Afghanistan-News am Mittwoch Niederländer verpassen Evakuierungsflug in Kabul wegen US-Militär

Chaos in Kabul: Mehrere niederländische Staatsangehörige wurden von US-Soldaten aufgehalten, als sie auf dem Weg zu ihrem Evakuierungsflugzeug waren. Und: Merkel bittet Biden um Hilfe bei Evakuierungen. Der Überblick.
US-Soldaten bewachen eine Absperrung am internationalen Flughafen

US-Soldaten bewachen eine Absperrung am internationalen Flughafen

Foto: - / dpa

Das waren die wichtigsten Entwicklungen zu Afghanistan am 18. August.

+++ Niederländer verpassen Evakuierungsflug in Kabul wegen US-Militär +++

20.50 Uhr: Bei den Evakuierungsflügen am Flughafen von Kabul ist es erneut zu chaotischen Szenen gekommen: Mehrere niederländische Staatsangehörige wurden vom US-Militär aufgehalten, als sie auf dem Weg zu ihrem Evakuierungsflug waren. Wie die niederländische Außenministerin Sigrid Kaag am Mittwoch mitteilte, erlaubten die US-Streitkräfte dem Flugzeug nur einen 30-minütigen Aufenthalt auf dem Rollfeld, dann musste es ohne die niederländischen Staatsangehörigen starten.

»Viele Menschen waren mit ihren Familien, mit ihren Kindern dort. Sie befanden sich am Eingang des Flughafens. Es ist schrecklich«, sagte Kaag der niederländischen Nachrichtenagentur ANP. Nur etwa 40 nicht-afghanische Staatsangehörige hätten das Flugzeug rechtzeitig erreichen können.

Ein niederländischer Staatsangehöriger afghanischer Herkunft sagte dem TV-Sender NOS , er habe das Gate, das »von den Amerikanern bewacht« wurde, nicht rechtzeitig erreicht. »Ich zeigte meinen Pass und sagte, ich sei Niederländer. Es war sehr laut, ich konnte den Amerikaner nicht gut hören.«

Nachdem er seine Bitte dreimal wiederholt habe, sei er aufgefordert worden, Abstand zu nehmen, sonst werde der US-Soldat schießen. »Ich beschloss, zu gehen. Ich wollte nicht riskieren, erschossen zu werden«, sagte der Mann.

Kaag kündigte an, sie werde Gespräche mit der US-Seite führen, um die Wiederholung eines solchen Vorfalls zu verhindern. »Wir setzen uns im europäischen Kontext weiterhin für eine bessere Koordination ein«, erklärte sie bei Twitter. Außerdem werde sie mit ihrem deutschen Kollegen Heiko Maas (SPD) über die Situation in Kabul sprechen, sagte Kaag der ANP.

Soldaten der US-Armee sichern den internationalen Flughafen Hamid Karzai in Kabul

Soldaten der US-Armee sichern den internationalen Flughafen Hamid Karzai in Kabul

Foto: ISAIAH CAMPBELL / AFP

Die Niederlande hatten am Mittwoch ihre ersten Staatsangehörigen evakuiert. Ein Flugzeug mit etwa 35 niederländischen, belgischen, deutschen und britischen Staatsangehörigen habe Kabul verlassen und sei auf dem Weg nach Tiflis, teilte das Verteidigungsministerium bei Twitter mit.

Pentagon-Chef: USA werden so viele afghanische Helfer ausfliegen wie »möglich«

23.10 Uhr: US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat zugesagt, so viele afghanische Ortskräfte aus Kabul auszufliegen wie möglich. »Wir werden jeden evakuieren, den wir physisch möglich evakuieren können«, sagte Austin am Mittwoch in seinen ersten öffentlichen Äußerungen seit dem Fall von Kabul und der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban am Sonntag. »Und wir werden diesen Prozess so lange fortführen, wie es uns möglich ist.«

Austin machte aber auch deutlich, dass die Uhr tickt: Die Evakuierungsaktion solle so lange laufen, »bis die Zeit ausläuft oder unsere Fähigkeiten auslaufen«, sagte der Verteidigungsminister. US-Präsident Joe Biden hat einen vollständigen Truppenabzug aus Afghanistan bis zum 31. August angeordnet.

USA fordern von Taliban ungehinderte Evakuierung

22.36 Uhr: Die USA fordern die Taliban auf, allen Ausländern und ausreisewilligen Afghanen ungehindert eine Evakuierung zu ermöglichen. »Uns liegen Berichte vor, wonach die Taliban entgegen ihren öffentlichen Erklärungen und ihren Zusagen gegenüber unserer Regierung Afghanen, die das Land verlassen wollen, daran hindern, den Flughafen zu erreichen«, sagt Vize-Außenministerin Wendy Sherman.

Die Vereinigten Staaten erwarteten aber, dass die Islamisten allen Ausländern und allen Afghanen, die das Land verlassen wollten, »dies sicher und ohne Schikanen ermöglichen«. US-Vertreter seien deswegen direkt mit den Taliban in Kontakt getreten. In den vergangenen 24 Stunden seien etwa 2000 weitere Menschen mit US-Militärmaschinen ausgeflogen worden. Die USA würden die Zahl der Konsularbeamten vor Ort in Kabul bis Freitag verdoppeln, umso viele Menschen wie möglich aus dem Land zu bringen, die von Repressalien der Taliban betroffen sein könnten.

Afghanistans geflüchteter Präsident Ghani will nicht im Exil bleiben

22 Uhr: Der aus Afghanistan geflüchtete Präsident Aschraf Ghani will eigenen Angaben zufolge nicht im Exil bleiben. Er sei in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), um ein Blutvergießen und eine Tragöde zu verhindern. Er sei aber in Gesprächen, nach Afghanistan zurückzukehren und seine Bemühungen für Gerechtigkeit im Land fortzusetzen, sagte Ghani in einer am Mittwoch auf Facebook veröffentlichten Videobotschaft.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Facebook, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Ghani hatte Afghanistan angesichts des rasanten Vormarsches der militant-islamistischen Taliban am Sonntagvormittag fluchtartig und ohne Erklärung verlassen. Danach waren die Taliban am Abend in die geschätzt 5,4 Millionen Einwohner zählende Hauptstadt Kabul eingerückt. Er gab an, er habe das Land so schnell verlassen müssen, dass er seine Hausschuhe nicht ausziehen und seine Stiefel nicht anziehen konnte. Er habe keines seiner wertvollsten Besitztümer mitnehmen können, weder seine Bücher noch einen persönlichen Laptop, »auf dem alles war«.

Ghani wies Vorwürfe zurück, dass er Gelder mitgenommen habe. Der afghanische Botschafter in Tadschikistan etwa hatte Ghani des Diebstahls von 169 Millionen Dollar (144 Millionen Euro) an staatlichen Mitteln beschuldigt. Die Vorwürfe seien völlig unbegründet und weit entfernt von der Wahrheit.

Pentagon: Inzwischen rund 4500 US-Soldaten am Flughafen Kabul

21.26 Uhr: Das US-Militär ist am Flughafen Kabul nach eigenen Angaben inzwischen mit rund 4500 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz. Das erklärte der Sprecher Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Mittwoch. Am Vortag waren es noch 3500 gewesen. Kirby sagte, im Laufe des Mittwochs könnten am Flughafen der afghanischen Hauptstadt noch ein paar Hundert Soldaten dazukommen.

In einigen Tagen sollen es dann bis zu 6000 Soldaten werden. Sie sollen die Sicherheit des Flughafens gewähren und unter anderem die Evakuierung von Amerikanern und früheren afghanischen Mitarbeitern der US-Streitkräfte organisieren.

Türkei schließt nicht aus, Flughafen in Kabul weiter zu sichern

20.14 Uhr: Die Türkei hat Gerüchte zurückgewiesen, zukünftig nicht mehr den Flughafen in Kabul sichern zu wollen. Auf die Frage, ob das Vorhaben nun vom Tisch sei, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu der Zeitung »Hürriyet« am Mittwoch: »Das zu sagen ist noch zu früh, weil es jetzt neue Umstände sind.« Verteidigungsminister Hulusi Akar sagte: »Wir haben gesagt, wenn die erforderlichen Bedingungen erfüllt werden, würden wir unsere Arbeit fortsetzen.«

Der Flughafen in Kabul wurde bisher unter anderem von türkischen Soldaten im Rahmen des Nato-Einsatzes in Afghanistan gesichert, teils wurde auch der Service für den Flugbetrieb bereitgestellt. Der sichere Betrieb des Flughafens galt zumindest bis zur Machtübernahme der Taliban – zusammen mit einer medizinischen Versorgung – als Voraussetzung dafür, dass Botschaften und internationale Vertretungen im Land bleiben können.

Nach dem blitzartigen Vormarsch der Taliban war an dem Flughafen Chaos ausgebrochen. Laut NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sind derzeit die Nato-Staaten Türkei, die USA und Großbritannien bei der Sicherung des Flughafens im Einsatz.

Sondersitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums zu Afghanistan

19.55 Uhr: Angesichts der Lage in Afghanistan trifft sich das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur an diesem Donnerstag um 9 Uhr zu einer Sondersitzung. Erwartet wurde, dass auch der Chef des für die Auslandsaufklärung zuständigen Bundesnachrichtendienstes, Bruno Kahl, an der Sitzung teilnehmen wird.

Es steht unter anderem die Frage im Raum, warum deutsche und ausländische Geheimdienste noch während des rasanten Siegeszugs der Taliban dessen Ausmaß und Tempo lange unterschätzten. Das aus neun Parlamentariern bestehende, geheim tagende Kontrollgremium überwacht für den Bundestag die Arbeit der deutschen Geheimdienste.

WHO fordert Fortsetzung der Hilfe für Afghanistans Gesundheitssystem

19.36 Uhr: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Mittwoch eine Fortsetzung der Hilfe für Afghanistan gefordert. Nachhaltige humanitäre Hilfe einschließlich medizinischer Hilfslieferungen sei für Millionen Afghanen eine »Lebensader« und dürfe nicht unterbrochen werden, erklärte die WHO. Das Gesundheitssystem in Afghanistan sei durch Monate der Gewalt und einen Mangel an Mitteln zum Kampf gegen die Coronapandemie angeschlagen.

Laut WHO wurden in den Monaten Januar bis Juli 26 medizinische Einrichtungen in Afghanistan angegriffen und zwölf Mitarbeiter des Gesundheitssystems getötet. Deutschland, Finnland und Schweden wollen vorerst keine Entwicklungshilfe mehr leisten.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen teilte am Mittwoch mit, dass sie ihre medizinischen Projekte in fünf afghanischen Provinzen fortsetzt. Zu den Standorten zählen Herat, Helmand, Kandahar, Chost und Kundus, in denen rund 2400 Mitarbeitende der Organisation arbeiten. Nach dem Ende der Kämpfe sei die Zahl der Patienten deutlich angestiegen, erklärte Ärzte ohne Grenzen. Insbesondere in regionalen Krankenhäusern in Kundus, Kandahar und Laschkar Gah werde eine hohe Zahl von Kriegsverletzten behandelt.

Gespräche der Bundesregierung mit Taliban noch ohne Ergebnis

19.15 Uhr: In ersten Gesprächen mit den militant-islamistischen Taliban über die Evakuierung afghanischer Ortskräfte hat die Bundesregierung zunächst keine Ergebnisse erzielt. »Wir haben bisher keine belastbaren Sicherheitszusagen, dass die Taliban afghanische Staatsangehörige frei zum Flughafen passieren lassen«, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas am Mittwochabend nach einer Sitzung des Krisenstabs der Bundesregierung in Berlin.

Maas hatte am Dienstag den Afghanistan-Experten Markus Potzel nach Doha im Golfemirat Katar geschickt, um mit Unterhändlern der Taliban über die Ortskräfte zu sprechen. Der Diplomat, der ursprünglich im August als neuer Botschafter nach Afghanistan entsandt werden sollte, führte am Mittwoch erste Gespräche, die nun am Donnerstag fortsetzt, werden sollen.

Merkel bittet Biden um Hilfe bei Evakuierungen

19 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel dringt bei US-Präsident Joe Biden darauf, möglichst vielen afghanischen Bürgerinnen und Bürgern, die Deutschland unterstützt haben, die Ausreise zu ermöglichen. Merkel habe am Mittwoch mit Biden telefoniert, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Beide hätten die »weitere enge Zusammenarbeit, auch zwischen der Bundeswehr und amerikanischen Sicherheitskräften am Flughafen Kabul« betont.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Zuvor hatten etliche Regierungen Probleme mit den US-Streitkräften angedeutet, die den Flughafen in Kabul kontrollieren. Merkel und Biden seien sich einig gewesen, möglichst viele schutzbedürftige Menschen auszufliegen, teilt der Sprecher mit. Zudem habe Merkel mit dem usbekischen Präsidenten Schawkat Mirsijojew telefoniert, um ihn für die logistische Unterstützung bei der Durchführung der deutschen Evakuierungsflüge zu danken. Am Dienstagabend habe sie zudem mit dem Präsidenten Pakistans, Imran Khan, und dem Emir von Katar, Tamim Al Thani, gesprochen.

Bundeswehr hat bislang 500 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen

18.51 Uhr: Die Bundeswehr hat bisher infolge der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan rund 500 Menschen aus der Hauptstadt Kabul ausgeflogen. Es habe bislang fünf Bundeswehrflüge von Kabul in die usbekische Hauptstadt Taschkent gegeben, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Mittwoch in Berlin. »Wir wollen das in den kommenden Tagen auch in der Quantität weiterführen. Es kann nur der Anfang sein.«

Deutschland und weitere Länder wollen laut Maas »so viele Menschen wie irgendwie möglich aus Afghanistan in Sicherheit bringen«. Noch am Mittwoch seien zwei weitere Transportflüge der Bundeswehr geplant. Außerdem bemühe sich Deutschland darum, Nahrungsmittel an den Flughafen von Kabul zu bringen, wo viele Menschen in der Hoffnung ausharren, das Land verlassen zu können.

Unter den bislang von der Bundeswehr nach Usbekistan gebrachten Menschen sind laut Maas neben deutschen auch zahlreiche Staatsbürger von Drittstaaten sowie Afghanen. Insbesondere für afghanische Ortskräfte, die für die Botschaft oder die Bundeswehr gearbeitet hatten, sei die Lage weiterhin unsicher. Es gebe bisher keine Anordnung der Taliban, »Ortskräfte zum Flughafen durchzulassen«.

Die Bundesregierung hatte deshalb am Dienstag den Diplomaten Markus Potzel in die katarische Hauptstadt Doha entsandt, um Gespräche mit Taliban-Repräsentanten zu führen. Potzel sei »in Doha eingetroffen« und habe erste Gespräche »auch mit Vertretern der Taliban« geführt, sagte Maas.

US-Streitkräfte feuern am Flughafen Warnschüsse ab

18.35 Uhr: US-Soldaten, die die Evakuierung aus Afghanistan auf dem Flughafen von Kabul bewachen, haben in der Nacht einige Schüsse in die Luft abgegeben, um die Menschenmenge unter Kontrolle zu bringen. Nach Angaben des Pentagon-Sprechers John Kirby gab keine Hinweise auf Verletzte.

»Es wurden einige Schüsse abgefeuert, vor allem im Bereich der Flugsteige. Wir gehen davon aus, dass zumindest einige dieser Schüsse von US-Personal auf der Flughafenseite als Maßnahmen zur Kontrolle der Menschenmenge und als nicht-tödliche Warnungen abgefeuert wurden«, sagte Kirby.

Wie Kirby auf einer Pressekonferenz mitteilte, hätten die amerikanischen Truppen nicht Afghanen oder andere Personen geschossen. Die Zahl der US-Soldaten auf dem internationalen Flughafen von Kabul habe am Mittwoch etwa 4.500 erreicht. In den nächsten 24 Stunden würden mehrere Hundert weitere erwartet.

»Wir haben nicht die Absicht, jemanden zu verletzen«

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters sollen auch einzelne Taliban-Kommandeure und -Kämpfer am Mittwoch in die Luft geschossen haben, um die Menschenmenge auf dem Kabuler Flughafen zu zerstreuen.

»Wir haben nicht die Absicht, jemanden zu verletzen«, sagte der Taliban-Beamte gegenüber Reuters. Das massive Chaos vor dem Flughafen dauere an. Verantwortlich dafür sei aus seiner Sicht der »chaotische Evakuierungsplan« der westlichen Streitkräfte.

Nato-Außenminister halten Freitag Sondersitzung zu Afghanistan ab

17.45 Uhr: Die Außenminister der Nato-Staaten wollen am Freitag eine Krisensitzung zur Situation nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan abhalten. Wie Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch auf Twitter  mitteilte, sollen die Minister bei der Videokonferenz über die »enge Koordination« und den »gemeinsamen Ansatz« des Militärbündnisses in dem Land diskutieren.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Am Dienstag hatten sich bereits die Botschafter der Nato-Länder zu einer Krisensitzung getroffen. Danach hatte Stoltenberg zugegeben, dass die Militärallianz vom schnellen Vormarsch der Taliban überrascht worden war. Er gab allerdings der afghanischen Führung um den nach Abu Dhabi geflohenen Präsidenten Aschraf Ghani die Schuld an der Niederlage. Dieser habe »es nicht geschafft, den Taliban die Stirn zu bieten«.

Die Taliban waren nach einem rasanten Eroberungsfeldzug am Sonntag in Kabul einmarschiert und damit knapp 20 Jahre nach dem Einmarsch westlicher Truppen in Afghanistan an die Macht zurückgekehrt. Zehntausende Menschen versuchen derzeit, aus dem Land zu fliehen, weil sie eine Rückkehr zu einer Herrschaft nach den drakonischen Regeln eines fundamentalistischen Islam fürchten, wie sie die Taliban bereits in den Jahren 1996 bis 2001 ausgeübt hatten.

Zuletzt hatten Menschenrechts- und Hilfsorganisationen die westlichen Regierungen aufgefordert, für eine sichere Ausreise aller gefährdeten Menschen aus Afghanistan zu sorgen. Wie Stoltenberg am Dienstag allerdings bekräftigte, haben alle Nato-Staaten die Entscheidung der USA zum Rückzug aus Afghanistan unterstützt und planten auch weiterhin, ihre Truppen abzuziehen.

BMI stellt Schätzung von fünf Millionen Flüchtlingen infrage

17.28 Uhr: Das Bundesinnenministerium (BMI) distanziert sich von der Schätzung, dass wegen der Machtübernahme der Taliban mit bis zu fünf Millionen afghanischen Flüchtlingen zu rechnen sein könnte. »Das ist nicht die Einschätzung des BMI«, sagte ein Ministeriumssprecher.

Informationen der Nachrichtenagentur dpa zufolge hatte Innenminister Horst Seehofer (CSU) bei einer Unterrichtung der Bundestags-Fraktionschefs am Montag selber gesagt, dass 300 000 bis fünf Millionen Afghanen die Flucht ergreifen könnten – ohne das klar wurde, woher diese Zahlen stammen und was das Ziel dieser Menschen ist.

Im Ministerium ist nun von »Hypothesen und Vermutungen« aus anderen Quellen die Rede. Eine Sprecherin betonte auf erneute Nachfrage, dass wegen der dynamischen Entwicklung derzeit »keine belastbare Prognose« zur Größenordnung der Migration möglich sei. »Das breite Spektrum an sehr unterschiedlichen Zahlen zeigt, dass es derzeit keine verlässlichen Zahlen oder Prognosen gibt.«

Merkel telefoniert mit usbekischem Präsidenten

17.20 Uhr: Wegen der Evakuierungsflüge aus Afghanistan hat Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Usbekistans Präsident Schawkat Mirsijojew telefoniert. Beide Seiten hätten betont, wie wichtig eine enge Abstimmung der Behörden bei den humanitären Flügen zur Evakuierung von Bürgern aus dem Nachbarland Afghanistan sei, teilte das Präsidialbüro am Mittwoch in der Hauptstadt Taschkent mit.

Deutschland nutzt die Hauptstadt der Ex-Sowjetrepublik als Drehkreuz. Dort landen Bundeswehr-Maschinen aus Kabul, bevor Chartermaschinen Menschen aus mehreren Ländern weiter nach Deutschland fliegen. Usbekistan gab für solche Flüge am Mittwoch auch seinen Flughafen Navoi im Süden des Landes frei.

Ehemaliger Nato-Generalsekretär: Afghanistan-Abzug schwächt Westen

16.47 Uhr: Der frühere Nato-Generalsekretär George Robertson sieht die transatlantische Militärallianz und den Westen durch den Verlauf des Truppenabzugs aus Afghanistan geschwächt. Zudem warnte er vor einer neuen Terror-Gefahr durch die Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in dem Land.

Es sei immer klar gewesen, dass die Nato-Truppen Afghanistan eines Tages verlassen müssten, so der Brite im Oberhaus in London. Dies hätte aber auf Bedingungen basierend und schrittweise stattfinden sollen. Er fügte hinzu: »Dieser chaotische und unorganisierte Rückzug wird die Nato und den Westen schwächen, er wird unsere Gegner stärken und er wird diejenigen Afghanen betrügen, die uns vertraut haben, vor allem Mädchen und Frauen.«

Nun müsse sich Großbritannien auf eine erhöhte Terrorgefahr vorbereiten, sagte Robertson. Es gelte auch, eine »regionale Koalition« mit den Nachbarländern Afghanistans aufzubauen, um die Taliban zur Rechenschaft zu ziehen und die Lehren aus der zu Ende gegangenen Mission zu ziehen.

Robertson war von 1999 bis 2004 Nato-Generalsekretär. In seine Amtszeit fielen die Invasion der von den USA geführten Koalition in Afghanistan 2001 und der Beginn der von der Nato geleiteten Mission Isaf in dem Land.

Präsident Ghani in Vereinigten Arabischen Emiraten

16.23 Uhr: Der vor den Taliban geflohene afghanische Präsident Aschraf Ghani hält sich samt seiner Familie in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf. Das bestätigte das Außenministerium des Golfstaates. Er werde »aus humanitären Gründen im Land willkommen geheißen«. Laut Angaben der russischen Botschaft in Kabul vom Montag war Ghani mit vier Wagen und einem Hubschrauber voller Geld aus Afghanistan geflohen.

Taliban-Vertreter treffen sich mit Karzai und Abdullah

15.33 Uhr: In Afghanistan haben sich Vertreter der militant-islamistischen Taliban mit anderen politischen Kräften getroffen. Demnach sprachen Ex-Präsident Hamid Karzai und der Leiter des Hohen Rates für Nationale Versöhnung Abdullah Abdullah mit dem hochrangigen Taliban-Mitglied Anas Hakkani. Ein Mitarbeiter Karsais teilte danach mit, es sei um Pläne und weitere Treffen gegangen, wenn die politische Führung der Taliban-Bewegung in Kabul eingetroffen sein werde. Das Treffen habe im Haus von Abdullah Abdullah in Kabul stattgefunden.

Treffen mit hochrangigen Taliban-Vetretern: Ex-Präsident Hamid Karzai (Dritter von links) und der Leiter des Hohen Rates für Nationale Versöhnung Abdullah Abdullah (Dritter von rechts)

Treffen mit hochrangigen Taliban-Vetretern: Ex-Präsident Hamid Karzai (Dritter von links) und der Leiter des Hohen Rates für Nationale Versöhnung Abdullah Abdullah (Dritter von rechts)

Foto: Taliban / AP

Erste Anti-Taliban-Proteste im Osten des Landes

15.15 Uhr: Im Osten Afghanistans kommt zu Protesten gegen die Taliban. Die Islamisten sollen mit Härte dagegen vorgehen. Die Nachrichtenagentur AP berichtet, dass ein Protest gewaltsam von den Taliban aufgelöst wurde. Den genauen Ort nennt die Agentur nicht.

Videos in sozialen Netzwerken  zeigen zudem, dass Dutzende Menschen sich in Jalalabad versammelt haben, um die afghanische Flagge zu hissen. Das Banner der Taliban, weiß mit schwarzer Schrift, wurde dabei heruntergeholt.

Spätere Videoaufnahmen zeigen, wie die Taliban in die Luft schossen und Menschen mit Schlagstöcken angriffen, um die Menge zu zerstreuen. Ein lokaler Gesundheitsbeamte sagte der Nachrichtenagentur AP, mindestens eine Person sei getötet und sechs weitere verletzt worden. Der Beamte war nicht berechtigt, mit Medien zu sprechen, und sprach daher unter der Bedingung der Anonymität.

Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtet über erste Todesopfer. Demnach seien bei Anti-Taliban-Protesten in Jalalabad mindestens drei Menschen getötet und mehr als ein Dutzend getötet worden. Das berichten zwei Augenzeugen und ein früherer Polizeivertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Auch aus der Stadt Khost gibt es Berichte über Proteste.

Augenzeuge: Statue eines früheren Hasara-Anführers in Bamijan geköpft

14.45 Uhr: Die Statue eines früheren Anführers der Minderheit der Hasara in der afghanischen Stadt Bamijan ist laut Angaben von Augenzeugen geköpft worden. Bei der Zerstörung sei Sprengstoff eingesetzt worden, sagte ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur AFP. Die Zerstörung galt einer Statue von Abu Ali Masari, der 1995 als Gefangener der Taliban getötet worden war.

»Wir wissen nicht, wer die Statue gesprengt hat, aber hier sind unterschiedliche Gruppen von Taliban, darunter solche, die für ihre Brutalität bekannt sind«, sagte der Augenzeuge. Ein anderer Anwohner erklärte, eine Gruppe von Taliban-Kämpfern habe die Statue mit einem Granatwerfer beschossen. »Die Statue ist zerstört und die Menschen sind traurig. Sie haben aber auch Angst.« Auch in sozialen Netzwerken wurden Bilder der zerstörten Statue verbreitet.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Taliban hatten 2001 weltweit für Empörung gesorgt, als sie die jahrhundertealten Kolossalstatuen des Buddhas im Bamijan-Tal sprengen ließen.

Die mehrheitlich schiitischen Hasara gelten den sunnitischen Extremisten als ketzerische Sekte. Immer wieder sind sie Ziel von Angriffen. Masari war 1995 damaligen Angaben zufolge der Taliban während einer Auseinandersetzung an Bord eines Hubschraubers getötet worden, der ihn und andere Gefangene der Taliban nach Kandahar bringen sollte.

WHO: Medizinische Not bei Flüchtenden in Afghanistan wächst

14.20 Uhr: Vor den Taliban in Afghanistan flüchtende Menschen sind in wachsender medizinischer Not. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtete, dass in Kliniken in Kabul und anderen afghanischen Städten immer mehr Fälle von Durchfallerkrankungen, Mangelernährung, Bluthochdruck und Corona-Symptomen aufträten. Dazu kämen vermehrt Schwangerschaftskomplikationen. Die WHO habe zwei mobile Gesundheitsteams bereitgestellt, aber der Einsatz müsse wegen der Sicherheitslage immer wieder unterbrochen werden.

Durch die vermehrten Kämpfe in den vergangenen Monaten sei die Zahl der konfliktbedingten Verletzungen deutlich gestiegen. 70 von der WHO unterstützte Kliniken behandelten im Juli fast 14.000 Betroffene, verglichen mit gut 4000 im Juli vergangenen Jahres. Es sei aber gelungen, unter anderem die nötigsten Präparate für die medizinische Grundversorgung für mehrere Tausend Menschen nach Kabul und Helmand zu liefern.

Die humanitäre Hilfe dürfe nicht unterbrochen werden, mahnte das für Afghanistan zuständige WHO-Regionalbüro in Kairo. Millionen Afghanen seien darauf angewiesen. Das ohnehin schwache Gesundheitssystem sei durch die jüngsten Kämpfe schon schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Von Januar bis Ende Juli seien 26 Kliniken angegriffen und zwölf Mitarbeitende getötet worden.

Laschet verspricht Garantie zur Aufnahme von Afghanen

13.59 Uhr: Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat für den Fall seiner Wahl die Aufnahme aller von Deutschland registrierten Ortskräfte und Vertreter der Zivilgesellschaft aus Afghanistan versprochen. Es gebe lange Listen solcher Menschen, die derzeit nicht nur in Kabul, sondern auch an anderen Stellen in Afghanistan seien, sagte Laschet bei einem Wahlkampfauftritt in Oldenburg. »Ich werde als Bundeskanzler eine Garantie abgeben, dass jeder, der sich auf diesen Namenslisten befindet, der sich für Deutschland engagiert hat, in Deutschland Aufnahme findet.«

Bislang 202 Afghanen bei Evakuierungsflügen dabei

13.38 Uhr: Bei ihren bisherigen Evakuierungsflügen aus Afghanistan hat die Bundeswehr bislang 501 Menschen ausgeflogen. Bei knapp der Hälfe, 202 Personen, handelt es sich um afghanische Staatsangehörige, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Dabei handele es sich sowohl um Ortskräfte wie auch um afghanische Angehörige Deutscher. Unter den Ausgeflogenen seien darüber hinaus 189 deutsche Staatsangehörige, sowie 110 Angehörige anderer Staaten.

Trittin attackiert Bundesregierung

13.20 Uhr: Die Opposition macht der Bundesregierung schwere Vorwürfe wegen der dramatischen Situation in Afghanistan. »Wir haben es mit einem kollektiven Versagen zu tun«, sagte der Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin vor einer Sondersitzung des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags. »Frau Merkel hat das getan, was sie am besten kann: nichts.« Innenminister Horst Seehofer habe die Flüchtlingsabwehr höher gewichtet als das Leben von Menschen. »Und Heiko Maas hat dafür die Berichte geliefert, schönfärberische Berichte über die Situation in Afghanistan.«

Iran befürchtet mehr Corona-Probleme durch afghanische Geflüchtet

12.49 Uhr: Eine neue Flüchtlingswelle aus dem Nachbarland Afghanistan könnte nach Ansicht des iranischen Gesundheitsministers die bereits akute Corona-Krise im Land noch weiter verschärfen. »Die Unruhen in Afghanistan und die eventuelle Flucht der Afghanen nach Iran könnte im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zu einer Gefahr werden«, sagte Minister Said Namaki laut der iranischen Nachrichtenagentur Isna. Es sei zu befürchten, dass die Flüchtlinge die Corona-Vorschriften nicht immer einhielten und somit die Zahl der Corona-Infektionen im Land noch weiter steigen könnten.

Iran befürchtet, wie nach der sowjetischen Invasion 1979, eine erneute Flüchtlingswelle aus Afghanistan. Eine Einreiseerlaubnis wie damals für Millionen afghanische Flüchtlinge kann sich das Land diesmal wegen der Corona-Pandemie und der Wirtschaftskrise nicht leisten. An den Grenzübergängen wurden daher Pufferzonen eingerichtet, wo die afghanischen Flüchtlinge vorerst geschützt sind, aber auch zeitnah in ihre Heimat zurückkehren können. Laut Innenministerium hat es bisher keinen Flüchtlingsstrom gegeben.

Länder fordern von Seehofer Aufnahmeprogramm für Geflüchtete

12.29 Uhr: Die Innenminister der Länder fordern Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) auf, ein gemeinsames Aufnahmeprogramm für Flüchtlinge aus Afghanistan vorzulegen. »Es wird nun schwer genug, die Menschen jetzt noch sicher aus Afghanistan herauszuholen«, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) dem SPIEGEL. »Um die Verfahren nicht weiter zu verkomplizieren, brauchen wir schnell ein Bundesaufnahmeprogramm. Der Bund hat hierfür alles in der Hand und kann auf dieser Grundlage Schutzbedürftige nach Deutschland holen.«

Er freue sich, dass seine Kolleginnen und Kollegen aus den Ländern das genauso sehen, sagte Pistorius weiter. Man fordere Horst Seehofer gemeinsam auf, ein Aufnahmeprogramm auf den Weg zu bringen. Konkret geht es um Afghanen, die für deutsche Entwicklungseinrichtungen, NGOs und ähnliche Initiativen arbeiten, aber auch Journalistinnen und Journalisten und Personen, die sich Menschen- und Frauenrechte einsetzen.

Hunderte Afghanen harren rund um Flughafen aus

12.12 Uhr: Nach der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban harren in Afghanistans Hauptstadt Kabul weiterhin Hunderte Menschen rund um den Flughafen aus. Das berichteten Augenzeugen der Nachrichtenagentur dpa. Kinder, Frauen und Männer hielten sich in den Straßen um das Flughafengelände auf. Viele hätten dort auch übernachtet.

Flughafen Kabul: Menschen warten darauf, evakuiert zu werden

Flughafen Kabul: Menschen warten darauf, evakuiert zu werden

Foto: - / AFP

Viele Afghanen versuchen aktuell, das Land zu verlassen. Allerdings ist der Flughafen nur eingeschränkt in Betrieb. Derzeit bemühen sich zahlreiche westliche Länder, ihre Staatsbürger und Ortskräfte, die Angst vor Racheaktionen der Taliban haben, aus Afghanistan in Sicherheit zu bringen. Unklar war, ob es neben Evakuierungsflügen auch wieder kommerzielle Flüge gab oder geben sollte.

In der Stadt kursieren fälschlicherweise Gerüchte, wonach alle, die es auf den Flughafen schaffen, auch evakuiert werden. Deshalb fahren viele Menschen dorthin. Sie versuchen über Sprengschutzmauern oder anderen Wegen, auf das Gelände zu kommen. Am Mittwoch hieß es, das US-Militär entscheide abhängig von der jeweiligen Lage über Öffnung und Schließung bestimmter Zugänge zum Flughafen.

Boris Johnson: Erneuter Nato-Einsatz in Afghanistan ist »Illusion«

11.57 Uhr: Das britische Parlament hat seine Sommerpause unterbrochen, um über die Lage in Afghanistan zu sprechen. Regierungschef Boris Johnson spricht sich gegen einen erneuten Nato-Einsatz in Afghanistan aus. »Ich halte es wirklich für eine Illusion zu glauben, dass bei einem unserer Partner Appetit auf eine fortgesetzte Militärpräsenz oder auf eine von der Nato entwickelte militärische Lösung in Afghanistan besteht«, sagte Johnson vor dem Parlament. Er glaube auch nicht, dass es eine Option sei, Zehntausende britische Soldaten in den Kampf gegen die Taliban zu schicken.

Afghanen nach Landung in Frankfurt auf Weg nach Hamburg

11.44 Uhr: Am frühen Mittwochmorgen ist eine Lufthansa-Maschine mit rund 130 Evakuierten aus Kabul gelandet. Nach der Landung werden alle Afghanen, die an Bord waren, nun in eine Aufnahmeeinrichtung nach Hamburg gebracht.

Dies teilte ein Sprecher der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen mit. Insgesamt handle es sich um eine Gruppe von 17 bis 19 Menschen mit afghanischem Pass. Zuständig sei nun das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Insgesamt waren etwa 130 Passagieren an Bord der Maschine – die meisten davon Deutsche oder Angehörige anderer Staaten, die ohne Formalitäten ein- oder weiterreisen konnten. Der Airbus 340 der Lufthansa kam aus Taschkent, der Hauptstadt von Usbekistan. Zuvor hatte ein Transportflugzeug der Bundeswehr die Menschen aus Afghanistans Hauptstadt Kabul ausgeflogen.

Bitte aus Nepal an Deutschland: Sicherheitsleute aus Kabul ausfliegen

11.30 Uhr: Nepal hat Deutschland und andere Länder gebeten, nepalesische Sicherheitsleute in Afghanistan in Sicherheit zu bringen. Rund 1500 Nepalesen hatten dort für Botschaften und Büros der Vereinten Nationen gearbeitet, sagte eine Sprecherin des nepalesischen Außenministeriums der Nachrichtenagentur dpa. Aus dem Auswärtigen Amt war zu hören, dass der für den Außenschutz des deutschen Botschaftsgeländes in Kabul beauftragte Sicherheitsdienstleister eine mittlere bis hohe zweistellige Zahl von nepalesischen Kräften eingesetzt hatte. Einige davon seien derzeit mit einer großen Gruppe anderer Nepalesen am Flughafen in Kabul.

Die Bundesregierung bemühe sich nach allen Kräften, deutsche Staatsangehörige, Ortskräfte und Schutzsuchende zu evakuieren, hieß es. Drei Flüge der Bundeswehr gab es bereits, weitere Flüge sollten am Mittwoch nach Möglichkeit folgen. Auch Staatsangehörige von internationalen Partnern würden dabei nach Möglichkeit und Kapazität berücksichtigt. Am Dienstag hatten die USA 118 Nepalesen aus Afghanistan in ihre Heimat gebracht.

Nepal ist Angaben der Vereinten Nationen zufolge eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Viele Menschen – besonders junge Männer – suchen deshalb Arbeit im Ausland, hauptsächlich im Nahen oder Mittleren Osten sowie in Indien. Sie sind dort etwa als Bauarbeiter, Hausangestellte, Sicherheitsleute oder Fabrikarbeiter tätig. Einen Teil ihres kleinen Einkommens schicken sie dann in die Heimat. Solche Geldrücksendungen machen gut ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts Nepals aus.

Habeck fordert lückenlose Aufklärung von Fehlern in Afghanistan

11.12 Uhr: Angesichts des Chaos bei der Rettung Deutscher sowie einheimischer Ortskräfte aus Afghanistan hat Grünen-Chef Robert Habeck eine lückenlose Aufklärung gemachter Fehler verlangt. »Die Aussagen der Bundesregierung, niemand habe vor der Situation gewarnt, wecken ernsthafte Zweifel«, sagte Habeck der »Rheinischen Post«. Die Verantwortung trügen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) und die Ministerien für Auswärtiges und Verteidigung.

Podcast Cover
__proto_kicker__
__proto_headline__

Auf die Machtübernahme der Taliban »hätte man sich vorbereiten können und müssen«, selbst wenn die Geschwindigkeit möglicherweise nicht absehbar gewesen sei, kritisierte der Grünen-Vorsitzende. Er verwies darauf, dass die Grünen bereits im Juni im Bundestag auf eine einfachere Aufnahme afghanischer Ortskräfte gedrängt hatten, was damals von Union und SPD zurückgewiesen wurde. Außenminister Heiko Maas (SPD) habe zudem nicht einmal Warnungen des eigenen Botschaftspersonals in Kabul ernst genommen.

Weiterer Evakuierungsflug in Kabul abgehoben

10.50 Uhr: Ein weiterer Evakuierungsflug hat den Flughafen von Kabul verlassen. Das teilte Außenminister Heiko Maas (SPD) auf Twitter mit. Der erste Flug am heutigen Mittwoch bringe demnach 176 Menschen außer Landes.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Bundeswehr hatte am Dienstagabend 139 Menschen aus der afghanischen Hauptstadt nach Taschkent ausgeflogen. An Bord des dritten Evakuierungsflugs befanden sich nach Angaben des Auswärtigen Amts »deutsche, andere europäische und afghanische Staatsbürger«.

131 Menschen, die zuvor aus Kabul in Sicherheit gebracht worden waren, landeten in der Nacht zu Mittwoch an Bord einer Lufthansa-Maschine in Frankfurt. Im Laufe des Tages waren nach Angaben vom Dienstag insgesamt vier Evakuierungsflüge nach Kabul geplant.

Todenhöfer für Verhandlungen mit Taliban

10.37 Uhr: Der Publizist Jürgen Todenhöfer hält nach dem faktischen Machtwechsel in Afghanistan Verhandlungen mit den militant-islamistischen Taliban für notwendig. »Ja, natürlich«, sagte Todenhöfer am Mittwoch im Deutschlandfunk auf eine entsprechende Frage. Jetzt sei die Stunde der Diplomatie. Deutschland mit seiner traditionellen Freundschaft zu dem Land sei besonders gefragt. »Jetzt brauchen wir kluge Diplomatie.« Todenhöfer begrüßte, dass der deutsche Botschafter in Afghanistan, Markus Potzel, im Golf-Emirat Katar mit Taliban-Vertretern sprechen will. Er fügte aber hinzu: »Er müsste nach Kabul.«

Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete, der immer wieder Krieg- und Krisengebiete bereiste, sieht eine »gewisse Chance«, dass die Taliban sich nicht an Afghanen rächen, die für ausländische Streitkräfte oder Organisationen tätig waren. »Keiner weiß es. Und jeder muss es hoffen«, sagte der 80-Jährige. Die Islamisten müssten Interesse an Stabilität haben. Sie hätten gesehen, dass ihre bisherige Strategie gegenüber der eigenen Bevölkerung eine Katastrophe gewesen sei.

Todenhöfer verwies darauf, dass Kabul 1996 zum Zeitpunkt der damaligen Machtübernahme durch die Taliban eine Stadt mit 500 000 Einwohnern gewesen sei. Heute sei Afghanistans Hauptstadt eine moderne Stadt mit fünf Millionen Menschen. Wenn die Taliban es nicht schafften, diese zu ernähren und dafür zu sorgen, dass die Kinder zur Schule und später auf Universitäten gehen könnten, verlören sie die Bevölkerung wieder, sagte Todenhöfer.

Britischer Armee-Chef ruft zu Geduld mit Taliban auf

10.26 Uhr: Der britische Armee-Chef Nick Carter ruft zur Geduld bei der Klärung des Verhältnisses zu den Taliban auf. Man müsse den Islamisten Zeit lassen bei der Bildung einer Regierung, sagt er der BBC. »Es kann sein, dass diese Taliban anders sind als die, an die sich die Menschen in den 1990er-Jahren erinnern.« In der ersten Herrschaftsperiode von 1996 bis 2001 waren die Taliban wegen ihrer Gewaltbereitschaft und einer fundamentalistischen Auslegung des Koran gefürchtet. Man müsse sich zudem vergegenwärtigen, dass die Taliban keine homogene Gruppe seien, sagt Carter. »Die Taliban sind eine Gruppe grundverschiedener Stammesangehöriger aus allen ländlichen Gebieten Afghanistans.«

Bundeskabinett billigt Evakuierungseinsatz der Bundeswehr

10.17 Uhr: Die Bundesregierung hat den Einsatz von bis zu 600 Bundeswehrsoldaten für die Evakuierungsaktion im afghanischen Kabul beschlossen. Das Kabinett billigte am Mittwoch den Entwurf für ein entsprechendes Bundestagsmandat, über das voraussichtlich in der kommenden Woche im Parlament abgestimmt werden soll. Der bereits seit Montag laufende Einsatz ist bis Ende September befristet. Mit dem Mandat wollen Regierung und Parlament nachträglich die rechtliche Grundlage dafür schaffen.

Der Bundestag muss jedem bewaffneten Einsatz der Bundeswehr zustimmen. In Ausnahmefällen ist das auch nachträglich möglich, vor allem, wenn Gefahr in Verzug ist. Das trifft nach Ansicht der Regierung auf die Evakuierung deutscher Staatsbürger und afghanischer Helfer von Bundeswehr und Bundesministerien zu.

»Die Entsendung bewaffneter deutscher Streitkräfte duldet keinen Aufschub«, heißt es in einem Begleitschreiben von Außenminister Heiko Maas (SPD) und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zum Mandatsentwurf, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. »Jedes weitere Zuwarten, bis der Deutsche Bundestag abschließend entschieden hat, könnte eine erfolgreiche Durchführung des Einsatzes der deutschen Kräfte infrage stellen oder jedenfalls deutlich erschweren und damit auch Leib und Leben der zu schützenden Personen gefährden.«

Italien richtet Luftbrücke nach Afghanistan ein

10.03 Uhr: Italien will ebenfalls eine Luftbrücke zur Evakuierung von Menschen aus Afghanistan einrichten. Das erste Flugzeug mit 85 Menschen an Bord – darunter frühere afghanische Mitarbeiter und ihre Familien – werde am Mittwoch am Flughafen Rom-Fiumicino landen, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Die Luftbrücke soll aus insgesamt sieben Maschinen bestehen. Vier Flugzeuge des Typs C-130J pendeln nach Angaben des Ministeriums zwischen Kabul und Kuwait. Von dort aus fliegen drei Flugzeuge vom Typ KC-767 weiter nach Italien.

Özdemir fordert Aufarbeitung von Afghanistan-Politik

09.46 Uhr: Der Grünen-Abgeordnete Cem Özdemir hat eine gründliche Aufarbeitung von Versäumnissen in der deutschen Afghanistan-Politik verlangt. Im Deutschlandfunk gab Özdemir Außenminister Heiko Maas (SPD) eine erhebliche Mitschuld an der aktuellen Entwicklung. Der Minister habe der eigenen Botschaft in Kabul und Experten der Bundeswehr nicht zugehört. »Maas hätte zuhören müssen«, sagte Özdemir. »Sich einfach mit dem Thema beschäftigen.« Er fügte hinzu: »Die Lageberichte, die das Auswärtige Amt schreibt, sind eben Wunschberichte und entsprechen nicht der Realität vor Ort.« Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, sagte im ARD-»Morgenmagazin«: »Dieses Zögern, dieses Zaudern, das ist eine Schande.«

Zugleich sprach sich der ehemalige Grünen-Vorsitzende dafür aus, mit den Flugzeugen der Bundeswehr nun noch möglichst viele Menschen aus Kabul auszufliegen. »Wir müssen jetzt pragmatisch sein«, sagte Özdemir. »Pragmatisch sein heißt: mit denen reden, die dort jetzt etwas zu sagen haben. Das ist die Hölle, aber sie ist so.« An diesem Mittwoch will der deutsche Botschafter in Afghanistan, Markus Potzel, im Golf-Emirat Katar mit Vertretern der militant-islamistischen Taliban sprechen.

Österreich lehnt Aufnahme afghanischer Flüchtlinge ab

09.39 Uhr: Österreich lehnt nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban eine Aufnahme weiterer Flüchtlinge aus Afghanistan ab. Es habe jetzt oberste Priorität, »mit den Nachbarländern von Afghanistan zu reden, damit Schutz und Hilfe in der Region sichergestellt ist«, sagte der österreichische Innenminister Karl Nehammer der »Welt«.

»Aber illegale Migration, die durch ein Dutzend sichere Länder verläuft, und wo sich Migranten ein Zielland einfach aussuchen, muss gestoppt werden«, betonte der Politiker der konservativen ÖVP. »Es gibt keinen Grund, warum ein Afghane jetzt nach Österreich kommen sollte.«

Österreich will den Worten Nehammers zufolge möglichst weiterhin an Abschiebungen von Afghanen festhalten. »Wenn Abschiebungen aufgrund der Grenzen, die uns die europäische Menschenrechtskonvention setzt, nicht mehr möglich sind, müssen wir als Europäische Union Alternativen andenken«, sagte er. »Abschiebezentren in der Region rund um Afghanistan wären eine Möglichkeit.« Er wolle diesen Vorschlag am Mittwoch bei den Beratungen mit seinen EU-Kollegen präsentieren.

Die Taliban waren am Sonntag nach einem rasanten Eroberungsfeldzug in Kabul einmarschiert und damit knapp 20 Jahre nach dem Einmarsch westlicher Truppen in Afghanistan an die Macht zurückgekehrt. Zehntausende Menschen versuchen derzeit, aus dem Land zu fliehen, weil sie eine Rückkehr zu einer Herrschaft nach den drakonischen Regeln eines fundamentalistischen Islam fürchten, wie sie die Taliban bereits in den Jahren 1996 bis 2001 ausgeübt hatten.

Taliban sollen fliehende Menschen in Kabul geschlagen haben

8.19 Uhr: Die militant-islamistischen Taliban hatten nach der Übernahme Kabuls eine friedliche Machtübernahme – und Fliehenden »sichere Wege« zum Flughafen – versprochen. Augenzeugen berichten nun jedoch von Angriffen auf flüchtende Menschen. Jake Sullivan, Nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, sagte in Washington, es habe »Vorfälle« gegeben, bei denen Menschen »zurückgedrängt oder gar geschlagen wurden«. Auch der britische »Guardian« berichtet unter Berufung auf Zeugen von Zwischenfällen. Demnach seien Schutzsuchende an von den Taliban errichteten Checkpoints abgewiesen worden.

Sullivan sagte, die US-Regierung wolle mit den Taliban Gespräche über die Evakuierung führen. »Wir sind besorgt, wie es weitergeht und sich in den kommenden Tagen entwickelt«, sagte er über die Zwischenfälle an den Checkpoints. Die Lage in Kabul ändere sich »von Stunde zu Stunde«.

Seit die Taliban die afghansiche Hauptstadt übernommen haben, ist es für Fliehende schwer geworden, zum Flughafen durchzukommen. Der Flughafen ist die einzige Möglichkeit, derzeit noch das Land zu verlassen.

Bidens Zustimmungswerte auf Tiefststand

7.09 Uhr: Einer Reuters/Ipsos-Umfrage vom Montag zufolge befürworten noch 46 Prozent der US-Bürger die Politik von Präsident Joe Biden. Das ist ein Rückgang von sieben Prozentpunkten und der tiefste Stand seit der Amtsübernahme im Januar. Für eine Fortsetzung des Militäreinsatzes in Afghanistan sind demnach 34 Prozent der Befragten. Doppelt so viele – 68 Prozent – sind der Meinung, dass der Krieg so oder so ein schlechtes Ende genommen hätte.

Migrationsforscher hält Seehofers Zahl für »aus der Luft gegriffen«

6.11 Uhr: Der Migrationsforscher Gerald Knaus hat massive Zweifel an der Prognose von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), dass nach der faktischen Machtübernahme der Taliban bis zu fünf Millionen weitere Afghanen die Flucht ergreifen könnten. »Es ist erstaunlich, woher diese Zahl kommen könnte, die ist aus der Luft gegriffen«, sagte der Experte von der Denkfabrik »European Stability Initiative« in der Sendung »RTL Direkt«.

Wie die Menschen das Land verlassen sollten, wenn alle Grenzen auch der Nachbarstaaten gesperrt seien, sei ihm schleierhaft. »Die Diskussion muss jetzt sein: Wie bringen wir die Leute, die wir retten wollen, heraus, statt über imaginäre Gespenster von Massenmigration zu reden, die in dieser Form nicht stattfinden wird«, so der Migrationsforscher, der das EU-Türkei-Flüchtlingsabkommen mit entwickelt hat.

Seehofer hatte nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa am Montag bei einer Unterrichtung der Bundestags-Fraktionschefs gesagt, er rechne nach der Machtübernahme der Taliban damit, dass 300.000 bis fünf Millionen weitere Afghanen die Flucht ergreifen. Einen Zeitraum nannte er demnach nicht. In der Vergangenheit haben insbesondere Nachbarländer wie Iran und Pakistan Flüchtlinge aus Afghanistan aufgenommen. Ein weiteres wichtiges Transit- und Zielland ist die Türkei.

Kramp-Karrenbauer will übrige Bundeswehreinsätze überprüfen

5.44 Uhr: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer will als Konsequenz aus dem Afghanistan-Einsatz die Auslandseinsätze der Bundeswehr überprüfen. »Wir müssen aus diesem Einsatz unsere Lehren ziehen. Deshalb werden wir die anderen Auslandseinsätze der Bundeswehr dahin gehend überprüfen, ob wir gut aufgestellt sind und was wir möglicherweise besser machen müssen«, sagte die CDU-Politikerin der »Rheinischen Post«.

Die Ministerin sprach angesichts der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban von »bitteren Bildern«. Sie rate daher, den Einsatz in Afghanistan genau zu analysieren. »Wir sollten dabei auch anerkennen, was die Bundeswehr in den letzten 20 Jahren geleistet hat«, betonte Kramp-Karrenbauer.

Die Ministerin rechtfertigte zugleich ihr Vorgehen in den vergangenen Tagen. »Wir haben so schnell reagiert, wie es ging. Mit Hochdruck und Tempo haben wir Kräfte für einen komplexen, gefährlichen Einsatz vorbereitet und nach Afghanistan geschickt«, sagte sie der Zeitung.

Drogenbeauftragte warnt nach Taliban-Übernahme vor Rauschgiftschwemme

5.05 Uhr: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, befürchtet nach der faktischen Machtübernahme der Taliban in Afghanistan eine Zunahme des Rauschgiftangebots in Europa. »Der Drogenanbau war und ist eine der zentralen Einnahmequellen der Taliban«, sagte die CSU-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. »Wir müssen damit rechnen, dass die Taliban den Drogenanbau in Zukunft nicht zurückfahren, sondern weiter ausbauen.«

Das werde »spürbare Auswirkungen« auf den internationalen Drogenmarkt und auch auf Deutschland haben, fügte sie hinzu. Afghanistan sei das weltweit größte Anbauland von Schlafmohn, der Grundlage von Heroin. Hinzu kämen in Afghanistan Drogenlabore, die zur Herstellung etwa von wie Crystal Meth geeignet seien.

DER SPIEGEL

US-Luftwaffe ermittelt nach tödlichem Chaos am Flughafen in Kabul

4.15 Uhr: Die US-Luftwaffe hat eine Untersuchung zu den tödlichen Vorfällen rund um den Abflug einer ihrer Maschinen am Flughafen in Kabul gestartet. Das teilte die US Air Force am Dienstag (Ortszeit) mit. Der Jet war am Montag vom Flughafen der afghanischen Hauptstadt gestartet, umringt von Hunderten Zivilisten auf dem Rollfeld.

Die Luftwaffe teilte nun mit, nach der Landung der Maschine in Katar seien »menschliche Überreste« im Fahrwerkschacht entdeckt worden. (Lesen Sie hier mehr)

Lufthansa-Maschine mit Evakuierten aus Kabul in Frankfurt gelandet

3.54 Uhr: In Frankfurt am Main ist am frühen Mittwochmorgen eine Lufthansa-Maschine mit rund 130 Evakuierten aus Kabul gelandet. Der Airbus 340 kam aus Taschkent in Usbekistan.

Die Bundesregierung hatte den Langstreckenjet gechartert. Die Lufthansa wird in Absprache mit der Bundesregierung auch Evakuierungsflüge aus Doha in Katar und möglicherweise auch aus anderen Anrainerstaaten Afghanistans anbieten, wie ein Sprecher am Dienstag sagte. Für die nächsten Tage sei eine noch unbekannte Zahl von Flügen geplant.

Erste evakuierte Mitarbeiter der Botschaft in Kabul waren bereits am Dienstag nach Deutschland zurückgekehrt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur landeten sie am Dienstagnachmittag mit einer Linienmaschine auf dem Berliner Flughafen Schönefeld. In der Nacht zu Montag waren sie unter den ersten 40 deutschen Staatsbürgern, die mit einem US-Flugzeug nach Doha im Golfemirat Katar ausgeflogen worden waren.

US-Militär fliegt mehr als 3200 Menschen aus Afghanistan aus

3.10 Uhr: Das US-Militär hat bislang mehr als 3200 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen. Allein am Dienstag seien mit 13 Flügen rund 1100 Menschen in Sicherheit gebracht worden, sagte ein Vertreter des Weißen Hauses, der anonym bleiben wollte. Die US-Luftwaffe kündigte eine Untersuchung der chaotischen Ereignisse am Flughafen von Kabul vom Montag an.

Zum Start der Evakuierungsflüge am Montag war es auf dem Flughafen von Kabul zu chaotischen Szenen gekommen. Tausende Menschen versuchten, an Bord von startenden Maschinen zu gelangen. Afghanische Medien berichteten, dass mehrere Menschen starben, als sie von startenden Flugzeugen herabfielen.

Dritte Bundeswehr-Maschine mit Evakuierten in Taschkent gelandet

2.35 Uhr: In der usbekischen Hauptstadt Taschkent ist in der Nacht zu Mittwoch die dritte Bundeswehr-Maschine mit aus Kabul evakuierten Deutschen und Ortskräften gelandet. Das teilte die Bundeswehr am frühen Mittwochmorgen via Twitter mit . »Von dort aus wird die Weiterreise der über 135 evakuierten Personen vorbereitet«, hieß es weiter. An diesem Mittwoch seien vier weitere Flüge nach Kabul vorgesehen, um einen am Vortag nicht durchgeführten Flug zu kompensieren. Momentan sei die Flughafenfeuerwehr in Kabul allerdings nicht verfügbar, daher könne die Stadt nicht angeflogen werden.

Am Dienstagabend hatte bereits Außenminister Heiko Maas (SPD) im »heute journal« des ZDF gesagt, eine weitere Maschine stehe bereit. Derzeit seien die Tore am Flughafen aber geschlossen, sobald sie geöffnet seien, werde der Betrieb fortgesetzt.

Laut Auswärtigem Amt werden die Menschen von Taschkent am Mittwoch mit der Lufthansa weiter nach Deutschland gebracht. Das Verteidigungsministerium teilte auf Twitter mit, nunmehr seien mehr als 260 Personen aus Afghanistan ausgeflogen worden. »Und wir evakuieren solange es geht weiter«, betonte das Ministerium.

UNHCR will in Afghanistan bleiben – mehr humanitäre Hilfe gefordert

1.00 Uhr: Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) will Afghanistan trotz der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban nicht verlassen. »Wir wollen im Land bleiben, weil die Menschen dort jetzt mehr denn je Hilfe brauchen«, sagte die UNHCR-Vertreterin in Deutschland, Katharina Lumpp, der »Welt«. Gemeinsam mit anderen humanitären Organisationen wolle man – »im Einklang mit humanitären Grundsätzen der Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit« – weiter humanitäre Hilfe leisten.

Das UNHCR konzentriere sich dabei auf die Unterstützung von Vertriebenen und anderen Menschen in Not, solange man Zugang zu ihnen habe und so gut man das in dieser schwierigen, sich ständig verändernden Situation könne. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks arbeiten derzeit rund 200 Mitarbeiter in Afghanistan. »Da der Bedarf an humanitärer Hilfe enorm gestiegen ist und voraussichtlich noch weiter steigen wird, brauchen die Menschen mehr internationale Unterstützung«, mahnte Lumpp.

Biden und Johnson vereinbaren virtuelles G7-Treffen

Joe Biden und Boris Johnson (l./Archivbild)

Joe Biden und Boris Johnson (l./Archivbild)

Foto: WPA Pool / Getty Images

0.20 Uhr: Nach einem Telefonat mit dem britischen Premierminister Boris Johnson will US-Präsident Biden kommende Woche ein virtuelles Treffen der G7-Staats- und Regierungschefs aufsetzen, um das Vorgehen in Bezug auf die Lage in Afghanistan abzustimmen. Die beiden Staats- und Regierungschefs »erörterten die Notwendigkeit einer fortgesetzten engen Koordinierung zwischen Verbündeten und demokratischen Partnern in Bezug auf die künftige Afghanistan-Politik, einschließlich der Möglichkeiten, wie die globale Gemeinschaft weitere humanitäre Hilfe und Unterstützung für Flüchtlinge und andere gefährdete Afghanen leisten kann«, teilt das Weiße Haus mit.

Appell der Welthungerhilfe: Entwicklungshilfe für Afghanistan fortsetzen

0.05 Uhr: Die Welthungerhilfe hat die Bundesregierung aufgefordert, die Entwicklungshilfe für Afghanistan nach der faktischen Machtübernahme der Taliban nicht komplett einzustellen. »Deutschland steht auch nach dem überhasteten Rückzug in der Verantwortung, das Leid der Menschen in Afghanistan zu lindern«, sagte der Generalsekretär der Organisation, Mathias Mogge, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Regierung müsse ausreichend Mittel für die Fortführung von lebensrettender humanitärer Hilfe bereitstellen. »Die afghanische Bevölkerung braucht unsere Hilfe. Dort spielt sich eine humanitäre Katastrophe ab«, betonte Mogge. Nach seinen Angaben haben 13 Millionen Menschen in Afghanistan nicht genug zu essen. Allein drei Millionen Kinder seien mangelernährt.

Die Bundesregierung hat die Hilfsgelder für Afghanistan eingefroren. »Was die Entwicklungshilfe angeht, aber genauso unsere Stabilisierungsmaßnahmen, haben wir diese Mittel jetzt erst einmal eingefroren«, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Dienstag nach einer Sitzung des Krisenstabes der Bundesregierung in Berlin. Man wolle sich zunächst die weitere Entwicklung in Afghanistan ansehen.

(Behalten Sie den Überblick: Jeden Werktag gegen 18 Uhr beantworten SPIEGEL-Autorinnen und -Autoren die wichtigsten Fragen des Tages. »Die Lage am Abend« – hintergründig, kompakt, kostenlos. Hier bestellen Sie Ihr News-Briefing als Mail.)

jok/aar/mrc/als/cte/asc/kim/dpa/AFP/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.

Abonnieren bei

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.