Seit zwei Wochen vermisst Sechs Teilnehmende nach Frauenrechtsdemo in Afghanistan spurlos verschwunden

Schleierpflicht für Journalistinnen, Fahrverbote, fehlender Zugang zu Bildung: Seit die Taliban an der Macht sind, verschlimmert sich die Lage für Frauen im Land. Nun schlägt die Uno nach mehreren Vermisstenfällen Alarm.
Frauen in Kabul warten vor einer Bäckerei auf die Essensausgabe

Frauen in Kabul warten vor einer Bäckerei auf die Essensausgabe

Foto: ALI KHARA / REUTERS

Als die Taliban vergangenen Sommer wieder die Macht in Afghanistan übernahmen, warnten viele vor der Errichtung eines neuen islamistischen Regimes. Die Machthaber selbst gaben sich gemäßigt, versprachen die Achtung von Frauenrechten. Nun mehren sich die Meldungen, dass das Leben für Frauen im Land immer gefährlicher wird.

So gelten laut dem Uno-Hochkommissariat für Menschenrechte mehrere Teilnehmende nach einer Demonstration für die Einhaltung der Menschenrechte von Frauen als vermisst. Die Demo fand bereits vor zwei Wochen statt, seither fehlt von den sechs Menschen jede Spur. Das Menschenrechtskommissariat mit Sitz in Genf äußerte sich entsprechend besorgt: Die Behörden hätten zwar eine Untersuchung versprochen, aber fünf Frauen und ein Mann seien immer noch verschwunden.

Der Uno-Organisation zufolge wurden am 19. Januar eine Frau und deren Schwager, die an dem Protest teilgenommen hatten, in Kabul entführt. Am selben Tag seien in der Hauptstadt vier Schwestern aus einem Haus geholt worden. Es gebe Berichte, dass nach weiteren Teilnehmerinnen gesucht werde. Das verursache ein Klima der Angst. Das Uno-Büro erhalte zudem glaubhafte Berichte über Folter und Misshandlungen von Aktivisten und Medienmitarbeitern sowie früheren Angestellten der Regierung oder der Sicherheitskräfte.

Frauen aus der Öffentlichkeit verdrängt

Das Uno-Menschenrechtsbüro verlangte die Freilassung der Festgehaltenen und die Verfolgung von Tätern, die Menschen wegen ihrer früheren Tätigkeit oder Meinungsäußerungen misshandeln oder foltern.

In Afghanistan sind seit Mitte August wieder die militant-islamistischen Taliban an der Macht. Menschenrechtsorganisationen beklagen seither einen rasanten Rückgang bei den Frauenrechten. Zuletzt hatten die militant-islamistischen Taliban Taxifahrer angewiesen, auf längeren Fahrten keine Frauen zu befördern, die ohne männliche Begleitperson reisen wollten oder nicht verschleiert seien.

Die Anordnung ist ein weiterer Schritt, Frauen aus der Öffentlichkeit zu verdrängen und ihnen ein selbstständiges Leben zu erschweren. Erst vor wenigen Wochen hatte das Ministerium afghanische Fernsehsender aufgefordert, keine Dramen und Seifenopern mit Darstellerinnen mehr zu zeigen. Das Ministerium hatte zudem Fernsehjournalistinnen aufgefordert, bei ihren Auftritten einen Hidschab zu tragen.

mrc/dpa
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