Afghanistan Präsident Ghani akzeptiert von Taliban vorgeschlagene Waffenruhe

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan sollen die Waffen in Afghanistan ruhen - allerdings nur für drei Tage. Darauf haben sich die Regierung und die Taliban geeinigt.
Ashraf Ghani: "Ich begrüße die Ankündigung einer Waffenruhe durch die Taliban"

Ashraf Ghani: "Ich begrüße die Ankündigung einer Waffenruhe durch die Taliban"

Foto: Chen Xin/ imago images/Xinhua

Die afghanische Regierung und die militant-islamistischen Taliban haben sich auf eine dreitägige Waffenruhe verständigt. Nach der überraschenden Ankündigung der Islamistenmiliz, von Sonntag an sämtliche Angriffe vorübergehend einzustellen, kündigte Präsident Ashraf Ghani am Samstagabend an, die afghanische Armee werde ebenfalls eine dreitägige Kampfpause einhalten.

"Ich begrüße die Ankündigung einer Waffenruhe durch die Taliban", schrieb Ghani auf Twitter. Im Fall eines Angriffs werde sich die Armee aber verteidigen.

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Die Taliban hatten zuvor angekündigt, während der bevorstehenden Eid-al-Fitr-Feiertage auf "offensive Operationen gegen den Feind" zu verzichten. Mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens wird von Sonntag an das Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan gefeiert.

Kämpfer sollen sich bei Angriffen verteidigen

Die Taliban wiesen ihre Anhänger an, nicht in Gebiete des "Feindes" vorzudringen. Genauso wolle man "die andere Seite" nicht in die kontrollierten Gebiete lassen. Die Kämpfer sollten sich jedoch bei Angriffen verteidigen.

Am 29. Februar hatten die USA mit den Taliban ein Abkommen unterzeichnet, das einen schrittweisen Abzug internationaler Truppen vorsieht. Die Regierung in Kabul war nicht daran beteiligt, weil die Taliban direkte Gespräche mit ihr abgelehnt hatten. Der Deal sieht einen Gefangenenaustausch vor und soll den Weg für Friedensgespräche ebnen.

Der Konflikt in Afghanistan drohte aber nach einer Anschlagsserie jüngst zu eskalieren. Präsident Ghani hatte nach Anschlägen auf eine Klinik sowie eine Trauerfeier mit Dutzenden Toten am 12. Mai erneute Offensiven gegen Terrorgruppen angekündigt. Die Taliban interpretierten dies als Kriegserklärung. Die UN-Mission in Afghanistan rief zu einer Waffenruhe und zur Reduzierung von Gewalt auf. Seit rund einer Woche ist zwar ein innenpolitischer Streit in Kabul nach Monaten beigelegt, doch der Konflikt geht weiter.

Stoltenberg: "Gelegenheit für Frieden nutzen"

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte zur Waffenruhe: "Alle Parteien sollten diese Gelegenheit für Frieden nutzen - zugunsten aller Afghanen." Der US-Gesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, sprach von einer "wichtigen Chance". Die Waffenruhe stelle eine Gelegenheit dar, dem Friedensprozess neuen Schwung zu geben, schrieb Khalilzad auf Twitter.

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Nun müssten "sofort" die nächsten Schritte eingeleitet werden: die vereinbarte Freilassung von Taliban-Gefangenen, eine Reduzierung der Gewalt und das Festlegen eines Starttermins für innerafghanische Friedensverhandlungen, schrieb Khalilzad. Obwohl der Prozess weiter vor "schwierigen Herausforderungen" stehe, könnten diese gemeistert werden, solange die Anführer beider Seiten das Interesse des afghanischen Volkes in den Vordergrund stellten.

Bereits vor zwei Jahren verkündeten die Taliban während des Fastenmonats Ramadan eine Waffenruhe. Damals kam es zu ungewöhnlichen Bildern und Treffen zwischen Aufständischen sowie Regierungstruppen. Es war die erste Waffenruhe nach 17 Jahren bewaffneten Aufstands und weckte damals Hoffnung auf Versöhnung.

kko/dpa/AFP