Gefahr für Friedensgespräche Viele Tote und Verletzte bei Luftschlag in Afghanistan

Bei einem Luftschlag der afghanischen Armee sind offenbar zahlreiche Taliban-Kämpfer und Zivilisten ums Leben gekommen. Der Zwischenfall könnte die gerade begonnenen Friedensgespräche gefährden.
Afghanische Militärs in der Provinz Kundus (im März): Fast täglich kommt es im ganzen Land zu tödlichen Zwischenfällen

Afghanische Militärs in der Provinz Kundus (im März): Fast täglich kommt es im ganzen Land zu tödlichen Zwischenfällen

Foto: STR / AFP

Erst vor einer Woche hat die Regierung Afghanistans in der katarischen Hauptstadt Doha ihre Friedensgespräche mit den radikalislamischen Taliban aufgenommen. Bisher verlaufen die Verhandlungen jedoch schleppend, beide Parteien konnten sich noch nicht einmal auf eine Agenda für die Gespräche einigen. Eine humanitäre Waffenruhe ist eine der zentralen Forderungen der Kabuler Regierung.

Nun könnte ein militärischer Zwischenfall den fragilen Verhandlungsbeginn noch weiter behindern. Laut Regierungsangaben hat die afghanische Armee am Samstag bei Luftangriffen mehr als 30 Taliban-Rebellen getötet, darunter zwei Kommandeure der Miliz. Die Aufständischen hätten zuvor Stellungen der Armee im Bezirk Chan Abad in der nördlichen Provinz Kundus angegriffen, teilte das afghanische Verteidigungsministerium über Twitter mit. Die Armee habe den Angriff mit "aktiver Verteidigung" abgewehrt.

Die Taliban erklärten hingegen, von ihren Kämpfern sei bei dem Luftschlag keiner getötet worden, dafür allerdings 23 Zivilisten. Das Verteidigungsministerium erklärte dazu, es sei über diesen Vorwurf informiert und werde Ermittlungen aufnehmen. Bestätigen wollte die Regierung den Tod der Zivilisten laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters bisher nicht.

Der Direktor des örtlichen Krankenhauses, Naim Mangal, sagte der Nachrichtenagentur AFP, in seine Klinik seien drei tote und drei verletzte Zivilisten eingeliefert worden. Fatima Aziz, eine Parlamentsabgeordnete aus Kunduz, sagte Reuters, der erste Luftschlag habe die Taliban-Basis getroffen, der zweite habe jedoch die zivilen Opfer gefordert, da sie sich an der Einschlagstelle versammelt hätten. Aziz gab an, dass elf Zivilisten getötet worden seien, fünf weitere würden noch vermisst.

Ein Augenzeuge sprach gegenüber Reuters von zwölf getöteten Zivilisten, darunter auch Kinder, sowie 18 Verletzten. Auch mehrere Taliban seien bei den Luftangriffen ums Leben gekommen. Wie viele, sagte der Zeuge jedoch nicht.

Kurz vor den Angriffen hatte der afghanische Präsident Aschraf Ghani die Taliban erneut zu einer Waffenruhe aufgerufen, "um unser Volk zu schützen, Gewalt und terroristischen Taten vorzubeugen und einen würdigen und dauerhaften Frieden zu erreichen". Die Friedensgespräche in Doha sind das Ergebnis eines im Februar geschlossenen Deals zwischen den Taliban und der USA, der auch den Abzug aller ausländischen Militärkräfte in Afghanistan bis Mai 2021 vorsieht.

bor/AFP/Reuters
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.