+++ Afghanistan-News am Freitag +++ Kooperation mit Taliban – Weißes Haus ist sich Ironie bewusst

Die US-Regierung sieht sich aktuell gezwungen, mit den radikalen Taliban zusammenzuarbeiten – »Ironie« sei ein viel zu schwacher Begriff dafür. Und: Flughafen Kabul weiter unter Kontrolle des US-Militärs. Der Überblick.
Der Flughafen Kabul steht laut Pentagon weiter gänzlich unter der Kontrolle des US-Militärs

Der Flughafen Kabul steht laut Pentagon weiter gänzlich unter der Kontrolle des US-Militärs

Foto: Uncredited / dpa

Das waren die Afghanistan-News am Freitag.

+++ Kooperation mit Taliban - Weißes Haus ist sich Ironie bewusst +++

22.52 Uhr: Die US-Regierung ist sich der Ironie bewusst, die in ihrer aktuellen Kooperation mit den militant-islamistischen Taliban steckt. »Ich glaube, Ironie ist ein viel zu schwacher Begriff«, sagte die Sprecherin der US-Regierungszentrale, Jen Psaki, am Freitag in Washington auf die entsprechende Nachfrage eines Journalisten. Dies seien aber die Umstände, mit denen die USA in Afghanistan konfrontiert seien. Die Taliban kontrollierten das Land. Um US-Bürger, afghanische Helfer oder andere Schutzbedürftige evakuieren zu können, müssten die USA sich mit den Taliban abstimmen.

»Dies ist keine bevorzugte Beziehung«, sagte Psaki, betonte aber: »Dies ist nicht der einzige Ort auf der Welt, an dem wir mit Gegnern oder früheren Feinden zusammenarbeiten müssen, um Ziele der nationalen Sicherheit der USA voranzutreiben.«

Pentagon: Flughafen Kabul weiter unter Kontrolle des US-Militärs

Das US-Verteidigungsministerium hat Berichte, wonach die Taliban  den Flughafen Kabul  unter ihre Kontrolle haben sollen, als »falsch« zurückgewiesen. Der Flughafen stehe weiter gänzlich unter der Kontrolle des US-Militärs, sagte der Sprecher des Pentagons, John Kirby, am Freitag. »Sie kontrollieren keines der Tore, sie kontrollieren nicht den Betrieb des Flughafens – das ist weiter unter der Kontrolle des US-Militärs«, sagte Kirby.

Zuvor hatten Berichte und Beiträge in sozialen Medien nahegelegt, die Taliban hätten an dem Flughafen inzwischen das Sagen oder stünden kurz davor. Das US-Militär hat am Flughafen der afghanischen Hauptstadt für den laufenden Evakuierungseinsatz aktuell noch rund 5000 Soldaten stationiert. Sie sollen bis Dienstag abziehen.

USA wollen noch mindestens 500 Amerikaner aus Afghanistan ausfliegen

23.03 Uhr: Die USA versuchen derzeit, rund 500 US-Amerikaner aus Afghanistan auszufliegen. Diese wollten ausreisen und man stehe mit ihnen im direkten Kontakt, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Ned Price, am Freitag. Man sei außerdem in Kontakt mit mehreren Hundert Staatsbürgern, die sich noch nicht entschieden hätten, ob sie das Land verlassen wollten. Die Zahl der Menschen, die bleiben wollten, weil sie Angehörige nicht zurücklassen wollten, sei »relativ klein«, sagte Price. Innerhalb des letzten Tages seien mehr als 300 Amerikaner evakuiert worden.

Die »überwiegende Mehrheit« der lokal beschäftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Familienangehörige seien ebenfalls mittlerweile ausgeflogen worden oder befänden sich auf dem Flughafengelände. Ohne diese Angestellten könnten Botschaften auf der ganzen Welt nicht arbeiten, sagte Price. »Diese Mitarbeiter haben den Vereinigten Staaten gedient, sie haben nicht nur für uns gearbeitet, sie haben mit uns gearbeitet, sie sind unsere Kollegen.«

Boris Johnson bedauert Zeitpunkt des Truppenabzugs aus Kabul

21.50 Uhr: Der britische Premier Boris Johnson hat den Zeitpunkt des Abzugs westlicher Truppen aus Afghanistan bedauert. »Das Timing ist definitiv nicht das, was sich dieses Land ausgesucht hätte«, sagte der konservative Politiker auf die Frage von Journalisten nach den Tausenden gefährdeten, zurückgelassenen Menschen, die in Afghanistan unter der Herrschaft der Taliban nun um ihr Leben fürchten müssen.

Der britische Premier hatte sich vor dem G7-Sondergipfel in dieser Woche bei US-Präsident Joe Biden für eine Verlängerung der westlichen Evakuierungsmission eingesetzt – was dieser jedoch ablehnte. Johnson erklärte am Freitag, die Situation vor Ort am Flughafen sei extrem schwierig und herausfordernd für alle Beteiligten geworden. Die britischen Truppen sollten sich am Wochenende endgültig aus Kabul zurückziehen.

Biden will Drahtzieher des Kabul-Anschlags töten lassen

21 Uhr: Die US-Regierung hat ihre Entschlossenheit betont, die Drahtzieher des verheerenden Anschlags von Kabul töten zu lassen. »Er hat klar gemacht, dass er nicht will, dass sie noch auf der Erde leben«, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Freitag in Washington mit Blick auf die jüngste Drohung von US-Präsident Joe Biden gegen die Terroristen. Psaki reagierte auf die Frage, ob Biden die Urheber der Attacke töten lassen oder vor Gericht stellen wolle.

Außerhalb des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt Kabul hatte sich am Donnerstag nach US-Angaben ein Selbstmordattentäter der Terrormiliz Isis-K in die Luft gesprengt und Dutzende Menschen mit in den Tod gerissen, darunter 13 US-Soldaten. Biden hatte den Terroristen wenige Stunden nach der Attacke mit Vergeltung gedroht und gesagt: »Wir werden euch jagen und euch dafür bezahlen lassen.«

Psaki sagte, die Regierung werde sich nicht zu Details äußern, wie genau man gegen die Urheber des Anschlags vorgehen werde. Sie betonte aber, dieses Bekenntnis dazu bleibe bestehen, »bis es erledigt ist«. Der Präsident und das Militär hätten keinen Zweifel, dass sie jede Befugnis hätten, Isis-K anzugreifen.

Weißes Haus hält weiteren Terroranschlag für wahrscheinlich

20.36 Uhr: Die kommenden Tage werden nach Ansicht der US-Regierung die »gefährlichste« Phase des Evakuierungseinsatzes aus Afghanistan. US-Präsident Joe Biden sei bei einem Treffen mit seinem nationalen Sicherheitsteam davor gewarnt worden, dass ein weiterer Terroranschlag in Kabul wahrscheinlich sei, hieß es am Freitag in einer Mitteilung der Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Es würden aber maximale Schutzmaßnahmen ergriffen.

Biden sei außerdem von seinen Kommandeuren über Pläne informiert worden, Angriffsziele gegen die Terrororganisation Isis-K zu entwickeln, hieß es weiter. Isis-K ist ein örtlicher Ableger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Die Amerikaner sprachen von Isis statt vom IS – daher bezeichnen sie den Zweig als Isis-K.

Die Evakuierung der US-Bürger, die sich noch in Afghanistan aufhielten, habe Vorrang. Es würden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um diese sicher zum Flughafen zu bringen. Biden hatte sich den Angaben nach am Freitagmorgen im Lagezentrum des Weißen Hauses mit seinen nationalen Sicherheitsberatern, Kommandeuren, Diplomaten und weiteren hohen Beamten getroffen. Der Präsident habe den Kommandeuren seine Zustimmung zu allen Befugnissen gegeben, die sie zur Durchführung der Operation und zum Schutz der Truppen benötigten.

Zwei Briten unter den Toten des Anschlags in Kabul

19.42 Uhr: Zwei britische Staatsangehörige und das Kind eines dritten britischen Staatsangehörigen wurden am Donnerstag bei einem Anschlag auf dem Flughafen von Kabul getötet, sagte der britische Außenminister Dominic Raab am Freitag.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

»Der gestrige verabscheuungswürdige Anschlag unterstreicht die Gefahren, denen die Menschen in Afghanistan ausgesetzt sind, und macht deutlich, warum wir alles in unserer Macht Stehende tun, um die Menschen aus dem Land zu holen«, so Raab in einer Erklärung.

Verteidigungsminister Ben Wallace erklärte am Freitag, Großbritannien werde keine weiteren Personen für Flüge aus Kabul akzeptieren, die sich nicht bereits auf dem Flughafen befinden.

Schweden stoppt Entwicklungshilfe an Afghanistan

19.05 Uhr: Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan stoppt Schweden als weitere westliche Nation seine Hilfszahlungen an das Land. Schweden werde keine Gelder mehr auszahlen, die »irgendwie an das heutige Regime weitergegeben werden« können, sagte Maria Lundberg, Leiterin der Afghanistan-Abteilung der Behörde für internationale Entwicklungszusammenarbeit, der Nachrichtenagentur AFP. Schweden zahlte zuvor an kein anderes Land mehr Entwicklungshilfe als an Afghanistan.

Von den 900 Millionen Kronen (rund 88 Millionen Euro) in diesem Jahr würden 448 Millionen nicht mehr nach Afghanistan fließen, sagte Lundberg. Ein Teil der Summe, rund 300 Millionen Kronen, soll in »humanitäre Einsätze« fließen, die noch nicht näher definiert wurden.

Auch Deutschland als eines der wichtigsten Geberländer hatte vor einiger Zeit den Stopp der Entwicklungshilfe an Afghanistan angekündigt. Am Dienstag hatte zudem die Weltbank bekannt gegeben, ihre Hilfen für Afghanistan auf Eis zu legen. Der Internationale Währungsfonds setzte den Zugang Kabuls zu IWF-Ressourcen wegen der unsicheren politischen Lage aus.

Pentagon: Weitere Sprengungen von Ausrüstung vor Abzug möglich

18.52 Uhr: Das US-Militär rechnet damit, dass vor dem Abzug der Truppen am kommenden Dienstag ein weiterer Teil der Ausrüstung am Flughafen Kabul möglicherweise kontrolliert zur Explosion gebracht werden muss. Das sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Freitag. Es habe Vorrang, mit den Flugzeugen der Luftwaffe bis zur letzten Minute noch US-Bürger und Afghanen zu evakuieren. »Menschenleben werden die Priorität sein«, sagte Kirby.

Das Militär bestätigte, dass es am Donnerstag kontrollierte Detonationen am Flughafen in Kabul gegeben habe, nannte aber keine Einzelheiten zu den vernichteten Gegenständen. Hintergrund ist, dass die militärische Ausrüstung der US-Soldaten beim Abzug nicht den militant-islamistischen Taliban hinterlassen werden soll.

Der Kommandeur der Truppen habe die Befugnis, die Entscheidung zur Zerstörung von Ausrüstungsgegenständen nach Bedarf zu treffen, erklärte Kirby. »Wir wollen Sitzen für Passagiere so weit wie möglich Vorrang einräumen«, sagte Kirby. Es gehe dabei um die Ausrüstung des US-Militärs, nicht den Flughafen an sich. Das Militär gehe davon aus, den Flughafen funktionstüchtig zu hinterlassen, sagte Kirby. »Wir werden von einem funktionierenden, voll einsatzfähigen Flughafen abfliegen müssen«, sagte Kirby.

USA wollen trotz Gefahrenlage »bis zum letzten Moment« Menschen aus Kabul ausfliegen

18.31 Uhr: Trotz des verheerenden Selbstmordanschlags mit mindestens 183 Todesopfern am Flughafen von Kabul wollen die USA weiter »bis zum letzten Moment« Menschen ausfliegen. Mehr als 5000 Menschen warteten noch am Airport, erklärte das Pentagon am Freitag. Der Einsatz sei nach wie vor »konkreten und glaubwürdigen Bedrohungen« ausgesetzt, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby. Das Ministerium korrigierte derweil seine Angaben zum Anschlag. Demnach war es die Tat eines einzelnen Selbstmordattentäters.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die US-Behörden rechnen mit weiteren Anschlägen in Kabul, wie das Pentagon am Freitag betonte. Trotz allem würden »bis zum letzten Moment« Evakuierungsflüge stattfinden, sagte General Hank Taylor.

Noch 5400 Menschen hoffen auf Ausreise am Kabuler Flughafens

18.24 Uhr: Auf dem Gelände des Flughafens der afghanischen Hauptstadt Kabul warten nach US-Angaben noch rund 5400 Menschen auf eine Chance zur Ausreise. US-General Hank Taylor sagte am Freitag im Pentagon, die USA könnten bis zum »allerletzten Moment« ihres Militäreinsatzes in Afghanistan Ausreisewillige ausfliegen. Die Streitkräfte hätten die Fähigkeit, »bis ganz zum Ende« des Einsatzes Menschen an Bord von Militärmaschinen mitzunehmen.

Die USA wollen bis kommenden Dienstag alle Soldaten aus Afghanistan abziehen. Zahlreiche Länder – darunter Deutschland – haben ihre Rettungsflüge aus Kabul bereits eingestellt.

Feuer eröffnet an pakistanischer Grenze – drei Afghanen getötet

18.08 Uhr: Bei einem Vorfall an der afghanisch-pakistanischen Grenze sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Das bestätigten zwei pakistanische Behördenvertreter der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Demnach schossen pakistanische Grenztruppen auf eine Gruppe von Afghanen, die versuchte, über die Grenze in das Land zu stürmen. Mehrere weitere Afghanen seien verletzt worden.

Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge am Grenzübergang Torkham, der die nordwestpakistanische Region Khyber Pakhtunkhwa mit der Provinz Nangarhar im Osten Afghanistans verbindet. Tausende Afghanen, die mutmaßlich wegen der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban fliehen wollen, sollen sich an der Grenze in der Hoffnung versammelt haben, diese passieren zu können.

Die Grenze in Torkham nach Pakistan können allerdings aktuell nur pakistanische Staatsbürger passieren, die nach Hause wollen. Afghanische Staatsbürger könnten auch dann nicht ins Nachbarland, wenn sie die dafür notwendigen Dokumente hätten, sagte ein Mitarbeiter eines Geheimdienstes. Ein Vertreter der Zollbehörde erklärte, diese Regel sei vor Monaten wegen der Coronapandemie eingeführt worden.

Opferzahl steigt auf mindestens 183

17.50 Uhr: Die Zahl der Opfer beim Anschlag vor dem Kabuler Flughafen ist auf mindestens 183 gestiegen. Das berichten unter anderem die »New York Times« und »ABC News« unter Bezug auf afghanische Behörden. Demnach sind nach neuesten Zahlen 170 afghanische Staatsbürger im Zuge des Attentats ums Leben gekommen, mindestens 200 weitere seien verletzt worden. Nicht hinzugezählt seien bei der Angabe der Opferzahlen die mindestens 13 getöteten US-Soldaten.

US-Militär kann in den USA bis zu 50.000 Afghanen unterbringen

17.28 Uhr: Die US-Streitkräfte können auf ihren Stützpunkten in den Vereinigten Staaten zeitweise bis zu 50.000 evakuierte Afghanen unterbringen. Das erklärte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Freitag. Zuvor hatten die Streitkräfte noch von einer Kapazität für mehr als 20.000 Menschen gesprochen. Die Aufnahme zusätzlicher Afghanen sei nun möglich, weil das Militär noch zusätzlich drei weitere Stützpunkte für die Unterbringung der Evakuierten öffne, sagte Kirby.

UN-Sicherheitsrat: Täter von Kabul zur Rechenschaft ziehen

17.17 Uhr: Der UN-Sicherheitsrat hat den Anschlag von Kabul »auf das schärfste« verurteilt und Gerechtigkeit für die zahlreichen Opfer gefordert. »Die Mitglieder des Sicherheitsrats unterstrichen die Notwendigkeit, Täter, Organisatoren, Geldgeber und Sponsoren dieser verwerflichen Terrorakte zur Rechenschaft zu ziehen und vor Gericht zu stellen«, teilte das UN-Gremium um die Vetomächte USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich am Freitag mit. Terrorismus stelle eine der schwerwiegendsten Bedrohungen von Frieden und Sicherheit dar. Vorsätzliche Angriffe auf Zivilisten seien »abscheulich«.

Pentagon: Es gab nur einen Selbstmordattentäter

17.03 Uhr: Bei dem verheerenden Terrorangriff am Flughafen in Kabul hat sich nach Erkenntnissen des US-Verteidigungsministeriums ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt – nicht zwei. US-Generalmajor William Taylor sagte am Freitag im Pentagon, man sei nicht sicher, wie es am Vortag zu der falschen Angabe von zwei Selbstmordattentätern habe kommen können. »Wir hielten es für wichtig, die Angaben hier zu korrigieren.« Das Verteidigungsministerium hatte am Donnerstag nach dem Terrorangriff von zwei Selbstmordattentätern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gesprochen.

Obama reagiert erschüttert auf den Anschlag

16.56 Uhr: Der frühere US-Präsident Barack Obama hat erschüttert auf den verheerenden Anschlag außerhalb des Flughafens von Kabul reagiert. Als Präsident sei nichts schmerzvoller gewesen, als mit Angehörigen von getöteten Soldaten zu trauern, erklärte Obama am Freitag in einer schriftlichen Stellungnahme. Seine Frau Michelle und er trauerten nun mit den Familien jener "Helden", die am Donnerstag umgekommen seien. Ihre Gedanken seien auch bei den Familien der Afghanen, die bei der Attacke gestorben seien.

Italien beendet Evakuierungen

16.45 Uhr: Auch Italien schließt den Rettungseinsatz für seine Staatsbürger und afghanische Ortskräfte ab. Das letzte Flugzeug sei vom Flughafen Kabul gestartet, gibt der italienische Außenminister Luigi di Maio bekannt. Nach Regierungsangaben wurden insgesamt mehr als 4800 Afghanen ausgeflogen.

Deutsche Helfer sehen kaum noch Chancen für Ortskräfte

16.20 Uhr: Das Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte sieht kaum Chancen, die ehemaligen Helfer der deutschen Truppen noch aus Kabul zu evakuieren. »Die Möglichkeit für Ortskräfte Deutschlands rauszufliegen, ist jetzt ... nicht mehr vorhanden«, sagte der Leiter der Organisation, Marcus Grotian, im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Alle seien nach dem Ende der deutschen Luftbrücke und den Anschlägen vom Donnerstag »verbittert und frustriert und auch hoffnungslos, denn so richtig, wie es jetzt weitergehen soll, wissen sie alle nicht«.

Grotian geht davon aus, dass noch mindestens 5000 ehemalige Helfer der Deutschen und deren Kernfamilie in Kabul sind und sich die Menschen in großer Gefahr befinden. Dass die Taliban die früheren Ortskräfte einbinden könnten, hält er für unmöglich. Sie hätten schließlich 20 Jahre dabei geholfen, die Taliban zu bekämpfen.

Grotian verweist auf andere Länder, die ihren Ortskräften zumindest »virtuelle Visa« ausgestellt hätten. Damit hätten die Menschen wenigstens etwas in der Hand. Dass es der Bundesregierung nicht gelungen sei, den Ortskräften rechtzeitig ein Visum auszustellen und sie in Sicherheit zu bringen, »da bin ich bass erstaunt«.

Zahl der Anschlagsopfer steigt auf mindestens 92

16.08 Uhr: Die Zahl der bei dem Anschlag am Flughafen Kabul ums Leben gekommenen Menschen steigt weiter. Afghanische Gesundheitsbehörden sprechen jetzt von 79 getöteten Einheimischen, nachdem zuletzt von 72 Toten die Rede war. Da zudem 13 US-Soldaten starben, steigt die Gesamtzahl der Opfer nun auf mindestens 92.

Italien will G20-Sondergipfel

14.53 Uhr: Italien will zeitnah einen Sondergipfel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer zur Lage in Afghanistan einberufen. Das sagte Außenminister Luigi Di Maio am Freitag in Rom nach einem Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. Zur Lage in Afghanistan sei eine »enge internationale Absprache« notwendig, sagte Di Maio. Italien hat derzeit den Vorsitz der G20 inne.

»Wir sind bereit, konkrete Vorschläge der italienischen Seite zu prüfen«, sagte Lawrow der russischen Staatsagentur Tass zufolge. Italien habe zugesichert, bald ein entsprechendes Konzeptionspapier vorzulegen.

Italien will seine Evakuierungsmission in Afghanistan heute beenden, die letzte Maschine soll aus Kabul abheben. »In den kommenden Stunden endet die erste Notfall-Phase in Afghanistan«, sagte Di Maio. Nun gehe es darum, einen Plan zu entwickeln, wie man die afghanische Bevölkerung auch in Zukunft unterstützen könne.

Nach Angaben des italienischen Verteidigungsministeriums hat das Land im Lauf der Mission knapp 4900 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht.

Iran verurteilt Anschläge am Flughafen Kabul

14.40 Uhr: Iran hat die Anschläge am Kabuler Flughafen verurteilt. »Wir verurteilen diesen Terrorakt und bedauern den Tod von wehrlosen Kindern, Frauen und Männern«, sagte Außenamtssprecher Said Chatibsadeh. In dem Land am Hindukusch, mit dem sich der Iran eine etwa 950 Kilometer lange Grenze teilt, müsse umgehend eine Regierung gebildet werden, um die Sicherheit der Menschen vor Ort zu gewährleisten, so der Sprecher weiter.

Der Iran fordert Verhandlungen zwischen allen afghanischen Gruppen, darunter auch den militant-islamistischen Taliban, für die Bildung einer neuen Regierung. Dabei solle das Ausland zwar mithelfen, sich aber nicht in die inneren Angelegenheiten Afghanistans einmischen.

Uno rechnet mit halber Million weiterer afghanischer Flüchtlinge bis Jahresende

14.34 Uhr: Nach der Machtübernahme der Taliban rechnet die Uno laut der Nachrichtenagentur AFP allein bis Jahresende mit bis zu einer halben Million weiterer afghanischer Flüchtlinge. »Wir bereiten uns auf etwa 500.000 neue Flüchtlinge in der Region vor«, sagte die stellvertretende Uno-Flüchtlingskommissarin Kelly Clements demnach vor Reportern. Bislang sei jedoch noch keine massive Fluchtbewegung zu verzeichnen.

Bei den Zahlen handele es sich um »das schlimmste Szenario«, betonte Clements. In den vergangenen Tagen waren nach US-Angaben bei dem großangelegten Evakuierungseinsatz am Kabuler Flughafen insgesamt mehr als 100.000 Ausländer und gefährdete Afghanen ausgeflogen worden.

Bundeswehr-Soldaten aus Taschkent auf Heimweg nach Deutschland

14.18 Uhr: Die letzten Soldatinnen und Soldaten des Bundeswehr-Einsatzes am Flughafen Kabul haben die Rückreise angetreten. In zwei Maschinen brachen sie am Freitag von der usbekischen Hauptstadt Taschkent aus zum niedersächsischen Luftwaffenstützpunkt Wunstorf auf, wo sie nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums gegen 18.30 Uhr erwartet werden. Begleitet wurden sie von Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Die fliegende Intensivstation der Bundeswehr – das sogenannte Medevac-Flugzeug – blieb auf Kramp-Karrenbauers Anordnung zunächst in Taschkent. Dort solle es »bei Bedarf unsere amerikanischen Verbündeten unterstützen«, sagte eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums. Bei einem verheerenden Doppelanschlag am Kabuler Flughafen waren am Vortag 13 US-Soldaten getötet und 18 weitere verletzt worden.

Russland und China verurteilen Anschlag

13.37 Uhr: Die Regierungen in Moskau und Peking haben sich zu dem Doppelanschlag am Kabuler Flughafen geäußert. Russland verurteile die Tat mit mehr als 80 Toten »auf das Schärfste«, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag. Leider habe die Tat bestätigt, dass »terroristische Truppen, insbesondere der IS, es sich nicht nehmen lassen, von dem Chaos in Afghanistan zu profitieren«.

Der Sprecher des chinesischen Außenministerium, Zhao Lijian, sagte vor Journalisten in Peking, sein Land sei »schockiert und verurteile die Explosionen scharf«. Der Doppelanschlag zeige, dass »die Sicherheitslage in Afghanistan weiterhin komplex und ernst« sei. Die »relevanten« Akteure im Land würden nun hoffentlich »wirksame Maßnahmen ergreifen, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen«.

Bundeswehrflugzeug bleibt länger als geplant in Kabul

13.28 Uhr: Die Bundeswehr lässt das Medivac-Flugzeug zur Versorgung und dem Ausflug von Verletzten 24 Stunden länger als geplant in der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Das teilt eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums mit. Grund sei, dass man abwarten wolle, ob man die US-Streitkräfte nach den Anschlägen in Kabul noch unterstützen könne.

Russland kündigt Manöver an afghanischer Grenze an

12.50 Uhr: Das von Russland angeführt Militärbündnis CSTO hat Manöver mit Tausenden Soldaten in den kommenden zwei Monaten in Kirgistan und Tadschikistan angekündigt. Grund für die Militärübungen sei die Lage in Afghanistan, berichtet die russische Nachrichtenagentur Interfax. Die Regierung in Moskau fürchtet demnach, radikal-islamische Gruppierungen könnten in Zentralasien an Einfluss gewinnen. Der CSTO gehören sechs Staaten an, die früher Teil der Sowjetunion waren. Tadschikistan grenzt an Afghanistan.

Mit Religion unvereinbar: Golfstaaten verurteilen Anschlag in Kabul

12.35 Uhr: Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate haben den Anschlag am Flughafen in Kabul scharf verurteilt. Der Terroranschlag sei nicht mit religiösen Prinzipien und moralischen Werten vereinbar, hieß es vom saudischen Außenministerium am Freitag. »Saudi-Arabien hofft, dass sich die Verhältnisse in Afghanistan so schnell wie möglich stabilisieren.«

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar verurteilten den Anschlag. Die Emirate lehnten alle Formen von Gewalt und Terrorismus ab, die gegen religiöse und menschliche Werte verstießen, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums. Das Land forderte die Verantwortlichen in Afghanistan auf, sofort für Stabilität und Sicherheit zu sorgen.

Katar lehne Gewalt und Terrorismus ungeachtet ihrer Motive ab, wie die Nachrichtenagentur QNA unter Berufung auf das Außenministerium berichtete. Der Golfstaat hat in der vergangenen Woche Zehntausende Schutzbedürftige aus Afghanistan evakuiert hat und vermittelt zudem zwischen den USA und den Taliban.

Steinmeier an Biden: Deutschland steht fest an Seite der USA

11.45 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat nach dem Anschlag am Flughafen Kabul in einem Kondolenzschreiben an US-Präsident Joe Biden sein Mitgefühl zum Ausdruck gebracht. »Wir trauern mit Ihnen um die Opfer des brutalen Anschlags in Kabul. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der tapferen amerikanischen Soldaten, die ihr Leben gaben, um das Leben anderer zu retten«, schrieb Steinmeier am Freitag.

Mit ihrem mutigen Einsatz hätten die Soldaten auch die Evakuierung vieler Deutscher und tausender afghanischer Ortskräfte erst möglich gemacht.

»Wir beklagen mit Ihnen auch die vielen Toten und Verletzten unter der afghanischen Zivilbevölkerung, die unseren Schutz gesucht haben«, schrieb Steinmeier weiter. Deutschland stehe in dieser schweren Stunde fest an der Seite der Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Terrorismus.

WHO hofft auf baldige Luftbrücke zur medizinischen Versorgung

11.43 Uhr: Die Weltgesundheitsorganisation hofft, eine Luftbrücke zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung in die nordafghanische Stadt Masar-i-Scharif in den kommenden zwei bis drei Tagen aufbauen zu können. Dabei würden pakistanische Behörden helfen. Kabul könne aus Sicherheitsgründen nicht angeflogen worden. Der für die Region zuständige WHO-Vertreter Rick Brennan sagt, die vorhandene medizinische Versorgung im Land reiche nur noch für ein paar Tage.

Türkei führt mit Taliban Gespräche über Flughafenbetrieb

11.30 Uhr: Die türkische Regierung hat nach eigenen Angaben erste Verhandlungen mit den Taliban in Afghanistan geführt. Die Gespräche auf dem militärischen Teil des Flughafens in Kabul dauerten rund dreieinhalb Stunden, wie Präsident Recep Tayyip Erdoğan am Freitag mitteilte. Dabei sei über den Vorschlag der Taliban gesprochen worden, dass die Türkei künftig den Flughafen in der afghanischen Stadt betreibt.

In den Wochen vor der Machtübernahme der Taliban hatte die Türkei mit den USA darüber verhandelt, dass sie sich nach dem vollständigen US-Abzug aus Afghanistan an der Absicherung und dem Betrieb des Kabuler Flughafens beteiligen könnte. Die schnelle Einnahme Kabuls durch die Taliban brachte die Pläne durcheinander. Die Türkei, die zuletzt 500 Soldaten in Afghanistan stationiert hatte, begann am Mittwoch mit dem Abzug ihrer Soldaten aus dem Land.

Nach Angaben Erdoğans wollen die Taliban nun selbst für die Sicherheit am Flughafen sorgen. Der Türkei sei angeboten worden, den operationellen Betrieb des Airports zu übernehmen. Nach dem verheerenden Anschlag vom Donnerstagabend sei es aber entscheidend zu wissen, wie genau der Flughafen abgesichert werden soll, sagte Erdoğan. »Wir haben in dieser Angelegenheit noch keine Entscheidung getroffen«, fügte der türkische Präsident mit Blick auf den Vorschlag der Taliban hinzu. »Wir werden eine Entscheidung treffen, sobald wieder Ruhe herrscht.«

Fast 19.000 Evakuierte bisher in Ramstein angekommen

11.20 Uhr: Auf der Air Base Ramstein in Rheinland-Pfalz sind bis Freitag mehr als 18.700 Evakuierte aus Afghanistan gelandet. Das teilte der weltweit größte US-Luftwaffenstützpunkt außerhalb Amerikas mit. Ramstein ist seit vergangenem Freitag ein US-Drehkreuz für Geflüchtete aus Afghanistan.

Auf der Air Base seien etwa 76 Flugzeuge der United States Air Force eingetroffen, berichtete eine Sprecherin des Stützpunkts. In die USA weitergereist seien mehr als 4100 Evakuierte mit etwa 18 Flügen. Die Flüge werden voraussichtlich das ganze Wochenende über fortgesetzt.

Schutzsuchende wie etwa ehemalige Ortskräfte der USA in Afghanistan und ihre Familien, die aus Angst vor den Taliban ihre Heimat verlassen, kommen zunächst in Zelten und Flugzeughangars der Air Base unter. Sie werden registriert und bei Bedarf medizinisch behandelt.

Taliban fordert Geistliche auf, Gehorsam zu predigen

11.10 Uhr: Die Taliban rufen die Geistlichen in Afghanistan dazu auf, in den Freitags-Predigten auf die Notwendigkeit des Gehorsams gegenüber den Regierenden hinzuweisen. Das geht aus einer Stellungnahme der radikalislamischen Gruppierung hervor.

Unterdessen ist laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP die Zahl der Toten nach den Anschlägen in Kabul auf mindestens 107 gestiegen. Demnach gebe es mindestens 95 tote Afghanen. Dazu kommen mindestens zwölf US-Soldaten.

Kramp-Karrenbauer nimmt Bundeswehrsoldaten in Taschkent in Empfang

11 Uhr: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat die Bundeswehrsoldaten nach dem Ende ihres Evakuierungseinsatzes in Kabul in der usbekischen Hauptstadt Taschkent in Empfang genommen. Kramp-Karrenbauer und Generalinspekteur Eberhard Zorn seien am Donnerstagabend nach Taschkent geflogen, teilte das Verteidigungsministerium am Freitagmorgen mit.

»Die Evakuierungsoperation in Kabul war hochgefährlich. Die Bundeswehr hat unter schwersten Bedingungen vor Ort so viele Menschen wie möglich in Sicherheit gebracht«, hieß es dazu.

Nach Angaben der Ministerin wurden 5347 Menschen aus mindestens 45 Ländern evakuiert, darunter rund 500 Deutsche und mehr als 4000 Afghanen. Nun haben alle deutschen Soldaten, Diplomaten und Polizisten das Land verlassen. Von Usbekistan aus kehren die A400M der Bundeswehr nach Deutschland zurück.

Die Bundeswehr plant die Rückkehr der eingesetzten Soldatinnen und Soldaten für Freitagnachmittag. Ihre Ankunft ist gegen 16 Uhr auf dem niedersächsischen Fliegerhorst Wunstorf geplant. Begleitet werden dürften sie demnach von Kramp-Karrenbauer.

Wehrbeauftragte: Soldaten haben bis zur letzten Minute »alles gegeben«

10.55 Uhr: Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, hat der Bundeswehr für den Einsatz zur Evakuierung aus Afghanistan gedankt. Sie sei sehr erleichtert, dass Soldaten und Diplomaten das Land wohlbehalten verlassen hätten, teilte Högl am Freitag mit. Sie war mit Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am Vorabend nach Taschkent in Usbekistan geflogen, wo die Truppe ihr Drehkreuz hatte.

»Buchstäblich bis zur letzten Minute haben sie alles gegeben, um noch so viele Schutzbedürftige wie möglich aus Kabul herauszuholen. Für diesen herausragenden Einsatz gebührt ihnen unser allergrößter Respekt und Anerkennung«, so Högl weiter.

Die Wehrbeauftragte forderte, es müsse nun für Soldatinnen und Soldaten die nötige Zeit und genügend Betreuungsangebote geben, »damit sie ihre Erlebnisse verarbeiten können und der größte Evakuierungseinsatz in der Geschichte der Bundeswehr aufgearbeitet werden kann«.

Jetzt müssen ausgerechnet die Taliban den IS bekämpfen

10.40 Uhr: Die neuen Herrscher verlieren bereits die Kontrolle über das frisch eroberte Land. Im Pandschirtal formiert sich eine Widerstandsbewegung. Doch die größte Gefahr ist der »Islamische Staat« – auch für den Westen. Lesen Sie hier die SPIEGEL-Titelstory.

Spanien beendet die Evakuierungen von Schutzsuchenden

10.30 Uhr: Nach den gestrigen Anschlägen hat Spanien die Evakuierungen von Schutzsuchenden beendet und sich vollständig aus Afghanistan zurückgezogen. Die letzten 81 Spanier, die sich noch im Land aufgehalten hätten, seien am Freitag in einem Transportflugzeug Airbus A400M der Luftwaffe nach Dubai ausgeflogen worden, teilte die Regierung in Madrid mit. Es handele sich um Botschafter Gabriel Ferrán, Botschaftsmitarbeiter und Militärpersonal, hieß es. Außerdem seien in den letzten beiden Evakuierungsflügen auch vier Militärangehörige aus Portugal und 85 afghanische Mitarbeiter Spaniens, Portugals und der Nato aus dem Land gebracht worden.

Bei den von Spanien organisierten Flügen wurden den amtlichen Angaben zufolge insgesamt 1900 Schutzsuchende aus Afghanistan evakuiert. Man habe nicht nur eigene Mitarbeiter und deren Familien, sondern auch einheimische Mitarbeiter anderer Länder, der Europäischen Union, der Vereinten Nationen und der Nato ausgeflogen, ließ Madrid wissen.

Hotels in Islamabad für Tausende afghanische Ortskräfte reserviert

09.48 Uhr: In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sind Tausende Hotelbetten für Ortskräfte der internationalen Streitkräfte in Afghanistan reserviert worden. Die Stadtverwaltung hat in einer in der Nacht zu Freitag versendeten Erklärung alle privaten Hotels in Islamabad angewiesen, alle in den nächsten drei Wochen verfügbaren Zimmer für Tausende aus Afghanistan zu evakuierende Menschen zu buchen.

Auch Vertreter der pakistanischen Zivilluftfahrtbehörde sagten am Freitag lokalen Medien, dass afghanische Dolmetscher und andere Menschen, die mit den Nato-Truppen zusammengearbeitet hatten und jetzt um eine Evakuierung bemüht seien, nach Pakistan gebracht würden. Es seien Vorkehrungen getroffen worden, diese in der Hafenstadt Karachi, der Stadt Peshawar im Nordwesten und in einigen Städten der zentralen Provinz Punjab vorübergehend unterzubringen, hieß es.

Afghanische Ministerin flieht nach Norwegen

09.25 Uhr: Nach der Machtübernahme der Taliban konnte sich die ehemalige afghanische Ministerin für Mineralien und Erdöl, Nargis Nehan, nach Norwegen retten. Sie sei endlich mit ihrer Familie in Norwegen gelandet, hätte aber ihren Vater und ihre Schwester zurücklassen müssen, teilte Nehan auf Twitter mit. »Ich bin nicht länger eine stolze, robuste und hoffnungsvolle Afghanin«, schrieb sie. »Ich bin wieder ein hoffnungsloser und hilfloser Flüchtling, dessen Suche nach einer Identität, einem Zuhause und Frieden nie aufhört.«

UNHCR will Arbeit in Afghanistan fortsetzen

8.50 Uhr: Trotz der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan und den Anschlägen in Kabul will das Uno-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in dem Krisenstaat bleiben. »Die Feuerwehr rennt nicht weg, wenn es brennt. Sondern im Gegenteil: Wir sind mit mehreren hundert Mitarbeitern noch in Afghanistan, und wir wollen auch bleiben«, sagte der Sprecher von UNHCR-Deutschland, Chris Melzer, im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, Radiowelt am Morgen).

Die Menschen im Land seien jetzt auf Hilfe angewiesen, erklärte Melzer. »Wir haben wenige Tausend Menschen, die das Land bisher verlassen haben, aber wir haben 3,5 Millionen Menschen, die innerhalb des Landes auf der Flucht sind. Das ist das eigentliche humanitäre Problem in der Situation.«

Kliniksprecher berichtet von 72 toten Zivilisten in Kabul

7.30 Uhr: Nach den Anschlägen am Flughafen von Kabul steigt die Totenzahl. Ein Krankenhaus- und ein Talibanvertreter sprechen nun von mindestens 72 toten Zivilisten. Außerdem starben nach bisherigen US-Angaben mindestens 13 US-Soldaten.

Bei den Explosionen sollen auch mindestens 28 Anhänger der Extremisten ums Leben gekommen sein. Wie ein Mitglied der Taliban gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte, hätten sie damit mehr Einsatzkräfte verloren als die Amerikaner.

DRK-Suchdienst rechnet mit mehr Anfragen aus Afghanistan

Die frühere Gesundheitsministerin und aktuelle DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt (2017)

Die frühere Gesundheitsministerin und aktuelle DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt (2017)

Foto: Silas Stein/ dpa

05.28 Uhr: Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan rechnet der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes verstärkt mit Anfragen nach verschollenen Familienmitgliedern aus dieser Region. Bereits vor der aktuellen Krise seien die meisten Suchanfragen aus Afghanistan gekommen – neben Somalia, dem Irak und Syrien, sagte DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt der Deutschen Presse-Agentur.

Weltweit werden derzeit mehr als 200.000 Menschen aufgrund von Flucht, Krieg oder Vertreibung vermisst. Der DRK-Suchdienst hilft Menschen, die wegen aktueller bewaffneter Konflikte und Katastrophen weltweit von ihren Angehörigen getrennt worden sind. Er klärt aber weiterhin auch noch Schicksale von Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg.

Taliban melden Tod von mindestens 28 Kämpfern

05.10 Uhr: Bei den Explosionen am Flughafen von Kabul sollen auch mindestens 28 Anhänger der radikal-islamischen Taliban ums Leben gekommen sein. Wie ein Mitglied der Taliban gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte, hätten sie damit mehr Einsatzkräfte verloren als die Amerikaner. Die USA haben zuletzt 13 getötete Soldaten gemeldet. Insgesamt sollen bei den Anschlägen mindestens 60 Zivilisten ums Leben gekommen sein. Genaue Zahlen gibt es bisher nicht.

Ex-Nationalspielerinnen aus Afghanistan fordern Hilfe von der Fifa

03.25 Uhr: Die ehemaligen afghanischen Nationalspielerinnen Shabnam Ruhin, Mina Ahmadi und Mariam Gitti Ruhin haben den Fußball-Weltverband Fifa kritisiert und Hilfe eingefordert. »Wir sind von der Fifa sehr enttäuscht, die Hilfeschreie sind da und die hört man auch – die sind laut. Aber die Fifa ist immer ein Stück zu spät«, sagte Mariam Gitti Ruhin dem TV-Sender Sky Sport . »Dass diese Mädchen dort zurückgelassen worden sind und nicht gerettet wurden, liegt daran, dass die Fifa nicht schnell genug gehandelt hat«, sagte die Hamburgerin. Die Hoffnung habe sie aber noch nicht aufgegeben. »Es ist meine Pflicht als Nationalspielerin, als Mitspielerin, diese Hoffnung zu geben und weiterhin von außen zu kämpfen. Solange wir kämpfen, werden sie auch kämpfen«, sagte die 27-Jährige.

Shabnam Ruhin (30) sagte bei Sky Sport, dass mithilfe der internationalen Spielergewerkschaft Fifpro bereits insgesamt 77 Personen (Spielerinnen, Personal und deren Familienangehörige) aus Afghanistan ausgeflogen worden seien. »Unsere Hoffnung ist, dass die Mädels, denen es gelungen ist zu fliehen, nicht alleine gelassen werden und dass die Fifa ihnen Hilfe gibt, dass es eine Möglichkeit gibt, dass die Mädels nicht das Gefühl haben, das war es mit der Nationalmannschaft. Wir haben unsere Träume in Afghanistan gelassen und jetzt wissen wir nicht wohin mit uns«, sagte Mina Ahmadi (24).

Der Frauenfußball in Afghanistan werde nach der Machtübernahme der Taliban keine Chance mehr haben, sagte Shabnam Ruhin. »In der Idealvorstellung der Taliban besteht kein Frauensport, geschweige denn Frauenfußball. Das ist tatsächlich eine Sache, die komplett zerstört wurde und in naher Zukunft nicht mehr aufgebaut werden kann.«

Soldatinnen und Soldaten nach Kabul-Einsatz wieder in Deutschland erwartet

02.45 Uhr: Alle Einsatzkräfte der Bundeswehr werden nach der Evakuierungsmission am Flughafen Kabul heute wieder in Deutschland erwartet. Zunächst hatte die Nachrichtenagentur Reuters gemeldet, sie seien bereits gelandet; später korrigierte sie diese Meldung. Die Soldatinnen und Soldaten sollen heute Nachmittag in Deutschland ankommen.

Wie das Verteidigungsministerium am späten Donnerstagabend mitteilte, sollen die etwa 600 Soldatinnen und Soldaten, die am Einsatz beteiligt waren, um 16 Uhr am Militärflugplatz in Wunstorf empfangen werden. Bei der Ankunft werden Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Generalinspekteur Eberhard Zorn, die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Eva Högl, sowie weitere Politikerinnen und Politiker erwartet.

Kurz vor ein Uhr morgens war die letzte Maschine mit Geflüchteten am Frankfurter Flughafen gelandet. Wie das Verteidigungsministerium über Twitter erklärte, sei eine Verlängerung der Luftbrücke aufgrund der Sicherheitslage in Kabul nicht möglich gewesen. »Wir werden uns aber weiter um die verbliebenen zu Schützenden kümmern«, so das Ministerium.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums hat die Bundeswehr mehr als 5300 Menschen aus mindestens 45 Staaten mithilfe von 37 Flügen aus Kabul ausgeflogen.

USA: Mit Verbündeten mehr als 100.000 Menschen aus Kabul evakuiert

01.55 Uhr: Die US-Luftwaffe und ihre Verbündeten haben nach Angaben des Weißen Hauses mehr als 100.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Allein am Donnerstag seien vom Vormittag bis kurz vor Mitternacht (Ortszeit Kabul) rund 7500 Menschen evakuiert worden, 5100 davon mit Flugzeugen des US-Militärs, erklärte ein Vertreter der US-Regierung. Damit sei die Zahl der seit Mitte August ausgeflogenen Afghanen und westlicher Staatsbürger auf 100.100 gestiegen. Der Großteil von ihnen wurde mit Flugzeugen der US-Luftwaffe ausgeflogen.

US-Maschine auf dem Rollfeld in Kabul (am 17. August)

US-Maschine auf dem Rollfeld in Kabul (am 17. August)

Foto: Senior Airman Brennen Lege / dpa

Medienbericht: Britische Botschaftsmitarbeiter ließen Dokumente über Angestellte zurück

01.20 Uhr: Wie die Zeitung »The Times« berichtet, haben Mitarbeiter des britischen Außenministeriums in der Botschaft in Kabul Dokumente mit Kontaktdaten ihrer afghanischen Angestellten zurückgelassen. Sollten diese in die Hände der Taliban geraten, könnten Racheaktionen die Folge sein. »Der Abzug unserer Botschaft erfolgte in großer Eile, weil sich die Lage in Kabul verschlechterte. Es wurden alle Anstrengungen unternommen, um sensibles Material zu vernichten«, sagte ein Sprecher des Außenministeriums gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

US-Präsident will Drahtzieher von Kabul-Attacken zur Rechenschaft ziehen

00.01 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat die Terrormiliz IS für die Anschläge in Kabul verantwortlich gemacht. An die Täter gerichtet sagte er: »Wir werden nicht vergessen, wir werden nicht vergeben. Wir werden euch jagen und euch bezahlen lassen.«

Biden sagte, man gehe aufgrund von geheimdienstlichen Erkenntnissen davon aus, dass die Gruppe »ISIS-K« für die Anschläge verantwortlich sei. Man werde militärische Einsätze gegen die Terrorgruppe durchführen. Er habe darum gebeten, entsprechende Pläne vorzulegen.

Die USA hätten Informationen dazu, wo sich die Drahtzieher der Anschläge aufhielten. Die USA würden auch ohne große Militäreinsätze Möglichkeiten finden, diese zur Rechenschaft zu ziehen – »wo auch immer sie sind«, betonte Biden.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bei den Anschlägen starben Dutzende Menschen, darunter auch mindestens 13 US-Soldaten. Über die zivilen Opfer gibt es noch keine belastbaren Informationen, es ist aber von mindestens 60 Toten auszugehen. Biden würdigte die gestorbenen Soldaten als »Helden«. Sie seien an einer »gefährlichen, selbstlosen Mission« beteiligt gewesen, »um das Leben von anderen zu retten«. Man werde sich von Terroristen nicht von der Rettungsmission abhalten lassen. Auch nach dem Abzug der Truppen werde man Wege finden, um weitere US-Bürger aus dem Land zu holen.

jok/aar/als/svs/asa/kim/dpa/Reuters/AFP