Lage der Frauen weltweit Afghanistan muss Frauentag im Stillen begehen

Seit der Machtübernahme der Taliban sind Mädchen und Frauen deutlich schlechter gestellt. Am Frauentag gab es keine öffentlichen Proteste – zuvor wurden Demonstrantinnen geschlagen und verhaftet.
Eine afghanische Frau wartet in einer provisorischen Klinik der Organisation World Vision auf eine Behandlung in Herat, Afghanistan

Eine afghanische Frau wartet in einer provisorischen Klinik der Organisation World Vision auf eine Behandlung in Herat, Afghanistan

Foto: Mstyslav Chernov / AP
Globale Gesellschaft

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In Afghanistan ist der Internationale Frauentag am Dienstag nur im Stillen begangen worden. Seit ihrer Rückkehr an die Macht im vergangenen Sommer haben die radikalislamischen Taliban die Rechte der Frauen drastisch eingeschränkt – und damit Jahrzehnte des Fortschritts in Bezug auf Frauenrechte wieder rückgängig gemacht. Frauen wurden aus dem öffentlichen Dienst verdrängt, dürfen nicht mehr allein reisen und müssen sich gemäß einer strengen Auslegung des Korans kleiden.

»Wenn Ihnen die Rechte der Frauen am Herzen liegen – egal, an welchem Ort – dann sollten Sie Afghanistan mit großer Sorge beobachten«, sagte Heather Barr von der Organisation Human Rights Watch der Nachrichtenagentur AFP. »Es ist schockierend zu sehen, wie schnell die Fortschritte der vergangenen 20 Jahre zurückgeworfen wurden und wie wenig die internationale Gemeinschaft getan hat, um sich für die afghanischen Frauen einzusetzen.«

Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte, in den vergangenen zwölf Monaten seien die Rechte von Frauen und Mädchen deutlich eingeschränkt worden. Auch Amnesty International nennt als besonders einschneidendes Beispiel die Situation in Afghanistan, wo Frauen und Mädchen trotz mutiger Proteste im ganzen Land nun als »Bürgerinnen zweiter Klasse« behandelt würden, denen etwa das Recht auf Bildung entzogen werde.

Den Internationalen Frauentag haben die Taliban zumindest offiziell anerkannt. Das Außenministerium der Taliban-Führung bezeichnete ihn als »Glück verheißend« und fügte hinzu, den Frauen in Afghanistan werde »ein ehrenvolles und gewinnbringendes Leben im Lichte der edlen Religion des Islam« ermöglicht.

Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, der Tag sei »eine großartige Gelegenheit für unsere afghanischen Frauen, ihre legitimen Rechte einzufordern«. Dies dürfte in der Praxis allerdings schwierig sein, da die Taliban Proteste ohne Genehmigung unter Strafe gestellt haben und in den vergangenen Monaten hart gegen Demonstrantinnen vorgegangen sind, die sich dennoch auf die Straße gewagt hatten. Mehrere Frauen wurden laut der Zeitung Washington Post  geschlagen oder verhaftet; einige sind verschwunden.

Frauenproteste in Kabul nach der Machtübernahme der Taliban im September 2021

Frauenproteste in Kabul nach der Machtübernahme der Taliban im September 2021

Foto: Stringer / REUTERS

Kurz nach ihrer Machtübernahme hatte die Taliban-Regierung zudem das Ministerium für Frauenangelegenheiten abgeschafft und durch die gefürchtete »Religionspolizei« ersetzt: das Ministerium zur Förderung der Tugend und zur Verhinderung des Lasters.

Von Frauengruppen geplante Veranstaltungen zum Weltfrauentag mussten aufgrund eines Verbots durch die Taliban ausfallen: Die Aktivistinnen der Woman's Unity and Solidarity Group hatten ursprünglich angekündigt, gemeinsam Luftballons steigen zu lassen. »Wegen der uns auferlegten Beschränkungen konnten wir das nicht tun«, sagte ein Mitglied zu AFP. »Jetzt wird es jede für sich zu Hause machen.«

Einige Mitglieder einer weiteren Gruppe namens Afghanistan Powerful Women Movement wollten eigenen Angaben zufolge in einem Krankenhaus Blut spenden, doch die Taliban verweigerten ihnen die Genehmigung. »Der Direktor des Dschamhuriat-Krankenhauses sagte, Blutspenden durch Frauen sei nach der Scharia nicht erlaubt«, sagte die Aktivistin Sakia Sahadat.

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

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AFX, dpa, abe
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