Seit Machtübernahme im August Taliban-Innenminister Hakkani zeigt erstmals öffentlich sein Gesicht

Bisher war sein Gesicht bei Fernsehübertragungen immer unkenntlich gemacht worden: Nun hat sich Siradschuddin Hakkani, Innenminister der Taliban, zum ersten Mal vor Medien gezeigt.
Siradschuddin Hakkani Anfang März 2022

Siradschuddin Hakkani Anfang März 2022

Foto: WAKIL KOHSAR / AFP

Der Innenminister der afghanischen Taliban, Siradschuddin Hakkani, hat während einer öffentlichen Zeremonie erstmals seit der Machtübernahme im vergangenen August sein Gesicht gezeigt. Hakkani, der als »globaler Terrorist« auf der Fahndungsliste der USA steht, nahm an der Abschlussfeier für einige Hundert frisch ausgebildete afghanische Polizisten an der Akademie in Kabul teil, die von lokalen TV-Sendern übertragen wurde. Bisher war sein Gesicht auf den Bildern, die die Taliban-Behörden von seinen offiziellen Treffen veröffentlichten, unscharf gemacht worden.

In seiner Rede sagte er den Polizisten, er zeige sich vor den Medien, um Vertrauen zu schaffen, dass die Taliban ihre Versprechen erfüllten. Dazu gehöre insbesondere, die Sicherheitskräfte der vorherigen Regierung nicht zu bedrohen. Die Taliban hielten sich an das mit den USA unterzeichnete Doha-Abkommen, fügte er hinzu. Die Welt werde nicht von Afghanistan bedroht, und die Taliban kämpften für die Freiheit des Landes.

In den letzten Wochen sind die Taliban wieder gewaltsam gegen die Bevölkerung vorgegangen. EU-Botschafter Andreas von Brandt schrieb auf Twitter: »Die Einschüchterungen, Hausdurchsuchungen, Verhaftungen und die Gewalt gegen Angehörige verschiedener ethnischer Gruppen und Frauen sind Verbrechen und müssen sofort aufhören. Trotz Putins Krieg beobachten wir euch!«

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Das US-Außenministerium hat eine Belohnung von bis zu zehn Millionen Dollar  für Hinweise ausgesetzt, die zu Hakkanis Verhaftung führen. Laut FBI wird Hakkani gleich im Zusammenhang mit zwei Verbrechen 2008 zur Vernehmung gesucht: Der Planung des Attentats auf den afghanischen Präsidenten Hamid Karzai sowie einem Anschlag auf ein Hotel in Kabul im Januar 2008, bei dem auch ein US-Bürger ums Leben gekommen sei. Außerdem soll er mutmaßlich an Anschlägen gegen die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und deren Koalitionsmächten beteiligt gewesen sein.

Im Sommer 2021 waren das US-Militär und alle anderen internationalen Truppen aus Afghanistan nach 20 Jahren abgezogen. Die militant-islamistischen Taliban dehnten zeitgleich ihre Macht mit der Eroberung immer zahlreicherer Bezirke schnell aus und übernahmen am 15. August nach der Flucht des damaligen Präsidenten Aschraf Ghani praktisch kampflos die Hauptstadt.

Bis Samstag war es den Medien nie erlaubt worden, Hakkani zu filmen. Er ist zugleich Anführer des immer noch aktiven Hakkani-Netzwerks innerhalb der Taliban. Die berüchtigte Gruppe wird verdächtigt, seit 2007 für einige der tödlichsten Angriffe auf Zivilisten und US-Truppen in Afghanistan verantwortlich zu sein. Beispielsweise für einen Bombenanschlag im Mai 2017, bei dem 150 Menschen getötet wurden.

kim/dpa

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