Uno-Bericht Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan-Konflikt deutlich gestiegen

In Afghanistan eskaliert die Gewalt. Allein zwischen Januar und März wurden mehr als 570 Zivilisten getötet und Hunderte verletzt. Unter den Opfern sind zudem deutlich mehr Frauen als im Vorjahreszeitraum.
Beerdigung in Afghanistan: Im März wurden drei Frauen, die sich an einer Impfkampagne gegen Kinderlähmung beteiligt hatten, in Jalalabad von Unbekannten getötet

Beerdigung in Afghanistan: Im März wurden drei Frauen, die sich an einer Impfkampagne gegen Kinderlähmung beteiligt hatten, in Jalalabad von Unbekannten getötet

Foto: GHULAMULLAH HABIBI / EPA

Trotz Friedensgesprächen kommt Afghanistan nicht zur Ruhe. Unter der anhaltenden Gewalt im Land leidet vor allem die Zivilbevölkerung. Die Zahl der zivilen Opfer in dem Konflikt hat im ersten Quartal deutlich zugenommen. Die Uno-Mission in dem Krisenstaat (Unama) verzeichnete einen Anstieg von getöteten und verwundeten Zivilisten von fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, heißt es in einem nun veröffentlichten Bericht. Demnach starben von Januar bis März mehr als 570 Zivilisten, weitere mehr als 1210 wurden verwundet.

Besonders besorgniserregend sei der Anstieg der Zahlen getöteter und verletzter Frauen um 37 Prozent und von Kindern (plus 23 Prozent), heißt es in dem Bericht weiter. Der Anstieg der Opfer im ersten Quartal sei hauptsächlich auf Bodeneinsätze, improvisierte Sprengkörper und gezielte Tötungen zurückzuführen. Unama erinnerte in dem Bericht daran, dass das gezielte Töten von Zivilisten nach internationalem Recht verboten sei und ein Kriegsverbrechen darstelle.

Friedensverhandlungen hatten Hoffnung geweckt

Der Beginn von Friedensverhandlungen im September zwischen den aufständischen Taliban und der Regierung hatte Hoffnungen geweckt, dass sich die Situation für die Zivilbevölkerung im Land verbessert. Das Gegenteil passierte: In den sechs Monaten zwischen Oktober 2020 und März 2021 verzeichnete Unama einen Anstieg der zivilen Opfer um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In dem Land ist neben den Taliban auch noch die Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) aktiv, die zuletzt vor allem im Osten des Landes wieder vermehrt Angriffe für sich reklamierte.

Die Friedensverhandlungen waren zuletzt ins Stocken geraten. Mehrere US-Bemühungen, den Prozess zu beschleunigen, scheiterten. Am Dienstag war bekannt geworden, dass die USA als größter Truppensteller in Afghanistan ihre Soldaten ohne Bedingungen zum 11. September abziehen wollen.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer geht davon aus, dass die Nato-Staaten am Mittwoch den gemeinsamen Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan zum 11. September beschließen werden. »Wir haben immer gesagt: Wir gehen gemeinsam rein, wir gehen gemeinsam raus«, sagte sie im ARD-»Morgenmagazin«. »Ich stehe für einen geordneten Abzug. Und deswegen gehe ich davon aus, dass wir das heute so beschließen werden.«

Abzug der US-Soldaten hat Folgen für die Bundeswehr

Zurzeit sind etwa 10.000 Soldaten aus Nato-Ländern und Partnernationen in Afghanistan. Sie sollen die demokratisch gewählte Regierung durch die Ausbildung und Beratung von Sicherheitskräften in ihrem Kampf gegen islamistische Extremisten wie die Taliban unterstützen. Deutschland hat derzeit rund tausend Soldaten vor Ort.

Kramp-Karrenbauer machte klar, dass der Abzug der US-Soldaten zwingend den Abzug der Bundeswehr nach sich zieht. »Das würde bedeuten, dass wir unsere Planungen auch in der Nato mit den Planungen der USA synchronisieren.« Die USA wollen am 1. Mai mit dem Abzug beginnen und ihn bis zum 11. September abgeschlossen haben.

Für die Bundeswehr steht damit der verlustreichste Einsatz ihrer Geschichte vor dem Ende. 59 deutsche Soldaten ließen in Afghanistan ihr Leben, davon wurden 35 in Gefechten oder bei Anschlägen getötet. Afghanistan ist zudem der zweitlängste Auslandseinsatz der Bundeswehr nach der Kosovo-Mission, die bereits 1999 begann.

asc/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.