenden Menschen, die sich dort friedlich aufhielten, hätten zwei Männer ihre Waffen »auf bedrohliche Weise geschwungen«, sagte ein Vertreter des Pentagon der Nachrichtenagentur AFP.

Es habe sich um zwei verschiedene Vorfälle gehandelt, sagte ein US-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters. »Erste Berichte deuten darauf hin, dass bewaffnete Angreifer in die Menge geschossen haben«, hieß es weiter.

Derzeit bemühen sich westliche Staaten – darunter auch Deutschland – unter Hochdruck darum, ihr ziviles Personal aus Afghanistan auszufliegen. Der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in der afghanischen Hauptstadt Kabul hatte sich kurz verzögert. Zwei Militärtransporter vom Typ A400M wurden am Montag aufgehalten, weil sie wegen des Chaos auf dem Flughafen Kabul derzeit dort nicht landen können. Sie hingen deswegen nach einer Zwischenlandung zunächst aufgetankt im aserbaidschanischen Baku fest. Eine der Maschinen startete dann am Nachmittag von dort nach Kabul, um sich im Luftraum für eine Landung bereitzuhalten.

Angeblich ist das Flugfeld mittlerweile geräumt. Der Flieger soll nach SPIEGEL-Informationen sonst so lange kreisen, bis eine Landegenehmigung erteilt wird.

Am Flughafen von Kabul herrschten am Montag chaotische Szenen, Afghanen klammerten sich zum Beispiel an Flugzeugen fest.

Guterres fordert globale Einigkeit gegenüber »Terrorbedrohung«

16.50 Uhr: Uno-Generalsekretär António Guterres hat die internationale Gemeinschaft zur Einigkeit im Umgang mit der »terroristischen Bedrohung in Afghanistan« aufgefordert. Die Weltgemeinschaft müsse sicherstellen, dass »Afghanistan nie wieder als Plattform oder sicherer Hafen für Terrororganisationen benutzt wird«, sagte Guterres am Montag bei einem Dringlichkeitstreffen des Uno-Sicherheitsrats zur Lage in Afghanistan.

Uno-Generalsekretär António Guterres

Uno-Generalsekretär António Guterres

Foto: Xie E / imago images/Xinhua

Laschet gegen Zusage für Aufnahme afghanischer Flüchtlinge

16.31 Uhr: Der Unionskanzlerkandidat Armin Laschet hat eine Zusage Deutschlands für die Aufnahme afghanischer Flüchtlinge, die nach der Machtübernahme der Taliban erwartet werden, abgelehnt. »Ich glaube, dass wir jetzt nicht das Signal aussenden sollten, dass Deutschland alle, die jetzt in Not sind, quasi aufnehmen kann«, sagte der CDU-Vorsitzende nach Beratungen von Präsidium und Bundesvorstand seiner Partei. »Die Konzentration muss darauf gerichtet sein, vor Ort, jetzt diesmal rechtzeitig – anders als 2015 – humanitäre Hilfe zu leisten.«

Laschet sagte mit Blick auf die hohe Zahl der Geflüchteten vor sechs Jahren: »Wir dürfen die Fehler von 2015 nicht wiederholen.« Diese hätten begonnen mit dem mangelnden humanitären Schutz in den Flüchtlingscamps des Uno-Flüchtlingskommissars. Nötig sei jetzt eine »humanitäre Kraftanstrengung«. 2015 waren Hunderttausende Migranten nach Deutschland eingereist.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hatte am Wochenende die Aufnahme von Kontingenten afghanischer Flüchtlinge in Europa, den USA und Kanada gefordert – jedoch keine Zahlen genannt.

Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Kabul verzögert sich

16.10 Uhr: Der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat sich leicht verzögert. Zwei Militärtransporter vom Typ A400M wurden am Montag nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa aufgehalten, weil sie wegen des Chaos auf dem Flughafen Kabul derzeit dort nicht landen können. Sie hingen deswegen nach einer Zwischenlandung zunächst aufgetankt im aserbaidschanischen Baku fest. Eine der Maschinen startete dann am Nachmittag von dort nach Kabul, um sich im Luftraum für eine Landung bereitzuhalten.

Angeblich ist das Flugfeld mittlerweile geräumt. Der Flieger soll nach SPIEGEL-Informationen sonst so lange kreisen, bis eine Landegenehmigung erteilt wird.

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Nach der Übernahme Kabuls durch die radikalislamischen Taliban hatten sich am Montag auf dem Flughafen dramatische Szenen abgespielt. Verzweifelte Menschen versuchten, auf Flüge zu kommen, Videos und Bilder in sozialen Medien zeigten. Sie kletterten unter anderem über Drehleitern, um in ein Flugzeug zu gelangen.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts hatte am Vormittag gesagt: »Wir haben Meldungen dazu gesehen (…), dass dort derzeit keine Flugbewegungen stattfinden können, weil sich dort eine große Zahl verzweifelter Menschen auf dem Rollfeld aufhält.«

Auch das Weiße Haus in Washington teilte mit, dass die US-Truppen am Flughafen Kabul zunächst wieder Ordnung und Sicherheit herstellen müssen, bevor es voraussichtlich ab Dienstag erneut Evakuierungsflüge geben könne.

Soldaten stehen vor dem Abflug am Fliegerhorst Wunstorf in der Region Hannover. Von hier starteten Transportflugzeuge vom Typ Airbus A 400M der Luftwaffe.

Soldaten stehen vor dem Abflug am Fliegerhorst Wunstorf in der Region Hannover. Von hier starteten Transportflugzeuge vom Typ Airbus A 400M der Luftwaffe.

Foto: Rene Schroeder / dpa

Ein dritter deutscher A400M, der für medizinische Transporte ausgerüstet ist, sowie ein Airbus A310 MRTT starteten am Montag vom niedersächsischen Wunstorf nach Taschkent. Die usbekische Hauptstadt soll Drehscheibe für den Evakuierungseinsatz werden.

Linke: Bundesregierung hat Ortskräfte im Stich gelassen

16.01 Uhr: Die Linke hat der Bundesregierung vorgeworfen, Ortskräfte und Helfer in Afghanistan im Stich gelassen zu haben. »Diese unterlassene Hilfe der Bundesregierung, die wird Menschen das Leben kosten«, sagte die Spitzenkandidatin der Partei, Janine Wissler.

Janine Wissler, Parteivorsitzende der Linken (Archivbild)

Janine Wissler, Parteivorsitzende der Linken (Archivbild)

Foto: Frederic Kern / imago images/Future Image

Ortskräfte, Frauenrechtlerinnen und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen hätten beim Abzug der Bundeswehr im Juni mitgenommen werden müssen. »Nein, man hat diese Menschen im Stich gelassen.« Deshalb sei die Bundesregierung verantwortlich für die Gefährdung von Menschenleben in Afghanistan, jetzt, nach der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban.

Die Linke im Bundestag forderte, dass sich Kanzlerin Angela (CDU) in einer Regierungserklärung zu der Entwicklung äußert. Der erste Parlamentarische Geschäftsführer Jan Korte bezeichnete dies in einem Schreiben an Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) als dringend notwendig. »Das Parlament und die Bevölkerung haben ein Recht auf eine Erklärung, weshalb die Ziele eines 20 Jahre andauernden Bundeswehreinsatzes – zuletzt die Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Verteidigungs- und Sicherheitskräfte – so offensichtlich vollständig verfehlt wurden«, schrieb er in dem Brief, der dem SPIEGEL vorliegt.

Ähnlich äußerte sich auch die SPD. Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider sagte, er erwarte, dass Merkel nächste Woche im Bundestag zu Afghanistan redet. Die Lage in dem Land sei »ein gravierender Einschnitt in die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik«, sagte Schneider. »Die ganze Bundesregierung trägt die Verantwortung, auch die Bundeskanzlerin. Ich erwarte, dass Merkel in der Debatte das Wort ergreift und sich erklärt. Das ist auch für die Menschen in Deutschland wichtig, dass das von der Spitze der Regierung kommt.«

Afghanisches Kampfflugzeug in Usbekistan abgeschossen

15.50 Uhr: Ein afghanisches Kampfflugzeug ist im Süden des Nachbarlandes Usbekistan abgeschossen worden. Es sei beim illegalen Grenzübertritt von einem Luftverteidigungssystem getroffen worden, teilte das Verteidigungsministerium usbekischen Medien zufolge mit.

Zu dem Vorfall war es demnach am Sonntagabend nach der Einnahme der afghanischen Hauptstadt Kabul durch die militant-islamistischen Taliban gekommen. Usbekische Medien veröffentlichten Fotos von einer am Boden liegenden Maschine, die beschädigt war.

Eine Mauer an der Grenze zwischen Usbekistan und Afghanistan

Eine Mauer an der Grenze zwischen Usbekistan und Afghanistan

Foto: TEMUR ISMAILOV / AFP

Das usbekische Nachrichtenportal Gazeta.uz berichtete, die Maschine sei in der Provinz Surchandarja abgestürzt. Die zwei Piloten hätten sich mit einem Fallschirm retten können. Sie seien in ein Krankenhaus gebracht worden. Unklar war, ob die Piloten vor den Taliban fliehen wollten oder weshalb das Flugzeug über Usbekistan flog.

Auf dem Landweg hatten bereits viele Afghanen die Grenze überquert – auf der Flucht vor den Taliban. Erst am Samstag waren 84 afghanische Soldaten in die Ex-Sowjetrepublik geflohen.

Laschet wertet Afghanistan als »größtes Debakel« in Geschichte der Nato

15.18 Uhr: CDU-Chef Armin Laschet hat den internationalen Militäreinsatz in Afghanistan rückblickend für gescheitert erklärt. »Es ist das größte Debakel, das die Nato seit ihrer Gründung erleidet«, sagte Laschet. »Es ist eine politische und humanitäre Katastrophe.« Laschet sprach mit Blick auf die Ereignisse in Afghanistan von einem »Epochenwechsel, vor dem wir stehen«.

Armin Laschet, Parteivorsitzender der CDU

Armin Laschet, Parteivorsitzender der CDU

Foto: Janine Schmitz/photothek.de / imago images/photothek

Die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan stelle auch der europäischen Außenpolitik ein schlechtes Zeugnis aus: »Wir sehen: Die Handlungsfähigkeit Europas ist nicht gegeben ohne die Vereinigten Staaten an unserer Seite«, sagte Laschet. Der Abzug der USA aus Afghanistan habe zu der aktuellen Situation geführt.

Die Europäische Union sei nun dringend gefordert, Afghanistans Nachbarländern bei dem erwarteten Zuzug afghanischer Flüchtlinge zu helfen. »Wir dürfen die Fehler von 2015 nicht wiederholen«, sagte Laschet mit Blick auf die damaligen Flüchtlingsbewegungen aus Syrien nach Europa.

Über 100 afghanische Soldaten fliehen nach Tadschikistan

15.12 Uhr: Mehrere Militärmaschinen mit über hundert afghanischen Soldaten an Bord landen nach Angaben des Außenministeriums in Tadschikistan in der Stadt Bokhtar. Man habe den Flugzeugen den Eintritt in den eigenen Luftraum erlaubt, nachdem diese ein Notsignal gesendet hätten, berichtete die russische Nachrichtenagentur RIA unter Berufung auf das Außenministerium in Tadschikistan.

Eindringliche Appelle von Frauenorganisationen

15.02 Uhr: Frauenrechtsorganisationen haben sich mit eindringlichen Appellen an die Bundesregierung gewandt, gerade Frauenrechtlerinnen und Mitarbeiterinnen von Hilfsorganisationen in Afghanistan bei der Ausreise zu unterstützen. Es müsse für deren Sicherheit gesorgt werden, »und das nicht nur mit Luftbrücken aus Kabul, sondern mit sicheren Fluchtwegen von überall im Land«, sagte die stellvertretende Terre-des-Femmes-Vorsitzende Inge Bell.

Insbesondere zivile Akteurinnen, die sich für die Rechte von Frauen eingesetzt hätten, schwebten nun in Todesgefahr, hieß es in einer Mitteilung der Organisation. »Schon jetzt rächen sich die Taliban an Frauen, die sich für ihre Rechte einsetzen oder eingesetzt haben«, sagte Bell.

Arbeiter in einem Schönheitssalon entfernen am 15. August in Kabul große Fotos von Frauen von der Wand, nachdem die Taliban in die afghanische Hauptstadt eingedrungen sind

Arbeiter in einem Schönheitssalon entfernen am 15. August in Kabul große Fotos von Frauen von der Wand, nachdem die Taliban in die afghanische Hauptstadt eingedrungen sind

Foto: - / dpa

Die Organisation »UN Women Deutschland« rief die Bundesregierung in einem offenen Brief dazu auf, neben Botschaftsangehörigen, Ortskräften und Entwicklungshelfern »so viele Frauenrechtlerinnen wie möglich zusammen mit ihren Familien aus Afghanistan zu retten«. Viele hätten jahrelang gegen alle Widerstände vertrauensvoll mit den westlichen Ländern zusammengearbeitet. »Wir dürfen sie Folter und Mord durch die Taliban nicht schutzlos ausliefern«, hieß es in dem Schreiben.

Nach zwanzig Jahren Einsatz in Afghanistan stünden Deutschland und die internationale Staatengemeinschaft in der Verantwortung, insbesondere Frauen und Kinder zu schützen, sagte die Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, Beate von Miquel. Die Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Beate Rudolf, erklärte, die Glaubwürdigkeit des Einsatzes der westlichen Welt für Menschenrechte stehe auf dem Spiel.

So lief die Offensive der Taliban

14.44 Uhr: US-Geheimdienste haben offenbar noch Anfang August gedacht, dass es bis zum Fall Kabuls 30 bis 90 Tage dauern könnte. Doch dann ging es schneller. Bereits am Sonntag nahmen die radikalislamischen Taliban die Hauptstadt ein.

Am Nachmittag starten weitere Evakuierungsflüge

14.30 Uhr: Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer kündigt an, dass am Nachmittag weitere Truppentransporte zur Evakuierung von Menschen aus Kabul starten werden. Man werde ein robustes Mandat für einen robusten Einsatz brauchen, sagte sie. Solange es möglich sei, werde man »so viele Menschen wie möglich aus Kabul, aus Afghanistan herausholen«, fügt sie hinzu. Die CDU-Gremien hätten sich klar zu dem Evakuierungsauftrag bekannt.

USA verlegen weitere Einsatzkräfte zum Kabuler Flughafen

14.24 Uhr: Die USA werden heute und morgen zusätzliche Einsatzkräfte an den Kabuler Flughafen verlegen. Das kündigte der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater Jon Finer in einem Interview mit dem Sender MSNBC an. Er räumte ein, dass die Situation sich schneller verschlechtert habe als erwartet. Seinen Angaben nach verhandeln die USA weiter mit Vertretern der Taliban in Doha in Katar. Die USA machten den Taliban klar, dass sie zu leiden hätten, falls die Aggressionen gegen die USA zunehmen würden.

Afghanisches Kampfflugzeug in Usbekistan abgestürzt

14.21 Uhr: Ein afghanisches Kampfflugzeug ist im Süden des Nachbarlandes Usbekistan in Zentralasien abgestürzt. Zu dem Vorfall sei es am Sonntagabend nach der Einnahme der afghanischen Hauptstadt Kabul durch die militant-islamistischen Taliban gekommen, teilte das usbekische Außenministerium am Montag der russischen Staatsagentur Tass mit. Das usbekische Nachrichtenportal Gazeta.uz berichtete zuvor, die Maschine sei in der Provinz Surchandarja aus noch ungeklärter Ursache abgestürzt. Mindestens ein Pilot habe sich mit einem Fallschirm retten können. Er sei in ein Krankenhaus gebracht worden. Unklar war, ob der Pilot vor den Taliban fliehen wollte oder weshalb das Flugzeug über Usbekistan flog.

Innenministerium will evakuierte Afghanen einreisen lassen

14.18 Uhr: Menschen, die angesichts der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan evakuiert werden, sollen nach dem Willen der Bundesregierung auch nach Deutschland weiterreisen dürfen. Das versicherte eine Sprecherin von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Montag in Berlin. Seehofer hatte jüngst erklärt, Visa könnten auch erst nach der Einreise nach Deutschland erteilt werden. Auf Nachfrage, warum diese Ankündigung nicht eher erfolgt sei, sagte sie, Seehofer habe in den vergangenen Wochen immer wieder deutlich gemacht, dass er alles für die Ausreise von Ortskräften tun werde.

Safe Houses für Ortskräfte in Kabul aufgelöst

14.12 Uhr: Der Leiter des »Patenschaftsnetzwerks Afghanische Ortskräfte«, Marcus Grotian, hat in den sozialen Medien verkündet, dass die Safe Houses in Kabul aufgelöst worden seien. Dort hatten sich bislang ehemalige Ortskräfte vor den Taliban versteckt. Sie hätten versucht, den »8000 zurückgelassenen Ortskräften und Familienmitgliedern, und dazu noch Subunternehmern, Journalisten, Frauen und Kindern eine Chance zu geben«, schrieb Grotian.

Doch nun scheint die Gefahr der Häuser größer geworden zu sein als ihr Nutzen. »Die Taliban sollen von Tür zu Tür gehen auf der Suche nach Ortskräften. Ich habe die Safehouses aufgelöst, die nur noch Todesfallen sind«, schrieb Grotian am Mittag.

Dem SPIEGEL sagte er: »Das Blut jeder getöteten Ortskraft klebt an den Händen der Politiker in Regierungsverantwortung, die sich seit April ›stets der großen Verantwortung gegenüber den Ortskräften‹ bewusst waren«.

Irans Präsident appelliert an Taliban

13.58 Uhr: Irans Präsident Ebrahim Raisi hat an die Taliban im Nachbarland Afghanistan appelliert, eine nationale Einigung anzustreben. Dies sei es, was Afghanistan in erster Linie für Frieden und Stabilität brauche, sagte Raisi am Montag. Der Rückzug der USA sei eine Chance für alle politischen Gruppen, diese Einigung über interne Verhandlungen zu erreichen. »Als Nachbar und Bruder Afghanistans« werde Iran das afghanische Volk auf diesem Weg weiterhin unterstützen, so Raisi laut Webportal des Präsidialamts.

Iranischer Präsident Raisi: »Nachbar und Bruder Afghanistans«

Iranischer Präsident Raisi: »Nachbar und Bruder Afghanistans«

Foto: Iranian Presidency / imago images/ZUMA Wire

In Iran gibt es Differenzen, wie die Regierung demnächst mit den militant-islamistischen Taliban umgehen soll. Einige politische Kreise in Teheran sind der Auffassung, dass die Taliban sich verändert haben und nicht mehr die islamistische Bewegung der letzten Jahre seien und daher auch nicht mehr als Feind eingestuft werden sollten. Andere jedoch sagen, dass die jüngsten Entwicklungen genau das Gegenteil bewiesen hätten. Außerdem bleibe der schiitische Iran für die sunnitischen Taliban-Extremisten stets ein religiöser Erzfeind.

Aus Angst um die Sicherheit seiner Diplomaten hat Teheran deren Zahl in der Botschaft in Kabul auf ein Minimum reduziert. In Iran wurde insbesondere eine Wiederholung des Massakers von 1998 befürchtet. Damals stürmten Taliban das iranische Konsulat in Masar-i-Scharif und töteten zehn Diplomaten sowie den Korrespondenten der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA. Der Vorfall hatte damals fast zu einem militärischen Konflikt zwischen Iran und den Taliban geführt, der jedoch nach einer Uno-Vermittlung verhindert werden konnte.

Sprecher von Hamid Karsai: Gespräche mit den Taliban

13.51 Uhr: Nach der faktischen Machtübernahme durch die Taliban sollen Gespräche zwischen afghanischen Politikern und Vertretern der Islamisten laufen. Das teilte ein Sprecher des ehemaligen Präsidenten Hamid Karsai der Nachrichtenagentur dpa am Montag mit. In einem ersten Schritt habe man betont, dass das Leben und das Vermögen der Bevölkerung sowie die öffentliche Infrastruktur geschützt werden müssten, sagte der Sprecher weiter. Einen Kommentar von Taliban-Seite gab es dazu zunächst nicht.

Nach der Flucht des Präsidenten Ashraf Ghani am Sonntag ist nach Angaben Karsais ein Koordinierungsrat für eine friedliche Übergabe der Macht gebildet worden. Ihm gehören der Vorsitzende des Nationalen Versöhnungsrates, Abdullah Abdullah, der ehemalige Kriegsfürst Gulbuddin Hekmatjar und Karsai selbst an. Es gab keine Angaben dazu, wo die Gespräche stattfinden und wer von Taliban-Seite daran teilnimmt. Es ist zudem insgesamt unklar, ob die Islamisten dazu bereit sind, nach ihrem rasanten militärischen Erfolg die Macht mit anderen Politikern im Land zu teilen.

Deutsche Botschaft warnte offenbar vor Gefährdung

13.20 Uhr: Die deutsche Botschaft in Kabul hat einem Bericht zufolge beim Auswärtigen Amt über längere Zeit erfolglos auf die Gefährdung ihrer Mitarbeiter hingewiesen. Das berichtete Tagesschau.de  und beruft sich dabei auf Informationen des ARD-Hauptstadtbüros.

Der stellvertretende deutsche Botschafter Hendrik van Thiel schrieb demnach in seinem Lagebericht am Freitag, »dass den dringenden Appellen der Botschaft über längere Zeit erst in dieser Woche Abhilfe geschaffen« worden sei. »Wenn das an irgendeiner Stelle diesmal schiefgehen sollte, so wäre dies vermeidbar gewesen«, schrieb der Diplomat demnach weiter.

Deutsche Botschaft in Kabul (Archivfoto): Erfolglos auf die Gefährdung von Mitarbeitern hingewiesen

Deutsche Botschaft in Kabul (Archivfoto): Erfolglos auf die Gefährdung von Mitarbeitern hingewiesen

Foto: Michael Kappeler / picture alliance / dpa

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte trotz des raschen Vormarschs der radikalislamischen Taliban erst am Freitag den Abzug eines großen Teils der deutschen Botschaftsmitarbeiter aus Kabul angekündigt. Am Sonntag wurde die Botschaft geschlossen und das gesamte Personal an den militärischen Teil des Kabuler Flughafens verlegt.

Am Krisenmanagement der Bundesregierung gibt es breite Kritik. Insbesondere wird der Vorwurf erhoben, zu spät auf die Lage in Afghanistan reagiert zu haben.

Menschen klammern sich offenbar von außen an ein Flugzeug

13.15 Uhr: In den sozialen Netzwerken kursieren Videos vom Flughafen Kabul. Darauf ist zu sehen, wie Menschen verzweifelt versuchen, noch in eines der startenden Flugzeuge zu kommen. In anderen Aufnahmen ist angeblich zu sehen, wie Personen sich beim Abflug von außen an eine startende Maschine klammern. Offenbar konnten sie sich nicht halten und stürzten ab. Die Authentizität der Videos lässt sich bislang nicht überprüfen.

Esken und Walter-Borjans wollen besonders schutzwürdige Personen in Sicherheit bringen

12.20 Uhr: Die SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans haben sich dafür ausgesprochen, neben Mitarbeitern der deutschen Botschaft in Afghanistan auch andere besonders schutzwürdige Personen außer Landes zu bringen. »Jetzt ist unser oberstes Ziel, dass die Menschen in Sicherheit gebracht werden, die in den letzten Jahren für uns alle in Afghanistan gearbeitet haben: Botschaftspersonal, NGOs, Entwicklungseinrichtungen, Medien, Stiftungen ebenso wie die Ortskräfte, die diese Arbeit unterstützt haben«, so die SPD-Chefs gegenüber dem SPIEGEL.

SPD-Chefs Esken und Walter-Borjans

SPD-Chefs Esken und Walter-Borjans

Foto: Kay Nietfeld/ DPA

»Unsere besondere Verantwortung gilt zugleich auch Menschen- und Frauenrechtsvertreterinnen, Journalistinnen und Kulturschaffenden, die sich dort für die Entwicklung einer demokratischen Zivilgesellschaft eingesetzt haben und nun besonders gefährdet sind«, teilten Esken und Walter-Borjans weiter mit. »In dieser Lage müssen bürokratische Hürden hintanstehen – und hätten es aus unserer Sicht auch schon vorher tun sollen. Wir müssen alles dafür tun, dass sie alle recht bald in Sicherheit sind.«

Dabei gilt laut den SPD-Vorsitzenden: »Je näher der Heimat wir zu einem sicheren Leben Geflüchteter beitragen, umso aussichtsreicher ist das für eine langfristig tragfähige Lösung. Besonderes Augenmerk gilt der sicheren Rückkehr unserer Soldat*innen, die die Evakuierung unterstützen und denen wir zu großem Dank verpflichtet sind.«

Joschka Fischer kritisiert Abzug aus Afghanistan

12.10 Uhr: Ex-Außenminister Joschka Fischer hat den schnellen Abzug westlicher Truppen aus Afghanistan kritisiert. Über die Bedingungen des Abzugs sei nicht verhandelt worden, sagte Fischer in Frankfurt an der Oder. Dies sei ein Fehler gewesen. Der Grünenpolitiker war Außenminister, als westliche Truppen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschierten und die Taliban entmachteten.

Taliban sammeln Waffen von Zivilisten ein

12.07 Uhr: In der afghanischen Hauptstadt Kabul haben Talibankämpfer damit begonnen, Waffen von Zivilisten einzusammeln. Die Menschen benötigten diese Waffen nicht mehr zu ihrem persönlichen Schutz, sagte ein Taliban-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters. »Wir verstehen, dass die Menschen die Waffen für ihre persönliche Sicherheit behalten haben. Jetzt können sie sich sicher fühlen. Wir sind nicht hier, um unschuldigen Zivilisten zu schaden«, so der Islamist.

Auswärtiges Amt ruft Ortskräfte auf, nicht zum Flughafen zu fahren

12.03 Uhr: Das Auswärtige Amt hat die afghanischen Ortskräfte in Kabul aufgerufen, sich nicht eigenständig zum Flughafen zu begeben. Dies sei derzeit zu gefährlich, sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Sie sollten vielmehr an einem sicheren Ort bleiben und darauf warten, bis sie von der deutschen Botschaft kontaktiert würden. Wer nicht auf einer Ausflugsliste stehe, werde nicht in das Flughafengebäude gelassen. Die Lage am Flughafen Kabul sei derzeit zudem sehr unübersichtlich.

Erster Bundeswehrtransporter soll um 17.50 Uhr Ortszeit landen

11.57 Uhr: Der erste Bundeswehrtransporter, der sich am Morgen auf den Weg nach Kabul machte, soll nach SPIEGEL-Informationen um 17.50 Uhr Ortszeit dort landen. Die zweite Maschine, die wenige Stunden später startete, soll die afghanische Hauptstadt um 21.50 Uhr Ortszeit erreichen.

Die beiden Maschinen sollen 90 Minuten in Kabul bleiben und sich dann auf den Weg in die usbekische Hauptstadt Taschkent machen. Die meisten deutschen Staatsbürger, die sich noch in Kabul befinden, wurden schon zum Flughafen gebracht. Allerdings ist immer noch völlig unklar, wie und ob man überhaupt Ortskräfte dorthin bringen kann. Denn die Flüge gehen allesamt vom militärischen Teil des Flughafens ab, der von US-Kräften komplett abgeriegelt worden ist.

Baerbock fordert Aufnahme von 10.000 Ortskräften

11.53 Uhr: Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat die Aufnahme von mindestens 10.000 Ortskräften aus Afghanistan gefordert, die in den vergangenen Jahren für die Bundeswehr oder Nato-Partner tätig waren. Das Kontingent müsse mindestens fünfstellig sein, sagte Baerbock in Frankfurt an der Oder.

Grünenchefin Baerbock: Mindestens fünfstellig

Grünenchefin Baerbock: Mindestens fünfstellig

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Viele Menschen in Afghanistan fürchteten nach der Machtübernahme der Taliban um ihr Leben, so die Grünenpolitikerin. Es sei überfällig, dass die Bundesregierung alle tue, um diese zu evakuieren. »Es geht um Stunden.« Das Außenministerium habe zu langsam gehandelt und Warnungen nicht aufgegriffen, kritisierte sie.

Merkel spricht von »bitteren Stunden«

11.19 Uhr: Angela Merkel hat sich im CDU-Präsidium zu der Lage in Afghanistan geäußert. »Wir erleben bittere Stunden«, sagte die Kanzlerin nach SPIEGEL-Informationen. »Jetzt müssen wir uns auf die Rettung konzentrieren!«

Zuerst hatte die »Bild« darüber berichtet.

Merkel wies sie ausdrücklich auch auf die Tatsache hin, dass die Sicherung des Flughafens in Kabul nur mit Unterstützung von US-Truppen möglich sei.

Dadurch werde deutlich, was man könne und was nicht, sagte Merkel nach diesen Informationen offenbar auch mit Blick auf die Möglichkeiten der Bundeswehr. Angesichts der drohenden Flüchtlingsbewegungen machte die Kanzlerin klar, wie wichtig es sei, die Nachbarländer Afghanistans sowie die gesamte Region zu unterstützen. Inwieweit Menschen Afghanistan verlassen könnten, werde aber abhängig von den Taliban sein, ergänzte sie demnach.

Merkel wies nach diesen Informationen auf die Richtungsentscheidung der US-Regierung zum Abzug aus Afghanistan sowie auf den Ursprung der westlichen Militäraktion in Afghanistan hin: Die Anschläge von al-Qaida in den USA vom 11. September 2001 hatten den US-geführten Militäreinsatz in Afghanistan ausgelöst. Der Drahtzieher der Anschläge, al-Qaida-Chef Osama Bin Laden, hielt sich unter dem Schutz der Taliban in Afghanistan auf.

Zweiter Transporter der Luftwaffe ist auf dem Weg nach Kabul

11.08 Uhr: Ein zweites Transportflugzeug der deutschen Luftwaffe ist auf dem Weg nach Kabul. Es soll deutsche Staatsbürger und afghanische Helfer ausfliegen, sagte ein Luftwaffensprecher. Ein erstes Transportflugzeug vom Typ A400M ist am frühen Montagmorgen vom Fliegerhorst Wunstdorf aus gestartet. Sicherheitskreisen zufolge soll es zwischen Kabul und der usbekischen Hauptstadt Taschkent hin- und herfliegen, um so viele Menschen wie möglich zu evakuieren.

Schweden fliegt seine Diplomaten nach Katar aus

11.03 Uhr: Schweden hat nach Angaben der Regierung die Evakuierung der Botschaft in Kabul abgeschlossen und das gesamte Personal aus dem Land gebracht. Die schwedischen Mitarbeiter der Gesandtschaft seien in der vergangenen Nacht per Hubschrauber und mit einem US-Flugzeug nach Katar ausgeflogen worden, sagte Außenministerin Ann Linde. Nun werde daran gearbeitet, auch die afghanischen Ortskräfte auszufliegen.

Lufthansa prüft Beteiligung an Evakuierungen

10.55 Uhr: Die Lufthansa prüft eine Beteiligung an den Evakuierungen aus Afghanistan. »Lufthansa prüft derzeit in Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt, wie sie die Bundesregierung bei der Evakuierung von deutschen Staatsangehörigen und lokalen Kräften zeitnah unterstützen kann«, sagt ein Konzernsprecher. Überflüge über Afghanistan hat der Konzern, zu dem neben der Lufthansa unter anderem die Fluglinien Swiss und Austrian Airlines gehören, wie viele andere Airlines ausgesetzt. Infrage kommt aber eine Beförderung von Personen aus der usbekischen Hauptstadt Taschkent nach Deutschland.

China fordert Taliban zu friedlicher Machtübernahme auf

10.40 Uhr: China hat die militant-islamistischen Taliban zu einer friedlichen und reibungslosen Machtübernahme in Afghanistan aufgefordert. »Die Lage in Afghanistan hat sich wesentlich verändert, und wir respektieren den Willen und die Entscheidung des afghanischen Volkes«, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Hua Chunaying, am Montag vor der Presse in Peking. Ein Ende des Krieges und die Schaffung von Frieden seien sowohl der einhellige Wunsch der mehr als 30 Millionen Afghanen als auch die gemeinsame Erwartung der internationalen Gemeinschaft und der Länder in der Region.

Die Sprecherin wies auf eine Erklärung der Taliban vom Vortag hin, dass der Krieg vorbei sei und sie über eine offene und inklusive islamische Regierung verhandeln wollten. Auch wollten sie die Sicherheit der afghanischen Bürger und ausländischer Vertretungen wahren, zitierte Hua Chunying. »China erwartet, dass diese Erklärungen umgesetzt werden, um einen reibungslosen Übergang in Afghanistan sicherzustellen, jede Art von Terrorismus und Verbrechen einzudämmen und es dem afghanischen Volk zu ermöglichen, den Krieg hinter sich zu lassen und ein besseres Zuhause wiederaufzubauen.«

Afghanische Medien arbeiten nur noch sehr eingeschränkt

10.31 Uhr: Afghanische Medien und Fernsehsender arbeiten seit der Übernahme der Hauptstadt Kabul durch die militant-islamistischen Taliban nur noch sehr eingeschränkt. Die beliebten Fernsehkanäle ToloNews oder Ariana etwa senden nicht mehr live. Am Sonntag bereits zeigten sie praktisch nur Wiederholungen.

Reine Musikkanäle sind momentan in Kabul Bewohnern der Stadt zufolge nicht mehr zu empfangen. Auch Programme mit Frauen werden nur eingeschränkt gezeigt. Türkische Serien, die bereits vor der Taliban-Übernahme von konservativen Afghanen als nicht mit afghanischen Werten übereinstimmend kritisiert wurden, seien auch aus den Programmen genommen worden.

Spanische Diplomaten und ihre afghanischen Mitarbeiter vor dem Abflug

10.28 Uhr: Alle Mitglieder der spanischen Botschaft in Kabul sowie alle afghanischen Ortskräfte sind zum Flughafen gebracht worden und sollen außer Landes gebracht werden. Sicherheitskräfte hätten die Diplomaten und ihre Mitarbeiter auf dem Weg zum Flughafen geschützt, sagte Innenminister Fernando Grande-Marlaska dem Sender SER. Spanien habe Transportflugzeuge entsandt, damit das Botschaftspersonal und afghanische Mitarbeiter der spanischen Armee so schnell wie möglich das Land verlassen könnten.

Russischer Botschafter will mit Taliban sprechen

10.26 Uhr: Der russische Botschafter in Kabul will am Dienstag mit einem Vertreter der Taliban über die Sicherheit der Gesandtschaft sprechen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Interfax. Der russische Sonderbeauftragte für Afghanistan, Samir Kabulow, kündigte im Radiosender Ekho Moskvy an, einige der russischen Diplomaten würden evakuiert.

Es gebe keine Eile bei der Frage nach der Anerkennung einer neuen afghanischen Regierung. Die Regierung in Moskau werde das Handeln der neuen Machthaber genau beobachten und dann eine Entscheidung treffen, sagte Kabulow.

Mittelmeerstaaten besorgt über Folgen der Afghanistankrise

10.23 Uhr: Die EU muss aus Sicht von fünf EU-Mittelmeerstaaten dringend über einen möglichen neuen Flüchtlingszustrom wegen der Lage in Afghanistan beraten. Dies fordern Griechenland, Italien, Spanien, Malta und Zypern, die in den vergangenen Jahren die meisten Migranten – auch aus Afghanistan – empfangen hatten.

Es müsse über »mögliche Auswirkungen auf die Migration in den Erstaufnahmeländern und in der Europäischen Union« beraten werden, heißt es in einem Brief dieser fünf Staaten an die slowenische EU-Ratspräsidentschaft, die am späten Sonntagabend in Athen veröffentlicht wurde. Die Innenminister der EU sollen am 18. September per Videokonferenz tagen.

Soziale Medien: Wut auf geflüchteten Präsident Ghani

Geflüchteter Präsident Ghani

Geflüchteter Präsident Ghani

Foto: Rahmat Gul / dpa

10.19 Uhr: Nach der Übernahme Kabuls durch die Taliban drücken viele Afghanen in sozialen Medien große Wut über den geflüchteten Präsidenten Ashraf Ghani aus. Er habe Afghanistan zerstört, durch ihn seien Tausende Kinder nun vaterlos, er habe dem Land jegliche Sicherheit genommen und schließlich dem Feind übergeben, schrieb die Sängerin Sedika Madadgar auf Facebook. Er werde als das »schmutzigste Tier« in die Geschichte des Landes eingehen.

Eine junge Frau schrieb auf Facebook, dass wegen Ghani nun ihre Familie Bücher und Musikinstrumente verbrennen müsse, mit denen auch so viele Kindheitserinnerungen verbunden seien. Wieder andere teilten Bilder von Ghani und versahen diese lediglich mit Schimpfwörtern.

Tschechischer Evakuierungsflug aus Afghanistan in Prag gelandet

10.16 Uhr: Ein erster Evakuierungsflug der tschechischen Armee aus Afghanistan ist am Montag in Prag gelandet. An Bord seien tschechische Staatsbürger sowie afghanische Ortskräfte einschließlich ihrer Ehepartner und Kinder gewesen, teilte Außenminister Jakub Kulhanek bei Twitter mit. Insgesamt habe es sich um 46 Personen gehandelt, die nun in Tschechien in Sicherheit seien. Die Evakuierungsbemühungen würden fortgesetzt. Im Laufe des Tages sollte erneut ein Krisenstab zusammengekommen. Die tschechische Botschaft in Kabul war bereits am Samstag geräumt worden.

Laschet fordert breit angelegte Luftbrücke

09.48 Uhr: CDU-Chef Armin Laschet hat eine breit angelegte Luftbrücke der Bundeswehr verlangt, die neben Deutschen und Ortskräften etwa auch Frauenrechtlerinnen aus Afghanistan holt. Es sei wichtig, dass die Bundeswehr ihre Luftbrücke so lange wie möglich aufrechterhalte, sagte der Unions-Kanzlerkandidat am Montag beim Eintreffen zu Beratungen der CDU-Spitzengremien in Berlin.

»Diese Luftbrücke darf sich nicht nur beziehen auf Ortskräfte, nicht nur auf deutsche Staatsangehörige, die noch in Afghanistan sind, sondern muss auch aktive Frauen-, Menschenrechtlerinnen, Aktivistinnen, Bürgermeisterinnen und andere umfassen. Das muss im Mandat mit vermerkt sein«, sagte Laschet. Das Kabinett will an diesem Mittwoch ein Mandat für den Hilfseinsatz der Bundeswehr beschließen.

CDU-Chef Laschet: »Diese Luftbrücke darf sich nicht nur beziehen auf Ortskräfte, nicht nur auf deutsche Staatsangehörige, die noch in Afghanistan sind«

CDU-Chef Laschet: »Diese Luftbrücke darf sich nicht nur beziehen auf Ortskräfte, nicht nur auf deutsche Staatsangehörige, die noch in Afghanistan sind«

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Laschet fordert weiter, die Europäische Union (EU) müsse sich darauf vorbereiten, dass es Flüchtlingsbewegungen Richtung Europa geben könne. Diesmal müsse rechtzeitig in der Region und in den Herkunftsländern humanitäre Hilfe geleistet werden. »2015 darf sich nicht wiederholen. Wir brauchen einen geordneten Schutz für die, die Richtung Europa streben.« 2015 und in den Folgejahren hatte eine große Flüchtlingsbewegung nach Deutschland zu einer schweren innenpolitischen Krise und dem Erstarken der Rechtspopulisten von der AfD geführt.

Er habe am Morgen mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gesprochen, sagte Laschet. »Die EU wird in großem Umfang ihre humanitäre Hilfe, die sie jetzt heute schon hat, in der Region verstärken.« Es sei wichtig, dass schon in den nächsten Tagen die EU-Außenminister zu einem Sonderrat zusammenkämen, um die Lage zu analysieren. »Wir müssen wissen: Es ist keine Mission Europas. Es ist keine EU-Mission. Sondern es war eine Nato-Mission«, sagte Laschet mit Blick auf den Abzug der westlichen Truppen aus Afghanistan. »Dennoch war Europa immer präsent. Und dennoch muss gerade in den humanitären Fragen Europa jetzt auch vor Ort sichtbar werden.«

Bericht: Mehrere Menschen am Flughafen von Kabul getötet

09:23 Uhr: Mindestens fünf Menschen sind auf dem Flughafen von Kabul getötet worden, als Hunderte versuchten, gewaltsam in Flugzeuge zu gelangen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Augenzeugen.

Ein Zeuge sagte, er habe gesehen, wie die Leichen von fünf Menschen zu einem Fahrzeug gebracht worden seien. Ein anderer Zeuge sagte, es sei nicht klar, ob die Opfer durch Schüsse oder in einer Massenpanik getötet wurden.

US-Truppen, die für den Flughafen zuständig sind, hatten zuvor in die Luft geschossen, um die Menge zu zerstreuen, sagte ein US-Beamter.

Afghanische Flugaufsicht rät vom Überfliegen des Landes ab

8.54 Uhr: Afghanistans zivile Flugverkehrsaufsicht ACAA teilt mit, dass der Luftraum für das Militär freigegeben worden sei. Die Behörde rät von Überflügen Afghanistans im Transitverkehr ab. Das Flugdatenportal FlightRadar24 meldet auf Twitter, dass ein Air-India-Flug von Chicago nach Neu-Delhi den afghanischen Luftraum kurz nach dem Eintritt wieder verlassen habe. Auch ein Terra-Avia-Flug von Baku in Aserbaidschan in die indische Hauptstadt habe seinen Kurs geändert.

Mützenich: Nato soll über Aufnahme afghanischer Flüchtlinge beraten

08:30 Uhr: Nach Ansicht von SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich soll sich die Nato mit der Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan befassen. »Das ist ja nicht allein eine militärische Organisation, sondern eine politische«, sagte er am Montag im Deutschlandfunk. »Und vielleicht ist die Durchsetzungskraft hier viel höher international stärker zusammenzuarbeiten, damit genügend Flüchtlinge in ganz vielen Ländern auch aufgenommen werden.«

Nach dem Eroberungsfeldzug der militant-islamistischen Taliban bis in die Hauptstadt Kabul wird mit hunderttausenden Flüchtlingen gerechnet, die sich teilweise auf den Weg nach Europa machen könnten. Die Europäische Union ist seit Jahren in der Flüchtlingsfrage zerstritten. Der Nato gehören aber die meisten EU-Länder an.

SPD-Fraktionschef Mützenich: »Nicht allein eine militärische Organisation, sondern eine politische«

SPD-Fraktionschef Mützenich: »Nicht allein eine militärische Organisation, sondern eine politische«

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Mützenich sprach sich dafür aus, den Kreis der Personen, die aus Afghanistan nach Deutschland gebracht werden sollen, deutlich auszuweiten. »Wir müssen sofort damit beginnen, eine weitaus größere Zahl an deutschen Staatsbürgern, einheimischen Helfern der Alliierten und andere gefährdete Personen aus dem Land zu holen und vor den Taliban zu retten«, sagte er der »Rheinischen Post«. »Ich rechne mit einer hohen vierstelligen bis fünfstelligen Zahl an Menschen, die wir in den nächsten Tagen und Wochen evakuieren müssen.«

Der SPD-Politiker nannte als Beispiele »Menschen, die sich für Frauenrechte eingesetzt haben, Fachleute von Nichtregierungsorganisationen und andere«. Er hoffe, dass die Evakuierungsaktionen auch Menschen aus anderen Landesteilen Afghanistans zugutekommen könnten, fügte Mützenich hinzu. Derzeit steht die Hauptstadt Kabul im Fokus der Bemühungen.

Mützenich kritisierte ein zu langsames Vorgehen der Bundesregierung. »Ich erwarte von der gesamten Bundesregierung, dass es nun endlich keine bürokratischen Hürden mehr für die Ortskräfte gibt«, sagte er mit Blick auf frühere afghanische Mitarbeiter der Bundeswehr und anderer deutscher Stellen. »Da ist in den vergangenen Wochen zu viel Zeit verloren worden. Das war ein Fehler.«

Britischer Verteidigungsminister Wallace: Keine Rückkehr nach Afghanistan

08:19 Uhr: Die Taliban hätten die Kontrolle über Afghanistan und die britischen Streitkräfte würden nicht zurückkehren, um die Aufständischen zu bekämpfen, sagte der britische Verteidigungsminister Ben Wallace.

»Ich erkenne an, dass die Taliban die Kontrolle über das Land haben«, so Wallace gegenüber Sky News. Man müsse kein Experte sein, um das erkennen. Auf die Frage, ob Großbritannien und die Nato nach Afghanistan zurückkehren würden, sagte er: »Das steht nicht zur Debatte«.

Taliban-Vertreter bezeichnet Lage im Land als »friedlich«

08:05 Uhr: Die Lage in Afghanistan ist nach Angaben eines Taliban-Vertreters ruhig. »Die Lage ist friedlich«, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters und berief sich auf Meldungen aus verschiedenen Landesteilen. Es gebe keine Zusammenstöße zwischen den Taliban und Sicherheitskräften der ehemaligen Regierung oder Zivilisten.

Gedränge am Flughafen von Kabul: US-Soldaten schießen offenbar in die Luft

07.19 Uhr: Die US-Streitkräfte haben am Montag auf dem Flughafen von Kabul in die Luft geschossen, um Hunderte von Zivilisten daran zu hindern, auf das Rollfeld zu rennen. Das sagte ein US-Beamter der Nachrichtenagentur Reuters. »Die Menge war außer Kontrolle geraten«, so der Beamte am Telefon. »Die Schüsse wurden nur abgegeben, um das Chaos zu entschärfen.«

Hunderte Afghanen drangen auf den Flughafen, um das Land zu verlassen, nachdem Talibankämpfer am Sonntag in die Hauptstadt eingedrungen waren. US-Truppen sind am Flughafen im Einsatz und helfen bei der Evakuierung von Botschaftsangehörigen und anderen Zivilisten.

Bundeswehrmaschine startet zu Evakuierung nach Kabul

07.00 Uhr: Die Bundeswehr ist zur Evakuierung deutscher Staatsbürger und afghanischer Ortskräfte mit einem ersten Transportflugzeug nach Afghanistan aufgebrochen. Am niedersächsischen Fliegerhorst in Wunstorf startete am Montagmorgen eine Maschine des Typs A400M nach Kabul.

Fallschirmjäger der Bundeswehr sollen am Montag in den Militärtransportern in der afghanischen Hauptstadt ankommen, um deutsche Staatsbürger und einheimische Helfer vor den Kämpfern der militant-islamistischen Taliban in Sicherheit zu bringen. Zudem sind deutsche Militärpolizisten »Feldjäger« und Bundeswehrsanitäter beteiligt.

Am selben Tag trifft nach Angaben aus Sicherheitskreisen ein sogenanntes Krisenunterstützungsteam (KuT) aus Experten verschiedener Ministerien in der afghanischen Hauptstadt ein.

Ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe startet am Morgen auf dem Fliegerhorst Wunstorf in der Region Hannover

Ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe startet am Morgen auf dem Fliegerhorst Wunstorf in der Region Hannover

Foto: Moritz Frankenberg / dpa

In der usbekischen Hauptstadt Taschkent soll ein zweites Team eine Drehscheibe (»Hub«) für die Rettung von Menschen vor den Islamisten organisieren. Es geht um den bislang wohl größten Evakuierungseinsatz der Bundeswehr – und um einen gefährlichen, wie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Sonntagabend in Berlin deutlich machte.

Der erste Evakuierungsflug wurde mit einer US-Maschine absolviert. Fortgesetzt werden soll die Aktion mit den Bundeswehrmaschinen vom Typ A400M. Sie sollen in den nächsten Tagen zentraler Bestandteil einer »Luftbrücke« sein, über die neben den Botschaftsmitarbeitern auch andere deutsche Staatsbürger sowie Ortskräfte, die für die Bundeswehr oder Bundesministerien in Afghanistan gearbeitet haben oder noch arbeiten, nach Deutschland bringen.

Die Maschinen, die Platz für 114 Passagiere bieten und über besonderen Schutz gegen Angriffe beispielsweise mit Raketen verfügen, fliegen die Betroffenen zunächst nach Taschkent im Nachbarland Usbekistan aus. Von dort geht es mit zivilen Maschinen weiter nach Deutschland.

Die Gesamtzahl deutscher Staatsbürger, die bis Sonntag noch in Kabul waren, wurde auf mehr als 100 geschätzt. Um wieviele Ortskräfte es geht, war bis zuletzt unklar. Es ist auf jeden Fall eine Zahl im vierstelligen Bereich. Allein in der staatlichen Entwicklungshilfe waren zuletzt noch 1100 Afghanen in deutschem Auftrag tätig. Hinzu kommen tausende ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr oder der Bundesministerien.

Ex-US-Verteidigungsminister Hagel über Afghanistan: »Wir haben die Kultur nie verstanden«

Früherer Verteidigungsminister Hagel: »Nicht wirklich verstanden, was wir da machen«

Früherer Verteidigungsminister Hagel: »Nicht wirklich verstanden, was wir da machen«

Foto: KEVIN LAMARQUE/ REUTERS

06.22 Uhr: Der ehemalige US-Verteidigungsminister Chuck Hagel hat dem US-Militäreinsatz in Afghanistan ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. »Wir haben die Kultur nie verstanden, wir haben die Religion nie verstanden, das Stammesdenken, die Geschichte«, sagte der Republikaner Hagel dem Sender CNN. »Man ist zum Scheitern verurteilt, wenn man das nicht versteht. Und wenn man 20 Jahre lang als Besatzungsmacht an einem Ort bleibt, werden die Dinge nicht gut ausgehen«, weil man am Ende »von vielen Menschen als Besatzer angesehen« angesehen werde.

Hagel betonte zwar, dass die USA viele gute Dinge getan hätten, um ein besseres Land zu schaffen. Allerdings sagte er auch: »Ich glaube, wir sind vom Weg abgekommen und haben nicht wirklich verstanden, was wir da machen.« Mit Blick auf die Entscheidung zum Truppenabzug erklärte er, dass es wohl kaum eine gute Lösung gegeben hätte.

Sollte der Flughafen von Kabul an die militant-islamistischen Taliban fallen, würde das eine »sehr gefährliche Dynamik« in Gang setzen, sagte Hagel. »Ohne ihre Zustimmung und ihr Einverständnis kann man dann nichts rein- oder rausbringen.« Wenn es dort zu gewalttätigen Auseinandersetzungen käme, wäre das ein echtes Problem, »weil wir dann 6000 Militärs da haben«. Hagel war von 2013 bis 2015 unter dem damaligen demokratischen Präsidenten Barack Obama Pentagon-Chef.

Pentagon: Mehrere Hundert Zivilisten aus Afghanistan ausgeflogen

05.47 Uhr: Die US-Streitkräfte haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Washington die Flugverkehrskontrolle auf dem Flughafen von Kabul übernommen. Dabei würden sie von afghanischen Helfern unterstützt, erklärte der Sprecher des Ministeriums, John Kirby. Mehrere Hundert Botschaftsmitarbeiter und private US-Bürger wurden dem Ministerium zufolge bisher aus Afghanistan ausgeflogen.

Pentagon-Sprecher John Kirby

Pentagon-Sprecher John Kirby

Foto: Susan Walsh / AP

Den Angaben nach sind zusätzlich zu den tausend Soldaten, die sich bereits in Kabul befanden, zwei Infanteriebataillone sowie weitere Kräfte mit etwa 2000 Soldaten vor Ort. Die Truppenstärke soll in den kommenden 48 Stunden auf 6000 aufgestockt werden. »Wir konzentrieren uns weiterhin auf die uns zugewiesene Aufgabe: den sicheren Abzug des zivilen Personals aus der US-Botschaft und aus dem Land zu erleichtern und den Betrieb am Flughafen zu schützen«, teilte Kirby mit.

Der kommerzielle Flugverkehr laufe weiter, auch wenn es zwischendurch zu Unterbrechungen und Verzögerungen gekommen sei, sagte Kirby. Große Fluggesellschaften wie United Airlines, British Airways und Virgin Atlantic erklärten indessen, dass sie den afghanischen Luftraum nicht mehr überfliegen würden. Grund sei die aktuelle Entwicklung im Land. Die Airlines sind nach dem Abschuss eines Verkehrsflugzeugs über der Ukraine im Jahr 2014 und dem Abschuss einer Maschine in Iran im Jahr 2020 bei Flügen über Konfliktzonen vorsichtiger geworden.

Taliban-Führer: Alle ausländische Streitkräfte müssen Afghanistan verlassen

05.38 Uhr: Alle ausländischen Streitkräfte müssten Afghanistan verlassen, bevor mit dem Umbau der Regierung begonnen werde, sagte ein Taliban-Führer, der namentlich nicht genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon. Es sei aber noch zu früh, um zu sagen, wie man die Regierung übernehmen werde. Er fügte hinzu, die Talibankämpfer in Kabul seien gewarnt worden, Zivilisten nicht zu verängstigen. Zudem solle den Bürgern erlaubt werden, ihre normalen Tagesaktivitäten wieder aufzunehmen.

Nach Taliban-Einzug in Kabul: Trump fordert Biden zum Rücktritt auf

05.29 Uhr: Nach dem Einmarsch der Taliban in Kabul hat Ex-US-Präsident Donald Trump seinen Nachfolger Joe Biden zum Rücktritt aufgefordert. Es sei an der Zeit, dass Biden »in Schande« zurücktrete »für das, was er in Afghanistan zugelassen hat«, teilte Trump am mit. Er kritisierte zudem Biden Einwanderungs-, Wirtschafts- und Energiepolitik. (Mehr zur Kritik der Republikaner am US-Präsidenten lesen Sie hier.)

Ex-US-Präsident Trump: »Es wird als eine der größten Niederlagen in die amerikanische Geschichte eingehen«

Ex-US-Präsident Trump: »Es wird als eine der größten Niederlagen in die amerikanische Geschichte eingehen«

Foto: MANDEL NGAN / AFP

Unter Trump hatten 2018 in Doha in Katar die ersten direkten Gespräche zwischen der US-Regierung und den Taliban begonnen. Die Gespräche mündeten am 29. Februar 2020 in eine Vereinbarung, in der ein Zeitplan für den Abzug der US-Truppen abgesteckt wurde. Der Abzug verzögerte sich zwar zwischenzeitlich, begann dann aber unter Trumps Nachfolger Biden im Mai. Parallel zu den USA zogen auch die anderen Nato-Truppen aus Afghanistan ab, darunter die Bundeswehr.

Trump hat Bidens Abzugspläne  schon mehrfach kritisiert und behauptet, er hätte den Truppenabzug »ganz anders und viel erfolgreicher« bewerkstelligt. In einer weiteren Erklärung schrieb Trump: »Was Joe Biden mit Afghanistan gemacht hat, ist legendär. Es wird als eine der größten Niederlagen in die amerikanische Geschichte eingehen.«

Dutzende Staaten drängen auf sichere Ausreise für Afghanen und Ausländer

05.12 Uhr: Mehr als 60 Staaten haben die Möglichkeit zur sicheren und geordneten Ausreise aus Afghanistan gefordert. Afghanen und andere Staatsbürger, die das Land verlassen wollten, müssten dies tun dürfen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, die das US-Außenministerium am Sonntagabend (Ortszeit) veröffentlichte. Dazu müssten Straßen, Flughäfen und Grenzübergänge offen bleiben. Dem Außenministerium zufolge zählen etwa auch Deutschland, Kanada, Großbritannien, Österreich, Spanien oder der EU-Außenbeauftragte zu den Unterzeichnern.

»Diejenigen, die in ganz Afghanistan Macht- und Autoritätspositionen innehaben, tragen die Verantwortung – und sind rechenschaftspflichtig – für den Schutz von Menschenleben und Eigentum sowie für die sofortige Wiederherstellung der Sicherheit und der zivilen Ordnung«, hieß es weiter. Das afghanische Volk habe ein Recht auf ein Leben in Sicherheit und Würde. »Wir in der internationalen Gemeinschaft sind bereit, sie dabei zu unterstützen.«

Außenministerium: US-Botschaft in Kabul evakuiert

04.05 Uhr: Die Evakuierung der US-Botschaft in Kabul ist nach Angaben des Außenministeriums abgeschlossen. Das gesamte Botschaftspersonal befinde sich auf dem Gelände des Flughafens von Kabul, dessen Umgebung vom US-Militär gesichert werde, erklärte das Ministerium am Sonntagabend (Ortszeit). Von dort soll früheren Angaben nach ein Großteil des Personals ausgeflogen werden. Offen war, welche und wie viele Mitarbeiter noch in Kabul bleiben sollten.

Medienberichten zufolge war zuvor bereits die US-amerikanische Flagge auf dem Gelände eingeholt worden. Ende vergangener Woche hatte das Außenministerium betont, dass das Botschaftspersonal zwar auf ein Minimum reduziert werden sollte, es sich aber nicht um eine Evakuierung der Botschaft handele. Zunächst hieß es auch, dass der Standort der Botschaft in Kabul erhalten bleibe. Dies änderte sich dann im Laufe des Wochenendes nach dem Einmarsch der Taliban.

Seit Sonntag steigen immer wieder Hubschrauber über den schwer gesicherten Botschaftsviertel der afghanischen Hauptstadt auf. Die Maschinen werden für die Evakuierung der Landesvertretungen genutzt.

US-Republikaner greifen Biden für »verpfuschten« Afghanistan-Abzug an

Joe Biden

Joe Biden

Foto: Chris Kleponis / POOL / EPA

03.05 Uhr: US-Präsident Joe Biden steht nach dem Eroberungszug der Taliban im Kreuzfeuer führender Republikaner. Der »verpfuschte Abzug« und die »hektische Evakuierung« von Amerikanern und afghanischen Helfern sei ein »beschämendes Versagen der amerikanischen Führung«, sagte der Minderheitsführer der Republikaner im US-Senat, Mitch McConnell, am Sonntag (Ortszeit). Die USA hätten die Möglichkeit gehabt, »diese Katastrophe zu vermeiden«.

Mehr zur Kritik der Republikaner finden Sie hier. Eine ausführliche Analyse der US-amerikanischen Afghanistan-Politik finden Sie hier .

Tschechien fliegt Botschaftsangehörige und örtliche Mitarbeiter aus

Montag, 01.45 Uhr: Vom Flughafen Kabul ist ein erster Evakuierungsflug Tschechiens gestartet. Er bringe 46 tschechische und örtliche Botschaftsmitarbeiter und ihre Familien nach Prag, twitterte Premierminister Andrej Babis. Die Regierung hatte die Aktion am Samstag wegen der eskalierenden Sicherheitslage beschlossen. Sie hat Afghanen, die tschechische Soldaten im Rahmen des Nato-Einsatzes unterstützt haben, Hilfe angeboten.

Taliban-Sprecher: »Der Krieg in Afghanistan ist vorbei«

Sonntag, 23.16 Uhr: Ein Sprecher des Politbüros der Taliban erklärt den Krieg in Afghanistan für beendet. »Der Krieg in Afghanistan ist vorbei«, sagt der Sprecher des Taliban-Politbüros, Mohammad Naeem, dem Sender Al Jazeera. »Wir versichern allen, dass wir für die Sicherheit der Bürger und der diplomatischen Vertretungen sorgen werden«, fügt er hinzu. »Wir sind bereit, einen Dialog mit allen afghanischen Persönlichkeiten zu führen, und werden ihnen den notwendigen Schutz garantieren.« Die Form der Regierung werde bald feststehen.

Die Taliban erwarten nach Angaben eines Sprechers, dass ausländische Mächte »ihre gescheiterte Erfahrung in Afghanistan« nicht wiederholen werden. »Wir sind bereit, uns mit den Sorgen der internationalen Gemeinschaft im Dialog zu befassen«, sagt Naeem dem Sender.

Uno-Sicherheitsrat will über Situation in Afghanistan beraten

22.51 Uhr: Die Lage in Afghanistan nach dem Einrücken der Taliban in die Hauptstadt Kabul soll an diesem Montag Thema im Uno-Sicherheitsrat sein. Zuvor hatten Estland und Norwegen die Einberufung einer außerordentlichen Sitzung gefordert. »Bestätigt!«, schrieb die Uno-Vertretung Norwegens am Nachmittag auf Twitter.

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Am Montag finde im Sicherheitsrat eine Sitzung zu Afghanistan statt. Uno-Generalsekretär António Guterres wird auf der Sitzung des Gremiums sprechen, wie die Vereinten Nationen mitteilten. Laut Agenda soll die Sitzung um 10 Uhr (Ortszeit) beginnen.

»Der Generalsekretär verfolgt mit großer Sorge die sich rasch entwickelnde Lage in Afghanistan«, hieß es in einer Mitteilung. Die Vereinten Nationen seien weiterhin entschlossen, zu einer friedlichen Beilegung des Konflikts beizutragen, die Menschenrechte aller Afghanen, insbesondere die von Frauen und Mädchen, zu fördern und lebensrettende humanitäre Hilfe und wichtige Unterstützung für Zivilisten in Not zu leisten.

Taliban-Repräsentant verkündet Sieg in Afghanistan

22.22 Uhr: Ein führender Repräsentant der Taliban hat den Sieg der radikalislamischen Gruppe in Afghanistan erklärt. Dieser unerwartete Erfolg sei beispiellos in der Welt, sagte Mullah Baradar in einer Videobotschaft.

Afghanischer Präsident nach Usbekistan geflüchtet

21.51 Uhr: Der afghanische Präsident Ashraf Ghani ist einem Medienbericht zufolge nach Usbekistan geflüchtet. Wie der Nachrichtensender Al Jazeera unter Berufung auf einen Leibwächter des Politikers berichtet, machte sich Ghani unter anderem mit seiner Frau und seinem Stabschef auf den Weg in die usbekische Hauptstadt Taschkent.

Erste Bilder von Taliban im Präsidentenpalast

21.42 Uhr: Der Nachrichtensender Al Jazeera sendet Aufnahmen  einer großen Gruppe von Talibankämpfern im Präsidentenpalast der afghanischen Hauptstadt Kabul. Nur wenige Stunden nach der Flucht des Präsidenten Ashraf Ghani haben Kämpfer der radikalislamistischen Taliban den Palast eingenommen. Umgeben von Bewaffneten wandten sich Führer der Gruppe an Journalisten, wie auf den Fernsehbildern zu sehen war.

Es wird erwartet, dass die Taliban ihre Übernahme aus dem Palast bekannt geben.

Weitere 1000 US-Soldaten sollen bei Evakuierung helfen

21.27 Uhr: Die USA verstärken ihre Truppen in Afghanistan weiter auf nun insgesamt 6000 Soldaten. Das Pentagon habe die Entsendung weiterer 1000 Soldaten nach Kabul genehmigt, sagt ein US-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Dort sollen sie bei den Evakuierungen helfen.

Kabinett will Mandat für Evakuierungseinsatz am Mittwoch vorlegen

20.54 Uhr: Die Bundesregierung will am kommenden Mittwoch in der Kabinettssitzung das Mandat für den Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan beschließen. In der darauffolgenden Woche soll dann der Bundestag darüber beraten und entscheiden. Darüber informierte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Abend die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen in einem Telefonat, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Teilnehmerkreisen erfuhr.

Der Bundeswehreinsatz startet allerdings schon in der Nacht zum Montag. Dann werden die ersten Transportmaschinen nach Kabul starten.

Der Bundestag muss bewaffneten Auslandseinsätzen der Bundeswehr zustimmen. Eine Zustimmung nach Beginn eines Einsatzes ist aber in Ausnahmefällen möglich.

Präsident Ghani meldet sich auf Facebook

20.40 Uhr: Der afghanische Präsident Ashraf Ghani befindet sich nach eigenen Angaben im Exil. Er habe das Land verlassen, um Blutvergießen zu vermeiden, erklärt der Politiker auf Facebook. Zu seinem Aufenthaltsort äußert er sich nicht.

Ghani hat die militärische Niederlage gegen die radikalislamischen Taliban eingestanden. »Die Taliban haben gesiegt«, schrieb Ghani. Die Islamisten seien nun dafür zuständig, die Leben, das Vermögen und die Ehre der Bürger zu schützen.

Der Präsident hat seine Flucht mit der Sorge um die Sicherheit der Bevölkerung in der Hauptstadt Kabul begründet. Wenn er geblieben wäre, wären »zahllose Patrioten« getötet und Kabul zerstört worden, fügte er hinzu.

Frankreich schickt zwei Militärflugzeuge zur Evakuierung

20.23 Uhr: Frankreich entsendet zwei militärische Transportflugzeuge, um eigene Bürger aus Afghanistan zu holen. Die Maschinen sollen sich in der Nacht und am Montag auf den Weg in die Vereinigten Arabischen Emirate machen, wie das Verteidigungsministerium in Paris mitteilt.

Putin telefoniert mit usbekischem Präsidenten zur Lage in Afghanistan

20.21 Uhr: Angesichts des Vorrückens der Taliban in Afghanistan hat Russlands Präsident Wladimir Putin mit seinem Kollegen in Usbekistan telefoniert. Der Kremlchef habe mit Präsident Schawkat Mirsijojew ausführlich die Lage in Usbekistans Nachbarland Afghanistan erörtert, teilte der Kreml in Moskau mit. Es sei vereinbart worden, dass sich die zuständigen Ministerien beider Länder noch enger austauschten. Details wurden nicht genannt.

Usbekistan in Zentralasien hatte zuvor mitgeteilt, dass 84 afghanische Soldaten am Samstag in die Ex-Sowjetrepublik geflohen seien und dort um Hilfe gebeten hätten. Die Grenze zu Afghanistan sei daraufhin verstärkt worden. Moskau setzt seit Langem auf eine diplomatische Lösung des Konflikts in Afghanistan.

Laschet fordert sofortige Aufnahme gefährdeter Afghaninnen

20.03 Uhr: Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat die Bundesregierung dazu aufgerufen, »sofort besonders gefährdete Frauen – Bürgermeisterinnen, Lehrerinnen und Aktivistinnen – und ihre engsten Familienangehörigen vor dem Tod zu retten und aufzunehmen«. Die Evakuierung müsse sofort beginnen, twitterte der CDU-Chef am Sonntag. »Der Westen muss verlässlich sein«, forderte er. In der kommenden Woche müsse es eine erste gemeinsame transatlantische Antwort geben.

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»Die Fehler im Umgang mit dem syrischen Bürgerkrieg dürfen nicht noch einmal gemacht werden. 2015 soll sich nicht wiederholen«, erklärte Laschet mit Blick auf mögliche Flüchtlingsströme Richtung Europa. Sowohl die EU als auch die internationale Gemeinschaft müssten den in die Nachbarstaaten Afghanistans fliehenden Menschen helfen, um eine »humanitäre Katastrophe« zu lindern.

Maas: Evakuierung von Botschaftsangehörigen beginnt umgehend

19.43 Uhr: Die ersten Angehörigen der deutschen Botschaft in Kabul sollen noch im Laufe dieses Sonntags aus der afghanischen Hauptstadt ausgeflogen werden. Das hat Außenminister Heiko Maas (SPD) am Abend in Berlin angekündigt.

Karsai: Koordinierungsrat für friedliche Machtübergabe gebildet

19.37 Uhr: Nach der Flucht des Präsidenten Ashraf Ghani aus Afghanistan ist nach Angaben des früheren Präsidenten Hamid Karsai ein Koordinierungsrat für eine friedliche Übergabe der Macht gebildet worden. Das teilte Karsai am Sonntag auf Facebook mit.

Um Chaos angesichts des Vormarschs der islamistischen Taliban zu vermeiden, das Leiden der Menschen zu verringern und Frieden zu schaffen, sei dieser Rat gebildet worden. Ihm gehörten der Vorsitzende des Nationalen Versöhnungsrats, Abdullah Abdullah, der ehemalige Kriegsfürst Gulbuddin Hekmatjar und er selbst an.

Hamid Karzai war von 2001 bis 2014 Präsident von Afghanistan

Hamid Karzai war von 2001 bis 2014 Präsident von Afghanistan

Foto: Massoud Hossaini / AFP

Nur noch Militärflüge am Flughafen Kabul

19.15 Uhr: Auf dem Flughafen von Kabul wird nach Nato-Angaben die zivile Luftfahrt eingestellt. Es seien nur noch Militärflüge erlaubt, sagt ein Nato-Vertreter.

Britischer Premierminister warnt vor internationaler Anerkennung der Taliban

19.00 Uhr: In einem Interview hat sich der britische Premierminister Boris Johnson deutlich gegen eine Anerkennung der Taliban als Regierung Afghanistans gewandt. »Wir wollen nicht, dass jemand die Taliban bilateral anerkennt«, sagte Johnson. »Wir wollen eine einheitliche Position unter allen Gleichgesinnten, soweit wir eine bekommen können.« Es sei klar, dass es in Afghanistan bald eine neue Regierung geben werde, fügt Johnson hinzu.

Foto: Toby Melville/ REUTERS

Flüchtlinge aus Afghanistan – Söder sieht USA in der Pflicht

18.50 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder erwartet eine neue Flüchtlingswelle aus Afghanistan. »Ich rechne mit einer großen Herausforderung«, sagt der CSU-Chef auf Bild live. Aus seiner Sicht seien die USA in erster Linie gefordert, eine Antwort zu bieten. »Die Amerikaner waren federführend in diesem Einsatz und haben federführend jetzt entschieden, das Land zu verlassen«, sagt Söder. »Ausfliegen der eigenen Leute, das wird dieses Mal nicht reichen.«

Malala Yousafzai schockiert über Vormarsch der Taliban

18.49 Uhr: Die pakistanische Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai ist »vollkommen schockiert« über den Vormarsch der Taliban in Afghanistan. »Ich bin in tiefer Sorge um die Frauen, Minderheiten und Menschenrechtsaktivisten«, schrieb sie auf Twitter. Sie rief »globale, regionale und lokale Mächte« dazu auf, eine Feuerpause durchzusetzen, humanitäre Hilfe zu leisten und Flüchtlinge und Zivilisten zu schützen.

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Malala wurde 2014 der Friedensnobelpreis verliehen – weil sie sich für das Recht aller Kinder auf Bildung einsetzt. Im Oktober 2012 hatte sie im Alter von 15 Jahren ein Attentat überlebt, nachdem Taliban-Kämpfer im Norden Pakistans ihren Schulbus gestoppt und ihr in den Kopf geschossen hatten. Noch immer ist sie Drohungen ausgesetzt. Malala lebt in Großbritannien.

Stoltenberg: Nato soll dabei helfen, Flughafen offenzuhalten

18.18 Uhr: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärt, dass das Militärbündnis dabei helfe, den Flughafen von Kabul offenzuhalten, Evakuierungen zu erleichtern und zu koordinieren.

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Iran richtet Schutzzonen für afghanische Flüchtlinge ein

18.00 Uhr: Der Iran hat angesichts des Eroberungszugs der Taliban im Nachbarland Pufferzonen für Flüchtlinge aus Afghanistan eingerichtet. Man habe bereits vor zwei Monaten mit der Errichtung dieser Schutzzonen begonnen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA.

Die drei Pufferzonen an den Grenzübergängen im Nord- sowie Südosten des Landes sollen afghanischen Flüchtlingen vorerst Sicherheit bieten. »Sobald sich die aktuelle Situation wieder entspannt, können die Flüchtlinge von dort aus wieder in ihre Heimat zurückkehren«, sagte Sprecher Hussein Ghassemi. Wegen der akuten Corona-Krise im Iran werden laut Ghassemi auch Vertreter des iranischen Gesundheitsministeriums in den Zonen tätig.

Taliban-Kommandanten ziehen in Präsidentenpalast ein

17.43 Uhr: Die Taliban sind nach eigenen Angaben in den Präsidentenpalast eingedrungen und haben die Kontrolle über das Gebäude übernommen. Man werde von dort in Kürze das Islamische Emirat Afghanistan ausrufen, wie es die Taliban bereits 1997 getan hatten. Die afghanische Regierung bestätigte die Angaben der Taliban-Befehlshaber zunächst nicht.

DER SPIEGEL

Taliban erteilen Übergangsregierung Absage

17.30 Uhr: Vertreter der Taliban widersprechen Darstellungen, wonach es eine Übergangsregierung in Afghanistan geben solle. Das werde nicht der Fall sein, sagen zwei Sprecher der Islamisten der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Gruppe erwarte eine vollständige Machtübergabe. Der kommissarische Innenminister Abdul Sattar Mirsakawal hatte zuvor gesagt, die Macht werde an eine Übergangsregierung übergehen.

Merkel will Fraktionsvorsitzende über Lage in Kabul unterrichten

17.27 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird die Fraktionsvorsitzenden im Bundestag noch an diesem Sonntag über die dramatische Zuspitzung der Lage in Afghanistan unterrichten. Laut Deutscher Presse-Agentur soll es dabei unter anderem um die Evakuierung des deutschen Botschaftspersonals, anderer deutscher Staatsbürger und afghanischer Ortskräfte durch die Bundeswehr gehen. Die Unterrichtung soll den Angaben zufolge um 18.30 Uhr stattfinden.

Deutschland hat seine Botschaft in Afghanistan wegen des Vorrückens der Taliban auf Kabul am Sonntag geschlossen und das Personal zum militärischen Teil des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt verlegt.

Britischer Außenminister ruft Taliban zur Gewaltlosigkeit auf

17.10 Uhr: Der britische Außenminister Dominic Raab hat die Taliban zur Gewaltlosigkeit und zur Einhaltung der Menschenrechte aufgerufen. »Habe meine große Besorgnis über die Zukunft Afghanistans mit (dem pakistanischen) Außenminister Qureshi geteilt«, schrieb Raab am Sonntag auf Twitter.

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Der britische Premierminister hatte angesichts des rasanten Eroberungszugs der islamistischen Extremisten in Afghanistan eine Sitzung des nationalen Sicherheitskabinetts Cobra einberufen. Am kommenden Mittwoch soll das Unterhaus in London zu einer Sondersitzung zusammentreten.

Mit dem Voranschreiten der Taliban ist die Situation vieler Menschen im Land dramatisch. Während ein Teil der Bevölkerung die militanten Islamisten willkommen heißt, fürchtet ein anderer um sein Leben.

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Fluchtbewegung aus Afghanistan: Türkei will mit Pakistan kooperieren

16.52 Uhr: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat eine verstärkte Zusammenarbeit mit Pakistan angekündigt: »Der Türkei droht eine wachsende Migrantenwelle von Afghanen, die über den Iran einwandern«, sagte Erdogan bei einem Treffen mit Pakistans Staatschef Arif Alvi in Istanbul. Ankara wolle sich für »Stabilität in der Region« einsetzen und zu diesem Zweck die »Kooperation mit Pakistan stärken«.

Wegen der erwarteten massiven Zunahme von Flüchtlingen aus Afghanistan hatte die türkische Regierung in den vergangenen Tagen bereits den Bau einer Grenzmauer zum Iran vorangetrieben. »Mit dieser Mauer werden wir die Ankunft von Migranten komplett stoppen«, betonte Erdogan am Sonntag.

Pakistans Staatschef hielt sich anlässlich des Auslaufens eines Kriegsschiffs in Istanbul auf, das sein Land von der Türkei gekauft hatte. Die Atommacht Pakistan grenzt an Afghanistan und ist einer der zentralen politischen Akteure in der Region.

Trittin wirft Maas beispielloses Versagen in Afghanistan vor

16.47 Uhr: Der Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin hat Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) ein beispielloses Versagen bei der Rettung afghanischer Ortskräfte vorgeworfen. Maas habe »hier viel Schuld auf sich geladen«, sagte Trittin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Montagsausgaben). Trittin warf dem von Maas geführten Auswärtigen Amt vor, eine Rettung und unbürokratische Aufnahme der afghanischen Ortskräfte in Deutschland blockiert zu haben.

»So ein Versagen, das so viel Leid mit sich bringen wird, ist beispiellos«, sagte Trittin, der dem Auswärtigen Ausschuss des Bundestags angehört. Er wies dem Außenminister eine persönliche Verantwortung für das Schicksal der Betroffenen zu: Wenn die Ortskräfte nun »nicht mehr gerettet werden können, ist er dafür verantwortlich«.

Schüsse am Flughafen Kabul - Taliban nicht involviert

16.35 Uhr: Laut SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter sollen am Flughafen der Hauptstadt Kabul Schüsse gefallen sein. Mehrere Augenzeugen hätten angegeben, im zivilen Teil des Airports sei geschossen worden. Der Vorfall habe aber nichts mit den vorrückenden Taliban zu tun. Die Schüsse seien im Gerangel unter der Panik der Anwesenden gefallen. Ein Polizist sei verletzt worden, hieß es.

Taliban beziehen Posten in Kabul

16.24 Uhr: Kurz nach ersten Meldungen über die Ausreise des afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani haben die Taliban ihre Kämpfer offenbar angewiesen, Posten in der Hauptstadt Kabul zu beziehen. Weil die örtliche Polizei ihre Posten verlassen habe, gelte es, Plünderungen zu verhindern, sagte ein Sprecher der militanten Gruppe.

US-Außenminister verteidigt Truppenabzug: »Mission erfolgreich erfüllt«

16.00 Uhr: Für US-Außenminister Antony Blinken ist die Evakuierung des Botschaftspersonals aus Kabul derzeit die »Aufgabe Nummer eins«. »Daran arbeiten wir gerade«, sagte er im US-Fernsehen am Sonntagmorgen (Ortszeit). Auch afghanische Helfer, die US-Truppen während des Einsatzes unterstützt haben würden mitgenommen.

Der Außenminister verteidigte den US-Truppenabzug: »Wir sind vor 20 Jahren nach Afghanistan gegangen, mit einer Mission«, sagte er. Es sei darum gegangen, sich mit den Leuten zu befassen, welche die USA am 11. September 2001 angegriffen hätten. »Und wir haben diese Mission erfolgreich erfüllt«, sagte Blinken.

Er räumte allerdings ein, dass auch die USA von den Ereignissen in Afghanistan überrascht worden seien. »Wir sehen, dass die Streitkräfte nicht in der Lage waren, das Land zu verteidigen - und zwar schneller, als wir es erwartet hatten«, so der Minister. Überall auf der Welt hagelte es Kritik an den schlechten Prognosen der verantwortlichen Regierungen für einen Truppenabzug und die Folgen.

Afghanischer Präsident Ashraf Ghani offenbar ausgereist

15.41 Uhr: Der afghanische Präsident Ashraf Ghani hat einem Medienbericht zufolge das Land verlassen. Nach Angaben eines Vertreters des Innenministeriums sei sein Ziel Tadschikistan. Unbestätigten Meldungen zufolge soll Ghani zusammen mit seinem Sicherheitsberater Hamdullah Mohib und einem weiteren engen Berater ausgereist sein.

Der Vorsitzende des Nationalen Rats für Versöhnung, Abdullah Abdullah, bestätigte in einer auf Facebook veröffentlichten Videobotschaft die Ausreise Ghanis.

Scholz weist Vorwürfe an SPD-geführtes Außenministerium zurück

15.30 Uhr: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat Vorwürfe von CDU-Chef Armin Laschet zurückgewiesen, das SPD-geführte Außenministerium verzögere wegen Bedenken schnelle Evakuationen sogenannter Ortskräfte aus Afghanistan. »Hier handelt die Regierung gemeinsam«, sagt Vize-Kanzler Scholz am Sonntag in der ARD. Alle zuständigen Ministerien hätten eng zusammengearbeitet. Die Behauptungen Laschets seien wenig fundiert. Die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, machte via Twitter Tempo:

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EU-Kommissionsvize fordert schnelle Einigung bei Migrationspolitik

15.15 Uhr: Der Vizepräsident der EU-Kommission, Margaritis Schinas, dringt angesichts der erwarteten Fluchtbewegung aus Afghanistan auf eine schnelle Einigung bei der EU-Migrationspolitik. Die Krise in Afghanistan verdeutliche, »dass es Zeit ist, sich über den neuen europäischen Migrationspakt zu einigen«, sagte Schinas der italienischen Tageszeitung »La Stampa«.

Auf die Frage, ob wegen Afghanistan eine neue Migrationskrise drohe, sagte Schinas, dass die EU-Grenzen offen blieben für diejenigen, die vor Gewalt und Verfolgung flöhen. »Wir akzeptieren nur diejenigen, die wirklich Bedürfnis auf Schutz haben, wer die Grenzen illegal überquert, wird zurückgeschickt.«

Russland will Botschaft in Afghanistan vorerst nicht evakuieren

14.20 Uhr: Trotz des Vormarschs der Taliban auf Kabul will Russland seine Botschaft in der afghanischen Hauptstadt vorerst nicht räumen. Eine Evakuierung sei nicht geplant, sagte der Afghanistan-Beauftragte des russischen Außenministeriums, Samir Kabulow, der Agentur Interfax. »Der Botschafter und unsere Mitarbeiter nehmen ihre Aufgaben in aller Ruhe wahr.« Russland setzt sich für eine diplomatische Lösung des Konflikts ein.

In Moskau forderte der Außenpolitiker Leonid Sluzki ein sofortiges Handeln des Uno-Sicherheitsrates. »Es ist wichtig, eine neue humanitäre Katastrophe zu verhindern«, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma.

Bundeswehr beginnt mit Evakuierungen aus Kabul - Botschaft geschlossen

14.14 Uhr: Die Bundeswehr will deutsche Staatsbürger und einheimische Ortskräfte aus der belagerten afghanischen Hauptstadt Kabul ausfliegen. Dafür will die Luftwaffe mehrere Transportmaschinen entsenden, Fallschirmjäger sollen die Rettungsaktion absichern, hieß es am Sonntag aus Verteidigungskreisen in Berlin. Die radikalislamische Taliban-Miliz stand am Sonntag bereits Stadtrand von Kabul. »Wir werden nicht riskieren, dass unsere Leute den Taliban in die Hände fallen«, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) der »Bild am Sonntag". Nach SPIEGEL-Informationen wurden die Botschaftsangehörigen bereits zum sicheren Flughafen gebracht. Die Deutsche Botschaft wurde geschlossen.

Das Tempo des Taliban-Vorstoßes auf Kabul hat die Bundesregierung offenbar überrascht. Noch am Donnerstag hatte Maas angekündigt, bis Ende August Chartermaschinen nach Kabul zu schicken, um Ortskräfte aus dem Land zu holen. In den sozialen Netzwerken wurde die späte Reaktion der Regierung scharf kritisiert.

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Wehrbeauftragte will Zeremonie zum Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan verschieben

14.05 Uhr: Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, hat sich für eine Verschiebung der für den 31. August geplanten Zeremonie zum Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan und dem Gedenken an die dort gefallenen Soldaten ausgesprochen. »Feierlichkeiten und ein würdiges Gedenken sind angesichts der dramatischen Entwicklungen und dem Vormarsch der Taliban derzeit nicht möglich und sollten verschoben werden«, sagt die SPD-Politikerin der »Augsburger Allgemeinen« (Vorabbericht aus Montagausgabe). Im Moment hätten die Evakuierung der alliierten Kräfte, der Staatsbürger und der Ortskräfte absoluten Vorrang.

US-Botschaftsmitarbeiter werden zum Flughafen gebracht

13.49 Uhr: Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, werden derzeit US-Diplomaten von der US-Botschaft in Kabul zum Flughafen der Hauptstadt gebracht, um ausgeflogen zu werden. Militärhubschrauber seien im Shuttle-Einsatz zwischen Botschaftsgelände und Airport, wo man solange wie möglich präsent sein wolle. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen US-Vertreter, der angibt, dass eine Änderung der US-Militärstrategie unwahrscheinlich sei, solange die Islamisten die Evakuierung der amerikanischen Botschaft nicht störten.

Einzelne Schießereien, aber noch keine Kämpfe in Kabul

13.03 Uhr: Laut SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter ist es bisher fast überall weitgehend ruhig in Kabul. Seinen Informationen zufolge wurden Taliban zu Fuß in den inneren Stadtteilen gesichtet. Es seien aber noch keine Kämpfe gemeldet worden. Wohl aber einzelne, kurze Schießereien. Weder die Armee, noch anderen Regierungseinheiten hätten den Befehl bekommen, mit Waffengewalt gegen die Vormarschierenden vorzugehen.

Flug von Dubai nach Kabul musste umkehren

13.01 Uhr Ausländer können den Taliban zufolge die afghanische Hauptstadt Kabul verlassen, wenn sie dies wünschten. Andernfalls müssten sie sich in den kommenden Tagen bei von den Taliban eingerichteten Stellen registrieren lassen, sagt ein Taliban-Vertreter. Kabul sei eingeschlossen, der Flughafen bleibe aber in Funktion. Laut SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter hatte es bis vor kurzem noch einen regen Flugverkehr von und nach Kabul gegeben. Sämtliche Maschinen aus dem Land heraus seien völlig ausgebucht gewesen, die Ticketpreise hätten sich verdreifacht.

Die Fluggesellschaft Emirates gab an, eine Boeing 777-300 des Unternehmens sei am Sonntag wegen einer vorübergehenden Sperrung der Landebahn umgelenkt worden. Die Passagiermaschine sei über Kabul gekreist und dann nach Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten zurückgekehrt. Ab Montag will Emirates nun alle Flüge nach Kabul einstellen.

Flughafen in Kabul

Flughafen in Kabul

Foto: WAKIL KOHSAR / AFP

Grünen-Politiker wirft Bundesregierung vor, private Evakuierungen zu behindern

13.00 Uhr: Der Grünen-Politiker Omid Nouripour wirft der Bundesregierung vor, private deutsche Initiativen zur Evakuierung von Menschen aus Afghanistan zu behindern. »Bei mir melden sich viele mit Rückgrat und Anstand, die helfen wollen. Firmen mit Flugzeugen, Piloten und viele mehr«, sagt der außenpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag. »Wenn die Bundesregierung kein Gefühl für Verantwortung hat, dann muss sie wenigstens formale Hindernisse sofort beseitigen, damit andere helfen können.«

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Die Schlacht vor Kabul habe am Sonntag begonnen. »Wenn nun Menschen sterben, weil sie uns Deutschen geholfen haben, dann hat diese Bundesregierung diese schlicht im Stich gelassen. Und dann trägt sie dafür die Verantwortung.« Nach Angaben Nouripours hat allein die staatliche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), über die die Bundesregierung ihre Entwicklungshilfe organisiert, noch eine vierstellige Zahl von einheimischen Helfern vor Ort.

Boris Johnson will Parlament wegen Afghanistan aus Sommerpause zurückholen

12.59 Uhr: Angesichts der dramatischen Entwicklungen in Afghanistan will der britische Premierminister Boris Johnson laut Medienberichten das Parlament für eine Dringlichkeitssitzung aus der Sommerpause zurückholen. Wie der Sender Sky News und die britische Nachrichtenagentur Press Association am Sonntag unter Berufung auf Vertreter der Downing Street berichteten, sollen die Abgeordneten über das weitere britische Vorgehen in Afghanistan beraten.

Ex-Innenminister Ali Ahmad Jalali im Gespräch für Übergangsregierung

12.28 Uhr Der ehemalige afghanische Innenminister und Botschafter in Deutschland, Ali Ahmad Jalali, ist Diplomatenkreisen zufolge im Gespräch, eine Übergangsregierung zu führen. Ob die Taliban Jalalis Ernennung zustimmen, sei noch nicht klar. Er gelte aber als Kompromisskandidat, der potenziell von allen Seiten akzeptiert werden könnte.

US-Militär übernimmt die Sicherung des Präsidentenpalastes

12:49: Die Sicherung des Präsidentenpalastes hat das US-Militär nun von der bisherigen afghanischen Eliteeinheit PPU übernommen. Das berichten zwei Quellen im Palast und einer Sicherheitsfirma gegenüber dem SPIEGEL. Was bislang nur als Gerücht kursierte, wurde ebenfalls aus dem Palast bestätigt: dass der Exil-Führer der Taliban, Mullah Baradar, in Kabul eingetroffen ist und mit Präsident Ashraf Ghani sowie Abdullah Abdullah, dem Verhandlungsführer der Regierung, im Präsidentenpalast verhandelt. Es gehe im Kern um eine Übergangsregierung, die weitere Kämpfe vermeiden solle.

Auch zumindest innerhalb der Einheiten des Innenministeriums und des Geheimdienstes NDS sei der Befehl ergangen, nicht das Feuer zu eröffnen, sondern sich ruhig zu verhalten.

Papst Franziskus meldet sich zu Wort

12.40 Uhr Papst Franziskus hat eine friedliche Lösung im Konflikt der afghanischen Regierung mit den militant-islamistischen Taliban gefordert. »Ich schließe mich der allgemeinen Sorge um die Lage in Afghanistan an. Ich bitte euch, mit mir zum Gott des Friedens zu beten, damit das Getöse der Waffen endet und Lösungen am Verhandlungstisch gefunden werden können«, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche nach dem traditionellen Angelusgebet am Sonntagmittag in Rom.

Österreich plant Hilfskonferenz für die Nachbarn Afghanistans

12:30: Österreich plant nach Angaben der Regierung Ende dieses Monats oder Anfang September eine Konferenz zur Unterstützung der zentralasiatischen Nachbarn Afghanistans. Die Hilfe vor Ort könne nur gemeinsam mit den Partnern vor Ort funktionieren, sagt Außenminister Alexander Schallenberg laut der Nachrichtenagentur APA. Konflikte und Instabilität in der Region würden früher oder später auf Europa und damit auch auf Österreich übergreifen. Österreich hielt bis zuletzt trotz der verschärften Sicherheitslage an Abschiebungen nach Afghanistan fest.

Augenzeugin: »Alle haben Angst«

12:07: Eine Augenzeugin, Khoshgul S., berichtet laut SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter aus Dascht-e Barchi, dem Hazara-Viertel im Westen Kabuls: »Wir hören Schüsse in einiger Entfernung, aber kaum jemand traut sich aus dem Haus. Alle haben Angst, niemand weiß, was genau los ist. Die Preise in den kleinen Läden der Nachbarschaft haben sich seit gestern verdoppelt. Alle Banken sind geschlossen. Meine Tante, die noch weiter im Westen im Viertel Gul Bagh lebt, kam telefonisch durch, erzählte uns, Taliban seien schon nahebei im Stadtteil Darulaman, wo der alte Königspalast steht.«

Weiterhin ist unklar, inwieweit in der Stadt gekämpft wird. Schüsse, die in der Nähe einer Bank zu hören waren und über die in Medien berichtet hatten, wurden von den Wachleuten der Bank abgegeben. Damit wollten sie nach SPIEGEL-Informationen Gruppen herankommender Plünderer auf Abstand. Am großen Verkehrskreisel vor der Einfahrt zum Flughafen prügeln sich Polizisten mit Menschen, die Einlass begehren.

Afghanische Regierung offenbar für friedliche Machtübergabe bereit

12:01: Die afghanische Regierung plant offenbar eine friedliche Machtübergabe Kabuls an die vorrückenden Taliban. Das kündigte Innenminister Abdul Sattar Mirzakwal an. Ein Taliban-Sprecher erklärte gegenüber dem Nachrichtensender Al-Jazeera bereits zuvor, dass die islamistischen Kämpfer »eine friedliche Übergabe der Stadt erwarten«.

Ein afghanischer Beamter, der aus Angst vor Repressalien anonym bleiben wollte, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, Taliban-Unterhändler hätten sich am Sonntag zum Präsidentenpalast begeben, um die Übergabe zu besprechen. Es blieb unklar, wann die Übergabe stattfinden würde.

»Es wird keinen Angriff auf die Stadt geben«, sagte Innenminister Mirsakwal in einer aufgezeichneten Ansprache. Demnach soll eine »Übergangsregierung« gebildet werden.

Taliban übernehmen offenbar mehrere Polizeidirektionen

11:55: Nach Informationen von SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter haben die Taliban mehrere Polizeidirektionen in Kabul übernommen: Es handelt sich dabei um die Hauptquartiere der Polizeibezirke 5, 6 und 17 im Westen der Stadt und des Bezirks 7 im Süden der Stadt nahe der Grenze zur Nachbarprovinz Logar, die vor wenigen Tagen von den Taliban eingenommen worden war. Die Meldungen stammen von Augenzeugen aus verschiedenen Teilen Kabuls.

Seehofer rechnet mit mehr Flüchtlingen aus Afghanistan

11:45: Bundesinnenminister Horst Seehofer erwartet eine neue Flucht-Bewegung, nicht nur aus Afghanistan. Das sagte der CSU-Politiker der »Augsburger Allgemeinen Zeitung« bereits bevor die ersten Meldungen über die Erfolge der Taliban in Kabul bekannt wurden. »Man muss damit rechnen, dass sich Menschen in Bewegung setzen, auch in Richtung Europa«. Das sei keine »Angstmache, sondern eine realistische Beschreibung der Situation«. Dabei müsse man nicht nur den Krisenherd Afghanistan im Blick behalten, sondern genauso Länder wie Belarus, Pakistan, den Iran, die Türkei, Tunesien, Marokko oder Libyen.

Pakistan schließt wichtigen Grenzübergang

11:38: Die militärischen Erfolge der Taliban beschäftigen auch den Nachbarn Pakistan. Nach Angaben des Innenministeriums hat das Land nun den wichtigen Grenzübergang Torkham geschlossen. Auf afghanischer Seite haben die Taliban den Grenzposten erobert. Sie kontrollieren damit alle großen Grenzübergänge, die aus Afghanistan herausführen.

Taliban offenbar schon im Westen und Osten Kabuls weit eingedrungen

11:28: Nach Berichten von Sicherheitsexperten westlicher Botschaften in Kabul seien die Taliban im Westen der Stadt bereits im Polizeibezirk 5, am östlichen Stadtrand im Polizeibezirk 12 eingedrungen.

Helikopter kreisen über US-Botschaft

11:25: Über dem riesigen Compound der US-Botschaft im Zentrum sind große, zweirotorige Chinook-Hubschrauber zu sehen, die mehrere Dutzend Passagiere aufnehmen können. Das berichtet SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter.

Kritik an Joe Biden nimmt zu. Trump: »Vermisst ihr mich schon?«

11.04: In den USA wächst angesichts des rasanten Eroberungsfeldzugs der radikalislamischen Taliban in Afghanistan die Kritik an Präsident Joe Biden. Nicht nur die oppositionellen Republikaner werfen dem Präsidenten eine katastrophale Afghanistan-Politik vor – schwere Schuldzuweisungen kommen auch von liberalen Medien wie der »Washington Post«. Experten warnen, dass Afghanistan zum Schandfleck auf Bidens politischem Erbe werden könnte.

Das Tempo, in dem die Taliban in den vergangenen Wochen Städte und Provinzen in Afghanistan unterworfen haben und jetzt bis nach Kabul vorgedrungen sind, hat die USA unvorbereitet getroffen. Das unterstreichen zusammengeschnittene Videos, mit denen US-Medien zuletzt die Afghanistan-Politik Washingtons anprangerten: Hier aktuelle Bilder von Taliban-Flaggen auf den zentralen Plätzen der Provinzhauptstädte, dort der US-Präsident, der noch vor wenigen Wochen sagte: »Dass die Taliban alles überrennen und das ganze Land kontrollieren werden, ist extrem unwahrscheinlich.«

Inzwischen ist das Gegenteil der Fall: Höchst unwahrscheinlich ist, dass die afghanische Armee ihre letzte Bastion, die Hauptstadt Kabul langfristig verteidigen kann. Drei Billionen Dollar, die in den vergangenen 20 Jahren aus den USA nach Afghanistan flossen, fast 2500 gefallene US-Soldaten – sie waren aus Sicht von Kritikern vergeblich.

Von einem »vermeidbaren Desaster« in Afghanistan sprach der Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell. Auch Ex-US-Präsident Donald Trump, dessen im Februar 2020 geschlossenes Abkommen mit den Taliban den internationalen Truppenabzug überhaupt erst einleitete, meldete sich zu Wort. Biden habe ein »tragisches Chaos« verursacht, erklärte Trump und fügte in Großbuchstaben hinzu: »Vermisst ihr mich schon?«

Biden selbst ließ bislang keine Reue für seine Abzugsentscheidung erkennen. Der Präsident zeigte sich bei Reporterfragen nach dem Schicksal der Afghanen in den vergangenen Tagen meist ungerührt. Die Afghanen müssten jetzt für »sich selbst kämpfen«.

Taliban wollen angeblich um friedliche Übergabe Kabuls verhandeln

10.43: Die Taliban sind nach eigenen Angaben in Gesprächen mit der afghanischen Regierung über eine friedliche Übergabe der Hauptstadt Kabul. Man werde keine Rache üben, sagt ein Taliban-Sprecher. Allen, die der Regierung oder im Militär gedient hätten, werde vergeben. Zivilisten müssten das Land nicht aus Angst verlassen.

Da Kabul eine große und dicht besiedelte Stadt sei, beabsichtigten die Taliban nicht, die Stadt mit Gewalt oder Krieg zu betreten, hieß es weiter. Wie glaubwürdig das ist, blieb zunächst unklar: Denn die Erklärung wurde während unbestätigter Berichte in sozialen Medien veröffentlicht, dass Taliban-Kämpfer bereits in die Stadt vorgedrungen seien. In Kabul spielten sich chaotische Szenen ab. Es kam zu einer Schießerei vor einer Bank, wie ein Bewohner der Stadt sagte.

Inzwischen mehren sich die Berichte, dass die Taliban sehr wohl in die Stadt eindringen, dort allerdings auf wenig Widerstand stoßen.

Taliban dringen in Kabul ein

09.42: Die Taliban haben nach Angaben des Innenministeriums damit begonnen, von allen Seiten in die Hauptstadt Kabul einzurücken. Rundum waren Schüsse zu hören. Das afghanische Präsidialamt teilt auf Twitter mit, die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle. Nach SPIEGEL-Informationen befinden sich die Kämpfer derzeit noch in den Außenbezirken, ein Vordringen bis in die Stadt dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein.

jok/ala/cgu/kfr/als/asa/lau/nek/aar/dpa/AFP/Reuters/AP
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