»Terrororganisation mit Luftwaffe« Grünenpolitiker warnt vor Zahlungen an die Taliban

Die AfD kann sich eine Kooperation mit den Taliban vorstellen, Grünenexperte Omid Nouripour warnte nun mit Blick auf das Kampfgerät der Islamisten dringend vor Zahlungen. Stattdessen schlug er eine andere Form der Kooperation vor.
Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour

Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Die Taliban buhlen um Anerkennung aus dem Westen – und um finanzielle Unterstützung. Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid hatte nach der Machtübernahme bereits Gelder und humanitäre Hilfe von Deutschland gefordert, AfD-Chef Tino Chrupalla kann sich vorstellen, die Islamisten rasch anzuerkennen. Nun warnt der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour vor Zahlungen an die von den radikalislamischen Taliban geführte neue afghanische Regierung.

»Die Taliban haben in der Schlacht um das Pandschir-Tal bewaffnete Drohnen eingesetzt. Die haben Flugzeuge am Boden – wenn sie Geld haben für Leute, die die warten und tanken, dann werden sie auch fliegen«, sagte Nouripour am Freitag dem SWR . Damit habe man »das erste Mal in der Geschichte eine Terrororganisation mit einer Luftwaffe«.

Unter diesen Umständen sei es »keine gute Idee«, den Taliban Geld zu geben, warnte Nouripour. Zwar sei es richtig mit den Taliban zu sprechen. Es müsse aber eine Zusammenarbeit sein »wie mit Geiselnehmern«, sagte der Grünenpolitiker. Dabei solle es darum gehen, wie man noch Leute aus Afghanistan herausbekommen könne.

Nouripour warnt vor Rückkehr in die Neunziger

»Die Taliban wollen das Land wieder in die Neunzigerjahre zurückversetzen, als die Frauenrechte nicht gegolten haben und die Menschenrechte mit Füßen getreten wurden«, sagte der Grünenpolitiker. Er schlug vor, für das Land eingeplante internationale Hilfsgelder den Uno-Organisationen zugutekommen zu lassen, die noch in Afghanistan arbeiten, zum Beispiel für Schutzsuchende oder die Gesundheitsversorgung. Diese Organisationen seien chronisch und massiv unterfinanziert und personell schlecht ausgestattet.

DER SPIEGEL

Die Taliban hatten in Afghanistan noch vor dem vollständigen Abzug der Nato-Truppen die Macht zurückerobert. Außenminister Heiko Maas hatte zunächst angekündigt, den Islamisten »keinen Cent« zuzuschicken, später sagte er eine mögliche Kooperation unter gewissen Umständen zu. Ein weiteres Engagement Deutschlands in Afghanistan sei vom weiteren Verhalten der militanten Islamisten abhängig. »Die Verkündung einer Übergangsregierung ohne Beteiligung anderer Gruppen und die gestrige Gewalt gegen Demonstrantinnen und Journalisten in Kabul sind nicht die Signale, die dafür optimistisch stimmen«, sagte Maas.

mrc/AFP
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