Afghanistan Mohammad Hassan Akhund wird Chef der Taliban-Regierung

Ihr Siegeszug liegt hinter ihnen, künftig werden die Taliban Afghanistan regieren. Nun haben sie die ersten Mitglieder ihres Übergangskabinetts vorgestellt.
Mullah Mohammad Hassan Akhund (Mitte) im Jahr 1999 in Pakistan

Mullah Mohammad Hassan Akhund (Mitte) im Jahr 1999 in Pakistan

Foto: Muzammil Pasha

Die radikalislamischen Taliban haben drei Wochen nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan erste Mitglieder ihrer Regierung vorgestellt. Mullah Mohammad Hassan Akhund werde an der Spitze der neuen Regierung stehen, sagte Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid am Dienstag in Kabul.

Akhund gehört zur alten Garde der Taliban: Er ist ein Weggefährte Mullah Omars, des verstorbenen Gründers der Gruppe. Der künftige Regierungschef war zuletzt im Führungsrat der Taliban, der Rahbari Schura. Der aus Kandahar stammende Akhund hielt bereits während der ersten Taliban-Herrschaft wichtige Posten und gilt als gemäßigt.

Taliban-Mitbegründer Abdul Ghani Baradar wird laut Mujahid Akhunds Stellvertreter. Der Chef des Politbüros der Taliban war zuvor als aussichtsreichster Kandidat auf den Posten des Regierungschefs gehandelt worden. Zweiter Stellvertreter ist Maulawi Abdul Salam Hanafi, der zuletzt ebenfalls im politischen Büro der Taliban in Doha tätig war.

Beim Kabinett handelt es sich laut Mujahid um eine Übergangsregierung; sämtliche Regierungsämter werden demnach auf geschäftsführender Basis ausgeübt. Der Taliban-Sprecher machte keine Angaben dazu, wie lange diese Übergangszeit dauern würde. Insgesamt besetzten die Taliban 33 Posten. Die Ernennung der verbleibenden Führungspositionen von Ministerien und Institutionen werde man nach »langer Überlegung« sukzessive bekanntgeben, sagte Mudschahid.

Unter den vorgestellten Kabinettsmitgliedern waren laut der Nachrichtenagentur AP keine Nicht-Taliban.

Sarajuddin Haqqani wird Innenminister

Stattdessen wird Sarajuddin Haqqani, der Sohn des Gründers des sogenannten Haqqani-Netzwerks, Innenminister. Die USA stufen das Netzwerk als terroristische Organisation ein. Mullah Omars Sohn Mohammad Yaqoob ist als Verteidigungsminister vorgesehen. Amir Khan Muttaqi, der während der ersten Taliban-Herrschaft mehrere Ministerposten innehatte, soll Außenminister werden.

Unklar war zunächst, welche Rolle Mullah Haibatullah Akhundzada spielen würde. Der oberste geistliche Führer der Taliban wurde zuletzt als höchste Autorität im künftigen afghanischen Staat gehandelt.

Die Islamisten hatten die Bekanntgabe einer neuen afghanischen Regierung zuvor mehrfach verschoben. In den vergangenen Tagen protestierten zahlreiche Frauen unter anderem in Kabul für eine Beteiligung an der Regierung. Neben gesellschaftlichem Widerstand stehen die Taliban vor der Herausforderung, die bereits zuvor weitgehend von internationaler Hilfe abhängige und seit ihrer Machtübernahme zusätzlich gelähmte Wirtschaft aufzubauen.

Die Taliban hatten nach massiven militärischen Gebietsgewinnen Mitte August die Macht in Afghanistan übernommen. Der bisherige Präsident Aschraf Ghani war kurz davor aus dem Land geflohen. Seit ihrer Machtübernahme bemühen sich die Islamisten um eine gemäßigtere Außendarstellung als zu Zeiten ihrer Schreckensherrschaft zwischen 1996 und 2001.

Es besteht dennoch weiter die Sorge, dass die militante Gruppe ihre Herrschaft auf Unterdrückung und drakonischen Strafen gründen könnte. Bei einer Demonstration nur wenige Stunden vor der Bekanntgabe der Regierungsposten hatten Taliban noch Schüsse abgegeben.

asa/Reuters/AP/AFP/dpa