Evakuierung vom Kabuler Flughafen Letzte deutsche Soldaten haben mit Bundeswehrmaschine Afghanistan verlassen

Die Bundeswehr hat ihre Evakuierungsflüge aus Kabul beendet. Wegen des Attentats am Airport aber kam kurz nach dem Abflug des letzten A400M noch eine Medevac-Maschine zurück. Die Piloten konnte dabei auch eine peinliche Panne ausbügeln.
Bundeswehrsoldaten helfen aus Kabul Evakuierten beim Verlassen einer in Taschkent gelandeten Maschine

Bundeswehrsoldaten helfen aus Kabul Evakuierten beim Verlassen einer in Taschkent gelandeten Maschine

Foto: Marc Tessensohn / dpa

Knapp zwei Wochen nach Beginn der Rettungsmission hat die Bundeswehr ihre Evakuierungsflüge aus Afghanistan beendet. Die letzten drei Bundeswehrflieger flogen gegen 16 Uhr deutscher Zeit vom Flughafen in Kabul ab. In ihnen saßen deutsche Soldaten, Bundespolizisten und einige Ortskräfte aus Afghanistan.

Die Maschinen starteten vom Flughafen Kabul aus mit dem Ziel Taschkent in Usbekistan. Vor Ort sind noch US-Soldaten im Einsatz, spätestens am Dienstag kommender Woche soll auch deren Luftbrücke aufgelöst werden. Neben Deutschland haben unter anderem auch Belgien, Dänemark und Polen die Evakuierungen bereits eingestellt. Die Niederlande planten dies noch für Donnerstag, Frankreich für Freitag.

Generalinspekteur Eberhard Zorn hatte am Mittag gesagt, die Bundeswehr habe bislang mehr als 5200 Menschen aus Kabul evakuiert. Unter den Personen aus insgesamt 45 Nationen seien 4200 Afghanen und 505 Deutsche.

Explosion vor Flughafentor

Parallel zu den letzten Abflügen der Deutschen ereignete sich vor den Toren des Kabuler Airports nach US-Informationen ein Selbstmordanschlag, bei dem nach Angaben der jetzt in Afghanistan regierenden Taliban mehrere Menschen getötet wurden. »Wir können eine Explosion außerhalb des Kabuler Flughafens bestätigen«, erklärte Pentagon-Sprecher John Kirby am Donnerstag. Menschen seien gestorben, wie viele sei derzeit noch unklar.

Nach ersten Informationen des SPIEGEL ereignete sich die Explosion inmitten von Zivilisten, unweit des Abbey Gates, das von der britischen Armee kontrolliert wird. Nach letzten Informationen aus Kabul wurden dabei mehrere US-Soldaten getötet. Bundeswehrsoldaten waren von dem Angriff nicht betroffen. Die Explosion erfolgte nur wenige Minuten, bevor die letzte Bundeswehrmaschine abhob.

Ein für die Versorgung von Verletzten ausgerüstetes Transportflugzeug A400M wurde nach dem Anschlag allerdings zurück zum Flughafen geschickt. Die für mögliche Notfälle im Luftraum über Kabul bereitgehaltene Maschine landete am Abend außerplanmäßig und bot den US-Amerikanern Hilfe bei der Versorgung von Verletzten an.

Zu einer Aufnahme von verwundeten Soldaten durch den A400M kam es zwar nicht. Allerdings nahm der Flieger beim Start zwei deutsche Soldaten mit, die zunächst am Boden vergessen worden waren. In Bundeswehr-Kreisen hieß es, die beiden Soldaten hätten sich zum Zeitpunkt der Explosion für letzte Absprachen bei US-Truppen befunden und hätten mit diesen Schutz in einem Bunker gesucht. Da die A400M-Flieger wegen des Anschlags einen Notstart absolvierten, heiß es es, habe man zunächst nicht gemerkt, dass die beiden Soldaten nicht an Bord waren.

Am Kabuler Flughafen hatten sich auch am Donnerstag Tausende Menschen versammelt, die darauf hofften, in das Innere des Flughafens zu gelangen. Dort starten seit Tagen die Evakuierungsflieger der westlichen Armeen. In den vergangenen Tagen hatte es zunehmend Warnungen vor Terroranschlägen rund um den Flughafen in Kabul gegeben.

mrc/mgb/dpa/Reuters
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