Afghanistan-News am Donnerstag Flaggen in den USA nach Anschlag auf halbmast gesetzt

Die USA trauern um die Opfer von Kabul. Eine weitere Explosion in der Stadt war offenbar eine kontrollierte Sprengung. Und: Alle deutschen Soldaten sind ausgeflogen. Der Überblick am 26. August.
US-Flagge auf halbmast (Symbolbild)

US-Flagge auf halbmast (Symbolbild)

Foto: Jose Luis Gonzalez/ REUTERS
+++ Flaggen in den USA nach tödlichem Anschlag in Kabul auf halbmast +++

Nach dem tödlichen Terroranschlag in Kabul werden die Flaggen in den USA auf halbmast gesetzt. Damit sollen die Opfer der »sinnlosen Gewaltakte« geehrt werden, wie die Sprecherin von US-Präsident Joe Biden, Jen Psaki, am Donnerstag sagte. Die Flaggen-Anordnung werde bis zum Montagabend für das Weiße Haus, alle öffentlichen Gebäude und Militäreinrichtungen in den USA sowie US-Botschaften und konsularische Vertretungen weltweit gelten.

USA: Mit Verbündeten mehr als 100.000 Menschen aus Kabul evakuiert

US-Maschine auf dem Rollfeld in Kabul (am 17. August)

US-Maschine auf dem Rollfeld in Kabul (am 17. August)

Foto: Senior Airman Brennen Lege / dpa

01.55 Uhr: Die US-Luftwaffe und ihre Verbündeten haben nach Angaben des Weißen Hauses mehr als 100.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Allein am Donnerstag seien vom Vormittag bis kurz vor Mitternacht (Ortszeit Kabul) rund 7500 Menschen evakuiert worden, 5100 davon mit Flugzeugen des US-Militärs, erklärte ein Vertreter der US-Regierung. Damit sei die Zahl der seit Mitte August ausgeflogenen Afghanen und westlicher Staatsbürger auf 100.100 gestiegen. Der Großteil von ihnen wurde mit Flugzeugen der US-Luftwaffe ausgeflogen.

Medienbericht: Britische Botschaftsmitarbeiter ließen Dokumente über Angestellte zurück

Freitag, 01.20 Uhr: Wie die Zeitung »The Times« berichtet, haben Mitarbeiter des britischen Außenministeriums in der Botschaft in Kabul, Dokumente mit Kontaktdaten ihrer afghanischen Angestellten zurückgelassen. Sollten diese in die Hände der Taliban geraten, könnten Racheaktionen die Folge sein. »Der Abzug unserer Botschaft erfolgte großer Eile, weil sich die Lage in Kabul verschlechterte. Es wurden alle Anstrengungen unternommen, um sensibles Material zu vernichten«, sagt ein Sprecher des Außenministeriums gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

US-Präsident Biden will Attentäter von Kabul zur Rechenschaft ziehen

23.32 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat die Terrormiliz IS für die Anschläge in Kabul verantwortlich gemacht. An die Täter gerichtet, sagte er: »Wir werden nicht vergessen, wir werden nicht vergeben. Wir werden euch jagen und euch bezahlen lassen.«

Biden sagte, man gehe aufgrund von geheimdienstlichen Erkenntnissen davon aus, dass die Gruppe »ISIS-K« für die Anschläge verantwortlich sei. Man werde militärische Einsätze gegen die Terrorgruppe durchführen. Er habe darum gebeten, entsprechende Pläne vorzulegen.

Die USA hätten Informationen dazu, wo sich die Drahtzieher der Anschläge aufhielten. Die USA würden auch ohne große Militäreinsätze Möglichkeiten finden, diese zur Rechenschaft zu ziehen. »Wo auch immer sie sind«, betonte Biden.

Bei den Anschlägen starben Dutzende Menschen, darunter auch mindestens 13 US-Soldaten. Über die zivilen Opfer gibt es noch keine belastbaren Informationen, es ist aber von mindestens 60 Toten auszugehen. Biden würdigte die gestorbenen Soldaten als »Helden«. Sie seien an einer »gefährlichen, selbstlosen Mission« beteiligt gewesen, »um das Leben von anderen zu retten«. Man werde sich von Terroristen nicht von der Rettungsmission abhalten lassen. Auch nach dem Abzug der Truppen werde man Wege finden, um weitere US-Bürger aus dem Land zu holen.

Macron verurteilt Anschläge

22.47 Uhr: Der französische Präsident Emmanuel Macron hat die Anschläge vor dem Flughafen Kabul mit scharfen Worten verurteilt. Macron würdigte zudem »den Heldenmut derjenigen, die vor Ort sind, um die Evakuierungsaktionen erfolgreich zu beenden«. Frankreich werde »diese zum Abschluss bringen und langfristig humanitäre Hilfe und den Schutz bedrohter Afghanen aufrechterhalten«. Unmittelbar nach den Anschlägen hatte Macron bei einem Besuch in Dublin gesagt, sein Land werde alles versuchen, um noch »mehrere hundert Menschen« aus Afghanistan zu retten.

Der Einsatz werde so lange fortgesetzt, bis alle französischen Soldaten das Land verlassen hätten, sagte der Sprecher des französischen Generalstabs, Pascal Ianni. Der Einsatz sei nicht unterbrochen worden, es seien auch noch weitere Flüge nach Kabul geplant.

Trump: Anschlag in Kabul hätte »nie passieren dürfen«

22.30 Uhr: Der Terroranschlag in Kabul hätte nach Ansicht von Ex-Präsident Donald Trump »nie passieren dürfen«. Er spreche den Familien der getöteten und verletzten Soldaten sowie den Angehörigen der zivilen Opfer sein Beileid aus, erklärte Trump am Donnerstag. »Diese Tragödie hätte nie passieren dürfen, was unsere Trauer noch größer und schwerer zu begreifen macht«, erklärte Trump.

Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan Mitte August verschickt Trump fast täglich Erklärungen, in dem er Joe Biden große Vorwürfe machte. Diesmal verzichtete er auf politische Angriffe oder Schuldzuweisungen.

Kramp-Karrenbauer kondoliert

22.29 Uhr: Nach dem Tod von zwölf US-Soldaten hat Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ihr Beileid bekundet. »Meine Gedanken und Gebete sind bei unseren amerikanischen Verbündeten«, schrieb die CDU-Politikerin am Donnerstagabend auf Twitter. Die Soldaten waren bei dem Anschlag außerhalb des Flughafens von Kabul getötet worden. Nach US-Angaben wurden 15 weitere verletzt.

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Weitere Explosion in Kabul – US-Soldaten zerstören offenbar Munition

22.00 Uhr: Laut Reportern in Kabul ist es am Abend in der afghanischen Hauptstadt zu mindestens einer weiteren Explosion gekommen. Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, erneut eine starke Explosion gehört zu haben. »Los Angeles Times«-Reporter Marcus Yam schrieb auf Twitter , er habe die Schockwelle einer sehr großen Explosion gespürt.

Der afghanische Medienunternehmer Saad Mohseni schrieb auf Twitter, es habe sich um eine kontrollierte Sprengung der US-Kräfte gehandelt. Ein Taliban-Sprecher teilte mit, das amerikanische Militär habe Munition zerstört.

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Pentagon macht Terrormiliz IS für Anschläge in Kabul verantwortlich

21.23 Uhr: Bei dem Terrorangriff am Flughafen in Kabul haben sich nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums mindestens zwei Selbstmordattentäter der Terrormiliz Islamischer Staat in die Luft gesprengt. Nach den Detonationen hätten eine Reihe von Kämpfern des IS das Feuer auf Zivilisten und Soldaten eröffnet, sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt, am Donnerstag in einer Videoschalte mit Journalisten.

Durch das Attentat starben Dutzende Menschen, zahlreiche weitere wurden verletzt. Auch der IS selbst reklamierte den Anschlag für sich. Dies verlautbarte IS-Khorasan, wie der IS sich in Afghanistan und Pakistan nennt, am Donnerstagabend mit einer über das Internet verbreiteten Nachricht des IS-Sprachrohrs Amak.

Der IS war in Afghanistan Anfang 2015 aufgetaucht. Er will dort und auf pakistanischem Gebiet eine »Provinz« namens IS-Khorasan etablieren und hat Anschläge vor allem auf schiitische Ziele verübt. Die USA und afghanische Sicherheitskräfte griffen dessen Stellungen in vergangenen Jahren mitunter mehrmals wöchentlich an. Trotzdem verübte der IS weiter schwere Anschläge und versuchte, auch in Nordafghanistan Fuß zu fassen. Mit den Taliban ist der IS trotz großer ideologischer Nähe verfeindet.

Das US-Militär rechnete am Donnerstagabend Ortszeit mit weiteren Angriffen der Terroristen. »Wir glauben, es ist ihr Wunsch, diese Angriffe fortzusetzen, und wir rechnen damit, dass sich diese Angriffe fortsetzen werden«, sagte US-General Kenneth McKenzie. »Wir tun alles, was wir können, um auf diese Angriffe vorbereitet zu sein.« Dazu gebe es auch Gespräche mit den Taliban, die für die Sicherheit außerhalb des Flughafens verantwortlich seien.

Das Militär gehe davon aus, dass es zuvor bereits andere Anschlagspläne von Terroristen erfolgreich vereitelt habe, sagte McKenzie. »Wir dachten, dass das früher oder später passieren würde«, sagte McKenzie. Es sei ein extrem trauriger Tag für die US-Streitkräfte.

»Blastwalls« am Abbey Gate könnten Explosion verstärkt haben

21.05 Uhr: In Sicherheitskreisen hieß es nach SPIEGEL-Informationen, die Wucht der Explosion sei vermutlich noch verstärkt worden, da sich der Anschlag in einer von sogenannten »Blastwalls« eingemauerten Gasse vor dem Abbey Gate ereignete. Die meterhohen Mauern sollen eigentlich die Wirkung von Detonationen abfangen. In diesem Fall aber machten sie die Sprengsätze noch tödlicher, so Sicherheitsexperten.

NGO berichtet von überfülltem Krankenhaus

20.55 Uhr: Die Nichtregierungsorganisation Emergency betreibt in Kabul ein Krankenhaus. Rossella Miccio, die Präsidentin der NGO, berichtet im britischen Fernsehen von der Situation. »Unser Krankenhaus ist mit Patienten überfüllt.« Das Personal nehme ständig eine Triage vor, um die schwerwiegendsten Fälle zu identifizieren. Der Zustrom von Patienten sei ungebrochen. »Wir haben Männer, Frauen und Kinder aufgenommen. Sie alle sind afghanische Zivilisten.«

BBC-Bericht spricht von mindestens 60 Toten

20.26 Uhr: Nach Angaben der britischen BBC sind bei den Anschlägen mindestens 60 Menschen ums Leben gekommen und 140 verletzt worden. Die BBC stützt sich dabei auf die Angaben eines namentlich nicht genannten Beamten aus dem afghanischen Gesundheitswesen.

Großbritannien will Evakuierungen fortsetzen

20.21 Uhr: Trotz der Anschläge am Flughafen von Kabul will Großbritannien weiterhin britische Staatsbürger und Afghanen aus dem Krisenland ausfliegen. »Wir werden mit diesem Einsatz fortfahren. Wir kommen jetzt ohnehin zum absoluten Ende«, sagte Premierminister Boris Johnson am Donnerstag nach einem Treffen des Krisenkabinetts. »Wir werden bis zum letzten Moment weitermachen«, kündigte Johnson an. Über die Anschläge am Flughafen der afghanischen Hauptstadt sagte Johnson: »Wir waren darauf gefasst«. In den verbleibenden Stunden solle die Evakuierungsoperation so schnell und so effizient wie möglich fortgesetzt werden.

Augenzeugen berichten von vielen Opfern

20.11 Uhr: In Kabul herrscht Chaos, das Ausmaß der Anschläge ist noch nicht abzusehen. Augenzeugen berichten afghanischen Fernsehsendern von dem Attentat. »Die Explosion war wirklich gewaltig«, sagt ein Mann. »Die Hälfte wurde ins Wasser geschleudert, die anderen lagen draußen auf dem Boden. Wir haben die Verwundeten auf Tragen hergetragen.« Sehen Sie die Aussagen hier im Video.

Maas: Bisher keine Informationen über deutsche Opfer

20.04 Uhr: Bei den Anschlägen vor dem Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es nach den bisherigen Erkenntnissen des Auswärtigen Amts keine deutschen Opfer gegeben. »Wir haben zurzeit keine Informationen über deutsche Opfer«, sagte Außenminister Heiko Maas am Donnerstag in Berlin. Er sprach von zwei aufeinanderfolgenden Anschlägen. Ein erster »ekelhafter Anschlag« mit zahlreichen Toten und Verletzten habe sich Minuten vor dem Start der letzten Evakuierungsmaschine der Bundeswehr in Kabul ereignet. »Kurz danach gab es noch einen weiteren Anschlag.« Die Bilder aus Kabul seien »grauenhaft, und sie gehen jedem bis ins Mark«.

EU-Spitzen fordern Kampf gegen Terrorismus

19.31 Uhr: Die Spitzen der EU haben nach dem Anschlag am Flughafen von Kabul zu einer entschlossenen Fortsetzung des Kampfes gegen den Terrorismus aufgerufen. »Die internationale Gemeinschaft muss eng zusammenarbeiten, um ein Wiederaufflammen des Terrorismus in Afghanistan und an anderen Orten zu verhindern«, forderte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. EU-Ratspräsident Charles Michel kommentierte: »Wir müssen sicherstellen, dass die derzeitige Instabilität nicht zu einer Wiederholung des Terrorismus führt.«

Beide forderten zudem, alles zu tun, um die Sicherheit der Menschen am Flughafen von Kabul zu gewährleisten. Ein sicherer Zugang bleibe unverzichtbar, so Michel. Ähnlich äußerte sich auch EU-Parlamentspräsident David Sassoli. Er schrieb auf Twitter: »Die EU-Staaten müssen die Kraft finden, die europäischen Bürger und diejenigen, die sich bedroht fühlen, in Sicherheit zu bringen.«

Alle deutschen Soldaten aus Kabul ausgeflogen

19.21 Uhr: Alle deutschen Angehörigen der Evakuierungsmission in Kabul sind nach Angaben von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mittlerweile ausgeflogen und befinden sich in Taschkent. Dies gelte auch für zwei Bundeswehrsoldaten, die zunächst hätten zurückgelassen werden müssen. Sie seien mit dem Krankenhaus-Airbus am Abend evakuiert worden.

Johnson kündigt Fortsetzung der britischen Evakuierungen an

19.10 Uhr: Premierminister Boris Johnson kündigt eine Fortsetzung des britischen Evakuierungseinsatzes an. Zu möglichen Urhebern des Anschlages am Flughafen macht Johnson keine Angaben. Zudem warnte die britische Regierung nach eigenen Angaben Fluggesellschaften davor, im afghanischen Luftraum unterhalb von 25.000 Fuß (ca. 8 km) zu fliegen.

Merkel verurteilt »niederträchtigen Anschlag«

18.59 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht angesichts der Anschläge vor dem Flughafen Kabul von einer »bedrückenden Nachricht«. »Dies ist ein absolut niederträchtiger Anschlag«, sagt sie. Es habe offenbar auch US-Soldaten getroffen, so die Kanzlerin. Man gehe von einem oder mehrere Selbstmordanschläge aus.

Weiterhin betonte Merkel, dass sich Deutschland auch nach dem Ende der Evakuierung um von den Taliban bedrohte Menschen kümmern werde.

Baerbock: außenpolitisches Desaster der Bundesregierung

18.57 Uhr: Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wirft der Bundesregierung ein »außenpolitisches Desaster« vor. Es sei seit Monaten klar gewesen, dass Deutschland Personen aus Afghanistan rausholen müsse. Es habe immer wieder Warnungen gegeben, sagt Baerbock dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Für andere Einsätze der Bundeswehr bedeute dies, Ziele müssten immer ganz klar definiert und überprüft werden. »Jeder Einsatz muss eine Exit-Perspektive haben.«

Treffen von Biden und Bennett wegen Anschlag in Afghanistan verzögert

18.53 Uhr: Der Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett im Weißen Haus hat sich am Donnerstag wegen der dramatischen Entwicklungen in Afghanistan zunächst verzögert. Das Weiße Haus teilte mit, das Treffen von US-Präsident Joe Biden und Bennett werde nicht zum ursprünglich angesetzten Zeitpunkt stattfinden. Die beiden hatten eigentlich gegen 17.30 Uhr MESZ zusammenkommen sollen. Ob das Treffen wegen des Doppelanschlags außerhalb des Flughafens in Kabul nur verspätet stattfinden wird oder ganz abgesagt werden könnte, blieb zunächst offen. Ein anderer Termin Bidens – eine Schalte mit Gouverneuren später am Donnerstag – wurde vom Weißen Haus gestrichen.

Nach Explosion: Transportflugzeug der Bundeswehr landet in Kabul

18.36 Uhr: Nach dem Anschlag in Kabul hat die Bundeswehr am Donnerstag ein für die Versorgung von Verletzten ausgerüstetes Transportflugzeug A400M zurück zum Flughafen der afghanischen Hauptstadt geschickt. Die für mögliche Notfälle im Luftraum über Kabul bereitgehaltene Maschine landete am Abend nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur außerplanmäßig und bot den US-Amerikanern Hilfe bei der Versorgung an. Zudem wurden zwei deutsche Soldaten aufgenommen, die während des Chaos nach der Explosion vor dem Flughafen noch am Boden geblieben waren.

EU-Innenminister wollen am Dienstag über Flüchtlinge aus Afghanistan beraten

18.15 Uhr: Die EU-Innenminister beraten am kommenden Dienstag in einer Sondersitzung über die Lage in Afghanistan. Das teilte die slowenische EU-Präsidentschaft am Donnerstag mit. Ein Sprecher der EU-Kommission forderte die Mitgliedstaaten auf, bis Mitte September »genaue Zusagen zu Kontingenten« zur Aufnahme von afghanischen Flüchtlingen zu machen.

Besonders gefährdeten Afghanen sollten »sichere Wege« nach Europa ermöglicht werden, sagte der Kommissionssprecher. EU-Mitgliedstaaten oder Länder, die sich an der Nato-Mission in Afghanistan beteiligten, hätten eine »Sorgfaltspflicht – sei es vor oder nach dem Ablauf der Frist«.

Laut Taliban: mindestens 52 Verletzte in Kabul, Zahl der Toten unklar

18.10 Uhr: Angaben der militant-islamistischen Taliban zufolge sind bei dem Anschlag am Flughafen Kabul mindestens 52 Menschen verletzt worden. Es habe auch Tote gegeben, allerdings sei die Zahl noch unklar, sagte der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid dem lokalen TV-Sender ToloNews.

Die Nichtregierungsorganisation Emergency hatte zuvor auf Twitter mitgeteilt, dass mindestens sechs Menschen getötet und mehr als 60 weitere verletzt worden sein.

NATO-Generalsekretär verurteilt Anschläge

18.08 Uhr: NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat sich entsetzt über die jüngsten Ereignisse in der afghanischen Hauptstadt geäußert. »Ich verurteile den grausamen Terroranschlag vor dem Flughafen Kabul auf das Schärfste«, teilte er am Donnerstag mit. Priorität der Nato bleibe es, möglichst schnell möglichst viele Menschen in Sicherheit zu bringen. Seine Gedanken seien bei allen Betroffenen des Anschlags und ihren Angehörigen.

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Frankreich will noch »mehrere hundert« Afghanen aus Kabul retten

17.59 Uhr: Ungeachtet der Anschläge in Kabul will Frankreich seine Evakuierungsflüge nach Möglichkeit fortsetzen. Präsident Emmanuel Macron sagte bei einem Besuch in Dublin, sein Land werde alles versuchen, um noch »mehrere hundert Menschen« aus Afghanistan zu retten.

Macron sagte, es warteten noch 20 Busse mit Afghanen und binationalen Staatsangehörigen in der Nähe des Kabuler Militärflughafens, die Frankreich über die Vereinigten Arabischen Emirate ausfliegen wolle. Es gebe aber keine Garantie, dass dies gelinge, »denn wir haben die Sicherheitslage nicht unter Kontrolle«.

Rettungsflüge der Bundeswehr aus Kabul beendet

17.04 Uhr: Die letzten Maschinen der Bundeswehr zur Rettung von Deutschen und einheimischen Mitarbeitern aus Afghanistan sind am Donnerstag abgehoben. Die letzten drei Flugzeuge starteten nach SPIEGEL-Informationen am frühen Abend vom Flughafen Kabul aus mit dem Ziel Taschkent in Usbekistan. Damit sind nun alle deutschen Soldaten aus Afghanistan ausgeflogen. Hier geht es zu unserer Meldung.

SPIEGEL-Reporter von US-Armee abgeschoben

16.10 Uhr: Die US-Armee hat am Donnerstag den SPIEGEL-Reporter und Afghanistan-Spezialisten Christoph Reuter gegen seinen Willen vom Kabuler Flughafen nach Doha ausgeflogen – und mit ihm zwei weitere deutsche Journalisten. Sie waren am Mittwochmittag mit einem Rettungsflug in Kabul gelandet und wollten über die Lage in Afghanistan berichten. Zudem wollten sie sich um die Ausreise von lokalen Mitarbeitern sowie von deren Angehörigen bemühen.

Explosion vor dem Flughafen Kabul

16.05 Uhr: Am Kabuler Flughafen ist es zu einer Explosion gekommen. Das bestätigte das US-Verteidigungsministerium. Nach ersten Erkenntnissen soll es sich um einen Selbstmordanschlag handeln. Hier geht es zu unserer Meldung.

Merkel sagt Israel-Reise ab

15.50 Uhr: Angela Merkel hat die für den 28. bis 30. August geplante Reise nach Israel wegen der dramatischen Entwicklung in Afghanistan abgesagt. Beide Seiten seien sich einig, dass der Besuch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden solle, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag mit.

Immer mehr Afghanen wollen nach Pakistan

15.35 Uhr: Immer mehr Afghanen verlassen ihr Heimatland in Richtung Pakistan. Aktuell überquerten jeden Tag mindestens 1000 Afghanen die Grenze bei Spin Boldak/Chaman, berichtet die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf einen Grenzbeamten. Zuvor seien es an normalen Tagen etwa 4000 gewesen.

Der zweite wichtige Grenzübergang nach Pakistan, Torkham, ist aktuell nur eingeschränkt geöffnet. Afghanen können dort nicht nach Pakistan ausreisen, sondern nur aus Pakistan in ihre Heimat zurückkehren. Afghanen, die keine Dokumente haben, flüchten aber auch illegal mit Menschenschmugglern ins Nachbarland.

Einem Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Islamabad zufolge beobachte man die Situation an der Grenze genau. Es scheine noch keinen großen Zustrom zu geben, sagte Qaiser Afridi. Es sei unklar, wie sich die Situation entwickle, wenn die Evakuierungsflüge der westlichen Länder vom Flughafen Kabul in wenigen Tagen endeten.

Ein pakistanischer Behördenvertreter sagte, die Schätzungen reichten von 300.000 bis 800.000 Flüchtlingen, die ins Land kommen könnten. Eine Möglichkeit sei aber auch, dass sich die Lage in Afghanistan beruhige und Hunderttausende afghanische Flüchtlinge, die bereits seit Jahren in Pakistan lebten, in ihre Heimat zurückkehrten.

Auch Kanada hat Evakuierungen gestoppt

15.05 Uhr: Vor dem Abzug der US-Truppen aus Kabul haben die kanadischen Streitkräfte ihre Evakuierungsmission beendet. Dies verkündete der befehlshabende General Wayne Eyre am Donnerstag, wie das kanadische Verteidigungsministerium bestätigte. Etwa 3700 Menschen seien vom Militär in den vergangenen Tagen außer Landes gebracht worden. Kanada hatte wie auch europäische Staaten auf eine Verlängerung der Evakuierungsaktion gepocht, die amerikanische Abzugsankündigung zwingt das Land jedoch zum Ende der Operation.

Belgien, Dänemark und Polen haben die Evakuierungen bereits eingestellt, die Niederlande planten das noch für Donnerstag, Frankreich für Freitag. Die USA wollen ihre Truppen bis zum kommenden Dienstag aus Kabul abziehen.

Laschet nennt Ende der Rettungsflüge »bittere Enttäuschung«

14.45 Uhr: Armin Laschet hat das nahende Ende der Evakuierungsflüge aus Kabul als erneute »Niederlage des Westens« gegenüber den Taliban bezeichnet. Dass besonders die USA, die nach dem Zweiten Weltkrieg für die Deutschen einmal eine Luftbrücke nach Berlin erfunden hätten, sich nicht in der Lage sähen, länger als bis zum 31. August in Afghanistan zu bleiben, »ist eine bittere Enttäuschung.« Das sagte der Kanzlerkandidat der Union am Donnerstag in Düsseldorf.

Auch über den 31. August hinaus müsse das Ziel sein, Menschen auf zivilem Luftfahrtweg oder auf dem Landweg aus Afghanistan herauszubringen.

Für die die deutsche Außenpolitik bedeute das: »So etwas darf nie wieder passieren«, sagte der CDU-Politiker. Daher sei künftig ein Nationaler Sicherheitsrat im Bundeskanzleramt nötig. Der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr soll wegen des bevorstehenden Abzugs der US-Streitkräfte vom Flughafen und der wachsenden Terrorgefahr nach SPIEGEL-Informationen noch heute enden.

Laschet hatte in Düsseldorf zu einem Runden Tisch mit Vertretern von Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen eingeladen, an dem auch die Frauenrechtlerin Zarifa Ghafari, Bürgermeisterin von Maidan Shar, teilnahm. Ghafari war vor einigen Tagen nach Deutschland geflüchtet und mit ihrer Familie in Düsseldorf aufgenommen worden.

Ghafari bot der Taliban-Führung an, mit ihr über die Rechte der Frauen in Afghanistan zu verhandeln. Sie sei dafür sogar bereit, nach Afghanistan zurückzukehren. »Ich bin bereit, mit ihnen zu reden, überall auf der Welt«, sagte Ghafari. 20 Jahre hätten die Frauen hart gekämpft, alle Rechte zu bekommen, nun sei alles fort. Die Taliban könnten Afghanistan aber nicht ohne die Frauen aufbauen.

Laschet sagte, besonders bedrohten und leicht identifizierbaren Frauen wie Bloggerinnen und Menschenrechtlerinnen müsse zuerst geholfen werden. »Wir erwarten von den Taliban, dass den Frauen freies Geleit gewährt wird.«

Seehofer unterstützt Aufnahme weiterer Ortskräfte

14.20 Uhr: Die Bundesregierung will sich nach den Worten von Innenminister Horst Seehofer auch nach dem Ende der militärischen Evakuierung um die rasche Aufnahme von ehemaligen Ortskräften und anderen besonders schutzbedürftigen Menschen aus Afghanistan bemühen. »Das Wichtigste sind die Gespräche mit den Taliban, dass die Menschen sicher ausfliegen können«, sagte der CSU-Politiker am Donnerstag nach einer Sitzung des Innenausschusses des Bundestages in Berlin.

Mit Blick auf einzelne abgeschobene Straftäter, denen es gelungen war, über die Evakuierungsflüge nach Deutschland zu gelangen, sagte Seehofer, diese hätten ihre Unterlagen gefälscht. »Wenn man eine unbürokratische Lösung will, bekommt man auch ein gewisses Risiko, aber in einer Notsituation nehmen wir das Risiko in Kauf«, fügte er hinzu.

Angesichts der aktuellen Notsituation könne eine Sicherheitsüberprüfung von Einzelnen erst in Deutschland stattfinden. »Und das hat auch die Kehrseite: Die Leute sind dann da.« Auch wenn es sich bisher nur um eine niedrige Zahl von Fällen im einstelligen Bereich handele, »sie sind da und wir können sie jetzt nicht nach Afghanistan abschieben, also können wir sie nur überwachen.« Dennoch sei es in einer Notsituation richtig, unbürokratisch zu handeln, um ehemalige Ortskräfte deutscher Institutionen und Menschen mit besonderem Schutzbedarf außer Landes zu bringen. Dazu zählten beispielsweise afghanische Frauen, die sich besonders für Menschenrechte engagiert haben. Dies stehe nicht im Widerspruch zum generellen Ziel des Bundesinnenministeriums, die Migration nach Deutschland zu steuern und zu begrenzen.

Talibankämpfer sollen afghanische Journalisten in Kabul geschlagen haben

13.53 Uhr: Zwei Mitarbeiter des beliebten afghanischen Fernsehsenders »ToloNews« sind in Afghanistan eigenen Angaben zufolge von militant-islamistischen Taliban misshandelt worden. Der Reporter Siar Jad und sein Kameramann seien am Mittwoch im Zentrum der Hauptstadt Kabul geschlagen worden, als sie gerade an einem Bericht arbeiteten, teilte »ToloNews« am Donnerstag auf Twitter mit.

Die Mitarbeiter hätten Tagelöhner und Arbeitslose für einen Beitrag gefilmt, als Taliban-Kämpfer sie plötzlich schlugen. Der Grund dafür sei unbekannt. Der Reporter Jad selbst schrieb auf Twitter, die Taliban seien plötzlich aus ihrem gepanzerten Landcruiser ausgestiegen und hätten ihn mit vorgehaltener Waffe geschlagen. Auch Kameras, technische Geräte und sein persönliches Handy seien gekapert worden. Ein Vertreter der Taliban habe zu "ToloNews" gesagt, der Fall werde »ernsthaft« untersucht.

Nach der Machtübernahme Anfang August hatten die Taliban erklärt, dass Medien normal weiter arbeiten könnten. Während ihrer früheren Herrschaft in den 1990er-Jahren gab es keine Pressefreiheit.

Kramp-Karrenbauer warnt vor wachsender Terrorgefahr am Flughafen Kabul

13.40 Uhr: Nach Berichten der Bundeswehr hat nun auch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer vor einer immer weiter wachsenden Terrorgefahr um den Flughafen in Kabul gewarnt. »Wir wissen, dass die Terrordrohungen sich massiv verschärft haben, dass sie deutlich konkreter geworden sind«, sagte sie am Donnerstag in Berlin. »Wir befinden uns jetzt in der sicherlich hektischsten, in der gefährlichsten, in der sensibelsten Phase.«

Der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr soll wegen des bevorstehenden Abzugs der US-Streitkräfte vom Flughafen und der wachsenden Terrorgefahr in Kürze enden. Am Donnerstag flog die Bundeswehr aber Kabul noch an. Die deutsche Botschaft hat bereits am Mittwoch davor gewarnt, zum Flughafen zu kommen.

Letzte Evakuierungsmaschine der Bundeswehr in Taschkent gelandet

13.30 Uhr: Die letzte Bundeswehr-Maschine mit vorrangig Schutzbedürftigen an Bord ist in Taschkent gelandet. Um 11.04 Uhr ist der Militärtransporter vom Typ A400M mit 154 Schutzsuchenden in der usbekischen Hauptstadt angekommen, wie das Einsatzführungskommando auf Twitter mitteilte.

Drei weitere Maschinen werden am Donnerstag noch folgen, diese sollen aber nach SPIEGEL-Informationen hauptsächlich Einsatzkräfte der Bundeswehr aus der afghanischen Hauptstadt ausfliegen. Zwar sollen auch auf diesen Flügen noch Schutzbedürftige mitgenommen werden, die immer schlechter werdende Sicherheitslage am Flughafen der afghanischen Hauptstadt macht es aber fast unmöglich, noch weitere Menschen an den Airport zu bringen und auszufliegen.

Mehrere Staaten, unter anderem die USA und Großbritannien, haben ihre Landsleute vor einer akuten Anschlagsgefahr gewarnt. Schon am Mittwoch gab es immer wieder konkrete Anschlagswarnungen für die Gebiete vor allen Toren des militärischen Teils des Airports. Befürchtet wurden Terrorattacken des »Islamischen Staats«, dem es leicht möglich wäre, in den Menschenmassen von Ausreisewilligen eine Bombe zu zünden.

Seit Tagen drängen sich an den Eingängen zum Flughafen tausende Menschen, die wegen der Machtübernahme der Taliban auf einen Platz an Bord eines Evakuierungsfluges hoffen.

Ein Flugzeug der deutschen Luftwaffe in Taschkent, Usbekistan

Ein Flugzeug der deutschen Luftwaffe in Taschkent, Usbekistan

Foto: Marc Tessensohn / dpa

AfD will keine zivile Luftbrücke zwischen Afghanistan und Deutschland

13.05 Uhr: Die AfD sieht zivile Flüge zur Evakuierung von Menschen aus Afghanistan skeptisch. »Wir müssen aufpassen, dass nach dem absehbaren Ende der militärischen Evakuierungsflüge nicht eine permanente zivile Luftbrücke von Kabul nach Deutschland eingerichtet wird«, sagte der Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alexander Gauland, am Donnerstag. Deutschland würde dadurch die Kontrolle darüber verlieren, wer ins Land kommt.

Die Unterbringung von Afghanen, die nicht unter den militant-islamistischen Taliban leben könnten oder wollten, müsse aus Sicht der AfD vornehmlich in der Region erfolgen. Es dürfe keine unkontrollierte Zuwanderung von Afghanen geben. Gauland sagte: »Wenn schon bei den derzeitigen Evakuierungsflügen der Bundeswehr die Identitäten der Fluggäste nicht oder nur unzureichend kontrolliert und dadurch sogar abgeschobene Straftäter wieder nach Deutschland geholt werden, mag man sich gar nicht vorstellen, wer alles in die zivilen Linienmaschinen steigen würde, wenn in Kabul keinerlei Kontrollen mehr durch deutsche Behördenvertreter stattfinden.«

Türkei führt weiter Gespräche zur Sicherung des Kabuler Flughafens

11.45 Uhr: Trotz des Abzugs der türkischen Streitkräfte aus Afghanistan ist die Sicherung des Flughafens in Kabul durch die Türkei noch nicht vom Tisch. »Nachdem unsere Soldaten abgezogen sind, können wir den Betrieb des Flughafens fortsetzen. Die Gespräche laufen weiter», sagte Präsidentensprecher Ibrahim Kalin am Mittwochabend dem Sender NTV. Der Abzug, der am Mittwoch begonnen hatte, werde 36 Stunden dauern.

Der Flughafen in Kabul wurde bisher unter anderem von türkischen Soldaten gesichert, teils wurde auch der Service für den Flugbetrieb bereitgestellt. Bereits vor der Machtübernahme der Taliban waren unter anderem mit den USA Gespräche darüber geführt worden, ob die Türkei den Flughafen weiter sichern und betreiben könnte. Die Türkei hatte sich mehrmals dazu bereit erklärt, die Taliban hatten das jedoch abgelehnt.

Angesichts einer möglichen Zunahme von Migration aus Afghanistan betonte Kalin, dass die Türkei nicht bereit sei, weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Man sei »niemandes Flüchtlings-Lagerhalle«, sagte er. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte bereits vergangene Woche gesagt, die Türkei sei nicht das Flüchtlingslager Europas.

Albanien und Kosovo wollen Afghanen aufnehmen

11.05 Uhr: Die Balkanländer Albanien und Kosovo haben ihre Bereitschaft bekräftigt, Tausende Afghanen zumindest vorübergehend aufzunehmen. Albanien werde etwa 4000 Menschen, die als Ortskräfte für die Nato-Mission in Afghanistan tätig gewesen seien, sowie ihren Angehörigen Aufenthalt gewähren, erklärte Ministerpräsident Edi Rama dem US-Nachrichtensender CNN.

»Wir sind bereit, jene Afghanen aufzunehmen, die an uns als Nato geglaubt haben, die mit uns zusammengearbeitet haben und denen wir (in Afghanistan) nicht helfen können, wenn sie in Gefahr sind, getötet zu werden«, sagte er. Für die Betroffenen sei dies eine Frage auf Leben und Tod, für die Nato-Partner wiederum »eine schwere moralische Frage«, fügte er hinzu. Grundsätzlich sei geplant, dass die Menschen in den USA dauerhaft Asyl fänden. Albanien werde aber niemandem die Tür weisen, der wegen seiner Tätigkeit für die Nato-Mission Schutz benötige, sagte er.

Auch das Kosovo will 2000 evakuierte Afghanen aufnehmen. Dies sagte Innenminister Xhelal Svecla nach Berichten von Medien in Pristina. Sie könnten bis zu einem Jahr im Land bleiben, bis für sie eine dauerhafte Lösung gefunden sei, sagte er.

Draghi fordert mehr Einsatz von G20-Staaten für Rechte afghanischer Frauen

11 Uhr: Italiens Regierungschef hat nach der Eroberung Kabuls durch die Taliban von den G20-Staaten gefordert, alles zu tun, um die Rechte von Frauen in Afghanistan zu schützen. »Afghanische Frauen und Mädchen stehen kurz davor, Freiheit und Würde zu verlieren«, ließ Mario Draghi anlässlich der Konferenz der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer zur Stärkung der Rolle von Frauen am Donnerstag mitteilen.

Die G20 müssten vor allem deren Recht auf Bildung wahren sowie den Fortschritt, der in den vergangenen 20 Jahren erreicht worden sei. »Als G20-Staaten haben wir eine Pflicht nicht nur gegenüber unseren Bürgern, sondern auch gegenüber der Weltgemeinschaft«, hieß es in Draghis Botschaft weiter.

Während der ersten Herrschaft der Taliban war die vollständige Verhüllung für Frauen Pflicht

Während der ersten Herrschaft der Taliban war die vollständige Verhüllung für Frauen Pflicht

Foto: Jalil Rezayee / dpa

Eingang zu Kabuler Flughafen laut Augenzeuge noch voller als sonst

10.37 Uhr: Trotz der Terrordrohungen ist an einem Eingang zum Flughafen Kabul die Zahl der dort versammelten Menschen erneut gestiegen. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf einen Augenzeugen. Dieser befinde sich den dritten Tag bei einem Tor am östlichen Teil des Flughafens. So viele Menschen habe er an keinem Tag davor gesehen. Die Menschen stünden »so eng aneinander wie Ziegel einer Mauer«. Man könne keinen Meter weit kommen. Er sei rund 200 Meter vom Eingang entfernt, und es würde das Leben seines Kindes oder seiner Frau kosten, wenn er versuchte, diese 200 Meter zu überwinden.

In einem von dem Augenzeugen übermittelten Video sieht man laut der Agentur Menschen mit Dokumenten in der Hand winken, die Schulter an Schulter in der prallen Sonne stünden. In der Menge seien auch Kinder und Frauen, man höre Babys weinen.

Seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban versuchen Tausende Menschen, aus Afghanistan zu fliehen. Seit mehr als einer Woche versammeln sie sich rund um verschiedene Eingänge des Flughafens, um auf einen Evakuierungsflug zu kommen.

Die deutsche Botschaft in Afghanistan und andere Stellen warnen aktuell vor Terrorgefahr rund um den Flughafen. Die US-Botschaft forderte US-Bürger, die sich derzeit am Abbey Gate, East Gate oder North Gate aufhielten, dazu auf, das Gebiet »sofort« zu verlassen.

Bundesregierung will mit Taliban weiter zivile Evakuierungsaktion aushandeln

10.28 Uhr: Die Bundesregierung hofft weiter darauf, mit den radikalislamischen Taliban zivile Evakuierungsmöglichkeiten aus Afghanistan nach Ende der militärischen Luftbrücke auszuhandeln. Das sagte Außen-Staatsminister Niels Annen den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Donnerstag. Er nannte es »bedauerlich, dass wir die Luftbrücke nicht weiterführen können.«

»Die Bundesregierung hat seit Beginn der Evakuierung auf mehreren Ebenen nach Lösungen parallel zur Luftbrücke gesucht«, betonte Annen. »Wir sind daher im Gespräch mit den Taliban in Doha wie auch mit Nachbarländern Afghanistans – etwa Pakistan –, um die Evakuierung auf ziviler Basis auch nach dem 31. August weiterzuführen.«

Der deutsche Botschafter Markus Potzel, der in Doha mit den Taliban verhandelt, erklärte am Mittwoch, die Islamisten hätten zugesagt, auch nach dem vollständigen Abzug der internationalen Truppen weiter Afghanen aus dem Land ausreisen zu lassen. Der Taliban-Chefunterhändler Scher Mohammed Abbas Staniksai habe zugesichert, Afghanen »mit gültigen Dokumenten« könnten das Land nach dem 31. August mit kommerziellen Flügen verlassen.

Dänemark beendet Evakuierung aus Kabul

10.18 Uhr: Dänemark hat die Evakuierung der Botschaftsmitarbeiter und ihrer Familien aus der afghanischen Hauptstadt Kabul abgeschlossen. »Es ist nicht mehr sicher, vom Flughafen Kabul zu fliegen«, sagte Verteidigungsministerin Trine Bramsen am Mittwochabend der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau. Die letzte Maschine sei in Islamabad gelandet. An Bord waren 90 Evakuierte, die letzten dänischen Angestellten, Soldaten und Diplomaten aus Kabul, so die Ministerin. Dänemark hat in den letzten Tagen rund tausend Menschen aus Afghanistan evakuiert.

Frankreich will seinen Evakuierungseinsatz in Afghanistan nach den Worten von Premierminister Jean Castex am Freitag beenden. »Von morgen Abend an können wir nicht länger Evakuierungen vom Flughafen Kabul aus durchführen«, sagte Castex am Donnerstagmorgen dem französischen Sender RTL. Frankreichs Regierung begründet den anvisierten Abbruch des Rettungseinsatzes mit dem bevorstehenden Truppenabzug der USA.

Frankreich hat nach jüngsten Angaben des Außenministeriums seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban mehr als 2000 Afghanen nach Frankreich ausgeflogen.

Letzte Bundeswehrmaschinen sind Richtung Kabul gestartet

10 Uhr: Die Bundeswehr ist in den wohl vorerst letzten Tag ihrer Evakuierungsmission für Deutsche und einheimische Ortskräfte in Afghanistan gestartet. Gegen 9.42 Uhr hob in Kabul ein Militärtransporter vom Typ A400M mit 150 Schutzsuchenden in Richtung Taschkent in Usbekistan ab, wie das Einsatzführungskommando auf Twitter mitteilte. Drei weitere Maschinen sollen am Donnerstag noch folgen.

Am Vorabend hatte die Bundeswehr mit dem letzten von mehreren Flügen am Mittwoch 167 Menschen aus der afghanischen Hauptstadt ausgeflogen. »Insgesamt 5193 Personen konnten seit Beginn der Evakuierungsmission durch die Bundeswehr in Sicherheit gebracht werden – allein gestern waren es 539 zu Schützende«, schrieb das Verteidigungsministerium am Donnerstag auf Twitter. »Wir evakuieren bis zur letzten Sekunde.«

Das Zeitfenster für Evakuierungen von afghanischen Ortskräften der Bundeswehr schließt sich: Nach SPIEGEL-Informationen soll schon am Donnerstag die letzte A400M-Maschine der Bundeswehr aus Kabul abheben.

Grund ist die immer schlechter werdende Sicherheitslage am Flughafen der afghanischen Hauptstadt, die es fast unmöglich macht, noch weitere Schutzbedürftige an den Airport zu bringen und auszufliegen.

Schon am Mittwoch gab es immer wieder konkrete Anschlagswarnungen für die Gebiete vor allen Toren des militärischen Teils des Airports. Befürchtet wurden Terrorattacken des »Islamischen Staats« (IS), dem es leicht möglich wäre, in den Menschenmassen von Ausreisewilligen eine Bombe zu zünden.

Baden-Württemberg will schnelles Bund-Länder-Treffen zu Afghanistan

08.55 Uhr: Baden-Württemberg hat den Bund aufgefordert, die Bundesländer so schnell wie möglich zu einem gemeinsamen Gespräch über Hilfen für gefährdete Menschen in Afghanistan einzuladen. In einem Brief der Stuttgarter Staatskanzlei von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) an das Kanzleramt heißt es, bei dem Treffen müsse es einen Lagebericht geben und über »aktuelle Überlegungen für ein Bundesaufnahmeprogramm und mögliche flankierende Maßnahmen der Länder« gesprochen werden.

Wörtlich schreibt Staatskanzleichef Florian Stegmann an Kanzleramtschef Helge Braun: »Dabei ist es auch wichtig, wie wir neben Deutschen und Ortskräften, die sich noch in Afghanistan befinden, auch vielen gefährdeten Personen vor Ort helfen können.« Das Land wünscht sich darüber hinaus, dass »mögliche weitere Handlungsoptionen« über das baldige Ende der direkten Evakuierungen hinaus dargestellt werden.

Der Staatsminister weist darauf hin, dass die Länder »durch die Aufnahme und Integration der nun zu uns kommenden Menschen in erster Linie betroffen« seien. Das Ziel eines Bund-Länder-Treffens müsse sein, »zu einer abgestimmten, gut koordinierten und möglichst wirkungsvollen Hilfe für die gefährdeten Menschen zu kommen«.

Großbritannien spricht von Hinweisen auf unmittelbar bevorstehenden Anschlag

08.53 Uhr: Es gebe »sehr, sehr glaubhafte« Hinweise von Geheimdiensten, dass ein Anschlag auf die vor dem Flughafen wartende Menschenmenge unmittelbar bevorstehe, sagt der Staatssekretär im britischen Verteidigungsministerium, James Heappey. »Ich kann nur sagen, dass die Bedrohung sehr ernst ist«, sagt er der BBC.

FDP: Verhandlungen mit Taliban »zwingend nötig«

08.47 Uhr: Der FDP-Außenexperte Alexander Graf Lambsdorff hält Gespräche mit den radikalislamischen Taliban für unerlässlich. »Es kann sein, dass die Taliban sich nicht geändert haben, aber dennoch muss man mit ihnen reden, aber gleichzeitig Druck aufbauen«, sagte er im ZDF. Es sei richtig gewesen, die deutsche Entwicklungshilfe für Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban einzustellen.

Die Taliban seien auf ausländische Hilfe angewiesen, die wirtschaftliche Lage im Land sei katastrophal. »Das Reden ist zwar unerfreulich, aber zwingend nötig. Aber es muss vor dem Hintergrund einer Druckkulisse stattfinden«, betonte Lambsdorff. Es müsse mit den Taliban darüber verhandelt werden, den Deutschen, die noch vor Ort sind, nach dem Ende der militärischen Evakuierungsmission am Flughafen eine Ausreise über zivile Flüge zu ermöglichen.

Lambsdorff beklagte unklare Vorgaben für die Rettung afghanischer Ortskräfte. Die Antworten der Bundesregierung auf die Frage, wer ausreiseberechtigt sei, seien »total vage« ausgefallen. »Das sind ja Menschen, die 20 Jahre teilweise für Deutschland gearbeitet haben – für unsere Botschaft, für die Entwicklungszusammenarbeit, für die Bundeswehr«, sagte der FDP-Politiker. Viele von ihnen müssten nun fürchten, »durch das Raster zu rutschen«. Dies sei eine »wirklich beschämende Situation«.

Frauen sollen laut Taliban zunächst zu Hause bleiben

7.21 Uhr: Die Angst der Frauen und Mädchen in Afghanistan wächst, nachdem die radikalislamischen Taliban berufstätige Frauen aufgefordert haben, zu Hause zu bleiben.

Taliban-Sprecher Zabiullah Mudschahid sagte auf einer Pressekonferenz, dass Frauen zu ihrer eigenen Sicherheit nicht arbeiten gehen sollten.

Mudschahid sagte, die Anweisung sei nur vorübergehend und würde es den Taliban ermöglichen, Wege zu finden, um sicherzustellen, dass Frauen nicht »respektlos behandelt« oder »Gott bewahre, verletzt« würden. Er räumte ein, dass die Maßnahme notwendig sei, weil sich die Soldaten der Taliban »ständig verändern und nicht ausgebildet sind«.

Er sagte weiter: »Wir freuen uns, wenn sie die Gebäude betreten, aber wir wollen sichergehen, dass sie sich keine Sorgen machen müssen. Deshalb haben wir sie gebeten, eine Auszeit von der Arbeit zu nehmen, bis sich die Situation wieder normalisiert hat.« Bis dahin wolle man den Umgang mit Frauen geregelt haben.

Zwischen 1996 und 2001, der ersten Herrschaft der Taliban, durften Frauen nicht arbeiten und Mädchen nicht zur Schule gehen. Sie durften das Haus nur in Begleitung eines männlichen Vormunds verlassen und mussten sich vollständig mit der Burka verhüllen.

Sicherheitslage laut Uno insgesamt weitgehend ruhig

05.55 Uhr: Die Situation in Kabul bleibt extrem angespannt, offenbar gibt es konkrete Hinweise auf mögliche Terroranschläge rund um den Flughafen. Die allgemeine Sicherheitslage in Afghanistan ist seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban allerdings weitgehend ruhig. Das geht aus einem wöchentlichen Bericht der Uno-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe hervor, der am Mittwochabend veröffentlicht wurde. In den allermeisten Regionen des Landes sei die Sicherheitssituation im Berichtszeitraum – der Woche nach der Taliban-Machtübernahme – vergleichsweise ruhig.

In dem Bericht hieß es, im Süden seien Zivilistinnen und Zivilisten weiter von Explosionen durch am Straßenrand versteckte Bomben betroffen gewesen oder von Kugeln durch Freudenschüsse in den Provinzhauptstädten. Die großen Krankenhäuser in der südlichen Region hätten zudem eine große Zahl an Patienten aufgenommen, die bereits früher verletzt worden waren, wegen andauernder Gefechte und Straßensperren aber keine Möglichkeit gehabt hätten, in Krankenhäuser zu kommen.

Taliban an einem Checkpoint in Kandahar, im Süden von Afghanistan

Taliban an einem Checkpoint in Kandahar, im Süden von Afghanistan

Foto: STRINGER / EPA

Im Nordosten habe es Berichte über Gefechte in den Bezirken Pul-i Hisar, Dih Salah und Bano der Provinz Baghlan gegeben. Einem Bericht der »New York Times« zufolge hatten Hausdurchsuchungen durch die Taliban diese Gefechte mit lokalen Milizen ausgelöst. Aus den Provinzen Kabul und Pandschir seien mehrere Sicherheitsvorfälle und Gewalttaten gemeldet worden. Allerdings gibt es in dem Bericht keine Details hierzu.

Warnungen aus den USA, Großbritannien und Australien

02.30 Uhr: »Verlassen Sie sofort den Flughafen«: Mehrere Staaten haben ihre Landsleute vor einer akuten Gefahr an dem Verkehrsdrehkreuz in der afghanischen Hauptstadt gewarnt. Dort wächst offenbar das Anschlagsrisiko. Die komplette Meldung finden Sie hier.

Nach Geburt bei Evakuierung: Afghanisches Baby nach Flugzeug benannt

Medizinische Versorgung an Bord der US-Maschine

Medizinische Versorgung an Bord der US-Maschine

Foto: EDGAR GRIMALDO / AFP

00.30 Uhr: Das an Bord eines US-Transportflugzeugs zur Welt gekommene afghanische Baby ist nach Militärangaben von den Eltern nach dem Flugzeug benannt worden. Das Mädchen, das auf dem deutschen US-Stützpunkt Ramstein geboren wurde, heiße nun nach dem Rufzeichen der Maschine »Reach«, erklärte der Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa, General Tod Wolters, am Mittwoch. Die Transportflugzeuge vom Typ Boeing C-17 der US-Luftwaffe nutzen oft das Rufzeichen »Reach«, gefolgt von einer Zahlenkombination.

»Als Pilot der Luftwaffe ist es mein Traum, dass junge Kind namens Reach als US-Staatsbürgerin aufwachsen zu sehen und dass sie (später) Kampflugzeuge der US-Luftwaffe für die Luftwaffe fliegen wird«, sagte Wolters, der über Video ins US-Verteidigungsministerium zugeschaltet war. Zudem seien zwei weitere Säuglinge von Evakuierten im nahen Militärkrankenhaus in Landstuhl zur Welt gekommen, sagte er. Den Babys gehe es gut. Bei der Mutter des Babys Reach hatten am Samstag auf dem Flug aus dem Emirat Katar nach Deutschland die Wehen und gesundheitliche Beschwerden eingesetzt. Explosion noch verstärlkt

slü/tfb/jok/lau/svs/dpa/Reuters/AFP