Afghanistan Taliban fordern von Deutschland diplomatische Anerkennung und finanzielle Hilfen

Die Taliban haben Afghanistan im Handstreich übernommen, nun formen die Islamisten ihre Regierung – und hoffen auf Unterstützung vom verhassten Westen. Den Deutschen vergebe man ihre Nähe zu den USA, sagte ein Sprecher.
Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid

Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid

Foto: Rahmat Gul / dpa

Kurz bevor die Taliban in Afghanistan die Macht übernahmen, drohte Außenminister Heiko Maas (SPD), dann »keinen Cent mehr« aus Deutschland zu schicken. Nun haben die Islamisten die Regierungsgeschäfte in Kabul übernommen – und buhlen um weitere Unterstützung. »Wir wollen starke und offizielle diplomatische Beziehungen zu Deutschland«, sagte Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid der »Welt am Sonntag«.

Demnach wünschen sich die Taliban von Berlin ebenso wie von anderen Ländern finanzielle Unterstützung, humanitäre Hilfe und Kooperation bei Gesundheit, Landwirtschaft und Bildung.

Die Deutschen seien in Afghanistan immer willkommen gewesen, sagte Mudschahid der Zeitung. Schon zu Zeiten des Königreichs vor etwa hundert Jahren hätten die Deutschen in Afghanistan viel Gutes bewirkt. »Leider haben sie sich dann den Amerikanern angeschlossen. Aber das ist jetzt vergeben«, sagte Mujahid.

Drehkreuz Doha

Deutschland ist auf Gespräche mit den Taliban angewiesen, weil es nach dem Ende der militärischen Evakuierungsaktion die Ausreise weiterer Schutzsuchender aus dem Land ermöglichen will. Bundesaußenminister Heiko Maas hatte vor wenigen Tagen gesagt: »Wenn es politisch möglich wäre und wenn die Sicherheitslage es erlaubt, dann sollte auch Deutschland in Kabul wieder eine eigene Botschaft haben.« Der SPD-Politiker betonte aber auch, dass eine diplomatische Vertretung keine Anerkennung einer Taliban-Regierung bedeute.

DER SPIEGEL

Die Bundesregierung hatte nach dem Siegeszug der Taliban die Botschaft in Kabul geschlossen. Markus Potzel, Sonderbeauftragter der Bundesregierung für Afghanistan, wurde ins katarische Doha entsandt, um dort Gespräche mit den Islamisten zu führen. In der Hauptstadt des Golfemirats haben die Taliban ihr politisches Büro, das quasi als Außenministerium fungiert. Allerdings sind schon die ersten Taliban-Vertreter aus Doha nach Afghanistan zurückgekehrt. Daher gibt es die Überlegungen, wie man den kurzen Draht zu den neuen Machthabern aufrechterhalten kann.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde Markus Potzel als Botschafter in Afghanistan bezeichnet. Er fungiert derzeit als Sonderbeauftragter der Bundesregierung für Afghanistan.

mrc/dpa
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